Frage von Fuchssprung, 95

Hormone steuern die Gefühle von Mensch und Tier?

Ich habe gelesen dass Hormone viele unserer Gefühle steuern. Jetzt hat man die gleichen Hormone bei vielen Tieren gefunden. Demnach werden also auch die Tiere von ihren Hormonen geleitet und sie haben Gefühle wie wir. Meine Frage ist jetzt, welche Gefühle Tiere empfinden? Liebe? Zorn? Trauer? Angst?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Dackodil, 45

So, wie unser Körper nicht einfach vom Himmel gefallen ist, so sind auch unsere Gefühle nicht erst mit uns in die Welt gekommen.

Beim Körper sieht man die Parallelen. Der Oberschenkel eines Menschen und eines Hundes ähneln sich so, daß es gar kein Vertun gibt bei der Erkenntnis, das hat den selben Ursprung.
Auch Fossilien beweisen immer wieder, wir sind vom gleichen Stamm.
Der Flügel eines Archaeopteryx ist unschwer in den Flügeln unserer heute lebenden Vögel wieder zu erkennen und das Flügel und unser Arm verwandt sind ist auch klar.

Bei den Gefühlen liegt es nicht so klar vor Augen. Aber wenn unsere Körper sich eindeutig aus gleichen Strukturen entwickelt haben, wieso sollte das bei den Gefühlen anders sein?

Wenn bei allen Tieren bei Streß Cortisol ausgeschüttet wird um eine fight or flight Reaktion zu ermöglichen, werden wohl auch die dabei subjektiv empfundenen Gefühle sehr, sehr ähnlich sein.

Wenn eine Hamstermutter todesmutig ihr Junges gegen einen Hund verteidigt werden ihre Gefühle dem einer Menschenmutter, die ihr Kind in Gefahr sieht, nicht unähnlich sein.
Das wunderbare Gefühl ein Junges, ein Baby zu säugen, zu pflegen und mehr als das eigene Leben zu lieben hat was mit einem Schub von Oxytocin zu tun. Welchen berechtigten Zweifel gibt es, daß das durch dieses Hormon ausgelöste Gefühl, bei Mensch und Tier sehr ähnlich ist?

Je näher uns ein Tier evolutionär steht, desto ähnlicher und vergleichbarer sind auch unsere Gefühle.
Ich fühle mich einem Orang Utan verbundener als einer Erdkröte, aber selbst in die kann ich mich noch zu einem gut Teil reinversetzen. Sie flieht Schmerzen und genießt sicher die Wärme der Sonne und das gute Gefühl, wenn Wasser ihre Haut benetzt und geschmeidig hält.

Um deine Frage kurz und bündig zu beantworten, wir haben die gleichen Gefühle wie Tiere. Je näher sie uns stehen, desto ähnlicher auch die Gefühle.

Es gibt nicht nur eine körperlich-anatomische Evolution, sondern auch eine pysiologisch-biochemische und hormonelle. Subjektiv bezeichnen wir dies als Gefühle.

Kommentar von Dackodil ,

Herzlichen Dank für das Sternchen :-)

Antwort
von Machtnix53, 41

Dass Hormone unsere Gefühle steuern, ist Unsinn, eine Verkehrung von Ursache und Wirkung. Die Gefühle setzen Hormone bzw Botenstoffe frei, die dann körperliche Auswirkungen haben.

Die Gefühle entstehen durch Wahrnehmung und Interpretation von Situationen, dabei spielen Vorstellungen und Erwartungen eine große Rolle.

Die Biochemie kann nicht beliebig funktionieren, deshalb gibt es da keine großen Unterschiede zwischen Tierarten und je verwandter sie sind umso weniger.

Unter Säugetieren ist sogar der größte Teil der Mimik gemeinsam. Das hat den Vorteil, schnell erkennen zu können, ob ein Tier ängstlich, wütend oder angriffslustig ist.  

Für jemanden, der Haustiere hat oder sonst Tiere beobachtet, ist ziemlich klar, das höher entwickelte Tiere (Säugetiere, Vögel) Gefühle haben, die unseren sehr ähnlich sind. 

Kommentar von ThomasJNewton ,

Entweder bist du eine Frau, oder du hattest noch nie eine.
Was ein Glück, dass Männer keine Hormone haben.

Im Ernst, Hormone beeinflussen nicht nur die Hirnentwicklung, sondern auch die "Tagesform". Auch bei Männern.

Und nicht nur bezüglich des Testosteron. Das vermindert sich bei gebundenen Männern, und Oxitocin und Prolactin wirkt auch bei Männern.
Eines der beiden wird auch Kuschelhormon genannt, und entsteht beim Kuscheln. Und fördert das Kuscheln.
Ein Teufelskreis, würde TV Kaiser sagen.

Das Niveau der Frage sollte nie zu Vereinfachungen Anlass geben.
Es gibt auch immer andere Herangehensweisen. Ich komme eher aus der Bio-Ecke, ohne detaillierte Kenntnisse der Gehirn-Anatomie und -Physiologie, aber mit hinreichend Problembewustsein.

Kommentar von holodeck ,

Entweder bist du eine Frau, oder du hattest noch nie eine.

??    
Wie bitte?     

Oxitocin (..) wirkt auch bei Männern.

Also gar nicht.
https://www.newscientist.com/article/2088200-everything-youve-heard-about-sniffi...

Im Ernst, Hormone beeinflussen (..) auch die "Tagesform". Auch bei Männern.

Im Ernst: was war zuerst da? Das Hormon, der Gedanke oder das Gefühl?   

Zerschneiden wir den Kreislauf an der von dir gewünschten Stelle, brauchen wir nur noch die Psychotherapie abzuschaffen und durch Hormontherapie zu ersetzen.

Aber das scheint ja weder zu funktionieren, noch scheint es zweckmäßig zu sein. Zumal die Empirie gegen deine Interpunktion steht. Lernen Menschen, ihre Gefühle zu beobachten, beispielsweise im Rahmen eines achtsamkeitsbasierten Verfahrens wie beispielsweise MBSR oder ACT, verbessert sich nachweislich auch der Hormonstatus. Allein eine Runde Floaten führt zu einer Reduktion des Cortisolspiegels im Blut von 22%.

Kommentar von Machtnix53 ,

Entweder bist du eine Frau, oder du hattest noch nie eine.
Was ein Glück, dass Männer keine Hormone haben.

Du meinst, wenn Männer Frauen nicht verstehen können, kann es nur an Hormonen liegen ?

Nach meinen Erfahrungen auch mit Frauen sind die Auswirkungen von Worten und Taten auf Gefühle und Verhalten weit signifikanter als irgendwelche Hormonschwankungen.

"Im Ernst, Hormone beeinflussen nicht nur die Hirnentwicklung, sondern auch die "Tagesform". Auch bei Männern."

Zwischen beeinflussen und steuern liegen Welten.

Antwort
von NoHumanBeing, 46

Das weiß man wohl nicht so genau.

Du kannst beobachten, dass andere Tierarten (der Mensch ist ja letztlich auch ein Tier) auf Verletzungen ähnlich reagieren, wie Menschen, also z. B. dass sie sich erschrecken, das verletzte Körperteil schnell zurückziehen, eventuell fliehen, dass sie das verletzte Körperteil anschließend weniger belasten und es eventuell lecken, etc. Das legt nahe, dass sie Schmerz ähnlich empfinden, wie wir, weil sie die gleichen Reaktionen zeigen.

Wirklich wissen kannst Du es natürlich nicht. Du weißt nicht einmal, ob ein anderer Mensch, wenn er die Farbe "blau" wahrnimmt, das selbe empfindet, wie Du. Vielleicht sieht er es ja so, wie Du "rot" siehst, hat aber gelernt, dass diese Farbe eben "blau" heißt. Ihr könnt das auch nicht "vergleichen", weil ihr die Empfindung, die ihr habt, wenn ihr eine bestimmte Farbe sehr, schon gar nicht charakterisieren könnt. Das ist auch als Qualia-Problem bekannt und ist bislang eines der größten ungelösten Probleme der Wissenschaft.

Viele Gefühle sind aber auch nicht angeboren, sondern "geprägt". Alles, was mit "Moral" zu tun hat beispielsweise. Ich denke nicht, dass ein Raubtier Gewissensbisse hat, wenn es ein Beutetier erlegt oder auch einen Rivalen tötet. Der Mensch empfindet es als falsch (die meisten zumindest ;-) - hoffe ich mal ;-) ), aber das ist ziemlich sicher "gesellschaftlich geprägt", auch wenn wir das "Recht auf Leben" heutzutage gewissermaßen als "naturgegeben" hinnehmen, so ist es letztlich doch ein Produkt unserer Kultur und keines der Natur.

Antwort
von voayager, 24

Die von dir genannten Gefühle kennen höhere Tiere auch.

Hormone setzen keine Gefühle frei, vielmehr aktivieren sie div. Neurotransmitter.

Kommentar von Fuchssprung ,

Es ist ein sehr schwieriges Feld, auf dem man sich leicht verirren kann was Ursache und was Wirkung ist. Aber wenn es so ist wie du sagst, dass die Hormone diverse Neurotransmitter aktivieren, dann sind die Hormone doch die Ursache. Oder habe ich das falsch verstanden? Wie gesagt, ein sehr schwieriges Feld...

Danke für deinen Kommentar! 

Kommentar von voayager ,

Du bringst es auf den Punkt, es ist nämlich auch zu überlegen, inwwieweit Neurotransmitter Hormone aktivieren, so das es ausschaut als würde das alte Motto "wer war zuerst da die Henne oder das Ei" hier seine Fortsetzung finde. Ich muß gestehen, so genau weiss ich das garnicht nicht, werd mich mal damit befassen, sofern ich es nicht vergesse. Hier mal meine starke Vermutung: ich gehe von einem Wechselspiel aus. Das zu ergründen, ist so , wie sich in einem Dickicht aufhalten, denk ich mal.

Ich favorisiere in der Tendenz doch eher zu den Neurotransmittern als Spiritus rector, da sie das Reaktionsprodukt des Nervensystems sind, also der übergeordneten "Struktur".

Antwort
von eetrop11, 54

Eher die Gefühle, die zum Überleben in der Wildnis notwendig sind, also auf jeden Fall Angst, Hunger, Bewegungsdrang, Durst, Wärme - und Kältegefühl...

Wenn die "schlaueren" intelligenteren Tier wirklich Liebe, Zorn,... empfinden können (was ich nicht denke), dann bestimmt nicht so, wie wir das kennen. 

Antwort
von murksi1, 14

Du bringst was durcheinander: Gefühle sind die Interpretation eines an sich neutralen Erregungszustandes des Körpers, der u. a. durch Hormone beeinflusst wird.

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