Frage von lucool4, 152

Homosexualität ist ganz normal- aber warum reagieren Leute dann so?

Also ich selber bin Bi-Sexuell (auch wenn ich tendenziell, wenn man das so sagen kann, ein bisschen mehr, öfters an Mädchen interessiert bin). Ich frage mich einfach nur, warum immer alle so sagen: Ja Homosexuell ist ganz normal, aber wenn das dann plötzlich Eltern erfahren, die nicht wissen, was sie tun sollen. Das finde ich widersprüchlich: Wenn man doch sagt, dass etwas normal ist (zwar nicht die Mehrheit, aber trotzdem normal), dann muss man doch damit rechnen, dass auch Die Kinder von einem schwul, lesbisch, Bi sein können!?

Genauso ist es mit manchen Personen (auch hier auf gutefrage.net) die sagen "HILFE, ich bin bin schwul/ lesbisch" was auch immer obwohl sie vlt, bevor sie's rausfanden immer noch meinten "jaja, ganz normal". Wenn es doch normal ist/ wäre, dann würde man doch keine Angst davor haben oder es einem peinlich sein!? Das ist doch ein Widerspruch in sich. Dann sagt man halt einfach, dass man das ganze nicht für normal hält sondern, was weiß ich komisch, sonderbar o.ä. Das muss ja keinesfalls böse gemeint sein, aber ich finde es als Beispiel (ich möchte da jz auf nichts im Zusammenhang Sex- katholischer Kirche raus) auch komisch, wenn jmd. Mönch ist. Also ich verstehe vlt seine Bewegründe, aber auf so vieles verzichten müssen, dass man das freiwillig macht, ich finds komisch. Also auch meine Eltern (besonders mein Vater) musst das erstmal sacken lassen (hat Raum verlassen etc.) als ich es ihm gesagt habe... Versteht das jmd? Bzw versteht jmd mein Anliegen?

Gruß lucool4

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von SchwarzerTee, 68

Bis 1994 gab es im Strafgesetzbuch immerhin noch den § 175, der praktizierte männliche Homosexualität unter Strafe stellte. Du kannst also davon ausgehen, dass die meisten heutigen Eltern damit aufgewachsen sind, dass Homosexualität nicht normal ist.

Außerdem ist es auch normal, sich eigene, leibliche Kinder zu wünschen. Meint man dann eine eigene Homosexualität zu erkennen, so muss man sich von diesem Wunsch meist verabschieden, und das ist eben traurig.

Auch die meisten Eltern wünschen sich, einmal Großeltern zu werden, und müssen, sollte ihr Kind homosexuell sein, von diesem Traum Abschied nehmen.

Homosexuelle können nach wie vor Gefahren ausgesetzt sein, die sich aus dem Praktizieren der Homosexualität, aus häufigem Partnerwechsel, aus dem Verkehr in bestimmten Kreisen ergeben können (nicht müssen). Dass Eltern hier Probleme für ihre homosexuell empfindenden Kinder sehen, ist auch normal.

Und dann gibt es auch viele Homosexuelle, die mit dieser Orientierung einfach nicht glücklich sind und lieber heterosexuell wären. Das ist aber ein ganz schwieriges Thema, oft verschwiegen, aber trotzdem vorhanden.

Und Verzicht muss nicht komisch sein. Wer verzichtet, bekommt dafür meist etwas anderes, was ihm wichtiger ist. Zum Beispiel die innere Ruhe, sich ganz auf Gott und das mönchische Leben einzulassen.

Kommentar von lucool4 ,

Ist eine gute Antwort! Das mit den Enkelswünschen habe ich mir auch schon gedacht...

Antwort
von Garlond, 41

Das ist einfach erklärt:

Der Hauptpunkt dabei ist, dass viele nicht normal und natürlich auseinander halten.


Homosexualität ist natürlich, aber nicht normal im gesellschaftlichen Sinn, denn wenn es das wäre, würde, wie du schon selbst ganz richtig festgestellt hast, keiner mehr darüber reden.

Aber genau das ist auch das Ziel, von Leuten wie mir, die Homosexualität angeblich propagieren.


Kein Mensch macht irgend einen anderen homosexuell, die meisten Homosexuellen sind ganz normal und wollen auch nicht als besonders wahrgenommen werden. Bei den meisten merkt man es ja auch gar nicht, wir müssen uns zum Glück noch kein Jude... äh Entschuldigung Homostern an die Jacke nähen.


Erst wenn der ganze Zank und das Gerede aufhört, wenn schwul nicht mehr pseudonym für schlecht ist, wenn keiner den Kopf verdreht, wenn zwei Männer auf der Straße händchenhalten, oder sich zwei Frauen küssen.

Erst dann ist Homosexualität normal.


P.S. bei Eltern kommt noch mal erschwerend dazu, dass sie dann einen möglichen Wunsch nach Enkelkindern abhaken können. Aber man kann ja Kinder adoptieren wenn man will.

Kommentar von lucool4 ,

Naja, übertreiben müssen wir's ja hier nicht. Wirklich gegen Homosexualität haben ja nur noch die wenigsten was.

Naja, und so richtig normal kanns ja auch nicht sei (evolutionsbedingt). Mich regt ja eher der Widerspruch an sich auf...

Und wenn man nicht homosexuell bist, dann kann man das schließlich nicht verstehen und auch eher abstoßend auf einen wirken. Das ist ja dann nicht iwi böse gemeint von denjenigen...

Und was Kinder angeht:

Da ich Bi bin, kann es ja auch durchaus sein (aus meiner Sicht auch wahrscheinlicher), dass ich iwann mal mit einer Frau zusammen komme, mit der ich dann auch iwann Kinder haben möchte.

Ich selber finde es aber nicht so gut, wenn Schwulen- oder Lesben-Paare Kinder adoptieren. Nicht weil ich das "böse" meine, sondern weil ich es für das Kind für nicht so gut erachte. Nicht, weil es iwi gehänselt werden könnte, sondern deswegen, weil ein Kind eig Vater und Mutter (mit unterschiedlich Erziehungseigenschaften) braucht. Klar, ist vlt noch besser als wenn man alleinerziehend ist, aber nicht um sonst braucht es Mann und Frau, um ein Kind zu erzeugen...

Gruß lucool4

Kommentar von Garlond ,

Wirklich gegen Homosexualität haben ja nur noch die wenigsten was.

Aber immer noch zu viele die es nicht tolerieren können.

so richtig normal kanns ja auch nicht sei (evolutionsbedingt).

Wie gesagt normal/natürlich, in wie weit es evolutionstechnisch Sinn macht, kann man gar nicht sagen, da dieses Gebiet noch gar nicht genau erforscht ist. Es gibt z.B. Thesen, dass Homosexualität gehäuft auftritt, wenn eine Art sehr viele Nachkommen hat, dann würde es Sinn machen um eine Überpopulation zu vermeiden.

Mich regt ja eher der Widerspruch an sich auf...

Nun, der Widerspruch löst sich auf, wenn man normal und natürlich auseinander hält. Wenn man meint, es sei natürlich (und das ist es definitiv, denn Homosexualität kommt ohne menschliches zutun in der Natur vor) aber sagt es sei normal, stimmt das eben nicht, weil etwas normales normalerweise gar nicht so viel Aufmerksamkeit erhält wie die Homosexualität es zur Zeit tut.

Ich selber finde es aber nicht so gut, wenn Schwulen- oder Lesben-Paare Kinder adoptieren. ... weil ich es für das Kind für nicht so gut erachte. Nicht, weil es iwi gehänselt werden könnte, sondern deswegen, weil ein Kind eig Vater und Mutter (mit
unterschiedlich Erziehungseigenschaften) braucht. Klar, ist vlt noch
besser als wenn man alleinerziehend ist, aber nicht um sonst braucht es Mann und Frau, um ein Kind zu erzeugen...

Also das mit dem Hänseln würde sich eh erledigen, wenn die Normalität erreicht würde.
Zu den unterschiedlichen Erziehungseignschaften kann ich nichts sagen. Menschen sind so unterschiedlich untereinander, auch von Frau zu Frau oder Mann zu Mann, dass ich nicht denke, dass es da geschlechterspezifische Erziehungseigenschaften gibt, welche sollten das sein?

Allerdings gibt es einige Kinder aus Regenbogenfamilien, und ich kenne da keine Aussagen von einem Kind, oder einem Erwachsenen, der bei gleichgeschlechtlichen Eltern aufgewachsen ist, dass ihm/ihr irgend etwas gefehlt hätte, oder das in seiner Entwicklung irgend etwas falsch gelaufen wäre.

Vielleicht werden sollche Kinder zu toleranteren Menschen erzogen, das würde ich nun nicht unbedingt als Nachteil ansehen.

Antwort
von AlterEgo1, 65

Das ist eine interessante Frage!
Ich denke, dass viele Leute Homosexualität akzeptieren und sagen, dass das völlig in Ordnung und normal ist, sofern sie homosexuelle Leute nicht kennen.
Wenn es aber jemand ist, den sie kennen und sie dann damit konfrontiert werden, sich dann aber zeigt, dass sie Homosexualität tatsächlich noch nicht als etwas Alltägliches, völlig Normales anzusehen imstande sind! Mich würde es zum Beispiel auch sehr überraschen, wenn mein Bruder auf einmal sagen würde, er wäre homosexuell oder bi. Ich wüsste im ersten Moment nicht, was ich darauf sagen sollte, weil ich nicht damit gerechnet hätte. Das heißt aber keineswegs, dass ich in irgendeiner Art und Weise homophob bin. Es ist mehr so, dass es zwar als etwas vollkommen Natürliches anzusehen ist, jedoch nur eine eher geringe Menge der Menschen homosexuell oder bi ist, weshalb so eine Nachricht immer etwas überraschend kommt. Das sollte zwar nicht sein, da es eine veraltete Anschauung ist, aber es wird stets von vornherein angenommen, man wäre hetero, bis zu dem Zeitpunkt, an dem man sich "outet". Dabei müsste es gar keinen Grund geben, sich zu "outen", wenn es im Denken der Menschen bereits als völlig normal angesehen würde.

Wie dem auch sei, ich finde, dass dein Vater sich falsch und respektlos verhalten hat, indem er den Raum verlassen hat. Überraschung, das verstehe ich, dass er aber so reagiert, verstehe ich nicht. Ist ja nichts Schlimmes dabei, bi zu sein! Ich denke mir manchmal, dass Leute die bi sind, die größte Auswahl haben! ;)

Kommentar von lucool4 ,

Das mit der größten Auswahl hab ich mich auch schon gedacht ;)

Leider bin ich nicht so hübsch, sodass ein Großteil schonmal von vorne rein weg fliegt (es sei denn ich werde reich, dann kommen erfahrungsgemäß viele wieder angerannt^^), aber das ist eine andere Frage.

Mein Vater war ja nicht sauer oder so, aber musste das wahrscheinlich erst mal allein mit sich ausmachen.

Meine Mutter meinte, dass es gut gewesen ist, dass ich Bisexuell gesagt habe (was ich aber auch bin!) und nicht Homosexuell, da das für ihn dann nochmal anders gewesen wäre.

Wahrscheinlich aus dem hier schon genannte Grund von wegen "Enkelswunsch" etc...

Weißt Du, ich hätte kein Problem damit, wenn die Leute von vorne rein sagen "Homosexualität ist schon etwas komisches", weil das ja so ist, wie es auch viele Leute denken, weil sie es nicht verstehen könne- wie auch?

Aber jeden, der sowas sagt als "Homophob" oder noch schlimmere Dinge zu beleidigen, ist einfach völliger quark. Weil ich denke, dass es nie normal sein wird, weil als normal eig immer das bezeichnet wird, was die Mehrheit ist.

zB auch bei Politik:

SPD, CDU normal,

Linke, NPD komisch, anders (fälschlicher Weise manchmal auch sofort als extrem)...

Gruß lucool4

Kommentar von AlterEgo1 ,

Charakter ist ohnehin wichtiger als Aussehen! ;)
Ja, da hast du wahrscheinlich recht, mit dem Enkelwunsch..!
Ja, ich muss dir zustimmen, dass immer das normal sein wird, was die Mehrheit ist. Aber als unnatürlich würde ich Homosexualität  nicht bezeichnen. Wer so etwas sagt, ist in meinen Augen schon ein bisschen homophob.
Für mich selbst ist es ehrlich gesagt schwierig, zu sagen, ob ich selbst homophob bin oder nicht. Ich bin mir nicht sicher.
Ich verspüre einen leichten Anflug von Ekel, wenn ich zum Beispiel zwei Männer sehe, die sich küssen. Ich habe nichts dagegen, dass sie sich küssen, ganz und gar nicht, aber gegen meinen Ekel kann ich nichts machen. Mein Erklärungsversuch wäre, dass, wenn ich ein Paar sehe, ich mich automatisch mit einem der beiden identifiziere. Wenn ein Mann und eine Frau sehe, die sich küssen, identifiziere ich mich also mit dem Mann. Und wenn zwei Männer sich küssen, wird es mit der Identifikation schwierig, da ich Ekel verspüre, bei der Vorstellung einen Mann zu küssen!

Gruß AlterEgo

Kommentar von lucool4 ,

Ja, so wird es sein, dass man sich dann da hineinversetzt. 

Expertenantwort
von CalicoSkies, Community-Experte für Sexualitaet, 22

Servus Chef,

Das liegt daran, dass es zwar inzwischen als Normalität innerhalb der Gesellschaft und auch als Normalität in einem biologisch-medizinischem Sinne akzeptiert ist - aber in den Köpfen der meisten Leute noch immer etwas Besonders ist.

Das wird dann auch daran deutlich, dass sich keiner an homosexuellen Politikern, homosexuellen Prominenten o.Ä. stört - aber wenn es in der eigenen Familie auftritt, ist es auf einmal schockierender.

Zu großen Teilen bauen sich Eltern eine Wunschvorstellung ihrer Kinder auf - dazu gehören bei einem Sohn vermutlich als Wunschvorstellung eine Schwiegertochter und ganz viele Enkel. Teilweise passiert diese Vorstellung auch unbewusst :)

Wenn du dann natürlich hergehst und sagst, dass du schwul bist, dann müssen deine Eltern erstmal umdenken - das heißt aber nicht, dass sie Homosexualität nicht normal finden; das heißt nur, dass sie damit nicht gerechnet haben und erstmal "umdenken" müssen.

Wir leben (leider) in einer heteronormativen Gesellschaft - während Homosexualität inzwischen von fast allen als Normalität angesehen wird, so denken die Meisten bei Personen, über deren Sexualität sie nicht Bescheid wissen, sofort daran, dass sie heterosexuell sind - einfach, weil wir es von der Gesellschaft her so gewohnt sind.

Auch bei der eigenen Person kann das passieren - man hat teilweise auch von sich selbst die Wunschvorstellung mit "Familie" und "eigene Kinder", und manchen fällt es auch da schwer, ihre Homosexualität zu akzeptieren.

Lg

Kommentar von lucool4 ,

Was ist heteronormativ?

Kommentar von CalicoSkies ,

Das gesellschaftliche Denken, dass Heterosexualität selbstverständlich ist (mit allen Auswirkungen)

Bei uns gilt Heterosexualität immer noch als die Normalität, an die sich alles andere orientiert (egal um was es geht) - das meinte ich damit :3

Antwort
von 10Meter20Kilo, 38

Also homosexuell zu sein ist alles andere als normal. Es ist sogar eher abnormal für einen Menschen, da sich homosexuelle Menschen nicht fortpflanzen können. In der Tat gibt es in der Tierwelt einige Exemplare die auch homosexuelle Neigungen zeigen, aber deswegen Homosexualität als normal anzusehen wäre Schwachsinn. In unserer Gesellschaft wird Homosexualität meistens akzeptiert und toleriert, weil es doch ein bedeutend kleiner Teil ist, doch wenn die Leute in ihrem direkt Umfeld damit konfrontiert werden kann das zu Schockreaktionen führen. 

Ich habe selbst einen Bekannten der homosexuell ist und habe kein Problem damit, aber wäre ich Vater von ihm würde es mich auch verstören. 

Antwort
von ChiDoRiX, 60

Ich glaube das liegt daran, dass es einfach Leute gibt, die gerade damit noch nie Erfahrungen gemacht haben. Das ist etwas komplett neues. Bei uns in der Klasse war mal jemand, der war homosexuell und das wussten auch alle, und danach hat sich noch jemand geouted und alle waren so nach dem Motto '' ok, und was wolltest du jetzt interessantes sagen ''. Leute hören das von anderen und denken dann ''Ja find ich auch nicht schlimm'' und wenn sies dann selbst erleben ist es anfang

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