Frage von Vollhorst123, 72

Hohe Arbeitslosenzahlen gibt es in jedem Land...aber warum werden dann Reformen eingeführt, die den einfachen Menschen immer schlechter stellen lässt?

Warum werden nicht Veränderungen bei der Wirtschaft / Unternehmen gemacht, damit beide Seiten, sprich der Arbeiter und Unternehmen Vorteile bekommen ?

Nein, warum wird immer wieder dem armen Mann ( wenige Rechte, Lohn ) immer weiter reformiert und unterdrückt, damit gehofft wird, die Arbeitslosigkeit im Land sinken zu lassen ?

Was ist das für ne Logik ? Muss man nicht an der Ursache handeln ( Unternehmen / Wirtschaft, Profitgier ) und nicht am schwächsten Glied ?

Antwort
von wfwbinder, 33

Fast alle Länder der EU haben starke Gewerkschaften. Man sieht es doch an den Streiks, die bei uns im letzten Jahr z. B. viele Probleme bei der Bahn ausgelöst haben, oder beim Streik der Kindergartenerzieher, weitreichende Folgen in die übrige Arbeitswelt hatten.

Welche Reformen zu Ungunsten der Arbeiter und Angestellten meinst Du denn z. B. konkret?

Kommentar von Vollhorst123 ,

in frankreich, Italien

Kommentar von wfwbinder ,

Frankreich und Italien sind keine Maßnahmen, sondern andere Länder. Was wird denn in den Ländern zuungunsten der Arbeitnehmer gemacht? Beide Länder haben starke Gewerkschaften mit einer traditionell ausgreifenden Streikkultur.

Kommentar von Lennister ,

Die Reformen, die da angedacht sind(Frankreich) bzw. gemacht wurden(Italien) waren bzw. sind völlig richtig. Beispiel Kündigungsschutz: Wenn Arbeitnehmer praktisch unkündbar sind, dann wird es sich ein Arbeitgeber sehr gut überlegen, ob er neue einstellt.

Und in Frankreich kommt dazu noch die 35-Stunden-Woche, die mit dem neuen Arbeitsgesetz ausgesetzt werden kann. Die war einer der größten Fehler auf diesem Bereich, der in Frankreich gemacht wurde. 

Kommentar von Snanifo ,

Die starken Gewerkschaften in der BRD haben es dazu gebracht, dass ein Mindestlohn ein guter Lohn ist. Was hat der Lokführerstreik erreicht? Dass die Gewerkschaft nach dem Erlass des Tarifeinheitsgesetzes durch die Bundesregierung bei der nächsten Tarifrunde weiterhin Verhandlungspartner ist, auch wenn sie in der Minderheit ist. Dafür hat sie viele ihrer berechtigten Forderungen bzgl. Löhnen und Arbeitszeit hingegeben. Die Kindergärtnerinnen haben sehr lange gestreikt und so ein Ergebnis von verdi erhalten, dass sie zunächst mal nicht damit einverstanden waren.

Allgemein ist aus den jährlichen Armutsberichten der Deutschen Bundesregierung abzulesen, dass ca 30 % der Menschen, ob arbeitend oder arbeitslos, ungefähr so viel Einkommen haben, dass sie sich mit Hartz IV vergleichen können. Und es ist jedem bekannt, dass viele Menschen im Alter mit ihrer Rente auf genau dieses Niveau oder kurz darüber abrutschen, obwohl sie ihr ganzes Leben gearbeitet haben. Auch welche, die sich das heute noch gar nicht vorstellen können. Das haben unsere starken Gewerkschaften erreicht.

Kommentar von wfwbinder ,

Die Gewerkschaftsmitglieder wählen ihre Gewerkschaftsbosse selbst. So auch die, die in den Großunternehmen in den Aufsichtsräten sitzen.

Allerdings finde ich es auch als völlig ungerecht, dass ein Ausgebildeter Handwerker in Deutschland (Handwerk der Friseure) so schlecht bezahlt wird. Aber da müssen sich die Innungen und die Gewerkschaften selbst kümmern. Dabei ist zu beachten, dass die Friseure z. T. selbst Schuld sind, weil sie viel Schwarzarbeit leisten und das Handwerk damit zerstören.

Kommentar von Snanifo ,

Die "starken Gewerkschaften" hast du eingeführt. Ich habe übrigens gar nicht von einem Gegensatz zwischen den Bossen und den Gewerkschaftsmitgliedern konstatiert.

Die Frisöre sind übrigens nicht selbst schuld, dass sie so wenig verdienen. Die Bezahlung macht auch bei dem "Handwerker" Frisör immer noch der Chef. Und wenn sie schwarz arbeiten, lässt das nur auf die miese Bezahlung zurückschließen.

Antwort
von Snanifo, 31

Du hast schon mitbekommen, dass wir in einem Land leben, in dem die Interessen der Unternehmer diametral konträr zu den Interessen der Arbeiter befinden. Das soll heißen, für die Unternehmer sind Arbeitslöhne Kosten, die es zu minimieren gilt, für den abhängig Beschäftigten ist der Lohn sein einziges Lebensmittel. Mit dem muss er alle seine Kosten für Miete, Ernährung usw. begleichen und muss demzufolge möglichst hoch sein. Nun gibt es für den Unternehmer nur Anlass, ein Unternehmen aufzubauen oder weiterzuführen, wenn er sich davon einen Gewinn versprechen kann, härter gesagt, der Gewinn muss sich einstellen, sonst geht die Firma in die Insolvenz oder sogar bankrott. Für den Staat wiederum ist es wichtig, zum einen gesunde Unternehmen zu haben, zum anderen sollten auch möglichst viel Arbeitskräfte beschäftigt werden, da sie ja sonst Hartz IV anheim fallen und auf Staatsseite 2 mal als Kosten anfallen, als weniger Steuerzahler und als Hartz IV - Empfänger. Dies hat aber mit Moral nichts zu tun, sondern ist harte ökonomische Realität.

Übrigens ist die Arbeitslosigkeit (in der BRD) gesunken mit den niedrigen Löhnen und dem daraus folgenden Gewinnen der Konkurrenz gegen die anderen europäischen Staaten. Sowohl Arbeitslosigkeit als auch Probleme bei der Staatsrefinanzierung in den Mittelmeerstaaten sind das Resultat und sprechen da ein deutliche Sprache.

Kommentar von wfwbinder ,

   Interessen der Unternehmer diametral konträr zu den Interessen der Arbeiter befinden.

Und warum haben dann viele Unternehmen besonderen Erfolg, die ihre Leute gut bezahlen und auf kontinuität achten? Trigema, Porsche, Bosch, Daimler usw.

Kommentar von Snanifo ,

IAlso zunächst mal würde ich nicht Trigema (Niedriglöhne) mit den Hochlöhnern vor allem Porsche und Daimler vergleichen. Bosch liegt im Mittelfeld mit guten Sozialleistungen (Bosch ist auch eine Stiftung). Aber unabhängig von der Lohnhöhe würde ich meine These schon halten wollen, denn jede höhere Lohnsteigerung ist zwangsläufig ein Abzug vom Gewinn der Firma. Das Interesse habe ich ökonomisch gemein, nicht moralisch oder anderen Gesichtspunkten geschuldet.

Natürlich zahlen Porsche und Mercedes Benz gute Löhne. Aber von der Überlegung her wird umgekehrt ein Schuh daraus: Weil die Unternehmen besondere Erfolge haben was die Rentabilität betrifft, können sie sich noch andere Überlegungen, was die Lohnhöhe betrifft, leisten. Ich denke da an die Kalkulation bzgl. Produktionsausfall versus Lohnerhöhungen, Image des Konzerns Beispiel der Skandal über die Werkverträge vor einiger Zeit. Auch das Interesse an Kontinuität, das du oben angeführt hast, ist eines der Firma.

Man sollt auch in die Betrachtung miteinbeziehen, dass auch Daimler auf einer erhöhten Zahl an Leiharbeitern besteht, die im Moment etwa 2/3 dessen verdienen, was Stammarbeiter bekommen. Werkverträgler bekommen noch wesentlich weniger. Des weiteren wurde die meisten Aufgaben, die früher im Konzern geführt wurden outgesourced in die entsprechenden Bereiche wie verdi oder NGG mit wesentlich niedrigerem Lohnniveau. Auch gibt es im Ländle und außerhalb Zulieferer, die keine Daimlerlöhne bezahlen, teilweise sogar unter dem bestehenden IGM Tarifvertrag bleiben können, weil sie nicht dem Arbeitgeberverband angeschlossen sind oder auch ausgetreten. Des weiteren die Forderung bei jeder Tarifauseinandersetzung nach Erbringung von milliardenschwerer "Leistungen" durch die Mitarbeiter. Als Drohung wird die Auslagerung von Betriebsteilen genommen.

Dazu noch 2 Aussagen von Wilfried Porth, seines Zeichens Mitglied des Vorstandes der Daimler AG (Aufgabenbereich Personal):

Sinngemäß: -- "Auch Daimer kann nicht allen seinen Mitarbeitern Daimler-Löhne bezahlen".--                                                                    Er machte diese Aussage in einem Interview im Zusammenhang mit dem Skandal bzgl der Werkverträge.

Dann doch noch ein Zitat:  Interview in StN digital am 24.06.14
"Deutschland ist ein Hochlohnland. Wir reden hier über Kostennachteile von über 50 Prozent. Wenn ein Hersteller nach Polen geht, dann wird er diesen Vorteil auch im Markt ausspielen."

        

Antwort
von axoni, 56

Lobby, eigener Profit, Kapitalismus 

Kommentar von Vollhorst123 ,

und der staat/ Regierung / medien machen mit :(

Antwort
von ThomasAral, 33

weil die politik in fast jeden land, so auch in deutschland österreich schweiz, ein lobby-system ist.  zuerst mal werden die gehört welche die größten lobbies haben --- also politiker in ihren aufsichtsräten die was zu sagen haben.  die gesetzesvoragen machen dann meist nur dieser vereine bzw. unternehmen und die politiker unterzeichnen nur ....

arme leute haben meist nur kleine lobby, denn je mehr geld der verein ausgibt, desto mehr gute politiker kriegt er in seine lobby.

ok; wenn jetzt ein grosses unternehmen bevorzugt wird, dann argumentiert es natürlich mit schaffung von arbeitsplätzen ... aber ob es dann in der realität eingehalten wird steht auf nem anderen blatt.  oft kommen nur 10% der Subventionsgelder dann bei den armen an ...  90% nehmen die sowieso schon reichen ein.

Kommentar von Vollhorst123 ,

es ist jedem bekannt und dennoch wird es so weiter betrieben ?! Wenn alles schon klar ist, in welche richtung es geht, wozu gibt es denn noch rechte für den einfachen mann, wenn die immer mehr abgebaut werden ? Müssen wir erst wieder bei Null ( Sklaverei ) stehen, um dass ein Wandel in den werten / Moral wieder eintritt ?

Kommentar von Snanifo ,

1. Warum gehe denn diese Lobbyisten zu den Politikern? Sie versuchen, den Politikern klarzumachen, dass es für den Staat einen Nachteil bedeutet gegenüber ausländischen Firmen, wenn sie nicht diese oder jene Gesetze erlassen bzw. geplante Beschränkungen neu planen. Im Innern machen diese Lobbyisten in dieser Beziehung keinen Sinn, weil ja konkurrierende Firmen, Konzerne, Verbände da sind, die auch ihre Wünsche erfüllt haben wollen. Da entscheidet die Politik nach dem Staat nützlichen Kriterien, ob sie per Gesetz oder Verfügung z.B. die Bedingungen für Entlassungen verschärfen oder erleichtern wollen. In den 70er Jahren war das eher eine Beschränkung der Entlassungen, heutzutage mit der Agenda 2010 und Hartz IV eher eine Erleichterung.

2. Warum sind denn die Politiker so empfänglich für Ratschläge der Wirtschaft? Ganz allgemein gesagt, setzt die Politik auf die ökonomische Schlagkraft der in ihrem Land befindlichen Ökonomie, um seine politischen Ziele mit hoher ökonomischer Grundlage und Schlagkraft zu versehen. Das soll heißen, dass sowohl sachlich als auch finanziell sich möglichst viel für den Staat dabei herausspringt. Dabei setzt er, der deutsche Staat (und nicht nur der), auf die kapitalistische Produktion, bei der die Arbeiter vorkommen als Mittel für den Gewinn dieser Unternehmen und Anleger. Arbeitsplätze "schaffen" Unternehmer nur dann, wenn sie sich einen Gewinn davon versprechen.

Kommentar von ThomasAral ,

1. die politiker sitzen im aufsichtsrat von Unternehmen und nehmen dort die vorschläge entgegen die dann meist 1:1  unterzeichnet werden.  Warum machen sie das:  weil sie quasi nur fürs da sitzen und Unterlagen weiterreichen fette Kohle kasieren.

2. weil wenn sie nicht empfänglich sind fliegen sie vom aufsichtsrat raus und verdienen weniger ... die werden es dann auch schwer haben bei anderen firmen in den aufsichtsrat zu kommen, denn die informieren sich natürlich warum sie rausgeflogen sind ----  sobald die Partei nicht mehr an der Regierung ist zu der der Politiker gehört, verliert er meist eh seinen Aufsichtsratsposten.

Kommentar von ThomasAral ,

Politiker in der Opposition können deswegen we,ttern wie ihnen der Schnabel gewachsen ist ohne dafür weniger Einkommen zu haben. Sind sie an der Regierung dann würden sie privat Einkommenseinbusen haben ... nur weniger Politiker stellen das Allgemeinwohl über ihr eigenes

Kommentar von Snanifo ,

Hallo Thomas, wenn Politiker in Aufsichtsräten sitzen, bekommen sie natürlich ein Salär. Aber wenn jetzt ein Politiker im einen Aufsichtsrat sitzt und der andere im konkurrierenden, nach welchen Gesichtspunkten wird dann von der Parteileitung entschieden? Das gilt auch für deinen 1. Punkt.

Zum einen ist es nicht so einfach, aus dem Aufsichtsrat rauszufliegen, da muss sich schon jemand was zuschulden kommen lassen. Zum anderen verdienen z. B. Abgeordnete eigentlich schon ganz gut, meines Wissens mehr als 6000 € auf die Hand und nochmals ca 6000 € als Aufwandsentschädigung. Ich denke, da kann man davon leben.

Insgesamt denke ich, dass du dich über die Aufgaben eines Politikers täuschst, auch über das Allgemeinwohl. Die müssen nich danach schauen, dass es den Menschen in diesem Land gut geht, sondern dass Deutschland vorankommt. Und da tragen Billiglöhne ganz gut was dazu bei. Mag ja sein, dass einige dieser Leute sich bestechen lassen, das ist dann aber kriminell und wird auch verfolgt von Polizei und Staatsanwaltschaft.

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