Frage von 201294, 128

Hörgerät, Krankenkasse?

Hallo, Ich benötige demnächst ein Hörgerät. Die Krankenkasse zahlt das Kassenmodell, wenn ich richtig informiert bin 680 Euro und 20 Euro Eigenanteil. Jetzt ist das allerdings das ich demnächst auf einem Segelschiff in der Niederlande arbeiten werde. Da das Kassenmodell ein normales Hörgerät ist (Technik des Hörgerätes befindet sich außerhalb des Ohres) ist das nicht wirklich bei der Arbeit auf einem Schiff geeignet (Wind). Ich war beim Akustiker der mir dann natürlich ein In-Ohr Gerät empfohlen hat. Allerdings zahlt die Krankenkasse nur die 680 Euro und den Rest muss ich selbst tragen, das In-Ohr Gerät liegt soweit ich weiß bei 180€ +-. Da ich bzw meine Mutter momentan Hartz 4 bezieht ist das nicht drin. Gibt es vielleicht die Möglichkeit das die Krankenkasse die Kosten übernimmt aufgrunddessen das ich es Berufsbedingt benötige?

Antwort
von TobiasTM, 70

Hallo 201294,

ich hole mal ein klein wenig weiter aus um Deine Fragen zu beantworten und auch gleich mit ein paar Aussagen aufzuräumen, die so nicht 100%ig stimmen.

Thema Geld (gilt für Deutschland):
Der GKV (Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen) hat 2013 einen Festbetrag in Höhe von rund 785 € pro Hörsystem festgesetzt. Festbetrag heißt, dass die sich gesetzlichen Krankenkassen an diesem Betrag orientieren sollen bzw. maximal so viel dafür bezahlen dürfen.

Nun haben die unterschiedlichen Kassen aber verschiedene Verträge mit der Bundesinnung der Hörakustiker (Biha) vereinbart, die sogenannte Vertragspreise vorsehen. Diese sind recht unterschiedlich und liegen zwischen ca. 620 € und ca. 740 € pro Hörsystem, wobei bei der gleichzeitigen Anpassung von zwei Hörsystemen (je eines auf dem linken und rechten Ohr) immer noch ein Abschlag abgezogen wird.

Dazu kommen dann noch einmal zwischen 30,- € und 33,50 € für individuelle Ohrpassstücke und zwischen 120,- € und 150,- € für eine Reparaturpauschale, mit der die Reparaturen der nächsten sechs Jahre seitens der Krankenkasse abgedeckt sind. Bei Hörsystemen die mit einer privaten Eigenleistung verkauft wurden, darf der Akustiker auch im Nachgang Geld für Reparaturleistungen verlangen! Bitte beachten ;-)

Freie Marktwirtschaft und Grundvoraussetzungen:
Nun haben wir in Deutschland die freie Marktwirtschaft, die es jedem Hörakustiker erlaubt seine Preise selber festzulegen, bzw. welche Hörsysteme er zum "Nulltarif/ Kassensatz" abgibt, solange diese folgende Voraussetzungen erfüllen:

  • volldigitale Technik
  • 3 Programme (unterschiedliche Einstellungen für unterschiedliche Hörsituationen)
  • eine Störschallreduzierung muss vorhanden sein
  • eine Rückkopplungsreduzierung muss vorhanden sein
  • mindestens vier einstellbare Kanäle (für den Akustiker wichtig)
  • ein Mindestmaß an Verstärkung, je nach Hörbedarf geregelt.

All dies ist hier nachzulesen:

https://www.gkv-spitzenverband.de/media/dokumente/krankenversicherung\_1/hilfsmi...

Wenn Dir ein Hör(geräte)akustiker also ein Hinter-dem-Ohr-Gerät als Kassengerät anbietet und für ein Im-Ohr-Hörgerät eine Zuzahlung von 180,- € oder mehr verlangt, geh zu einem anderen und frag dort nach den Konditionen. Wichtig ist, dass Du Dich vernünftig beraten und gut aufgehoben fühlst.


Du benötigst für die Arbeit "weitere Sonderfunktionen"?
Dann muss Dein Akustiker einen Kostenvoranschlag mit einem entsprechenden Vermerk und Begründung online an die Krankenkasse übermitteln, die den Vorgang prüft und anschließend an den Rentenversicherungsträger weiterleitet. Hierfür gibt es bestimmte Fristen, die eingehalten werden müssen. Sollte Dein Akustiker aber wissen - wahrscheinlich aber nur ungerne machen, da dies viel Schreibarbeit und Unsicherheit über die Entscheidung der Rentenversicherung mit sich bringt.

Aber:
Achte im Vorfeld auf eine ausführliche Bedarfsanalyse und anschließend vernünftige Beratung!
Das bedeutet, dass der Akustiker ausführliche Fragen stellt um Deinen Bedarf kennen zu lernen. Jetzt hast Du geschrieben, dass Du demnächst auf einem Segelschiff anheuerst. Schiff bedeutet Wasser. Viel Wasser. Also wäre ein wassergeschütztes Hörsystem angebracht. Diese Voraussetzung (z.B. IP57) ist aber nur bei Hinter-dem-Ohr-Hörsystemen umzusetzen. Du willst ja nicht jede Woche zum Akustiker laufen müssen, weil das Hörsystem wieder kaputt ist. Auch wäre eine Windgeräuschreduzierung angebracht, damit Du überhaupt noch etwas verstehst...

Letztendlich empfehle ich Dir Dich in diesem Fall bei verschiedenen Akustikern zu informieren. Gehe hierzu auch (aber nicht nur) zu den Größeren (fielmann, KIND, etc.), da Du hier unter Umständen auch zum Nulltarif etwas mehr geboten bekommst.

Abschließend noch ein Hinweis:
Die Hörsysteme sollten von Dir nicht nur während der Arbeit getragen werden (so wie man vielleicht aus der Antwort von mandy12990 lesen könnte), sondern grundsätzlich jeden Tag von Morgens bis Abends, da sonst eine Hörentwöhnung einsetzt und es immer schwerer wird, da Du das Verstehen verlernst

.

Ich hoffe Dich mit meiner Antwort jetzt nicht erschlagen zu haben. Sollten noch Fragen offen sein - einfach eine Nachricht senden ;-)

Alles Gute
TobiasTM

Kommentar von mandy12990 ,

Mit meiner Antwort wollte ich eigentlich sagen das Geräte eben nicht nur auf Arbeit getragen werden sollten weil der Hörverlust eben den ganzen Tag da ist😊

Kommentar von TobiasTM ,

Dann habe ich das doch glatt falsch interpretiert und gebe Dir natürlich vollkommen Recht - Sorry ;-)

Antwort
von mandy12990, 60

Wenn du die Geräte wirklich NUR für die Arbeit brauchst trägt das die Rentenversicherung! Ansonsten kann ich dir nur sagen lasse die Finger weg von so niedrig preisigen Geräten! Gerade wenn man so jung ist kommt man mit solch einfachen Geräten nicht weit denn diese tragen such meist nicht entspannt von früh bis abends! Dann lieber noch ein Jahr gespart und dann was ordentliches gekauft!

Kommentar von TobiasTM ,

Hallo mandy12990,

mich würde interessieren, wie Du darauf kommst, dass günstige bzw. Nulltarif-Hörsysteme nichts sind und sich nur schlecht tragen lassen?

Der Akustiker ist verpflichtet ein geeignetes Hörsystem zum Nulltarif abzugeben. Gut - Komfortfunktionen müssen unter Umständen selber gezahlt werden, es gibt aber auch Unternehmen, die ihren Kunden einiges zum Nulltarif bieten. Hier lohnt sich auf jeden Fall ein Vergleich!

Viele Grüße

Kommentar von mandy12990 ,

Das ist mir bewusst das jeder Akustiker null Tarif Geräte bieten muss! Null Tarif Geräte müssen wenigsten 4 Kanäle, 3 Programme, Störgeräuschunterdrückung und eine Rückkopplungsunterdrückung haben! Zu dem muss man dazu sagen das im null Tarifgerät die Störgeräusch und Rückkopplungsunterdrückung in ihren einfachsten formen eingebaut sind! So wenn jemand nicht mehr arbeitet, nicht viel unter Menschen kommt, keine Vorträge hört oder ins Theater ect geht und keine kosmetischen Ansprüche hat ist das Nulltarif gerät bestens geeignet!Wenn allerdings jemand im Berufsleben steht, ein aktives Privatleben hat und kosmetisch ansprechend ist dann kommt man mit den Nulltarif Geräten nicht weiter! Und natürlich gibt es auch Menschen die nicht viel Geld verdienen und ja denen ist Auch das Nulltarif gerät eine  super Hilfe im Alltag aber ich möchte dennoch behaupten trotzdem mit Einschränkungen wenn es um akustisch schwierige Situationen geht! Und zu den Punkt das es akustiker gibt die einen im Nulltarif viel bieten dann sag ich dazu nur "das jeder Akustiker auch Geld verdienen muss und das etwas das umsonst ist doch nur selten gut ist" und am Ende kann man sich nur für ein Hörgerät entscheiden wenn man es im Alltag erlebt egal welche preis klasse!!! Aber das hören ist zum Glück seeeehr individuell so das jeder seine eigenen Erfahrungen machen MUSS und einen da auch kein HNO oder keine Krankenkasse vorschreiben kann was ausreichend ist oder nicht ;)

Antwort
von Matthias74343, 17

Also,  wenn die Mutter Hartz4 hat, dann ist es zwecklos teuere Geräte zu nehmen.  Obwohl ich Geld verdiene und leichte Hörschwäche habe,  trage ich Kassengeräte.  Und die erfüllen ihren Zweck.  Bin sehr zufrieden 

Antwort
von Liesche, 48

Die Krankenkasse wird den Zusatzbetrag kaum übernehmen. Könntest höchstens versuchen über den zukünftigen Arbeitgeber, was ja der Grund ist für das teurere Gerät, diesen Eigenbetrag zurück zu bekommen.

Kommentar von 201294 ,

Ok danke. Werde einfach mal bei der Krankenkasse nachfragen, fragen kostet ja bekanntlich nichts. Und dann mal bei meiner zukünftigen Chefin. 

Antwort
von mandy12990, 49

Wenn du dann arbeitest kannst du doch auch bessere Geräte auf Rate kaufen?mit besser meine 1500€ aufwärts ( für beide Seiten )

Kommentar von Matthias74343 ,

mandy12990. Ich bin mit den Kassengeräten sehr sehr zufrieden 

Kommentar von mandy12990 ,

Das ist schön:)

Jeder hat halt auch ein anderes Hörempfinden und einen anderen Höralltag!

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