Frage von FragerHH, 111

Höhe des nachehelichen Unterhalts (Ehegattenunterhalt) auf Basis des Trennungsunterhalts abschätzen?

Hallo,

meine Frage ist folgende :

Kann man anhand des Trennungsunterhalts abschätzen wie hoch ein nachehelicher Unterhalt ausfallen wird?

Ich zahle aktuell 1.000 Euro Trennungsunterhalt wobei meine Frau mit unseren beiden Kindern in unserer Wohnung geblieben ist. Diese Wohnung ist mein Alleineigentum. Die Wohnung wird von mir aktuell noch abgezahlt.

Ich weiss nun leider nicht ob in den 1.000,-- Trennungsunterhalt schon die Tatsache berücksichtigt ist, dass meine Frau (mietfrei) in meiner Wohnung lebt. (Die Höhe des Trennungsunterhalts wurde vom Anwalt meiner Frau berechnet, jedoch habe ich das damals nicht so ganz verstanden was da alles berücksichtigt wurde.)

Kann ich also nach der Scheidung die 1.000,-- Trennungsunterhalt eventuell noch mit einer Miete verrechen? Also wenn eine ortsübliche Miete für die Wohnung 700,-- Euro wären - kann ich dann von den 1.000 einfach 700 abziehen und meiner Frau bekäme dann nur 300,-- Ehegattenunterhalt? (Zu erwähnen ist vielleicht noch, dass meine Frau nicht berufstätig ist und also kein Einkommen hat.)

Danke

Antwort
von DFgen, 59

"Nachehelicher Unterhalt" ist überhaupt nur noch zu zahlen, wenn er im Zuge des Scheidungsverfahrens vom Richter zugesprochen wird - sonst nicht mehr.

Denn in der Regel wird davon ausgegangen, dass nach einer Ehe beide Ehepartner allein für ihren eigenen Lebensunterhalt sorgen können.

Deshalb wird nur noch im Ausnahmefall "nachehelicher Unterhalt" zugesprochen (und dann zumeist auch nur noch befristet), z.B. wenn Kinder unter drei Jahre zu betreuen sind oder die Ehe von "langer Dauer" war etc...

Wenn nachehelicher Unterhalt zugesprochen wurde, muss dieser zwar erst neu berechnet werden, dürfte in der Höhe aber kaum vom Trennungsunterhalt abweichen, da die "Berechnungsmethode" die selbe ist.

Also wenn eine ortsübliche Miete für die Wohnung 700,-- Euro wären - kann ich dann von den 1.000 einfach 700 abziehen und meiner Frau bekäme dann nur 300,-- Ehegattenunterhalt?

Nein.

Wenn es einen Titel über den Unterhalt gibt, so muss dieser Betrag gezahlt werden. Würde durch eine "Verrechnung" weniger gezahlt, könnte dieser Betrag als "nicht gezahlt" gelten und später nachgefordert werden.

Entweder sollte für die Wohnung ein Mietvertrag aufgesetzt werden oder bei der Ermittlung eurer "unterhaltsrelevanten Einkommen" könnte der "Wohnwert" berücksichtigt werden.

Würde der Frau und den Kindern die Wohnung ohne Mietvertrag  - also "kostenlos"  - überlassen, so sollte das in jedem Fall auch berücksichtigt werden beim "unterhaltsrelevanten Einkommen, welches für den Kindesunterhalt zugrunde gelegt wird, der ja unabhängig vom Trennungsunterhalt (und ggf. nachehelichem Unterhalt) weiter zu zahlen ist.

Denn der Kindesunterhalt ist ja u. a. auch für die anteiligen Wohnkosten der Kinder einzusetzen.....

Kommentar von FragerHH ,

Danke für die interessanten Informationen..

Deshalb wird nur noch im Ausnahmefall "nachehelicher Unterhalt" zugesprochen (und dann zumeist auch nur noch befristet), z.B. wenn Kinder unter drei Jahre zu betreuen sind oder die Ehe von "langer Dauer" war etc...


Wovon hängt es denn ab, ob "nachehelicher Unterhalt" gewährt wird?

Meine Frau ist ja nicht beruftstätig und wird es wohl auch in absehbarer Zeit nicht sein (sie ist Ausländerin ohne einen in Deutschland anerkannten Beruf. Sie macht zwar gerade eine Umschulung über das Arbeitsamt - die dauert aber noch 1 Jahr und ob sie dann anschliessend einen Job sucht und findet ist noch die Frage)

Wir waren 14 Jahre lang verheiratet.
Unsere beiden Kinder (9 und 10 Jahre) leben aktuell bei ihr.


Also wenn meine Frau nach der Scheidung kein eigenes Einkommen hat um ihren Lebensunterhalt inkl. Miete zu bestreiten und auch keinerlei Vermögen besitzt - wer zahlt dann für ihren Lebensunterhalt?

Also ich denke da bleiben ja nicht viele Optionen:

Ich oder der Staat (sprich Hartz IV) ?


Kommentar von DFgen ,

Die Entscheidung, ob nachehelicher Unterhalt gezahlt werden muss oder nicht, trifft letztendlich der Scheidungsrichter...

Bei einer 14-jährigen Ehe wird meistens schon von einer "langen Ehedauer" gesprochen (ab >8...12 Jahre), so dass das schon ein Grund für einen zumindest befristeten Anspruch sein könnte...

Wenn die Frau bereits an einer Umschulung teilnimmt, so darf aber erwartet werden werden, dass sie dadurch in die Lage versetzt wird, "in absehbarer Zeit" ihren eigenen Lebensunterhalt selbst zu verdienen. (Die Kinder sind in einem Alter, in dem ihr auf jeden Fall ein Vollzeitjob zugemutet werden kann.)

Von ihrem Einkommen muss sie dann nur "ihren Anteil" an der Miete bestreiten, die Anteile der Kinder sind ja Bestandteil ihrer Unterhalte, die du bis zu ihrem jeweiligen 18. Geburtstag an die Frau zahlen musst.... 

Ich weiss nun leider nicht ob in den 1.000,-- Trennungsunterhalt schon die Tatsache berücksichtigt ist, dass... 

Du solltest solche Berechnungen nicht einfach hinnehmen, sondern sie mit deinem Anwalt selbst durchrechnen und ggf. ändern lassen...

Der Unterhalt der Kinder hat in jedem Fall Vorrang vor möglichen Ansprüchen der Frau. Nur wenn von deinem "unterhaltsrelevanten Einkommen" (welches nicht unbedingt identisch ist mit deinem Durchschnitts-Netto...) noch "genug" übrig ist, müsstest du der Frau noch Trennungsunterhalt bzw. später ggf. "nachehelichen Unterhalt" zahlen...

Also wenn meine Frau........... und auch keinerlei Vermögen besitzt - wer zahlt dann für ihren Lebensunterhalt?

Ob die Frau nach der Ehe "bedürftig" ist oder nicht..., hängt von verschiedenen Dingen ab....

Unabhängig von den Unterhaltszahlungen ist ja ggf. auch noch der "Zugewinnausgleich" zu berechnen.....

(Auch wenn die Wohnung nur von deinen "vorehelichen Ersparnissen" gekauft wurde, hätte die Frau z. B. bei einer möglichen Wertsteigerung zwischen Kaufdatum und Trennung zumindest einen Anspruch auf die Hälfte dieser Wertsteigerung als "Zugewinn".

Wurde die Wohnung hingegen aus Mitteln erworben, die erst während der Ehe erwirtschaftet wurden, könnte die Frau die Hälfte des Wertes der Wohnung als Zugewinn beanspruchen - auch wenn du allein im Grundbuch stehen würdest...)

Ein erfahrener Anwalt zahlt sich sicher aus...

Antwort
von jurastudi, 38

Hallo Frager HH,

bevor du dir Gedanken darüber machst,
wie hoch der nacheheliche Unterhalt ausfällt, kannst du erst einmal die Überlegungen anstellen, ob überhaupt ein nachehelicher Unterhalt anfällt.


Voraussetzungen für nachehelichen Unterhalt

Mit der letzten Reform im Unterhaltsrecht wurde auch der § 1569 BGB
geändert. Der legt nun mehr den Fokus auf Eigenverantwortung der
Geschiedenen. Daher ist der Geschiedenenunterhalt nun mehr die Ausnahme anstatt die Regel.
Die Ehegatten haben ab dem Punkt der (rechtskräftigen) Scheidung die Verpflichtung selbst für ihren Lebensunterhalt zu sorgen.  Insbesondere
ist der geschiedene Ehegatte zu einer angemessenen Erwerbstätigkeit verpflichtet (vgl. § 1574 I BGB)
Nur, wenn der geschiedene Ehegatte nicht in der Lage ist, erwerbstätig zu werden, soll Geschiedenenunterhalt gewährt werden (vgl. § 1569 S. 2 BGB).


Betreuungsunterhalt

Sofern gemeinsame Kinder vorhanden sind, wäre an einen Betreuungsunterhalt zu denken (vgl. § 1570 BGB). Dieser kann der geschiedene Ehegatte bis zu drei Jahren nach der Geburt von dem anderen verlangen, wenn er mit der Betreuung des gemeinsame Kinds befasst ist. In dieser Zeit kann auch eine Erwerbstätigkeit des Betreeunden nicht verlangt werden.

Hier sind noch weiterführende Informationen zu dem Thema: https://www.online-scheidung-deutschland.de/scheidungskosten/inforeihe-scheidung...

Ich hoffe, ich konnte etwas weiterhelfen.
Viele Grüße

Kommentar von FragerHH ,

Danke für die Information

Die Ehegatten haben ab dem Punkt der (rechtskräftigen) Scheidung die Verpflichtung selbst für ihren Lebensunterhalt zu sorgen.  Insbesondere 
ist der geschiedene Ehegatte zu einer angemessenen Erwerbstätigkeit verpflichtet 

Das klingt zunächst mal gut und es wäre optimal für mich wenn meine Frau voll berufstätig wäre.

Ist sie aber leider nicht. Meine Frau ist  nicht beruftstätig und wird es wohl auch in absehbarer Zeit nicht sein (sie ist Ausländerin ohne einen in Deutschland anerkannten Beruf.)

Sie macht zwar gerade eine Umschulung über das Arbeitsamt - die Umschulung dauert aber noch 1 Jahr und ob sie dann anschliessend einen Job sucht und findet ist noch die Frage.

Wir waren 14 Jahre lang verheiratet.

Unsere beiden Kinder (9 und 10 Jahre) leben aktuell bei ihr.

Für die Kinder werde ich zahlen, ist schon klar und auch OK.

Aber wenn meine Frau nach der Scheidung kein eigenes Einkommen hat um ihren Lebensunterhalt inkl. Miete zu bestreiten und auch keinerlei Vermögen besitzt - wer zahlt dann für ihren Lebensunterhalt bis sie eventuell mal eine Arbeit findet?

Kommentar von sassenach4u ,

Sie muss zum Jobcenter! Und du solltest ihr einen Mietvertrag vorlegen.

Antwort
von weischlitz, 24

Ich hab die Scheidung eingereicht und bekomme überhaupt keinen Trennungsunterhalt. Auch für unseren Sohn der noch lernt zahlt er nicht . Wir klagen jetzt . Ich bekomme Harz 4 und gehe zwei Nebenjobs nach , da er mir auch den Pkw weggenommen hat . Wir sind bis jetzt fast 29 Jahre verheiratet und ich war meistens zuhaus hab die Kinder groß gezogen und ihm den Rücken frei gehalten. Jetzt sitz ich da und muss auch sehen wie ich über die Runden komm . Wünsch dir viel Glück 🍀.

Antwort
von rasperling1, 58

Erstens: der nacheheliche Unterhalt ist genauso hoch wie der Trennungsunterhalt - falls nicht ausnahmsweise irgendwelche Einkommensänderungen stattfinden. Zweitens: Du kannst von Deiner Frau eine Miete fordern - aber nur, wenn das kostenlose Wohnen in der Immobilie nicht bereits bei der Unterhaltsberechnung berücksichtigt wurde. Drittens: Mit Unterhaltsforderungen dürfen leider keinerlei Gegenforderungen aufgerechnet werden. Selbst wenn Du eine Gegenforderung gegen deine Frau haben solltest, musst Du also erst einmal den vollen Unterhalt zahlen und dann zusehen, wie Dur den Gegenanspruch durchsetzen kannst.

Kommentar von FragerHH ,

Danke für die Informationen.

Aber wie ist denn das mit dem (bereinigten) Nettoeinommen, das für die Unterhaltsberechnung herangezogen wird:
Während dem Trennungsjahr habe ich Steuerklasse 3.
Allerdings nach der Scheidung werde ich Steuerklasse 1 sein - was mein Nettoeinommen deutlich senken wird.
Hat die steuerbedingte Minderung meines Nettoeinkommens nach der Scheidung einen Einfluss auf die Höhe des Unterhalts nach der Scheidung ?

Kommentar von rasperling1 ,

Die Steuerklassenänderung muss natürlich berücksichtigt werden. Aber die Steuerklasse ändert sich nicht erst nach der Scheidung, sondern schon vorher. Die Steuerklasse muss nicht etwa erst nach Ablauf des Trennungsjahres oder gar erst nach der Scheidung geändert werden, sondern immer schon zum 1 Januar desjenigen Kalenderjahres, das auf die Trennung folgt. Falls die Trennung z.B. im Jahre 2015 war (egal zu welchem Termin im Jahre 2015), gilt ab Januar 2016 die Steuerklasse Eins.   

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