Frage von DesmondDescole, 126

Hochbegabung und Probleme im Umgang mit anderen - was tun?

Hallo liebe Community! Vor einiger Zeit wurde mir von einer örtlichen Kinder- und Jugendpsychologin eine Hochbegabung, mittels eines Testverfahrens, diagnostiziert.

Schön und gut, nur leider erschließen sich mir meine Vorteile nicht ganz. Mir wurde zwar nun ermöglicht neben der Schule ein paar Kurse zu besuchen, aber sonst sitze ich noch immer in der neunten Jahrgangsstufe fest, die ich bereits einmal wiederholt habe und sieche vor mich hin.

Mein wichtigstes Problem resultiert aus dieser Misere, ich habe riesige Schwierigkeiten mich in der Klasse zurecht zu finden. Kontaktschwierigkeiten bis zum Abwinken, Schüchternheit, ständiges "Komisch"-Wirken. Natürlich kann ich mich verstellen, wie ich es meistens muss, ich heuchle meinen Klassenkameraden Interesse an dem neusten Klatsch und Tratsch, Miley Cyrus, Justin Bieber und allen anderen Dingen, die anscheinend als bewundernswert gelten.

Ich habe eine gute Beobachtungsgabe, also sehe ich zu und lerne mich typisch zu verhalten. Allerdings WILL ich nicht so sein. Ich möchte mich auch außerhalb der Schule eigentlich mit niemandem treffen, ich bin gerne allein, es sei denn, ich befinde mich in Gesellschaft mit Leuten, die mich verstehen und akzeptieren wie ich bin. Meine wahren Interessengebiete unterscheiden sich einfach so gewaltig von denen meiner Altersgenossen, dass ich gar nicht damit anfangen kann, ohne sie zu langweilen oder ihnen auf die Nerven zu gehen.

Ich sitze den ganzen Tag in meinem Zimmer, erschöpft von der ganzen Schauspielerei und zerbreche mir den Kopf über sinnlose Dinge, bis ich meistens sogar zu dem Schluss komme, dass das Leben keinen Sinn hat. Ich fühle mich in dieser Welt unakzeptiert. Hat jemand hier vielleicht Erfahrung mit diesem Phänomen? Gibt es Gleichgesinnte? Was kann ich tun, um meinen Alltag etwas aufzuhellen? Liegt dieses Denken tatsächlich an der Hochbegabung und wenn ja, warum? Wie kann ich die bestmögliche Lösung finden?

Ich bin eigentlich ein sehr fröhlicher, neugieriger und glücklicher Mensch, aber meine Lage drückt mir doch sehr auf mein Gemüt.

Vielen Dank für eure Antworten im Voraus. ;)

Antwort
von SunKing33, 12

Hallo, DesmondDescole,

das Gefühl, sich irgendwie anders zu fühlen ist bei einer Hochbegabung recht normal. Viele erleben dieses Gefühl viel früher als Du - bereits in der Grundschule. Aus der Hochbegabung ergeben sich zwei Folgen.

1. Dir sind andere Dinge und Themen wichtig als den Jugendlichen Deines Alters sonst üblicherweise wichtig sind. Die Interessen der anderen erscheinen Dir möglicherweise sogar als kindisch.

2. Du kannst grundsätzlich schneller lernen als (deutlich) weniger schlaue Mitschüler, aber Du langweilst Dich leicht, ziehst Dich aus dem Unterricht zurück und verpasst dann den Anschluss - mit der Konsequenz, dass Deine Leistungen schlechter sind. Der Test zeigt Dir nur, was Du erreichen könntest, wenn es Dir gelingen wird, Deine Möglichkeiten für Schule einzusetzen.

Es gibt aber viele Aufgaben, die auch ohne großes Nachdenken gelöst werden können, weil es sich um Routine-Aufgaben handelt. Hier spielt Effizienz eine große Rolle, also die Aufgabe mit möglichst wenig Zeit fehlerfrei abzuschließen. Vielen Hochbegabten fehlt diese Effizienz. Stattdessen verstricken sich sich im Denken bei dem Versuch einen zweiten oder dritten Lösungsansatz zu finden.

Du bist in der neunten Klasse. Versuche in jeder Stunde mindestens dreimal etwas aktiv zum Unterricht beizutragen (idealerweise stellst auch Du eine weiterführende Frage zum Thema). Mache Deine Hausaufgabe. Durch Sie bereitest Du Dich auf den Anfang der neuen Stunde vor (es geht nicht um Üben!) ggf. bereitest Du anstelle der HA etwas eigenes zum selben Thema vor (aber schriftlich!).

Sage Deine Meinung über Themen. Unterscheide Deine Meinung von kränkenden Bewertungen über andere und deren Interessen.

Du bist den anderen genauso fremd, wie sie es Dir sind. Du machst Dich den anderen durch Deine Aussagen bekannt. Manche werden sich mit Dir auseinandersetzen - aber Du hast gute Argumente.

Man muss nicht mit andere übereinstimmen um dazu zu gehören. Man muss vor allem fair, glaubwürdig und berechenbar sein. Wenn Du Dich weiter zurück ziehst, bleibst du für die anderen aber zumindest unberechenbar.

Wenn Du gar nicht weiter kommst: Der Psychologe, der den Test mit Dir gemacht hat, kann Dir vermutlich noch einige Tipps geben.

Alles Gute, S.K.

Antwort
von adianthum, 20

Ich denke, dass dein Problem weniger mit der Intelligenz zu tun hat, als damit, dass dich dein "Anders-sein" belastet.

Ich war auch mein ganzes Leben lang "anders" habe es aber nie hinterfragt sondern einfach hingenommen. Ich habe einige wenige gute Freunde, so gut wie keine Bekannten, und die, die mich in eine Schublade tun wollen, die gehen mir am A.... vorbei.

Ein schönes Kompliment das ich einmal erhielt: Als ich dich das erste mal gesehen habe dachte ich: Was ist DAS denn für eine, aber jetzt wo ich dich kennengelernt habe, werde ich dich vermissen, wenn du wieder gehst.

Leider leben wir in einer Gesellschaft des "ersten Eindrucks", der leider nur all zu oft täuscht. Wer sich nicht darauf einlässt dich wirklich kennen lernen zu wollen, der hat halt Pech gehabt.

Vor allem in der Schulzeit war das auch bei mir sehr extrem. Mit den Meisten konnte ich einfach nichts anfangen. Ich habe mir meinen Freundeskreis halt anderswo gesucht, da wo gleiche Interessen bestanden, und die Gespräche nicht so oberflächlich waren. Mit 14 waren meine Freunde/innen im Schnitt alle mindestens 4 Jahre älter als ich oder schon "erwachsen".

Gleichaltrige erschienen mir wie von einem anderen Planeten und die Interessen, die sie hatten, waren für mich einfach nicht nachvollziehbar.

Vielleicht war es für mich aber aus dem Grund nicht so schlimm, weil mein Vater ebenfalls ein Einzelgänger und Eigenbrötler war, der uns Kinder zum Querdenken und Hinterfragen erzogen hatte. Es war also irgendwie normal "nicht normal" zu sein!

Antwort
von einfachichseinn, 26

Ich glaube das hat kaum etwas mit deiner Hochbegabung zu tun.

Mir ging es eine zeitlang sehr ähnlich. Ich habe mir meine Probleme dann selber noch eingeredet und mich ins Abseits katapultiert.

Ich kenne viele Stars und sämtlichen Klatsch kaum. So ist das, aber es gibt gewiss mehr Gemeinsamkeiten zwischen anderen Menschen und mir, als Unterschiede.

Bei dir ist das genauso.

Fangen wir mal grob an.

Du bist ein Mensch, wie die anderen.

Du bist ein Mädchen oder ein Junge.

Du magst bestimmt eine bestimmte Art der Musik.

Du magst einige Filme.

...

Vielleicht magst du andere Dinge, als die meisten anderen Menschen, aber es kommt nicht nur auf die Unterschiede, sondern auf die Gemeinsamkeiten an.

Für eine Freundschaft zählt auch am allerwenigsten die Intelligenz, sondern viel eher, dass beide Parteien auf einer Wellenlänge schwimmen.

Versuche mal deine Hochbegabung außenvor zu lassen, denn die sagt gar nichts über dich oder irgendetwas aus. Außer eventuell, dass du ein hohes Potential im kognitiven Bereich hast.

Antwort
von AnglerAut, 36

Ist keine ungewöhnliche Situation.

Die Schule wirst du überstehen müssen und überstehen können. Deine Aussichten sind gut, dein Umfeld wird bald "Nachreifen" und du wirst dir nicht mehr gar so fremd vorkommen.

Spätestens in der Uni solltest du dann ausreichend Menschen finden, mit denen du gut kannst, die interessant sind.

Als Lektüre würde ich dir einmal Hermann Hesse "Damian" empfehlen oder wenn du es von der düsteren Seite bevorzugst, Nietzsche mit seinem "Also sprach Zaratustra".

Wird schon ;)

Antwort
von xXxStormyxXx, 31

Hallo,

Ich habe das selber leider auch schon erlebt. Versuche dich nicht zu sehr für andere zu verstellen, sie merken es sowieso, dass du ihnen etwas vorspielst.

Es gibt schon Recht viele Kurse für Hochbegabte, dort kannst du möglicherweise ein paar Menschen kennenlernen, die deine Interessen und Hobbys teilen.

Ich kann aus Erfahrung sagen, dass es vor allem in der Schule leichter wird, wenn du älter wirst, da die viele deiner Klassenkameraden mit der Zeit toleranter werden und sich erwachsener Verhalten.

Ich hoffe, dass ich dir irgendwie weiterhelfen konnte.

Mfg Stormy

Antwort
von bEAUTYgIRLmAC, 9

mir geht es so ähnlich ich bin auch in einer hochbegabten klasse und habe dort ÜBERHAUPT keine Freunde!!!!(es gibt bloß 3 mädchen alles andere sind jungs) ich habe auch ziemlich spezielle interessen gebiete(mode,beauty mit elf, alle anderen spielen bloß pokemon)naja ich gewöhne mich daran (sei wie du bist das ist das beste)

Antwort
von DerKleineRacker, 26

Ich glaube du bildest dir auf deine Hochbegabung ein bisschen zu viel ein und kapselst dich bereits im Vornherein von deinen Mitschülern ab. Um zusammen Spaß haben zu können benötigt man keine besondere Intelligenz (die Intelligenz die dir attestiert worden ist, ist logisch-analytischer Natur nehme ich an). Kannst du wirklich keinen Spaß haben ohne über Quantenphysik zu reden, oder was auch immer genau dein Interessengebiet ist? Ich habe im Rahmen meines Studiums mal einen Monat lang mit geistig behinderten Menschen zusammen gearbeitet und dabei sehr viel Spaß gehabt. Wie ist das deiner Meinung nach möglich, wenn die geistigen Fähigkeiten angeblich so entscheidend sind für zwischenmenschliche Interaktionen?

Soziale Kreise sind zudem keine starren Gebilde in die man hineingeworfen wird, vor allem nicht in der Schule. Du selbst hast die Möglichkeit die Gruppendynamik zu verändern, hin zu einer von dir gewünschten, und all das ist möglich ohne sich zu verstellen, alles was es dazu braucht ist ein bisschen emotionale Intelligenz. Und eben gerade da haben viele "hochbegabte" Menschen klare Defizite, Defizite die man sich eingestehen, und an denen man arbeiten sollte, ohne dafür externe Gründe zu suchen. 

Antwort
von Aengstlicher, 30

Hochbegabte sehnen sich nach Artgenossen > es gibt in grösseren Städten Selbsthilfegruppen für Hochbegabte. Mit deinen Mitschülern wirst dich nicht verstehen können ev wäre eine Schule für Begabte angesagt.

Antwort
von ohrenchecker, 23

Deine Misere besteht tatsächlich darin, offensichtlich wenigen Menschen auf Augenhöhe zu begegnen. Wieso wiederholst Du die Klasse? Offenbar hat Dich der (allerdings erforderliche) Stoff so gelangweilt, dass Du Dich mit. Anderen Dingen befasst hast und schließlich ganz schlicht Wissenslücken hattest! 

Wenn Dich der Kram Deiner Mitschüler nicht interessiert, dann ist das eben so! Suche Dir spannendere Menschen außerhalb der Schule (Vereine, politische Gruppierungen etc.) mit denen Du Deine Interessen teilen kannst! Du hast keine Interessen? Dann ist die Hochbegabung eine Fehldiagnose! 

Du bist doch ein fröhlicher in intelligenter Mensch! Sprich mit anderen ((Eltern, Lehrern) über Deine Probleme!

Finde heraus, was Dich fesselt! Irgendwo dort liegt auch der Sinn des Lebens! Hadere nicht mit Deinen Besonderheiten, sondern nutze sie und mach was draus! Bei Deiner Begabung findest Du schon heraus, wie das geht!

Antwort
von Nube4618, 33

Es ist nicht schlecht, ein Aussenseiter zu sein. Es ist aber nicht gut, darunter zu leiden. 

Im Moment bist du noch in der etwas misslichen Lage, dich in einem Umfeld bewegen zu müssen, das den repräsentativen Querschnitt der Menschen in deinem Alter darstellt. Einen Tipp wie das einfacher auszuhalten wäre kann ich nicht liefern. Aber die Erfahrung, dass du dir deine Umgebung nach der "Grundausbildung" zunehmend selbst wirst aussuchen können. 

Hoffe das hilft wenigstens ein kleines bisschen. 

Antwort
von Sanja2, 19

Google mal nach Schulen für Hochbegabte. Vielleicht gibt es so was in deiner Nähe, vielleicht auch nicht. Diese Schulen haben aber meistens ein Internat, dass auch vom Jugendamt mit finanziert werden könnte, wenn die Notwendigkeit dazu besteht.

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