Hobbes Monarchie heutzutage möglich?

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2 Antworten

im grundgesetz ist festgelegt, dass deutschland artikel 20 absatz 1 gg: 
die Bundesrepublik Deutschland ist ein demokratischer und sozialer Bundesstaat. gemäß art. 79 absatz 3gg kann diese auch nicht verändert werden. (ewigkeitsklausel).

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Kommentar von Tilsia
14.02.2016, 12:27

Danke für die Antwort, das ist ein guter Einstieg, aber das meinte ich nicht. Es ist eher ein Gedankenexperiment, ob die Gesellschaft einen Herrscher akzeptieren würde, dem sie alle Rechte überträgt, aber dem sie nicht blind folgen würde, sondern sich vom Herrscher abwenden würde, wenn er/sie die Sicherheit gefährden würde.

Ich habe mir auch schon was dazu überlegt, nämlich dass, wie man bei Hitler schon gesehen hat, sich die Gesellschaft nicht gegen jemanden der die Sicherheit gefährdet stellt ( -> Hitler hat einen Teil der Gesellschaft umbringen lassen sowie einen sinnlosen Krieg begonnen).

Außerdem ist die Gesellschaft von heute schon zu "verwöhnt" was Freiheit angeht. "Mit Sicherheit stirbt die Freiheit" ist ja ein weit verbreitetes Argument, das z.B. gegen die Vorratsdatenspeicherung etc. vorgebracht wird. Zudem würde niemand einfach so einer Enteignung seines Hab und Guts akzeptieren, nur weil es dem Gemeinwohl dient, ohne eine anständige Entschädigung zu bekommen, und selbst dann wären einige nicht dazu bereit.

Des Weiteren sieht man ja auch, dass selbst in einem eigentlich ziemlich politikverdrossenem Land wie Deutschland die Leute auf die Straße gehen, wenn ihenen etwas gar nicht passt (-> z.B. PEGIDA). Also ist es schwer, einen Machthaber zu finden, der die Sicherheit so herrstellt, dass alle Menschen damit zufrieden sind, da jeder ein anderes Verständnis von Sicherheit hat. Würde sich dann der unzufriedene Teil einfach von dem/der Herrscher_in abwenden, könnte es trotzdem zu einem von Hobbes gefürchteten Bürgerkrieg kommen, wenn sich eine zweite Gesellschaft gründet, die aber Anspruch auf den selben Raum erhebt wie der bisherige Herrscher.

Ich glaube ich habe damit meine Frage selbst beantwortet :D aber wenn jemand noch weitere Argumente hat, oder einige Gegenargumente anbringen kann, würde ich mich sehr freuen :)

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Zunächst einmal glaube ich, dass sich Thomas Hobbes nicht gegen die Demokratie wendet, denn die war ja - erst recht in ihrer heutigen Form - im 17. Jahrhundert ohnehin keine Option. Vielmehr stellt er sich vor dem Hintergrund des englischen Bürgerkriegs gegen den zunehmenden Einfluss des Parlaments und propagiert die absolutistische Herrschaft, die er allerdings naturwissenschaftlich begründet und sich damit bei den Königen und Fürsten seiner Zeit, die sich ja als von Gott gesandt verstehen, auch keine Freunde macht.

Ansonsten könnte man Deine Frage unter zwei Aspekten zu beantworten versuchen: Zum einen mit Blick auf den theoretischen Hintergrund, d.h. auf die Begründung, die Hobbes für den Absolutismus liefert, zum anderen mit Bezug auf die konkrete, praktische Ausformung dieser Herrschaft.

Um es kurz zu machen (alles weitere sprengt den Rahmen): Die Theorie dürfte im 21. Jahrhundert nicht mehr interessant sein. In der Praxis hingegen ist die Diktatur von Einzelpersonen (man muss es ja nicht Absolutismus nennen) auch heute natürlich nicht völlig von der Bildfläche verschwunden. Die totale Kontrolle des Militärs, der Polizei, der Wirtschaft und der Presse, ja die totale Kontrolle alles gesellschaftlichen Lebens überhaupt, die Hobbes seinem Herrscher einräumt, kann man heute schon in diversen Staaten beobachten - wenngleich unter anderen kulturellen oder politischen Vorzeichen. Saudi-Arabien würde ich dazu zählen oder Nordkorea.

Der wesentliche Unterschied besteht in dem Widerstandsrecht, dass Hobbes den Untertanen einräumt, wenn der Souverän seinen Pflichten und Aufgaben nicht nachkommt. Wie dieses Recht allerdings unter den gegebenen Umständen einer Kontrolle aller Mittel durch den Fürsten wirkungsvoll umgesetzt werden soll, bleibt mir persönlich ein Rätsel.

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