Frage von DukeWellington, 98

Historisches Frankreich Verräter?

Ich beschäftige mich jetzt seit Längerem mit Geschichte und da ist mir aufgefallen, dass die Franzosen den Deutschen dermaßen oft in den Rücken gefallen sind, dass es nicht mehr feierlich ist.

Einige Beispiele:

Dreisigjähriger Krieg: Frankreich wartet bis Deutschland ausgeblutet ist und erklärt dem Reich dann den Krieg, um einige rheinische Gebiete zu erlangen:

Wiener Türkenbelagerung/(1683): Die Türken stehen vor Wien, anstatt Österreich zu unterstützen, wie es die Polen gemacht haben, sehen sie liber zu und nach der erfolgreichen Abwehr der Türken und der Gegenoffensive Österreichs fällt Frankreich abermals ins Rheinland ein.

Napoleon: Verwüstet unter dem Vorwand der Freiheit ganz Europa, obwohl er selbst wie ein Diktator herrscht.

Meiner Meinung nach ist es das hinterhältigste und feigste Land in der Geschichte. Und dann noch zu sagen, Deutschland wäre Schuld an der Erbfeindschaft-also tut mir Leid, aber diese haben anscheinend 300 Jahre Geschichte ausgelassen und kommen dann mit Deutsch-Französischer Krieg(1870/71) und dem ersten Weltkrieg. Mir ist durchaus bewusst, dass Deutschland im WK 2 üble Gräueltaten angerichtet hat, aber dennoch ist dies meine Meinung über Frankreich.

Und als einzigstes Land wollten sie nach dem Wk 2 Deutschland zu einem reinen Agrarstaat machen, was die anderen Mächte zum Glück verhindern konnten.

Wie ist eure Meinung dazu

Antwort
von Karl37, 20

Die Gründe der "Erbfeindschaft" sind bei der Kaiserwahl von 1519 zu suchen. Nach dem Tod von Kaiser Maximilian gab es drei Kandidaten, Franz I von Frankreich, Friedrich und der Enkel von Maximilian der Karl auf den Kaiserthron des HRR.

Im ersten Wahlgang wurde Friedrich von Brandenburg von den Kurfürsten gewählt, der aber die Wahl ablehnte. Man vermutet es waren Schmiergelder der Fugger im Spiel. Im 2. Wahlgang wurde Karl V. als Kaiser des HRR gewählt, er war auch  kein Deutscher und sprach kein Deutsch. Er hatte sich aber in die Hände der Fugger begeben.

Franz I. war frustiert und der französische König und seine Nachfolger taten vieles um das HRR zu schaden. Es waren die Franzosen, die dem Sultan  in Istambul wissen ließen, dass sie im Fall eines osmanischen Angriff auf das HRR neutral sein werden und damit sowohl die 1. wie auch die 2. Belagerung Wiens ermöglichte.

Antwort
von SplitterFX, 38

In Europa kann man Frankreich nicht als den Bösewicht abstempeln , denn um die vormachtstellung in Europa zu erlangen taten England Deutschland und Russland mindestens genauso viel Schlimmes.
Und Frankreich hatte einen guten Grund nach 3 Kriegen gegen Deutschland, indem Deutschland 2 mal den Krieg vom Zaun gebrochen hat und beim ersten mal zumindest aggressiv gehandelt hat, zu wollen, dass Deutschland nie wieder einen Krieg anzetteln kann.
Die Franzosen sind für mich, zusammen mit GB aber nie genug verurteilt worden für ihre massive Verbrechen, während des Kolonialismus und vor allem keine richtige Aufarbeitung, im Gegensatz zu Deutschland und dem Holocaust, wobei es da auch massive Probleme gab

Antwort
von soissesPDF, 19

Dass Deine historischen Kenntnisse mangelhaft sind...
Frankreich ist sei je eine der europäischen Großmächte.
Nämlichen Anspruch hatte Preußen ehedem auch, wie ebenso England, Österreich und Russland.

Entscheidend ist nicht wer einen Krieg anfängt, sondern letztlich wer den Kireg verliert.
Sieger schreiben die Geschichte, nicht die Verlierer.

Den Krieg von 1870/71 provozierte Bismarck, für seine Interessen Deutches Reich. Den Ersten Weltkrieg brach Wilhelm II. vom Zaun, den 2. Weltkrieg olle Adolf, der kleine Gefreite.

Antwort
von SchIaufuchs, 35

So ähnlich wie du hat Hitler das ja auch gesehen. Wobei er keine Gelegenheit mehr hatte, seinem Ärger über den Morgenthau-Plan Luft zu machen. :)

Antwort
von PurpleMiku, 24

Damit meinst du vermutlich Gebiete des heiligen Römischen Reichs und Preußen. Deutschland ist nämlich ein sehr junges Land.

Dreißigjähriger Krieg: Frankreich wartet bis Deutschland ausgeblutet ist
und erklärt dem Reich dann den Krieg, um einige rheinische Gebiete zu
erlangen:

Frankreich war Teil des Dreißigjährigen Krieges, in welchem Deutsche gegen Deutsche gekämpft haben. Das dann auch Gebiete der Gegner an Frankreich abfallen können ist klar.

Wiener Türkenbelagerung/(1683): Die Türken stehen vor Wien, anstatt
Österreich zu unterstützen, wie es die Polen gemacht haben, sehen sie
liber zu und nach der erfolgreichen Abwehr der Türken und der
Gegenoffensive Österreichs fällt Frankreich abermals ins Rheinland ein.

Spanien erklärte Frankreich den Krieg und zog das Reich mit rein.

Und als einzigstes Land wollten sie nach dem Wk 2 Deutschland zu einem
reinen Agrarstaat machen, was die anderen Mächte zum Glück verhindern
konnten.

Ich kann Frankreich irgendwie verstehen. Fände ich die Entscheidung richtig? Nein. Allerdings musst du auch bedenken, dass Frankreich nicht nochmals in einen Krieg gegen Deutschland gezogen werden wollte.

Auseinandersetzungen zwischen Deutschland/Preußen und Frankreich:

Spanischer Erbfolgekrieg: Kann man vielleicht als Sieg bezeichnen. Spanien gibt Land in Italien und den Niederlanden ab. Frankreich tritt Kolonien an England ab. Frankreich erhält nach langer Zeit einen starken Verbündeten und ist nicht mehr nur von Feinden umringt.

Siebenjähriger Krieg: Sieg der Koalition gegen Frankreich. Frankreich und Spanien treten Land vor allem an England ab.

Über die Napoleon Kriege müssen wir glaube ich nicht reden. Das Outcome ist klar.

Deutsch-Französischer Krieg: Frankreich verliert den Krieg deutlich.

Frankreich war Jahrhunderte die militärische Macht in Europa. und Preußen wurde quasi über Nacht zu einer Nation, welches es militärisch mit dem Europäischen Powerhouse Frankreich aufnehmen konnte. Die komplette Balance of Power galt nicht mehr. Durch eine Nation hat sich quasi über Nacht ganz Europa verändert.

Kommentar von JoDaTr ,

Nachfolgend einige Anmerkungen und Richtigstellungen:

  • Deutschland ist ein relativ altes Land (bald 1100 Jahre). Preußen - jedenfalls in dem Sinne, wie wir es heute i.d.R. verstehen - ist ein relativ junges Land (rund 300 Jahre) (ich meine hier nicht das alte Herzogtum Preußen, das zudem ja nicht zum SRI gehörte).
  • Im Dreißigjährigen Krieg sind deutsche Gebiete nicht quasi zufällig an Frankreich gefallen, sondern Frankreich hat 1635 aktiv in den Krieg eingegriffen, nachdem das SRI  durch den Frieden von Dresden schon fast befriedet zu sein schien.
  • Großer Türkenkrieg und Pfälzischer Erbfolgekrieg: Die Nicht-Verlängerung des Friedens von Eisenburg von 1664 durch das Osmanische Reich 1683 mit dem nachfolgenden Angriff auf Wien erfolgte nicht zuletzt auch auf Betreiben Ludwigs XIV. Und nicht zufällig eröffnete Frankreich den Pfälzischen Erbfolgekrieg, als sich die Erfolge der Kaiserlichen gegen die Osmanen häuften.
  • Spanischer Erbfolgekrieg: kein richtiger Sieg Deutschlands und seiner Verbündeten, da das Hauptziel, nämlich die spanische Krone für Erzherzog Karl (den späteren Heilig-Römischen Kaiser Karl VI.) nicht erreicht wurde; die Krone fiel an den Herzog von Anjou, einen Enkel Ludwigs XIV..
  • Siebenjähriger Krieg: Welche Koalition ist gemeint?? Frankreich war Teil der Koalition aus Frankreich, Deutschland, Rußland und Schweden gegen Preußen und England.
  • Preußen = Nation???
Kommentar von SplitterFX ,

Deutschland IST ein junges Land.
Der erste richtige deutsche Staat ist 1871 erst gegründet worden.

Kommentar von JoDaTr ,
  • "Deutschland" und "deutscher Staat" sind nicht unbedingt gleichzusetzen.
  • Deutschland ist im Laufe des 10.Jh. "entstanden"; es war dann einer der drei Reichsteile des SRI.
  • In dem Maße, in dem die beiden nicht-deutschen Reichsteile des SRI nach und nach aus dem Reichsverband ausschieden, wurde "Deutschland" spätestens seit dem 16. Jh. mit dem SRI quasi gleichgesetzt, und zwar sowohl im offiziellen Sprachgebrauch als auch in der Umgangssprache - und dies wiederum im deutschen wie auch im außerdeutschen Sprachgebrauch (z.B. spricht Voltaire 1748 vom SRI als "Bundesrepublik Deutschland"!).
  • Das SRI war ein "richtiger" Staat mit allem, was einen solchen wesentlich ausmacht: Staatsterritorium (mit im Laufe von über 800 Lahren natürlich wechselnden Grenzen), Staatsoberhaupt (Römischer König/Kaiser), Reichsregierung (Reichsvizekanzlei), Legislative (Reichstage, seit 1663 "immerwährend"), Judikative (Reichskammergericht, Reichshofrat), Reichsverfassung (aus mehreren Texten bestehend, u.a. Wormser Konkordat, Statutum in favorem principum, Goldene Bulle, Augsburger Religionsfriede, Westfälischer Friede ...), bedarfsweise aufgestellter Reichsarmee ...
  • Angesichts der Tatsache, daß sich unsere Vorfahren als "Deutsche" ("Teutsche") und als in "Deutschland" ("Teutschland") lebend empunden und dies in Wort und Schrift auch so geäußert haben (auch von einen deutschen Patriotismus ist in zeitgenössischen Quellen die Rede, z.B. J.H.Zedler 1743), besteht für uns Heutige kein Grund, die BRD als das einzig wahre oder gültige Deutschland im Lauf der Geschichte zu sehen. Laßt uns diese Frage in vielleicht zwei- oder dreihundert Jahren nochmal besprechen...
Kommentar von JoDaTr ,

Korrektur: Das mit der "Bundesrepublik Deutschland" war nicht Voltaire, sondern Montesquieu (De l´esprit des loix, Genf 1748).

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