Frage von Feanor1169, 36

Historiker Methoden aneignen?

In der Schule sollen wir eine "selbstgewählte Aufgabe" machen. Ich wollte also ein Buch über römische Geschichte des dritten Jahrhunderts (v.Chr.) schreiben. Mein Lehrer legte mir erwartungsgemäß Einschränkungen auf. Erstens bräuchte ich eine zentrale Fragestellung. Damit komme ich klar, aber das zweite ist schon kniffliger: Ich solle "schreiben mit der Methodik eines Historikers", also in einem gewissen Stil zittieren, Kapitel anlegen etc. . Meine Frage also: wo kriegt man Input dazu? Kennt ihr da irgendwelche Websites, Bücher, Richtlinien, E-mail Adressen, oder ähnliches? Ach und: gibt es da überhaupt allgemeine Richtlinien?

Expertenantwort
von ArnoldBentheim, Community-Experte für Geschichte, 17

Zur "Methodik eines Historikers" gibt es reichlich an Literatur - das Internet ist zu oberflächlich und wird dir nicht viel helfen.

Ich empfehle dir, weil es dich interessiert, folgende Bücher, von denen, wie ich hoffe, wenigstens ein oder zwei in eurer Schul- oder Stadtbibliothek zu finden sind:

  • Volker Sellin: Einführung in die Geschichtswissenschaft. 2. Aufl. 2005.
  • Stefan Jordan: Theorien und Methoden der Geschichtswissenschaft. 3. Aufl. 2015.
  • Nils Freytag, Wolfgang Piereth: Kursbuch Geschichte. Tipps und Regeln für wissenschaftliches Arbeiten. 5. Aufl. 2011.
  • Wolfgang Schmale (Hrsg.): Schreib-Guide Geschichte. Schritt für Schritt wissenschaftliches Schreiben lernen. 2006.

Und weil der Historiker vornehmlich mit "Quellen" schriftlicher oder materieller Art arbeitet, noch eine besondere Empfehlungen:

  • Ahasver von Brandt: Werkzeug des Historikers. Eine Einführung in die historischen Hilfswissenschaften. 18. Aufl. 2012.

Solltest du irgendwann mal Lust verspüren, Geschichte zu studieren, dann lies einmal eines dieser exzellenten Bücher:

  • Lutz Raphael: Geschichtswissenschaft im Zeitalter der Extreme. Theorien, Methoden, Tendenzen von 1900 bis zur Gegenwart. 2. Aufl. 2010.
  • Georg G. Iggers: Geschichtswissenschaft im 20. Jahrhundert. Ein kritischer Überblick im internationalen Zusammenhang. 2. Aufl. 2007.

Zum Abschluss noch ein Rat: um über das Thema zur römischen Geschichte, das dich interessiert, ein "Buch" zu schreiben, solltest du wenigstens ein Jahr, wenn nicht zwei Jahre einplanen. Ist das zu lange? Ja, natürlich! Also, begnüge dich mit einem gut recherchierten Aufsatz von nicht mehr als 20-30 Seiten, der, wie es dein Lehrer wünscht, einer Leitfrage folgt!  ;-)

Welche Quellen und Literatur willst du deiner Arbeit zugrundelegen? Hast du schon recherchiert?

MfG

Arnold

Kommentar von Feanor1169 ,

Naja... bislang hatte ich Eltern, Internet, das eine oder andere Heft oder Buch, das eine oder andere YouTube Video, Computerspiele, aber meine Hauptquelle sind Hörbücher, die ich wirklich mehr als einmal gehört habe und mehr als nur eines. Das klingt nach ner wilden Mischung, aber ich kann so viel vergleichen, und wenn ich Zweifel am Wahrheitsgehalt habe, google ich einfach. Ich habe es eigentlich kaum nötig noch zu recherchieren, vor allem wenn es nur ein Aufsatz sein würde, weiß ich genug über Aufstieg und Fall des Seleukidenreiches, Anabasis des Antiochos, Struktur (Satrapien), Charakter von Ptolemäerreich und Makedonien, Makedonischer Phalanx, Hoplitenphalanx, Massaliotischen Handelsbeziehungen, Rhode, Emporion, dem Iberusvertrag, Punischer Korruption, Manipulartaktik, Illyrien, Oberitalien, Cannae, Trebia, Zama, Kynoskephalai, Pyrrhus, Tarent, Samniten, Barkiden, dem Söldnerkrieg, etc. . Mein Problem ist also wirklich nur der Stil.

Kommentar von ArnoldBentheim ,

Es freut mich zu lesen, dass du sehr engagiert bist, deine Kenntnisse zu erwerben und auszubauen. Dagegen ist nichts zu sagen. Denn auf diese Weise wirst du deine historischen Interessengebiete noch ausweiten können.

Aber für einen geschichtlichen Aufsatz reicht das leider nicht. Du kannst nicht einfach irgendetwas hinschreiben, was du mal irgendwo gehört oder im Internet gelesen hast. Wenn du das planst, kommt allenfalls ein Essay heraus, der aber den von deinem Lehrer gewünschten Anforderungen nicht entspricht! Geschichtswissenschaftliche Forschung findet in Büchern und Aufsätzen statt, die man derzeit nur in seltenen Fällen im Internet, überhaupt nicht bei Youtube findet. Wenn du zur Leitfrage deines Aufsatzes Antworten gibst, dann gehört zur historischen Methode dazu, dass du die Quellen und die Literatur, die du benutzt, in Anmerkungen nachweist, damit der Leser weiß, was du übernommen hast und welche deine eigenen Interpretationen sind. Youtube oder Computerspiele sind als Nachweise völlig ungeeignet, das Internet nur eingeschränkt und Bücher - nun, es kommt darauf an, ob sie von Fachleuten geschrieben sind oder nicht. Du siehst, es genügt für einen geschichtlichen Aufsatz, erstellt "mit der Methodik eines Historikers", nicht, viel zu wissen, sondern der Historiker muss sich immer Rechenschaft darüber ablegen, woher er sein Wissen bezieht und ob seine Bezugsquellen tatsächlich "Wissen" vermitteln oder nur Halbwissen oder auch Unsinn! Das ist manchmal sehr schwierig, weil z. B. auch in jeder zeitgenössischen Quelle, insbesondere aus der römischen Zeit, nicht nur die reine Wahrheit steht!  :-)

Kommentar von gude03 ,

Ich schließe mich meinem Vorredner an. Mit freundlichen Grüßen

Antwort
von Hikez, 18

Dein Geschichtsbuch wird dir einen groben Überblick geben können, die dort erwähnten Ereignisse einfach im Internet suchen und detaillierter ausführen. Du könntest die Kapitel chronologisch ordnen und zu jedem größeren Ereignis ein Unterkapitel einordnen. Wie man zitiert, weißt du hoffentlich, das kannst du dann ja random in die Kapitel einbauen. Je nach dem, wie deine Fragestellung ist, musst du auch auf die Wahl von Wert- und Sachurteilen achten.

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