Frage von LongIsland11, 92

Hilfe, ich bin ein Narzisst, was tun?

Hallo allesammt.

Bestimmt kommt es nicht alle Tage vor, dass jemand wie ich sich diese Tatsache so eingestehen kann, auch noch das Negative darin sieht und nicht einmal stolz darauf ist.

Vorgeschichte: Wie es dazu kam, weiss ich. Es war meine Kindheit, die alle Voraussetzungen erfüllte, um mich zu dem zu machen, das ich bin. Ich war schon immer sehr, sehr selbstüberzeugt, manipulierend, wollte von allen bewundert werden, hatte fast schon unrealistische Karrierepläne in meinem Kopf und war ganz einfach in jeder Hinischt auf ungesunde Weise selbstbezogen, egoistisch und auf meinen eigenen Vorteil fixiert. Ich habe viele Leute ausgenutzt und verletzt. Ich bin ein Narzisst, so wie es in vielen Begriffserklärungen beschrieben wird.

Ich hatte zuvor nie ein Problem damit, oder mir Gedanken darüber gemacht, geschweige denn wollte ich etwas daran ändern. Bis jetzt. Der Auslöser ist, dass ich mich nun das erste mal auf ehrliche Weise in jemanden verliebt habe, seit einiger Zeit in einer Beziehung bin. Und ja, erstaunlicher Weise ist es mehr oder weniger eine selbstlose Liebe. Auch der Ausdruck "Lieben, um selbst geliebt zu werden" trifft diesmal nicht zu. Ich habe das innige Bedürfnich diese Person niemals ernsthaft zu verletzen, da sie ganz einfach wundervoll ist. Aus diesem Grund habe ich mir Gedanken gemacht. Das Letzte, das ich will ist wieder in alte Verhaltensmuster zurück zu fallen. Ich möchte nicht egoistisch dieser Person gegnüber sein, nicht nur nehmen, sondern auch geben. Ich möchte verständnisvoll sein, wenn sie an einem Tag mal ihren Hobbies nachgehen will und keine Zeit für mich hat. Ich möchte ihr Freiheiten geben damit sie sich nicht kontrolliert fühlt. Ich möchte ganz einfach, dass Sie glücklich ist. Bis jetzt gab es noch keine Probleme. Zwar habe ich ein paar Mal schmerzhaft nachgegeben oder es einfach mit Frust akzeptiert, wenn etwas nicht so lief wie ich es mir vorgestellt habe, was ich sonst früher niemals getan hätte, denoch habe ich ehrlichgesagt Angst, dass ich mich irgendwann wieder auf negative Weise ändere. Die Tatsache, dass diese Person mit ihrer Naivität und Gutmütigkeit auch das perfekte und leichte Opfer wäre, macht mir zusätzlich Angst, gleichzeitig ist es auch ein Ansporn mich extra gut für sie anzustrengen, falls das hier jemand verstehen kann...?

So, das wäre mal die Erklärung. Ich habe jetzt an Zwei Möglichkeiten gedacht. 1: Ich würde so weitermachen wie bisher. Einfach eine Selbsttherapie. Darauf zu achten genügend zu geben und nichtnur zu nehmen und so weiter. Mich einfach teilweise zu zwingen bis es für mein Gehirn Routine wird und sich daran gewöhnt. Das läuft auch ganz gut. Ich würde mich dann nur fragen, ob das auch funktioniert? Oder ist es für einen Narzissten unmöglich, sich zu ändern? 2: Eine Therapie. Ja ich wäre dazu bereit. Nur wäre es meine zweite Möglichkeit, falls Ersteres nicht funktioniert (nicht funktionieren KANN).

Ich bitte um Antworten und Tipps. Lg

Antwort
von infpgirl, 49

Bist du dir sicher dass du ein Narzisst bist? Denn so wie ich dass hier lese, klingt das für mich nicht gerade so. Man sagt ja dass Narzissten unfähig wären zu lieben und nur im eigenen Interesse handeln. Das tust du ja momentan wohl nicht bzw.willst du es nicht? Wahrscheinlich hast du so wie einige Menschen, narzisstische Züge die etwas ausgeprägter sind, was noch nicht bedeutet dass du eine narzisstische Persönlichkeitsstörung hast. An deiner Stelle würde ich mal ein Gespräch mit einem Psychologen vereinbaren und mit ihm darüber reden. Das würde dir bestimmt helfen dich besser kennen zu lernen und gewisse Dinge aus einem positiveren Blickwinkel zu betrachten. Viel Glück :)

Kommentar von LongIsland11 ,

Danke für deine Antwort! 

Die Sache ist die, dass ich bevor ich diese Person kannte, so war wie du es gerade beschrieben hast. Ich war eben das perfekte Paradebeispiel. 

Das es jetzt anders ist, ist für mich genaus erstaunlich wie für dich. Und ich habe ja beschrieben, dass meine einzige Angst ist, dass ich wieder so werde wie zuvor. 

Ich werde wohl wirklich darüber nachdenken müssen zu einem Psychologen zu gehen.

Antwort
von SkyDown, 39

Erstens sind begriffe wie narzisst relativ d.h. es gibt keine wirkliche Grenze ab wann jemand ein Narzisst ist. Denn jeder Mensch ist etwas (etwas) egoistisch und auf Eigennutz aus. Genauso gibt es Menschen die ein niedrigeres Selbstwertgefühl haben wie das bei Narzissten der Fall ist. Doch bei so psychischen Sachen gibt es vieles was sich überschneidet (z.B. Depressionen und Persönlichkeitsstörungen haben ähnliche Muster) und da man sich selbst immer subjektiv sieht kann man das selbst nie beurteilen. Da muss schon jemand der sich damit auskennt sagen ob dein Verhalten normal ist (und das ist es sehr wahrscheinlich).

Ich kenne echte narzissten und die haben meist eine starke Realitätsverdrängung bzw Wahrnehmungsstörung. Die würden nie auf die Idee kommen sich selbst fehler einzugestehen (die sie auch ernst meinen). Das wäre in etwa so wie wenn dir jetzt gesagt wird, dass es völlig normal sei Frauen und Kinder zu vergewaltigen und du gezwungen wirst das zu tun. Da könntest du auch nicht mitmachen. Genauso ist das für einen Narzissten wenn er sich etwss eingestehen müsste. Also die moralischen Gefüge von Narzissten sind anders aufgebaut und erlauben es daher nicht dass man sie kritisiert.

Kommentar von LongIsland11 ,

Erstmal vielen Dank für deine Antwort. 

Jedoch muss ich dir bei ein paar Punkten wiedersprechen. Es gibt solche und solche. Ich weiss, dass mein Verhalten nicht normal ist und es hat auch sehr lange gedauert, bis ich es mir eingestehen konnte. Mir wurde es in der Vergangenheit auch oft genug gesagt.

Ich glaube es ist auch sehr wichtig, in wie weit es eben ausgeprägt ist. Ich würde mich nicht als absolut abnorm und total Realitätsverdrängend bezeichnen. Jedoch ist es eben in gewissen Massen vorhanden.

Kommentar von SkyDown ,

realitätsverdrängung kann man selber nicht wahrnehmen .. egal wie sehr du es versuchst. Man kann sich Dinge auch einreden und ich glaube dass du das tust. Wenn du dir sicher bist dann geh mal zu einem psychologen und der wird dir dann sagen was dahinter steckt.

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