Frage von Sabooum, 154

Hilfe! Erste Hausarbeit - Strafrecht!?

Hallo ihr Lieben, ich bin gerade dabei meine erste Hausarbeit zu schreiben der Sachverhalt: T, der an einem akuten Alkoholproblem leidet und im Zustand der Alkoholisierung – wie er weiß und auch billigend in Kauf nimmt – dazu neigt, gegen seine Ehefrau F sowie sei- ne zweijährige Tochter S Gewalt anzuwenden, sitzt nach einem frustrierenden Arbeitstag abends in seiner Stammkneipe und spricht dort kräftig dem Alkohol zu. Einige Stunden später verlässt T seine Stammkneipe und macht sich schwankend auf den Heimweg. Trotz seiner Trinkfestigkeit befindet er sich wegen des vorangegangenen Alkoholkonsums wie angestrebt im Zustand der Schuldunfähigkeit. Als er seine um die Ecke der Stammkneipe liegende Wohnung erreicht, öffnet ihm F mit der schreienden S auf dem Arm die Wohnungstür. Über das Geschrei der S zu so später Stunde verärgert, schlägt T der F mit der Faust mehrmals ins Gesicht, wodurch F einige Platzwunden und Prellungen erleidet, die aber alle komplikationslos wieder verheilen. Aufgrund der kräftigen Faustschläge, die T der F versetzt, gerät F ins Taumeln und stürzt gemeinsam mit S auf den Steinboden des Wohnungseingangsbereichs. Aufgrund des Sturzes erleidet S erhebliche innere Kopfverletzungen. Da diese Kopfverletzungen äußerlich unauffällig sind, legt F, die unverschuldet glaubt, S sei nichts passiert, diese in ihr Bettchen und begibt sich, nachdem sie ihre Wunden versorgt hat, selbst zu Bett. Als F am nächsten Tag erwacht und nach S sieht, stellt sie fest, dass S wimmernd in ihrem Bettchen liegt, unter erheblichen Schmerzen leidet und sich, wie sie sofort realisiert, wegen des Sturzes vom Vortag in einem lebensbedrohlichen Zustand befindet. Weil F das Leben der S retten will, greift sie zum Telefon, um einen Notarzt zu alarmieren. T, der seinen Rausch ausgeschlafen hat und wieder nüchtern ist, bemerkt sofort, was F vorhat. Obwohl er den Zustand seiner Tochter S erkennt, entreißt er F das Telefon und droht ihr, sie zu verprügeln, wie sie es noch nie erlebt habe, sollte sie es wagen, Hilfe für S zu holen. Denn T, der lediglich „auf Bewährung draußen ist“, befürchtet, der Notarzt, den F herbeirufen will, werde wegen der von ihm am Vortag verübten häuslichen Gewalt Anzei- ge erstatten, was für ihn womöglich den Widerruf der Bewährung zur Folge hätte. Das zu verhindern ist ihm wichtiger als das Leben seiner Tochter S, obschon er genauso wie F der Ansicht ist, die sofortige Alarmierung des Notarztes werde das Leben der S retten und ihren starken Schmerzen ein schnelles Ende bereiten. Durch die Drohung des T eingeschüchtert bleibt F untätig und unternimmt nichts zur Rettung ihrer Tochter. S verstirbt nach einigen Stunden unter andauernden erheblichen Schmerzen aufgrund der inneren Kopfverletzungen, die sie sich durch den Sturz zugezogen hat. Wie hat sich der T gegenüber s strafbar gemacht, er ist ja am Abend noch alkoholisiert. Wäre sehr toll wenn ihr mir helfen könntet !! Danke!

Antwort
von furbo, 108

Ach diese Fälle liebe ich.

Schau mal unter "actio libera in causa" und "Garantenpflicht" nach, denn das sind vermutlich einige der Sachen, die der Prüfer wissen will. 

Kommentar von Sabooum ,

Also die Alic hab ich "verwendet" aber verneint und dann im Bezug auf die kv gegenüber f 323a angewendet.. 

Ich steck nur grad bei der Tat des t gegenüber der s fest.. könntest du mir da helfen ? Bzw deine Meinung abgeben 

Kommentar von furbo ,

Ich denke, dass die Tat gegenüber der S mindestens als Totschlag, wenn nicht gar Mord gewertet wird.

Selbst wenn du die Vortat (m.E. fälschlicherweise) als Vollrauschtat wertest, T hat durch die Tat, aber auch durch seine Stellung als Elternteil eine Garantenpflicht, er ist also verpflichtet, den Erfolg abzuwenden. Er macht das nicht nur nicht, sondern verhindert auch aktiv, dass F Hilfe holt. Er verhindert die Hilfe, weil er Angst hat, wegen seiner Vorgeschichte wegen der noch-KV, wieder in die JVA zu müssen. Mord also nach 211, 2 Anstrich 3.

An deiner Stelle würde ich unbedingt nochmal die alic prüfen, die Sachverhaltsschilderung stößt einen mit der Nase drauf. 

Kommentar von Sabooum ,

 Vielen dank, meine Frage ist zu der alic, könnte ich die tatbestandtheorie bejahen, denn im SV steht ja er , also t ist schuldunfähig?

Kommentar von furbo ,

Bei der Sachverhaltsschilderung wird sehr darauf rumgeritten, dass T den schuldunfähigen Zustand erwartet hat. Das weist auf alic hin. Er entschließt sich zu einer Tat im schuldfähigem Zustand, begeht diese aber im schuldunfähigem Zustand. T weiss auch um seine Gewalttätigkeit im trunkenen Zustand, nimmt sie sogar billigend in Kauf.

Ich tendiere daher zu einer vorsätzlichen (dolus eventualus) Körperverletzung gegen F und S.

Vergleiche es mit einem Menschen, der ein Haus anzünden will. Er traut sich so recht nicht, trinkt sich dann aber gewaltig Mut an und schreitet dann zur Tat. 

Eine Vollrauschtat würde ich kategorisch ausschließen. Dazu ist er sich viel zu sehr seiner Gewalttätigkeit bewusst und nimmt sie in billigend in Kauf. 

Wenn du die Lösung deiner Hausarbeit hast, wäre es nett, sie reinzustellen.

Ich finde deinen Fall wesentlich interessanter und anspruchsvoller als "ich habe im Kaufhaus geklaut, was erwartet mich..."

Kommentar von Sabooum ,

wenn ich jetzt den §227 prüfe wie mach ich das mit der Schuld , mit der alic oder muss ich das nicht erwähnen ?

Kommentar von furbo ,

T hat gewusst, dass er in alkoholisiertem Zustand gewalttätig wird, er nahm es billigend in Kauf und versetzte sich sogar genau deshalb in den schuldunfähigen Zustand ("wie angestrebt in schuldunfähigem Zustand"). Das weist alles darauf hin, dass T den Tatentschluss in schuldfähigem Zustand, die Tatausführung aber in schuldunfähigem Zustand gemacht hat. Er haftet daher voll für seine Tat, er hat sie vorsätzlich begangen.

Ich würde also die vorverlegte Schuldfähigkeit besonders hervorheben. 

Ich meine aber nicht, dass es sich um eine KV mit Todesfolge handelt. M.E. ist es Mord, zumindest Totschlag. Er hat, obwohl Garantenpflicht, die Rettung des Kindes aktiv verhindert, weil er befürchtete, dass dann seine Vortat bekannt würde. Er handelte also so, um eine Straftat zu verdecken. 

Kommentar von Sabooum ,

ja, aber wir müssen alles prüfen ohne Konkurrenzen, dann sollte ich doch auf alle möglichen Tatbestnde eingehen oder nicht ?

Das mit dem Mord und so hab ich schon auch

Kommentar von furbo ,

Man merkt, es ist deine erste Hausarbeit.☺

Ja, du musst auf alle TB eingehen. Du prüft der Reihe nach alle Taten die evtl. in Frage kämen. Dann stellst du fest und begründest, ob der TB erfüllt wurde  Du musst also nicht nur positiv, sondern auch negativ begründen, ob derTB erfüllt wurde oder nicht. Dann arbeitest du die Rechtswidrigkeit und Schuld ab. 

Kommentar von Sabooum ,

Ich hätte noch eine Frage, wie muss ich die schuld bei §§222,227 prüfen wenn ich die alic anwenden muss ?

Kommentar von furbo ,

Dann müsstest du die fahrlässige Herbeiführung der Schuldunfähigkeit begründen. 

Antwort
von Artus01, 110

Das solltest Du schon selbst herausfinden.

Schau aber mal § 13 und 212 StGB an.

Kommentar von Sabooum ,

Das ist mir schon klar nur steh ich in dem Moment grad auf dem schlauch, ist es hier relevant, dass der T am Abend, also bei Begehung der Tat alkoholisiert ist?

Und kannst du mir deine Antwort noch etwas erläutern, wäre echt nett :)

Kommentar von Artus01 ,

Diese Bezüge solltest Du selbst finden. Was am Vortag geschah ist für das was am folgenden Morgen passierte wenig von Belang, dafür zählt wahrscheinlich 323a. Die weitaus schwere Tat erfolgte am Morgen danach.

Kommentar von furbo ,

Ich denke nicht, dass der Vollrausch zu Anwendung kommt, sondern dass es sich um einen Fall von vorverlegter Schuldfähigkeit handelt. 

Kommentar von Artus01 ,

Doch, bei jemandem der ein akutes Alkoholproblem hat, sprich sich regelmäßig wegsäuft, kommt schon der Vollrausch zum tragen. Das gilt allerdings nur für das was am Vorabend passiert ist.

Das was am nächsten Morgen vorgefallen ist, ist T .... das lassen wir aber mal hier weg.

Kommentar von furbo ,

Es ist nur eine Hausarbeit. Ich denke, dass der Text unverändert übernommen wurde. Diese Aussagen drängen die alic sogar auf:

und im Zustand der Alkoholisierung – wie er weiß und auch billigend in Kauf nimmt – dazu neigt, gegen seine Ehefrau F sowie sei- ne zweijährige Tochter S Gewalt anzuwenden, 

Trotz seiner Trinkfestigkeit befindet er sich wegen des vorangegangenen Alkoholkonsums wie angestrebt im Zustand der Schuldunfähigkeit. 

Vielleicht ist der Fragesteller so nett und teilt uns die Lösung mit. Interessiert mich schon, alic-Fälle sind so häufig nicht. 

Kommentar von Artus01 ,

Ich denke schon das es in etwa auf das hinausläuft was ich in meiner Antwort geschrieben habe.

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