Frage von Sarahscharp, 36

Warum werden heutzutage viel mehr Auffälligkeiten bei Kindern diagnostiziert, als früher?

Ich benötige Hilfe bei einem Text, für ein Projekt. Es geht darum, warum heutzutage viel mehr Auffälligkeiten bei Kindern diagnostiziert werden, als früher. Warum ist das so?

Ich würde sagen, die Gesellschaft versucht, viele Kinder gleich zu machen, damit sie unkomplizierter sind. Was noch? Hat sich die Psychologie einfach in den letzten Jahren stark weiterentwickelt? Hat die Pharmaindustrie das mit eingefädelt, weil auch die Ärzte immer mehr Medikamente verschreiben? 

Und weiß jemand, wie das alles noch so vor 20 Jahren war?

Freue mich über Anregungen oder Quellen!

Danke im Voraus

Antwort
von JaniXfX, 4

Hey Sarah!

Es ist schwierig, solch eine Entwicklung an einzelnen Punkten festzumachen. Eigentlich ist es nicht möglich - schon gar nicht ist es belegbar. Da hilft nur "schlaue Gedanken machen"...

- In den Vergangenen Jahren wurde die diagnostizierbarkeit von Krankheiten deutlich besser und die Akzeptanz psychischer Krankheiten in der Gesellschaft höher. Das heißt: Man KANN heute diagnostizieren und die Gesellschaft ist BEREIT, das auch tun zu lassen.

- Möglicherweise erhöht sich neben dem ersten Effekt aber auhc tatsächlich die Erkrankungsrate. Grund dafür könnte zum Beispiel eine zunehmende Lebensgeschwindigkeit sein. Gemessen wird das mit dem Pace of Life, der sich in den vergangenen jahren erneut um 10% erhöht hat.

- Fehlende Entwicklungschance: Ist ist zunehmend, dass Jugendliche sich nicht mehr entwickeln dürfen. Fehler machen, frech sein, aus der Reihe tanzen - das ist heute allein schon vom Zeitmanagement nicht mehr drin. Deshalb reißen alle nach Australien aus, um dort mal richtig am Rad zu drehen. Schade eigentlich, dass sie das nicht mehr hier schaffen.

- Fehlende bzw. zu viele schlechte Erziehungskonzepte. Heute ist es modern, seinen Kindern nichts böses mehr zu tun. Dazu gehört auch, auf Regeln im Haushalt zu verzichten. Kinder brauchen es, ihre Eltern auch mal doof zu finden - sie müssen Grenzen bekommen und wollen auch mal eingeschränkt sein. Das führt dazu, dass sich Eltern auch aus der Verantwortung und Schuld einer Erziehung ziehen... wenn ein Kind ADHS hat, dann ist immerhin die Mutter nicht schuld daran, dass das Kind nicht lernen kann. Hinzu kommt das Phänomen der "Helikoptereltern"...

Das sind nur einige Gründe, diese Diskussion kann man sicher stundenlang weiterführen.

Antwort
von KreativesKind, 5

Ich würde sagen:
Die Gesellschaft hat sowas wie Hitlers Arier in ihrer Vorstellung. Sie haben eine Form, in die sie versuchen, jeden, der sich noch entwickelt (wobei das jeder tut, aber vor allem eben Kinder und Jugendliche), hineinzupressen.

Psychische Krankheiten sieht die Gesellschaft als Mutation, als Krankheit eben; als etwas, das es zu beseitigen gilt. Denn diese Mutationen sind eckig und kantig und sorgen dafür, dass der Mensch nicht mehr in diese Form hineinpasst.
Obwohl es doch dazugehört, sich weiterzuentwickeln. Sie entstand auch der Homo Sapiens, mit der natürlichen Selektion.

Der Mensch will also die Natur in seine Gewalt bringen. Hier ist es unpraktisch, unaufmerksam zu sein und sich schlecht konzentrieren zu können; denn das zappelige Kind mit ADHS kann jetzt in der Schule nicht ohne Konzentration lernen und später hat es es schwer.

Einige Eltern machen auch ADHS, ADS, LRS, Dyskalkulie etc. dafür verantwortlich, dass Ihr Kind schlechte Leistungen in der Schule bringt. Der Psychiater diagnostiziert dass dann und die Kinder bekommen schön Medikamente, dass sie sich besser konzentrieren können (bei ADS/ADHS).

Die Dyskalkulie und LRS sind einfach nur Namen dafür, dass das Kind Schwierigkeiten mit dem Rechnen (Dyskalkulie), Schreiben und Lesen (LRS) hat. Da hilft eine Diagnose dabei, die Probleme beim Lernen durch angepasstes Training lösen bzw mildern zu können.

Fazit: Eine Diagnose hilft Eltern und Kindern, mit Ihrem (Schul-)Alltag besser klarzukommen und ihr Leben besser zu bewältigen.

Kommentar von KreativesKind ,

Ich lach mich grad so über den Anfang kaputt :D

Antwort
von dieLuka, 12

Ich denke zum Teil werden Heutzutage bestimmte Verhaltensweisen als Auffälligkeit wargenommen die früher ggf unter "Jungs sind halt jungs" oder "die muss mal zuhören lernen" o.ä. gelaufen ist.

Interesannt dazu wäre es zu recherchieren seit wann viele der heutzutag diagnostizierten Krankheiten/Auffälligkeiten als solche bekannt sind.

Das etwas was offiziel seit 2000 bekannt ist 1995 noch nicht diagnostiziert werden konnte sollte klar sein. Es besteht zwar die Möglichkeit das dann was anderes flasch diagnostiziert wurde, es kann aber auch sein das nix diagnostiziert wurde.

Auf der anderen Seite haben wir häute andere anforderungen an die Kinder als vor 20 Jahren. Englisch ggf schon im Kindergarten, Musikalische frühbildung usw. Da ist natürlich viel mehr druck und unter druck zeigen sich ggf erhaltensweisen die fälschlicherweise als Auffälligkeiten und nicht als Stresssymptome wargenommen werden.

Hier könntest du mal gucken ob es zahlen gibt die belegen das Kinder heutzutage mehr leisten müssen als vor 20 Jahren.

Antwort
von Andrastor, 12

Hat sich die Psychologie einfach doll in den letzten Jahren weiterentwickelt? 

Das ist der Hauptgrund dafür. Die Weiterentwicklung der Psychologie und das Verständnis der Menschen um psychische Krankheiten.

Früher, als man davon keinen Begriff hatte, konnten diese natürlich nicht diagnostiziert und damit behandelt werden.

Antwort
von anonymos987654, 6

Hinzufügen zu den anderen guten Kommentaren möchte ich noch:

- Früher wurde zu Anpassung erzogen, heute zu Individualismus. Da fällt das Individuelle eben z. T. auch störend auf.

- Durch Diagnosen wird das, was früher als Schuld gesehen wurde, zur Krankheit, und der Mensch zum Opfer gemacht. Damit haben wir die schuldlose Gesellschaft, wo es eben Fehler im Körper sind, die man mit Chemie korrigieren kann.

- Unsere heutigen Lebensumstände sind an sich schon krank machend: stabile Gemeinschaft in der Familie fehlt oft oder ein fester und fairer Arbeitsplatz, welcher Sicherheit und Ausgeglichenheit der Eltern gibt. Wenn Eltern gestresst sind, fühlt sich das Kind meist auch nicht wohl.

- Geschwisterkinder fehlen oft, an denen man sein Verhalten schon etwas abschleifen würde.

- Das Interesse für die Entwicklung des Menschen und besonders der Kinder ist gestiegen. Man bekommt mehr und mehr eine Idee, welche Bedingungen ein Kind braucht, um sich gesund entfalten zu können. 

Früher hatte man in Kindergärten und Schulen auch Methoden, wie mit unerwünschtem Verhalten umgegangen wurde: einfach strafen, von der Gruppe ausschließen, lächerlich machen, schimpfen, ignorieren und Liebe entziehen, verurteilen, mit Appellen unter Druck setzen, Gruppendruck ausnutzen, beschämen, draufhauen und so weiter. 

Die Kinder waren eben "faul, dumm und böse", mit so einer Erklärung fragt man nicht, WARUM ein Kind sich nicht anders verhalten kann, sondern lastet nicht nur dem Kind die Verantwortung dafür ganz alleine auf, sondern kann das Kind auch jederzeit als Blitzableiter benutzen.

Will sagen: Heute entlasten sich Eltern mit Diagnosen von ihren Erziehungsfehlern, damals entlasteten sie sich durch Gewalt gegen das Kind. Und in beiden Fällen fehlt die Bereitschaft, zum Kind in Beziehung zu treten und zu schauen, was es wirklich braucht; und ein Kind, solange es selber nicht darunter leidet, zu ertragen mit seinem Anderssein.

Antwort
von Tellensohn, 12

Salue Sarah

Ich bin der Ansicht, dass sich an den Kindern nichts geändert hat. Die Medizin hat gewaltige Fortschritte gemacht, aber auch die "Gesundheits-Industrie" ist zur vollen Blüte erwacht. Beispiel:

Verhaltensauffälliges Kind, nervös, ständig in Bewegung:

Heute:

Diagnose: ADHS, vielfach wird Ritalin abgegeben. Eventuell spezielles Schulprogramm nötig.

Damals:  

Wird "Zappelphilipp" genannt, überdurchschnittlich "aufgeweckt". Abhilfe: "Das wächst von selber raus, wird irgendwann erwachsen.

Ich frage mich manchmal, ob das "alte" System nicht besser war. Die betroffenen Kinder waren in der Klasse voll integriert und wie alle anderen.

Kinder sind daran, Ihre Welt kennenzulernen. Wenn es da Schulfreunde hat, die etwas anders sind, wird dies als ein Bestandteil der normalen "neuen" Welt wahrgenommen.   

Heute hingegen werden zu Kinder zu "Frühpatienten". Sie bleiben in der Schule ein Sonderfall, denn  den Schulfreunden wird von den Erwachsenen "altersgerecht" und liebevoll beigebracht, ihr Schulfreund sei bedauernswert, vorsichtig zu behandeln und etwas "krank".

Gottlob bin ich in den 1960er Jahren grossgeworden !

Dein, etwas nachdenklicher,

Tellensohn 

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