Frage von liliansummer, 43

HILFE Alzheimer was tun?

Hallo, ich habe heute erfahren das mein Vater 57 Jahre zu dem ich seit 5 Jahren keinen Kontakt habe an Alzheimer erkrankt ist. Er lebte zurückgezogen so das keiner die ersten Anzeichen deuten konnten. Vor zwei Wochen war soweit alles noch ok und dann hat es angefangen das er sich nicht mehr erinnerte so zu sagen von heute auf morgen. Jetzt ist es so das er sich bruchstückhaft an Sachen von vor 30 40 Jahren erinnern kann aber sonst an nichts auch nicht an mich.

Jetzt meine Frage wäre es sinnvoll ihm Bilder von ihm und mir zu geben und zu beschriften wer darauf zu Sehen ist oder wäre das nur verwirrend? Soll ich versuchen ihm zu erklären das ich seine Tochter bin oder als "fremde" eine belanglose Unterhaltung führen zum Beispiel im Aufenthaltsraum fragen ob er Etwas spielen möchte?

Ich bin im 6. Monat schwanger und möchte daher auch den Stress für ihn und mich so gering wie möglich halten. Ich weiß das ich nicht diskutieren soll und sollte das Gespräch in eine unschöne Richtung gehen das Thema wechseln aber was soll ich tun wenn er überfordert ist und eventuell aggressiv wird? Aufstehen und gehen oder Sitzen bleiben und hoffen das er sich beruhigt?

Er war zwar kein guter Vater und meist auch nicht da aber dennoch ist er mein Vater und ich denke deswegen sollte ich auch zu ihm. Falls er sich nicht erinnert aber dennoch fragt ob er ein guter Vater war kann ich dann ja sagen? Ich möchte es ihm ja nicht schwerer machen als es bereits ist und die alten wunden sollen geschlossen bleiben dafür ist bei solch einer Krankheit kein Platz.

Vielen dank das ihr euch die Zeit genommen habt so viel zu lesen....und danke für die antworten hoffentlich könnt ihr mir helfen..LG

Antwort
von Anni478, 23

Auch an Alzheimer Erkrankte, die der Erinnerungen andere Menschen oder Situation beraubt wurden, verfügen noch über ein intaktes Gefühlsleben. Ihre Realität besteht zwar nur aus dem, was sie noch erkennen oder wissen aber würde man sie darüber aufklären, dass da noch mehr ist, würde man sie mit ihrem Defizit konfrontieren und nicht nur verwirren, sondern auch demütigen. Immerhin stößt man sie damit auf die Tatsache, dass mit ihnen etwas nicht stimmt und das kann sie emotional verletzen. Zumal ist eine Aufklärung auch nicht sinnvoll, weil sich die Patienten dies ohnehin nicht merken können. Auch mit einer Bildbeschreibung können sie nichts anfangen, weil ihnen dazu die Geschichte fehlt.

Man kann nur für sie da sein, sie so normal wie möglich behandeln und sich ihrer Situation anpassen, damit hilft man ihnen am meisten.

Kommentar von liliansummer ,

Vielen dank, das dachte ich mir leider schon...sollte er mich nicht erkennen wovon ich ausgehe wie sollte ich dann am besten mit ihm in Kontakt treten? Oder soll ich das überhaupt? Wenn er fragt wer ich bin oder warum ich da bin und mit ihm spreche was sollte ich dann sagen? Immerhin ist es ja auch nicht normal mit " fremden" einfach zu reden. Oder sollte ich einfach nichts sagen und warten ob von ihm etwas kommt zum Beispiel bei einer Begegnung im Aufenthaltsraum oder beim Spaziergang? Ich möchte ihm nicht hinterherlaufen aber eine Begegnung wäre schon schön vielleicht ergibt sich ja etwas. Wenn nicht dann soll er wohl so sein aber sehen würde ich ihn gerne.

Kommentar von Anni478 ,

Ich habe einige Erfahrungen sammeln dürfen mit Alzheimer- und Demenzpatienten, die ich über Monate täglich betreut habe. Natürlich ist es ein Unterschied ob man fremde Menschen betreut oder die eigenen Familienangehörigen.

So bin ich z.B. mit einer Patientin jeden Tag spazieren gegangen, habe mich jeden Tag aufs neue vorgestellt, weil sie mich nicht mehr erkannt hat und habe ihr täglich aufs Neue den Weg aus ihrem Zimmer zum Ausgang gezeigt.

Ein anderer Patient hatte ein Bild von einem Kind auf dem Nachttisch stehen. Ich fragte ihn jeden Tag wer das ist und bekam jeden Tag eine andere Antwort aber mit einer unglaublichen Überzeugung vorgetragen, mit einem glücklichen Strahlen in den Augen, so dass man sich einfach nur mit ihm freuen konnte.

Wenn ich ihn fragte, was er gestern gemacht hast, wohlwissend, dass er sein Zimmer in der Klinik nicht verlassen hat, beschrieb er mir die abenteuerlichsten Geschichten :)

Aber nachdem du jetzt fragst, wie man reagieren soll auf die Frage, wer man denn sei, überlege ich gerade wie das damals bei den Patienten war. Denn ich kann mich überhaupt nicht erinnern, dass sie mich überhaupt mal danach gefragt haben. Sie waren einfach froh, dass ich da war und haben erzählt und die Zeit sichtlich genossen.

M.E. ist es vollkommen in Ordnung auf die Frage, wer man sei ganz ehrlich zu antworten, als wäre es das normalste auf der Welt  ohne ihm dabei das zu Gefühl zu geben, dass man ihn belehren möchte/muss, ohne nervigen Unterton oder ohne zu streiten, wenn er eine Tatsache leugnet. Die Menschen sind  teilweise sehr sensibel. Er wird es vermutlich eh recht schnell wieder vergessen. Manchmal sind auch Notlügen erlaubt, wenn es dazu beiträgt, dass er sein Gesicht wahren kann.

Ich denke zwar schon, dass diese Diagnose die Betroffenen völlig aus der Bahn wirft aber mit einem Fortschreiten der Erkrankung sind es eher die Angehörigen, die darunter leiden. Die Patienten leben in ihrer eigenen Welt, meist glücklich und darin sollten wir sie belassen, denn sie sind nicht in der Lage, die Realität anzunehmen, egal wieviele Überzeugungsmanöver wir starten, wieviele Argumente wir bringen und das nur weil wir meinen Recht im Recht zu sein (und sicher auch sind).

Er ist und bleibt immer noch dein Vater, auch wenn er das vergessen hat und sag dir immer wieder, dass er selbst am wenigsten leidet, denn es ist die Wahrheit und es hilft dir, besser damit umgehen zu können, ok?

Antwort
von Griesuh, 8

Ohne jetzt im speziellen auf deinen Beitrag im einzeln ein zu gehen, es werden  von vielen sozialen Einrichtungen und auch den Pflege u. Krankenkassen, den Seniorenbüros, ambul. Pflegediensten und CO Informationen und Kurse zum Thema Demenz angeboten.

Auch der Pflegestützpunkt berät zu diesem Thema.

Besuche einmal solche Infoveranstaltungen. Dort lernst du diese Erkrankung besser kennen und auch besser damit um zugehen.

Du erfährst auch bestimmte Verhaltesnweisen gegenüber dem Erkranken.

Das alles ist jedch nur der rote Faden zum Thema, denn jeder an Demenz erkrankte legt andere Verhaltensmuster an den Tag.

Dennoch können solche Kurse den Umgang mit an Demenz erkranken deutlich entspannen.

Kommentar von liliansummer ,

So ein Kurs hört sich gut an vielen dank für die Info. Ich werde mich am Sonntag von der Einrichtung genau über den jetzigen Zustand informieren lassen vielleicht können die mir auch sagen wo ich mich hier am besten hinwenden kann. 

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