Frage von Marcei14, 22

Hi Leute! Ich habe bald Referat in Reli und brauche etwas Hilfe. Ich habe das Thema Pilatus. Könnt ihr mir helfen?

Antwort
von Hooks, 1

zur Info für spätere Leser



„...unter
Pontius Pilatus gekreuzigt“, mit diesen Worten aus dem christlichen
Glaubensbekenntnis ist der römische Statthalter von Judäa in die
Weltgeschichte eingegangen als ein Richter gegen Recht und Wahrheit, der
Jesus von Nazareth ans
Kreuz schlagen ließ. Dieser Römer hat vor fast zwei Jahrtausenden die
ganze Tragik aller Gouverneure zwischen Macht und Recht, aller
Unentschlossenen zwischen Welt- und Gottesreich durchkostet und sich
wegen seiner selbstsüchtigen Motive mit ewiger Schuld beladen. Deshalb
ist es nie ganz still um ihn geworden.

Wer war Pilatus? Die
Evangelien betrachten ihn als weichen Skeptiker, der sich treiben ließ.
Die jüdischen Schriftsteller Philo und Josephus schildern ihn als
unbeugsamen, rücksichtslosen, jähzornigen Soldaten, der nur an die Macht
glaubt, an seine Karriere denkt und deshalb Verbrechen begeht,
Hinrichtungen ohne Urteilsspruch vollziehen läßt und bestechlich ist.
Frank Morrison hat in einer sorgfältigen Untersuchung „Wer wälzte den
Stein?“ (Christian Wegner Verlag, Hamburg) diese beiden Charakterbilder, den Tyrannen der weltlichen Geschichtsschreibung und den Zauderer der Evangelien, vereinigt.



Pilatus war als Sohn einer römischen Soldatenfamilie in Spanien geboren, hatte unter Germanicus am Rhein

gedient und war mit Claudia Procula, einer unehelichen Tochter der
Claudia, der dritten Frau des Kaisers Tiberius, also einer Enkelin des
Kaisers Augustus, verheiratet. Trotz dieser engen Verbindung zum regierenden Kaiserhaus war seine Stellung in Rom
erschüttert, weil er es in den sieben Jahren seiner Statthalterschaft
in Judäa zu mehreren stürmischen Vorfällen kommen ließ, die mit der
Tradition der schmiegsamen römischen Kolonialpolitik nicht zu
vereinbaren waren. Der Emporkömmlich Pilatus hatte sich immer als roher,
eigensinniger Machtpolitiker gezeigt, der nichts von dem Takt und dem
Weitblick des Augustus an sich hatte.

Alle Anzeichen
sprechen dafür, daß der Statthalter am Abend vor dem Urteilsspruch,
während Jesus noch in Gethsemane um den Kelch des Opfertodes rang, dem
jüdischen Hohenpriester Kaiphas den Justizmord am folgenden Tag bereits
zugestand, d. h. den Urteilsspruch ohne Verhandlung nur auf Grund der
jüdischen Anklage. Der vorläufige Friede mit den Juden schien ihm dieses
Opfer wert zu sein. Die entscheidende Wandlung in der Behandlung dieses
„Falles“ am nächsten Morgen aber vollzog sich in Pilatus, als er bei
Beginn der Gerichtssitzung von seiner Frau Claudia die dringende Mahnung
erhielt: „Habe du nichts zu schaffen mit diesem Gerechten; ich habe
heute nacht im Traum seinetwegen viel erlitten.“ Da zögert Pilatus
plötzlich und ist bereit, die Anklage zu untersuchen. Hohepriester und
Hoher Rat werden verärgert, das Volk ist aufgewiegelt und unruhig.
Pilatus begibt zu lavieren. Er versucht vergeblich die Angelegenheit an
seinen Kollegen Herodes von Galiläa als den Zuständigen abzuschieben.
Unter dem starken Eindruck der Persönlichkeit Jesu während der
Vernehmung macht er immer neue Versuche, diesen zu retten; aber er kommt
mit seinen Halbheiten nicht um eine klare Entscheidung herum. Selbst
als er Barabbas, den Mörder, für Jesus eintauschen will. Alle
Diplomatie, alle Blasiertheit („Was ist Wahrheit“) und aller Appell an
das Mitleid („Seht, welch ein Mensch“) kennen ihn nicht aus der schiefen
Lage retten, in die er sich durch Komplott und Diktatur, durch Schwäche
und Unklarheit gebracht hat. Er muß das Todesurteil sprechen. Denn
stärker als Claudias Warnung ist die Drohung der Priester mit
Intervention in Rom: „Läßt du diesen los, bist du des Kaisers Freund
nicht mehr.“ Die Karriere steht auf dem Spiel.


Vergeblich bringt er
dieses Opfer, denn wenige Stunden danach entfacht sich der alte
Gegensatz von neuem, als die Juden eine Änderung der Inschrift über dem
Kreuz verlangen und Pilatus die herrische Antwort gibt: „Was ich
geschrieben habe, habe ich geschrieben.“

Starrheit und
Schwäche, Schuld und Schicksal haben einen unlöslichen Bund geflochten.
Abberufung und Verbannung waren drei Jahre danach das Ende des
Emporkömmlings Pilatus.

Bruno Lentz


http://www.zeit.de/1951/12/der-seine-haende-in-unschuld-wusch

Antwort
von JustUnicorn, 5

Geb es doch bei Wikipedia ein.

Antwort
von Eselspur, 5

Schau dir einmal die letzten Kapiteln der vier Evangelien durch! Vielleicht hilft dir auch dieser kurze Artikel:

https://www.heiligenlexikon.de/BiographienP/Pontius_Pilatus.html

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