Frage von greoman, 36

Hi, im handschriftlichem Testament fehlt das Wort Erbe o.ä.. Hat dies Gültigkeit?

Handschriftlicher Zettel. Es steht Testament drüber, dann "hiermit setze ich (Name, Anschrift) ein. Name, Alter, Anschrift, Datum, Unterschrift. Das Wort oder der Hinweis, als was der genannte eingesetzt werden soll fehlt. Unterzeichner hat sich danach erschossen. Wie sollte man verbleiben? Termin beim Anwalt folgt noch. Danke

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Karlien, 22

Ich meine, daß dieses Testament grundsätzlich gültig ist.

Es ist nicht unbedingt erforderlich, daß das Wort „Erbe“ oder eine Formulierung wie z.B. „Hiermit beerbe ich Herrn/Frau … ) zwingend vorkommen muß.

Genausogut wäre eine Formulierung gültig wie „Ich bestimme, daß nach meinem Tode mein gesamtes Eigentum dem Herrn/der Frau (Name, Vorname, Verwandtschaftsverhältnis oder Anschrift) gehören soll.“

Für die Gültigkeit eines Testamentes ist u.a. entscheidend, daß der Wille des Verstorbenen eindeutig zum Ausdruck kommt.

Nach dem Gesetz (BGB, 5. Buch) gibt es Einschränkungen:
Wenn der Verstorbene (im Gesetz Erblasser [Erb-lasser, nicht Er-blasser] genannt) Steuerschulden hinterließ, wird sich der Staat als erstes das fällige Geld sichern.
Außerdem können bestimmte Familienangehörige Anspruch haben auf einen Pflichtteil, d.h. der im Testament Beerbte erhält evtl. entsprechend weniger.

Expertenantwort
von imager761, Community-Experte für Recht, 17

Auch ohne den namentlich Begünstigten als 'Erben' zu  bezeichnen, ist diese handschriftlich gewillkürte Erbeinsetzung wirksam und ersetzt mit Datum etwaige frühere, privatschrfitliche Verfügungen: Demnach soll "Name, Alter, Anschrift" allein den Nachlass des Erblassers erben. Dass es sich mit diesem Einzeiler nur darum handeln kann, macht "Testament" hinlänglich deutlich.

Und nichts anderes würde ein durch Anfechtungsklage angerufenes Gericht entscheiden als diesen gemutmaßten Testierwillen.

Die gesetzlichen Erben (Kinder, Eltern, Ehegatten) sind dadurch auf ihren Pflichtteil in Geld gesetzt.

G imager761



Antwort
von Artus01, 15

Von der Aussagekraft dürfte es zunächst als gültiges Testament reichen.

Allerdings schreibst Du das sich Testamentsverfasser danach erschossen hat. Es kann durchaus sein daß man das Testament anfechten kann weil der Verfasser möglicherweise nicht zurechnungfähig, war als er das Testament schrieb. Das sollte aber mit einem erfahrenen Fachanwalt besprochen werden.

Antwort
von Ronox, 18

Solange man noch per Auslegung den Testierwillen erkennen kann, ist das unschädlich.

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