Frage von Pinkgrapefruit4, 70

Hey ich würde gerne bald eine Ausbildung zur OTA beginnen und wollte fragen ob mir jemand Tipps, infos oder sonstiges liefern könnte. wie das abläuft und so.lg?

OTA Ausbildung ..

Antwort
von sabbsi, 33

Mal aus einer meiner Antworten bei einer ähnlichen Frage kopiert:

Hi, ich bin jetzt im dritten und letzten Lehrjahr der OTA Ausbildung.

Ich fang mal einfach an, ein paar Sachen zu erzählen, was den Ablauf der Ausbildung und den Alltag im OP angeht. Auf jeden Fall kann ich dir vorweg sagen, dass ein Praktikum extrem wichtig ist, ganz toll ist es, wenn man vorher schon eine Ausbildung gemacht hat, zB zur MFA.

Also in der Schule hast du Fächer wie Anatomie, Krankheitslehre, Pharmakologie, Physik und Chemie (das ist da aber nur auf die absoluten Grundlagen beschränkt), allg. Berufsfachkunde, Berufsfachkunde auf die einzelnen chirurgischen Fachgebiete bezogen, chirurgischen Unterricht, BWL, Krankenhaustechnik, Instrumentenkunde, Krankenpflege, .... also relativ viele Fächer. Da der Beruf nicht staatlich anerkannt ist, hat es den Vorteil, dass die Schulen einiges vom Lehrplan her selber bestimmen können, das heißt du wirst einige Unterschiede bei den verschiedenen Schulen feststellen.

Unterricht hat man immer Blockweise, bei uns (Ulm) sind es immer 5 Wochen. Die Schule macht auch einen Einsatzplan, wann du in welcher Fachabteilung eingesetzt bist, unser Urlaub ist zum größten Teil auch vorgegeben, wir haben noch ca 7 Tage zur freien Verfügung, was aber immer mit Einsatzstelle und Schule vorher abgesprochen werden muss.

Im ersten Lehrjahr hast du die Kurzeinsätze außerhalb vom OP: Endoskopie (200 Stunden), Ambulanz (250 Stunden), chirurgische Station (100 Stunden) und Zentralsterilisation (120 Stunden).

Am Ende vom ersten Lehrjahr kommt man in den OP. Die obligatorischen OP-Einsätze sind in der Traumatologie und Visceralchirurgie (jeweils 500 Stunden), Gynäkologie und/oder Urologie (jeweils 200 Stunden). Optionale Einsatzgebiete (wird von der Schule entschieden, darf man leider nicht selber entscheiden) sind mit jeweils 200 Stunden Gefäßchirurgie, Augenchirurgie, HNO, Orthopädie, Thoraxchirurgie, Neurochirurgie, Herzchirurgie, MKG, Kinderchirurgie und/oder Hand- und Plastische Chirurgie. Außerdem hast du noch 150 Stunden lang einen Anästhesieeinsatz.

Insgesamt umfasst der praktische Teil der Ausbildung 3000 Stunden.

So, der Arbeitsalltag eines OTA sieht bei mir in der Klinik so aus:

Kurze Frühbesprechung, ggf. Einteilung der Kollegen in die verschiedenen Säle. Pro Saal sind immer 2-3 OTA bzw OP-Pfleger (ich schreib jetzt immer OTA weils kürzer ist). Der Schüler wollte eigentlich immer extra eingeteilt sein, aber dank Personalmangel funktioniert das leider nicht immer. So, einer der OTA richtet den Saal her, dh er macht das Licht an, fährt den PC hoch, macht den Gerätecheck, holt schon zusätzliche Geräte, wie zB C-Bogen und Lagerungsmittel. Dann hilft er dem anderen OTA, die benötigten Sachen für die OPs herzurichten. Man spricht sich auch immer ab, wer was instrumentieren und springen will, dh wer sich für die OPs steril wäscht und wer unsteril das ganze drumherum macht. 

Als Schüler wirst du anfangs viel springen, man sagt immer, dass man ohne guten Springer aufgeschmissen ist, von dem her ist das Springen sehr wichtig. Das heißt du kümmerst dich um die Dokumentation, machst deinem Instrumentierenden alle nötigen Artikel auf, hilfst dabei, den Patienten zu lagern, hilfst, die Chirurgen steril anzuziehen, sorgst dafür, dass alle Kabel und Schläuche angeschlossen werden und dass dein Instrumentierender alles hat, was er braucht, zB Kompressen und zusätzliche Instrumente. Auch musst du als Springer Geräte wie zB einen Videoturm oder den C-Bogen bedienen, dafür bekommst du auch Geräteeinweisungen. Und du musst dich um die Präparate kümmern, die in die Pathologie/Labor kommen.

Als Instrumentierender richtest du deinen sterilen Tisch nach dem Standard, ziehst die Chirurgen an, hilfst beim sterilen Abdecken des OP-Gebietes, reichst dem Chirurgen die Instrumente, musst auch mal assistieren, zB Haken halten, versorgst die Präparate, hast immer genug Kompressen da, erträgst die Launen des Chirurgen, wenn was nicht klappt... ;)

Eine feste Mittagspause gibt es meistens nicht, du wirst vom Spätdienst einfach ausgelöst. Wenn das Programm durch ist, wird der Saal aufgeräumt und Einmalartikel aufgefüllt, evtl. auch schon was für die OPs am nächsten Tag hergerichtet.

Als Schüler führst du auch Gespräche mit deinem Mentor, wirst benotet und musst einen Lernzielkatalog führen, in dem du einfach notierst, was du alles in dem Einsatzbereich gelernt hast.

Geprüft wirst du Ende vom dritten Lehrjahr schriftlich, praktisch und mündlich. 

So, und jetzt hab ich so viel geschrieben, dass mir nichts mehr einfällt. Dürfte für den Anfang aber auch reichen :D

Wenn du noch fragen hast, dann darfst du dich gerne jederzeit melden. Ich kann dir nur sagen, dass ich meinen absoluten Traumberuf gefunden habe. Mir gefällt die Arbeit richtig gut, habe auch das Glück, dass ich in einem etwas kleiner Haus angestellt bin, bzw es ist ein Verbund aus drei kleineren Häusern, ich komme mit allen Kollegen, sowohl OP-Pflege als auch Anästhesie als auch mit den ärztlichen Kollegen bisher super gut klar. Die Arbeit ist super interessant und man lernt einfach unglaublich viel.

Einziger Nachteil in dem Beruf: du lernst so unglaublich viel über Krankheiten und Medizin, dass du von jedem deiner Freunde und Bekannten und deiner Familie, die nichts mit dem Beruf zu tun haben, Herr oder Frau Doktor genannt und dauernd wegen irgendwelchen Symptomen gefragt wirst :D

Kommentar von Pinkgrapefruit4 ,

Danke, dass war wirklich hilfreich:)

Kommentar von sabbsi ,

Wenn du noch was wissen willst, kannst du dich gerne melden, auch in einer privaten Nachricht :)

Warst du denn schon mal im OP?

Kommentar von saracob ,

Eine sehr hilfreiche Antwort, danke erst mal dafür. Wie sieht es denn mit den Arbeitszeiten aus? Kommt man einigermaßen pünktlich zum Feierabend raus? Ich mein man kann ja schlecht aus dem Saal spazieren, wenn die OP noch nicht beendet ist :)
Lg Sara

Kommentar von sabbsi ,

Tja, es gibt Kliniken, da ist das so, und es gibt andere Kliniken.

Ganz allgemein gesagt: Schüler sollten nicht relgelmäßig Überstunden machen. Es ist klar, dass man mal länger bleibt, wenn es eng wird und oft bleibt man auch freiwillig länger, um eine OP fertig machen zu können. Auch Fortbildungen und Teambesprechungen sind oft erst nach Feierabend.

Aber eigentlich sollte es nicht vorkommen, dass man, vorallem als Schüler, länger bleibt. Wir haben damit in der Klinik grade Probleme. Wir sind ein kleines Krankenhaus, es gibt nur zwei OP Pfleger, die Dienst machen; ein Spätdienst, der um 17:30 und einen Spätdienst, der um 19 Uhr Feierabend haben, aber die sind eigentlich im Steri. Feierabend haben wir um 15:45 Uhr, arbeiten 7,7 Stunden am Tag. Es kam aber auch schon vor, ein paar mal eben auch, weil ich die OP fertig machen wollte, dass ich 10 Stunden gearbeitet habe. Natürlich wird das aufgeschrieben und die Überstunden hab ich. Da ich aber eine einfache Fahrzeit von ca 1 Stunde hab, ist da mein Tag recht kurz.

Wie gesagt, normalerweise sollten Schüler gar keine Überstunden machen (auch wenn die, vorallem vor den Prüfungen, sehr nützlich sein können). Kollegialerweise solltest du aber bereit sein, auch mal länger zu bleiben. Falls du gefragt wirst, darfst du natürlich immer nein sagen, du darfst auch einen zeitlichen Rahmen setzen, bis wann du bleiben kannst. Kann dir aber eben nur die Sichtweise aus unserem kleinen Haus sagen. Wie das in großen Kliniken aussieht, weiß ich nicht. Die haben ja mehr Schichten im OP und auch von vornherein länger geplante Säle.

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