Hey, Ich hätte eine Frage an alle Reiter, wie beruhigt man sich am Besten wenn man auf dem Pferd sitzt und Angst bekommt?

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7 Antworten

Da gibt es keine generelle Antwort zu, das macht jeder individuell.

Grundsätzlich sollte man nichts machen, das einen überfordert. WEnn du also noch nicht so weit bist zu galoppieren, solltest du das nur machen, wenn ein RL dabei ist. Bei mir ist es jedenfalls so, dass ein RL mir große Sicherheit geben kann. Bei mir! Wenn mir ein RL sagt: Spring mal über den Oxer - normalerweise springe ich nie! - dann mach ich das rel. angstfrei.

Man muss zudem gucken, dass das Pferd  zu einem passt. Ein Anfänger sollte sich darum nicht unbedingt auf einen jungen Vollblüter setzen. Vollblüter sind zwar meiner Meinung nach die bravsten Pferde des Planeten, aber durch ihre Lebhaftigkeit können sie natürlich Anfängern Angst einjagen. Besser für Anfänger sind gut gehaltene, d.h. ausgeglichene, ältere, abgeklärte Pferde, die nicht zu hoch im Blut stehen.

Was mir hilft, ist das Wissen, dass ein Pferd mich nicht  umbringen will und dass es sich selbst auch nicht  umbringen will. Viele Reiter, die ihren Pferden nicht vertrauen, glauben auf einer unbewussten Ebene leider genau das. "Wenn ich das Pferd nicht unter Kontrolle habe, wird es durchgehen und sich unter den nächsten Bus werfen."
Warum sollte es das tun? Die wollen sich genausowenig die Knochen brechen wie wir auch. Ich kann mich noch erinnern, wie ich einmal den Offenstall ausmistete und vier Pferde um mich herumwuselten. Lästig. Und dann dachte ich plötzlich: "Ihr seid nilpferdgroß, ihr könntet mich im Bruchteil einer Sekunde umbringen." Aber sie tun es nicht! Das hat mir viel Vertrauen in sie gegeben. Gut gehaltene Pferde sind nicht bösartig, sondern eher träge, gemütliche Tiere, die es nicht auf das Leben des Menschen abgesehen haben.

Was wichtig ist: man muss lernen, den inneren Film abzustoppen. Der innere Film besagt meist nichts Gutes: Pferd geht durch, rennt vor einen Bus, Krankenwagen, Querschnittlähmung, tot. Wenn man sich auf den inneren Film einlässt, wird die Angst unbeherrschbar. Also muss man ihn stoppen. Das kann man ganz energisch machen. "STOP!! Nicht weiter." Und dann mit Disziplin an etwas anderes denken. Aber sich bloß nicht im inneren Film verlieren.

Und immer daran denken: Pferde wollen weder dir noch sich selbst ans Leder.

Tja, und wenn du etwas besser reiten kannst, also die ersten Anfängerstadien hinter dich gebracht hast, solltest du vielleicht mal einen Wanderritt machen. Es gibt gute Anbieter für so etwas. Gute Anbieter haben gute, erfahrene Pferde. Es macht großen Spaß und, ich glaube, nichts ist geeigneter, einem die Angst zu nehmen als ein Wanderritt. Man sitzt ca 6 Stunden im Sattel, und da kann man nicht 6 Stunden Angst haben.

Ich habe einen Bekannten, der unbedingt reiten lernen wollte. Sein Ziel war es, auf einer Urlaubsreise ins Monument Valley zu reiten. Er nahm bei uns Reitunterricht - oh je - bis er sich mal zum Traben entschloss, dauerte es, weil er ständig dachte, er überlebt es nicht. Aber dann konnte er doch traben und auch galoppieren, wenn auch immer mit Angst. Und dann flog er in die USA und ritt im Monument Valley. Mit indianischen Führern.

In die USA flog ein Schisser, zurück kam John Wayne. Den konnte nicht mehr viel erschüttern.

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Kommentar von Monique9497
07.08.2016, 21:53

Danke schön :) Habe bei meiner letzten Reitstunde einfach nochmal Sitzübungen an der Longe gemacht und diesmal lief es ganz entspannt..mein Pferd blieb ruhig obwohl ein anderes neues noch unbekanntes Pferd mit auf dem Platz war. Selbst der Trab hat diesmal nach kurzen Problemen super geklappt und ich konnte entspannen und habe das Tempo genossen. 

Die Idee mit dem Wanderritt ist super.!

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Puh, Tiere und Angst ist immer ein Problem... Das sollte man wirklich versuchen in den Griff zu kriegen.

Ich habe bereits als Kind reiten gelernt, bin zig mal runter gefallen. Angst hatte ich nie. Ich kenne das auch eigentlich gar nicht.

Ich finde, wenn du noch so unsicher bist solltest du nicht ins Gelände gehen sondern erstmal zusehen dass du sicher alle 3 Gangarten beherrscht. Dann weißt du nämlich "ich kann das, ganz egal wenn das Pferd angaloppiert" und dadurch wirst du auch sicherer.

Und dann überleg doch mal, was soll schon passieren? Wenn das Pferd in den Galopp fällt versuchst du ruhig zu bleiben und es wieder durchzuparieren. Spreche ruhig und leise mit dem Pferd. Das beruhigt sogar dich selbst. Und wenn du runter fällst? Na, dann landest du halt im Sand. Das Pferd ist ja schließlich auf dem Platz, wird schon anhalten. Was ist daran so schlimm? Aufstehen, abklopfen, aufsteigen und nochmal probieren. Man redet sich die Angst zu sehr ein.

Ich bin schon soooo oft runter gefallen, in allen mögliches Situationen, das gehört halt auch mal zum Reiten dazu, ist ja kein Kindergartensport ;)

Ich kann mich noch gut an meine ersten Ausritte erinnern. Beim aller ersten ist meine Stute dermaßen durchgegangen. Sie ist im Renngalopp los geprescht, hat den Weg verlassen und ist auf ne Wiese gerast. Dabei hat sie immer wieder gebuckelt. Mich hat zuvor nie jemand auf so eine Situation vorbereitet.

Ich bin ganz ruhig geblieben und habe immer wieder leise Dinge wie "hooo" oder "ist doch gut" oder "ruhig mein Baby" gesagt. Als sie noch gebuckelt hat habe ich die Zügel erstmal locker gelassen um den Druck zu vermindern. Dann hat sie tatsächlich aufgehört. Dann habe ich angefangen auf der Wiese Kreise zu lenken und habe diese immer kleiner werden lassen. Und dabei Paraden gegeben. Irgendwann ist sie dann durchpariert. Die Situation kam mir in dem Moment unendlich lang vor. Und ich habe rein intuitiv gehandelt. Das würdest du auch! Ganz bestimmt.

Ich wünsche dir viel Glück! Du schaffst das!

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Kommentar von Dahika
05.08.2016, 14:40

Ich finde, wenn du noch so unsicher bist solltest du nicht ins Gelände gehen

und das seh ich genau andersrum. Ich kenne einige Reiterinnen, die seit Jahren in der Halle herumgurken, obwohl sie sich danach sehnen, mal rauszukommen. Die Angst verliert man in der Halle niemals! Ich nehme oft ängstliche Reiterinnen mit raus, im Schritt natürlich, und wenn sie zurückkommen, ist die Angst jedesmal ein wenig kleiner geworden. Zugegeben, ich habe ein sicheres, rittiges Pferd, aber die Angst verliert man im Gelände eher als in der Halle. Klar, Voraussetzung ist, dass der/die ängstliche ReiterIn auf einem ausgeglichenen Pferd sitzt, das selbst keineAngst hat.

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Kommentar von Monique9497
07.08.2016, 21:57

Vielen Dank! Ich habe denke ich das Glück das es mir nicht schwer fällt mich auf das Tier am Boden einzulassen, also wenn es da panisch wird oder Angst hat bleibe ich ruhig..jetzt fehlt bei mir nur noch der Schritt das auch auf dem Tier beizubehalten. Aber letzte Reitstunde lief es deutlich entspannter und ich habe Fortschritte gemacht. 

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Singen, Einkaufsliste erstellen, Autogenes Training.

Bei jeder Anspannung vom Reiter bekommt das Pferd mehr nachgeben vom Zügel. Je lockerer man das Pferd laufen lässt, desto ruhiger wird es.

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Kommentar von Dahika
05.08.2016, 14:52

Wenn etwas stimmt, dann das. Das lernt man  am besten auf hochblütigen Pferden. Mein Araber sagte einem: "halt mich fest und ich springe mit dir ins Grab." Bei dem habe ich gelernt, ein Pferd im Krisenfall loszulassen. DAs geht soweit, dass ich in den leichten Sitz gehe und die Zügel (minimal) durchhängen lasse. Bloß nicht festhalten.
Das mache ich mit allen Pferden, die reite, nicht nur bei meinen Arabern. Und alle Pferde reagieren positiv darauf. Araber besonders, geb ich zu. Blutpferde darf man niemals festhalten.

Darum plädiere ich ja dafür, dass man als Lernender auch mal Blutpferde geritten haben muss, weil die einem loslassendes und feines Reiten beibringen.
Nicht als ängstlicher Anfänger, das gebe ich zu.

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Wenn du reitest, wo reitest du - also in der Halle, am Platz, im Gelände?

Auf meinem Reiterhof gehen auch die Newbies gleich mal raus ins Gelände/in den Wald (wenn sie quasi fertig mit der "Einschulung" auf der Lounge sind). Wenn sie unsicher sind nimmt meine Reitlehrerin sie an die Longe beim Ausreiten - ich finde das eine gute Variante um Ängste ein bisschen zu verlieren. Ansonsten wäre für dich vielleicht tatsächliche Loungestunden nochmal gut und du solltest auf alle Fälle mit deiner Reitlehrerin über deine Ängste sprechen - wenn sie (oder  er) ein guter Lehrer ist, wird er dir zur Seite stehen.

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Kommentar von Monique9497
05.08.2016, 11:16

Wir dürfen prinzipiell nur auf dem Reitplatz reiten, was ich persönlich sehr gut finde. Er versucht mich nicht an die Longe zu nehmen, da ich seiner Meinung nach es alles schaffe und nur mehr zutrauen haben muss. Er hat auch mal erlaubt an der Longe in das Gelände mit einer Freundin zu gehen (was er wirklich niemanden erlaubt sonst). Anscheinend traut er mir mehr zu als ich mir, daher ist es mit der Longe immer etwas, was er nur selten eingeht. Bei mir liegt es auch ganz stark daran auf welchem Pferd ich sitze, kann es nicht erklären- doch wir hatten einmal ein ziemlich großes Pony was sehr schreckhaft war, aber dort hat es mich gar nicht gestört, ich habe mich wohl gefühlt auf ihm..egal ob er aufgeregt war oder nicht. Leider ist das bisher nur bei ihm so gewesen und er war nur kurze Zeit da. Bei den Pferden wo ich jetzt drauf sitze weiß ich das sie lieb sind, aber natürlich auch ihre Tücken haben, dennoch fühle ich mich immer dort unsicher und mein Reitlehrer weiß es auch.

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Hi

Du musst dich einfach konzentrieren
Und du darfst nie Angst zeigen
Da, sich das alles auf das Pferd überträgt deswegen denke einfach nicht an deine Angst 👍🏻
Denk: es macht dir so viel Spass wie dir und dem Pferd😀
Das war bei mir auch so aber ich denke einfach nicht mehr dran weil wen ich auf dem Pferd sitze bin ich einfach nur glücklich und das kann mir die Angst nicht wegnehmen😉
LG🤗

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Kommentar von Dahika
05.08.2016, 14:47

Und du darfst nie Angst zeigen

Das kann nicht mal ein Oscarpreisträger. Das kann man vielleicht anderen Menschen weismachen, aber keinem Tier. Die merken das. Eine vorhandene Angst nicht zeigen zu wollen, macht die ganze Angelegenheit nur krampfiger und daher schlimmer.
Wenn man Angst hat, soll man sich selbst ruhig sagen: "Ok,ich habe jetzt Angst. Was machen wir damit, wie geh ich damit um."

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Versuche mal einfach dein Lieblingslied oder sonstwas zu singen oder summen. Das beruhigt nicht nur dich sondern auch dein Pferd. :)
Ansonsten wenn sowas vorkommt oder dein Pferd zu schnell wird einfach ein- und gaaanz tief ausatmen. Generell atmen nicht vergessen. ^^

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Du solltest ganz langsam wieder einsteigen und erst wenn du sicherer bist, eine Schwierigkeitsstufe erhöhen. Das Pferd spürt deine Angst, denn diese überträgst du ganz leicht.

Fang am besten erst einmal mit Bodenarbeit an, dann langsam Sitzen und Schritt reiten. Dann, wenn du hier komplett Angstfrei bist, kannst du dich an schnellere Gangarten rantasten...

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