Frage von Rodrigo95, 61

Herkunft der heutigen Bezeichnung "Germanen" für Deutsche?

Warum werden wir heute Germanen genannt, obwohl z.B. die Franzosen vom germanischen Stamm der Franken abstammen und somit auch Germanen sind. Wir sagen ja richtigerweise Frank(en)reich und die Franzosen sagen richtigerweise Alemannen zu uns. Woher kommt die Bezeichnung Germanen z.B. von den Briten? Und woher kommt die Bezeichnung Deutschland? Ich würde ja die Bezeichnung der Spanier, also Allemania besser finden.

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von teafferman, 27

Caesar hat den Begriff das erste Mal genutzt. Für alle Völker diesseits des Rheins, so weit ich erinnere, und nördlich der Alpen bis zur See. 

Die Germanen ist eine Mehrzahl. So wird das Wort bis heute in der Regel verstanden. Denn es gibt nicht DAS germanische Volk, es gibt DIE germanischen Völker. 

Bei den Engländern waren die Römer auch. Von diesen haben die Engländer dann den Begriff Germanen übernommen. Macht die Sache einfacher als sich mit all den vielen verschiedenen Volksstämmen hier zu befassen. Vor allen Dingen, da sie eh wechselnde Koalitionen eingegangen sind und eingehen. Immer fleißig ihrer Gier und Zerstörungswut nach. 

Kelten gibt es auch in Anatolien. Sogenannte Artefakte zeigen uns, dass sie dort seit mindestens 2.000 Jahren leben. Deswegen käme kein Mensch auf die Idee, Anatolien zu Frankreich zugehörig zu betrachten. 

Denn in Frankreich lebt nur ein Teil des Stammes der Kelten. Seine Geschichte zu erforschen wird sich noch als sehr spannend auch für andere sogenannte Volksstämme heraus stellen. Dürfen wir von ausgehen. 

Kommentar von OlliBjoern ,

Wobei die Römer natürlich nicht bei den "Engländern" waren, sondern bei der damaligen Bevölkerung Britanniens, die überwiegend keltisch geprägt war. Wie in anderen Teilen des Imperiums (z.B. Frankreich) entstand eine keltisch-römische Mischbevölkerung.

In diesem Kontext spielt die Artus-Sage (Arthur). Auch wenn sie nicht historisch ist, so ist doch das historische Bild nicht ganz aus der Luft gegriffen.

Erst später kamen die Angeln und Sachsen (daher auch "angelsächsische" Sprache), und verdrängten die Kelten in ihre heutigen Randgebiete (Wales, Teile Schottlands und Irlands, Isle of Man) bzw. anglisierten sie, so dass sie die angelsächsische Sprache und Kultur annahmen.

Kommentar von teafferman ,

Danke Dir von Herzen für diese Korrektur meiner missverständlichen Darstellung und die weitere Ausführung. ;)

Hast mich voll erwischt: Auf die Kelten wollte ich absichtlich nicht noch eingehen. Gehe Ecke stellen....

Antwort
von Archaeopterix, 9

Das leitet sich von der Bezeichnung des Landes her, nicht der Bewohner.

In der Antike hat sich die Bezeichnung "Germanen" für die Völker östlich der Kelten eingebürgert. Ursprünglich war es nur ein Stamm in diesem Grenzgebiet, dessen Name dann aber auf alle anderen ausgeweitet wurde. Julius Caesar hat aus politischen Gründen den Rhein als Grenze zwischen dem keltischen Gallien und Germanien festgelegt. Das war so nicht ganz richtig, aber immerhin im Groben. "Germania" blieb in den folgenden Jahrhunderten im Lateinischen der Begriff für die Gebiete östlich des Rheins, auch wenn sich etliche Germanenstämme zeitweise nach Süden oder Westen ausgebreitet hatten. In anderen süd- und westeuropäischen Sprachen (Französisch, Englisch usw.) hieß Deutschland im Mittelalter dagegen "Alemannia/Allemagne" oder ähnlich. Erst im Humanismus, als man wieder begann, sich für die römische Kultur und die antiken Texte zu interessieren, hat das Englische das lateinische Wort "Germania" übernommen und hat das ältere Wort "Almain" für Deutschland verdrängt.

Die Bezeichnung "Alemania" ist übrigens nicht so ganz richtig. Die Alemannen oder Schwaben sind eigentlich nur ein einzelneer Stamm im Südwesten des deutschen Sprachgebiets (südl. Baden-Württemberg, Schweiz, Vorarlberg, Bayerisch-Schwaben, Elsass). Wahrscheinlich weil es der Grenzstamm war, der am direktesten an die romanischen Gebiete anstieß, haben diese den Namen auf alle Deutschen ausgeweitet.

Sehr hilfreich zu dieser Frage:

https://de.wikipedia.org/wiki/Deutsch_in_anderen_Sprachen

oder

https://de.wikipedia.org/wiki/Germanen#Begriff

Antwort
von Jonnymur, 29

Auch die Deutschen werden als Germanen bezeichnet, jedoch nicht nur sie. Skandinavier werden z.B. ebenfalls als Germanen bezeichnet (Nordgermanen). Deutsche sind, wie auch etwa die Niederländer, Westgermanen.

Die Franzosen sind zudem keine Germanen. "Frankreich" leitet sich vom Westfränkischen Reich ab, aus welchem es entstanden ist. Das germanischen Frankenreich konnte zwar ganz Gallien erwerben. Doch deshalb waren die Menschen dort nicht plötzlich alle Germanen, v.a. da die Franken zur Zeit des Reichs sich in einer römischen Tradition sahen. Frankreich ist v.a. eine romanisch-keltische Kultur.

Die Alemannen sind zudem ein germanischer Stamm gewesen, aber sie waren nicht die einzigen Kontinentalwestgermanen. Entsprechend ist die Bezeichnung nicht sehr umfassend. Schließlich spiegelt die Bezeichnung aller Deutschen als Sachsen, wie es in Finnland und Estland der Fall ist, auch nicht die historische Realität wieder.

Im Mittelalter wurde Deutschland in lateinischen Schriften u.a. als "Germania" bezeichnet, welches zuvor von den Römern auf die Völker westlich des Rheins angewendet wurde. Davon leitet sich auch das englische "Germany" ab.

Den Begriff "Deutschland" gibt es seit dem Spätmittelalter. Davor wurde es als "deutsches Land" oder "deutsche Lande" bezeichnet.

Kommentar von Jonnymur ,

Ups, östlich des Rheins natürlich!

Antwort
von PatrickLassan, 20

Die englische Bezeichnung für Deutschland ist nun mal Germany, die französische 'L'allemagne'. Das ist Sprachgebrauch und hat nichts mit 'richtig' oder 'falsch' zu tun.

Zum Begriff 'deutsch' bzw. 'Deutschland':

Der Begriff deutsch leitet sich vom althochdeutschen diutisc (westfränkischen *Þeodisk) ab, was ursprünglich „zum Volk gehörig“ bedeutete (germanisch Þeudā, althochdeutsch diot[a], Volk).

https://de.wikipedia.org/wiki/Deutsch_(Etymologie)

Antwort
von OlliBjoern, 6

Es stimmt zwar, dass Franken (insbesondere fränkische Herrscher) bei der Gründung des Reichs ("Frankenreich") maßgeblich beteiligt waren. Chlodwig und andere...

Jedoch darf man sich das nicht so vorstellen, dass damals riesige Mengen an fränkischer Bevölkerung übergesiedelt wären (ein paar waren es schon). Das meiste spielte sich in der (kleinen) "Führungsetage" ab.

Die Bevölkerung war überwiegend romanisiert (und viele waren sicherlich keltischer Abstammung, zumindest partiell) - daher die französische Sprache, welche keine germanische ist, sondern eine lateinbasierte (dazu noch mit etlichen keltischen Lehnwörtern versehen).

Dann gab es natürlich auch normannischen Einfluss (Normandie).

In manchen Teilen Südfrankreichs auch baskischen Einfluss (Biskaya).

Westgoten sind zumindest mal "durchgezogen".
"Burgunder" waren mal Ostgermanen, die von Römern nach Burgund "umgesiedelt" wurden.

Ich bin da immer sehr vorsichtig damit, eine moderne Nation auf einen (mittelalterlichen) Stamm zurückzuführen, da die reale Situation wohl wesentlich vermischter zu sein scheint.

***

Auch sind die "Alemannen" nur ein Stamm von vielen germanischen Stämmen, die in Deutschland zu Hause waren. Auch in Deutschland ist der Einfluss von Römern und Kelten (vor allem im Süden) sehr hoch gewesen.
Zudem wurde Deutschland (vor allem im Osten) von Slawen mitgeprägt, von jüdischen Familien und vielen anderen...


Antwort
von Agentpony, 16

Alemannen wäre doch eine noch falschere Bezeichung. Das ist nur ein kleiner Teil dessen, was damals oder heute als Germanien/Deutschland Verstanden wurde.

Es ist übrigens ein Bedeutungsunterschied zwischen dem Volk der Germanen, dem Land Germanien und dessen Bewohnern, den Germaniern.

Genauso unterscheidet der Brite ja auch zwischen Germania und Germany.

Müsste man sich festlegen, müsste man natürlich auch im Ausland Eine Version von Deutsch(land) verwenden - die Italiener können es ja auch teilweise, wo wir Deutschen die "tedesci" sind.

Antwort
von andreasolar, 23
Antwort
von paulklaus, 7

Auch im Internet gibt es ein "Etymologisches Wörterbuch" (= Herkunft des Wortes)...

pk

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