Frage von chockinghazard, 64

Heizungsleitungen legen oder eher vorerst mit Strom heizen?

Hallo zusammen,

da ich in der kommenden Zeit mein Dach dämmen möchte, werde ich auch gleich den Innenausbau mit machen.

Nun zum eigentlichen Grund meiner Frage. Das Dach wird in den kommenden Jahren eigentlich nur 2 Zwecken dienen. Es wird in 2 Räume aufgeteilt. Pro Raum kommt ein "normal großes" Dachfenster rein. Ein Raum gibt ein zweites Gästezimmer, welches etwa alle 2 Monate mal für 2 bis 3 Tage genutzt wird. Der zweite Raum wird ein kleines Büro, das maximal eine Stunde/Tag besetzt ist.

Hier stellt sich mir natürlich nun die Frage, ob es großen Sinn macht, die Heizungsleitungen hoch zu legen und Heizkörper zu installieren oder eben vorerst nach Bedarf mit Infrarotheizungen geheizt wird.

Würden die Räumlichkeiten so wie oben beschrieben dauerhaft bleiben, dann natürlich Heizkörper.

ABER: Ich gehe sehr stark davon aus, dass das Dachgeschoss mal meinem Junior in ein paar Jahren als Jugendzimmer dienen wird. Spätestens dann werden auch Dachgauben aufs Dach kommen um die Räume adäquat hell zu bekommen und vor allem Raum zu gewinnen. Hier fallen dann sowieso enorm hohe Kosten an, sodass Zeit, Geld und Dreck dann auch das Legen von neuen Leitungen rechtfertigt.

Wie würdet ihr entscheiden... Jetzt zweckmäßig einrichten und mit Strom heizen, später dann vernünftig ausbauen oder jetzt schon mal alles machen was geht und erst mal warten wie es sich mal ergeben wird und ordentlich nachinvestieren.

Antwort
von Onki73, 18

Ich habe mich für meinen ungedämmten Altbau für Heizleisten (System Radia-Therm Linear doppelt) entschieden. Zuvor wurde das Haus nur über Einzelöfen beheizt. Ein Gasanschluss wurde gelegt, um die Grundlage für eine Gasheizung zu schaffen.

Handwerklich nicht ganz ungeschickt, erlernte ich das Weichlöten von Kupferrohr mit der Brennerflamme (Anleitungen dazu gibt es im Internet) und lötete mir Heizrohrschleifen mit 22mm Kupferrohr in die Radia-Therm-Rohrhalter vor der Aussenwand in die Wohnräume.

Die Heizrohrschleife - von einem gemeinsamen Vorlauf abgehend - wurde über einen Rücklaufsammler (bis hierhin verläuft jeder Rücklauf separat) an die Heizzentrale angeschlossen. Jeder Heizkreis bekam ein Thermostatventil in Fensternähe, den separaten Rücklauf zum Sammler und kurz davor ein Regelventil, um die Durchflussmenge (hydraulischer Abgleich) einstellen zu können. Der hydraulische Abgleich ist erreicht, wenn - im Winter bei hoher Wärmeabnahme durch die Wohnräume und offenen Thermostatventilen - am Rücklauf überall gleiche Temperaturen herrschen.

Zur Wärmeübertragung in den Raum wurden die Heizregister auf das (kalte) Kupferrohr aufgesetzt. Durch diese Heizregister wird von unten her ein dünner, aufsteigender Warmluftschleier (Prozeßluft genannt) vor die Aussenwand gelegt. Dadurch wird die Oberfläche erwärmt. Die Wandoberflächenbereiche oberhalb der Heizleiste wirken, da sie wärmer als der Rest das Raumes sind, als große Strahlungsheizfläche und geben sehr angenehme Wärmestrahlung in den Raum ab. Durch den Strahlungsaustausch werden alle Oberflächen temperiert (erwärmt) und die Raumluft erwärmt sich an den warmen Oberflächen.

So werden auch Stellen im Raum erwärmt, die bei konventioneller Heizungstechnik oft mit Wärme unterversorgt sind - Raumecken an den Aussenwänden, Fußböden in EG-Wohnungen, Fensterlaibungen und konstruktive Wärmebrücken erhalten ausreichend Wärme zur Vermeidung von kalten inneren Oberflächen (Schimmelvermeidung).

Es gibt im Zimmer nur noch Temperaturunterschiede von 1-3°C vom wärmsten zum kältesten Punkt (gemessen mit IR-Thermometer). Selbst die Fensterscheiben (Verbundfenster) setzen kein Kondensat an, weil die Wärmestrahlung sofort beginnendes Kondensat erwärmt und zum Verdunsten anregt. Vom Fensterglas wird die Wärmestrahlung zu 100% reflektiert.

Bei Ausbau-/Umbau am/im Haus bieten die Heizleisten den Vorteil, dass die Heizregister abgenommen werden können (nur beim System Radia-Therm möglich!), um sie vor Beschädigung und Verschmutzung zu bewahren. Da es keine herkömmlichen Heizkörper gibt, stören diese auch nicht. ;-)

Die Anzahl der Heizregister können individuell - je nach Wärmebedarf im Raum - auf das Heizrohr aufgesteckt werden. Damit ist eine perfekte Anpassung der Wärmeabgabeleistung an die örtlichen Gegebenheiten möglich.

Die Heizleiste eignet sich auch sehr gut vor Dachschrägen, die fast komplett bis zum Fußboden verlaufen. Durch den hohen Wärmestrahlungsanteil, der mit der Heizleiste letztendlich im Raum erreicht wird, werden auch Schrägdachfenster gut von innen mit Wärme versorgt. Diese sind oft sehr kondensatanfällig - ich persönlich halte die Fensterscheibe schräg gegen den kalten Nachthimmel gerichtet für einen Baufehler. Die klassische Dachgaube mit dem senkrechten Fenser ist die einzig wahre Lösung.

Noch eine Anmerkung zur Heiztechnik mit den Heizkörpern. Die Heizkörper - mit der Ausnahme des Typ 10 - erzeugen überwiegend Warmluft, der Typ 33 sogar ca. 80% Warmluft, der Typ 22 immerhin noch ca. 75% Warmluft. Der kleinere Rest wird in Form von Wärmestrahlung abgegeben.

Nun fragt man sich, was daran so schlimm ist, schließlich erwärmt Warmluft schnell den Raum. In gelegentlich benutzen Räumen mit geringen Feuchtelasten mag das okay sein, aber in ständig bewohnten, täglich benutzten Räumen, erhöht diese Art der Beheizung deutlich die Heizkosten und das Schimmelrisiko.

Das hat mit den Eigenschaften von Luft und Wasser zu tun. Wasser leitet volumenbezogen die Wärme knapp 3500 Mal besser als Luft. In den gemauerten Wänden sind kapillare Hohlräume und Poren zu finden, die - mit Luft gefüllt - für einen hohen Dämmwert sorgen. Bereits kleine Mengen an Wasser in diesen Hohlräumen lassen den Dämmwert des Baustoffs erheblich sinken.

Diesen Zusammenhang hat J.S. Cammerer schon vor Jahrzehnten am Vollziegelstein ermittelt - seine Ergebnisse kann man schnell mit seinem Namen und der Bildersuche ergoogeln. Hier wird nun ersichtlich, dass es nicht nur wichtig ist, die Baustoffe trocken zu halten, es ist noch viel wichtiger die Baustoffe knochentrocken zu halten, denn bereits bei den ersten Feuchteprozenten ist die Dämmwertänderung am Größten.

Luft hat die unbestrittene Eigenschaft Wasser in Form von Wasserdampf zu transportieren.

Warme Luft kann mehr Wasserdampf aufnehmen, als kalte Luft. Wird kalte Luft also erwärmt, steigt in ihr das Wasserdampfaufnahmevermögen, die rel. Luftfeuchte sinkt, die Luft wird trockener.

Kühlt sich warme Luft ab, so sinkt das Wasserdampfaufnahmevermögen, die rel. Luftfeuchte steigt dabei gleichzeitig an, die Luft wird feuchter. Bei Abkühlung über den Taupunkt hinaus wird überschüssiges Wasser an Oberflächen als Kondensat abgelagert.

Diese physikalischen Grundlagen überträgt man nun auf die häusliche Beheizung.

Der Heizkörper unter dem Fenster erzeugt überwiegend Warmluft, die zur Zimmerdecke aufsteigt. Dort bleibt sie so lange, bis sie sich abkühlt und wieder nach unten fällt. Das geschieht hauptsächlich an und vor der Aussenwand. Die sich abkühlende Luft sinkt nun unter weiterer Auskühlung (Wärmeübertragung an die Wand) nach unten. Dabei steigt in ihr aber die rel. Luftfeuchte an - deutlich über die allgemeine Raumluftfeuchte. Diesen gestiegenen Feuchtewert übernimmt die Wand durch Feuchteausgleich. Die Wand wird feucht, bzw. bleibt feucht. Damit ist der Dämmwert schlecht, die Heizkosten höher als notwendig.

Wird dagegen mit einem hohen Anteil an Wärmestrahlung geheizt, so wird die Wandoberfläche direkt erwärmt. Die Luft kann sich nun an der wärmeren Wand nicht mehr so stark auskühlen, bzw. in Bereichen, wo die Wand wärmer als die Luft ist, wird die Luft vor der Wandoberfläche erwärmt. In wärmer werdender Luft steigt das Wasserdampfaufnahmevermögen, die rel. Luftfechte im Wandoberflächenkontakt sinkt unter die allgemeine Raumluftfeuchte, die Wand wird getrocknet, bzw. trocken gehalten, was den Dämmwert oben und die Heizkosten unten hält.

Deshalb plädiere ich nicht für elektrische Heizsysteme oder herkömmliche Heizkörper, sondern für eine gleichmäßige Wärmeverteilung im Raum durch die hydraulische Heizleiste unten vor allen Aussenwandflächen auf Basis einer wassergeführten Heizungsanlage mit dem Energieträger Erdgas oder Heizöl.

Antwort
von BigLittle, 30

Wenn Du nicht unnötig Geld ausgeben möchtest, dann solltest Du die Heizkörpervariante wählen. Denn Erstens kostet die Infrarotheizung im Betrieb relativ viel Geld und Zweitens benötigst Du die Rohrleitungen eh, wenn es größer ausgebaut werden soll. Die Heizung wird sich auch mit Gaben nicht weiter ändern müssen, da der Wärmebedarf des Raumes sich nicht wesentlich ändert. Die Heizkörpergröße und Bauart kannst Du ja schon für die spätere Nutzung auswählen, so daß an der Heizung nichts verändert werden muß.Bei der Infrarotheizung solltest Du bedenken, daß sie nur die Gegenstände und Körper erwärmt, die direkt von der Infrarotstrahlung erreicht wird.  Das heist, daß wenn Du in einem Raum mit einer Infrarotheizung sitzt, dann wird nur die Seite von Dir erwärmt, die dem Heizkörper zugewandt ist. Die anderen Seiten bleiben kalt, genauso wie die Luft im Raum. Also wenn Du von allen Seiten gewärmt werden möchtest, dann mußt Du Dich entweder wie ein Hähnchen im Grill drehen, oder auf allen Seiten einen Heizkörper installieren.

Antwort
von dompfeifer, 29

Es macht wenig Sinn, hier aus der Ferne alle ökonomischen Variablen einzuschätzen. Eines ist bei Deiner Fragestellung und Überlegungen allerdings ganz grob auffällig!:

nach Bedarf mit Infrarotheizungen geheizt ....

Infrarotheizungen, also Heizstrahler, werden z.T. für den hundertfachen Einkaufspreis angeboten im Vergleich zu kleinen Heizlüftern gleicher Leistung (2 kW Leistung ab 10,- Euro im Handel). Für die Raumluftbeheizung ist die genutzte Wärme mindestens (!) die Gleiche für einen winzigen Bruchteil des Einkaufspreises. Für 1 kWh Wärme rechnet der Stromversorger immer genau 1 kWh ab! Beim Heizstrahler können ggfs. noch Wärme-Verluste auftreten bei der Anstrahlung von Außenwänden. Da können also auch noch die Verbrauchskosten steigen.

Der einzige Vorteil des teuren Heizstrahlers liegt darin, dass man sich auch bei kalter Umgebungsluft (z.B. in Biergärten oder Messehallen) in seinem Strahlungskegel nach dem Drehspießprinzip schnell aufwärmen kann. Wer nutzt denn wohl ein eiskaltes "Jugendzimmer" mit "Grillspießstrahler" zur körperlichen Aufwärmung? Das ist doch kein Biergarten!

Widerspruch dazu kommen ausschließlich von kriminellen Verkäufern von "zauberhaften Geräten" und deren Papageien! Das "stromsparende Elektroheizgerät" ist so ein Blödsinn wie der "Fleisch sparende Fleischwolf"!

Kommentar von Onki73 ,

Wie immer, nicht begriffen, dass bei Wärmestrahlung im Raum das Mauerwerk trocken gehalten wird, für einen dauerhaft hohen Dämmwert. Im Gegensatz dazu kühlt sich erwärmte Heizungsluft an der Aussenwand unter Erhöhung der Luftfeuchte im direkten Aussenwandoberflächenkonkakt ab und befeuchtet die Wand, was zu sinkenden Dämmwerten führt. 

Daher hat man mehr davon 1kWh auf dem Wege der Wärmestrahlung in den Raum zu bringen, als mit 1kWh die Luft zu erhitzen - zumindest wenn man gemauerte (sorptive) Wände hat. 

Kommentar von dompfeifer ,

Hallo Onki73!

... dass bei Wärmestrahlung im Raum das Mauerwerk trocken gehalten wird, ...

... ist so doch völliger Quatsch! Was soll hier "Wärmestrahlung im Raum" heißen? Die hat doch erst einmal gar nichts mit der Außenwand zu tun. Nur wenn ich einen Wärmestrahler auf eine Außenwand richte, dann erwärme ich genau den Fleck an der Wandoberfläche, den der Strahlungskegel gerade trifft. Und nur auf diesem Flecken mag die Wandoberfläche vielleicht bis in einige cm Tiefe auch etwas an Feuchte verlieren. Natürlich kann ich die Fläche dieses Wandfleckes auch endlos vergrößern durch Vergrößerung des Abstandes von Wand und Strahler. Damit mache ich aber die Strahlung sehr schnell unwirksam, weil deren Intensität mit dem Quadrat der Entfernung abnimmt. Deshalb haben da einige geschäftstüchtige Esoteriker die nicht wahrnehmbare, mysteriöse, raumfüllende, diffuse "Wärmestrahlung im Raum" erfunden. Diffuse Wärmestrahlung ist ohnehin immer und überall da. Jeder Körper strahlt schließlich immer und überall Wärme ab. Dabei spielt es gar keine Rolle, auf welchem Wege die "Wärme in den Raum gebracht" wurde. Der Heizstrahler entfaltet seine besondere Wirkung nur in seinem unmittelbaren Strahlungskegel. Deshalb taugt er z.B. für Wintergärten.

Wenn ich ernsthaft mit dem teuren Wärmestrahler das gesamte Mauerwerk der Außenwand in Fläche und Tiefe derart durchtrockne, dass dessen Dämmwert maßgeblich verbessert wird, und zugleich auch noch an der Innenfläche durch die erhöhte Oberflächentemperatur die Konvektion der Luft umgekehrt wird, dann heize ich erst einmal mit exorbitanten Kosten die Außenwand und damit die winterliche Straßenluft auf. Das mag bezahlen, wer will. Deshalb warnte ich in meinem obigem Beitrag ausdrücklich vor der "Anstrahlung von Außenwänden".

Natürlich kann ich die Abgabe von Kondensationswärme an die Außenwand reduzieren, indem ich sie wenigstens punktuell entsprechend kostenträchtig aufheize. Das mag im Einzelfall auch der Schimmelbildung entgegen wirken. Aber die Fragestellung richtete sich auf unmittelbar wirtschaftliche Gesichtspunkte und nicht auf eventl. bauphysikalische Probleme. 

Noch kurz zur Fragestellung: Dass die Elektroheizung ein besonders teurer Luxus ist und in Vergleich zu Verbrennerheizungen etwa das Vierfache kostet, setzte ich oben als bekannt voraus.

Kommentar von dompfeifer ,

Meine Einwände beziehen sich nur auf Elektroheizungen und die massive Werbung für sog. "Infrarotstrahler" im Sinne der Fragestellung. Ich beziehe mich hier nicht auf wassergefüllte Zentralheizkörper! 

Antwort
von schellejaja, 21

Hallo,

ich würde eindeutig die Variante mit konventionellen Heizkörpern (gespeist von einer Warmwasser-Heizanlage) vorziehen. Mit Stromheizungen wirst du nicht glücklich werden. Auch wenn du vorerst geringe Betriebszeiten prognostizierst und sich daher die hohen Stromkosten auf Grund geringer Gerätelaufzeit relativieren, so ist doch ein anderer Faktor wichtig, und das ist die Behaglichkeit. Das im Falle einer Stromheizung üblicherweise nur im Bedarfsfall beheizte Zimmer kühlt aus. Eine Nutzung ist dann relativ ungemütlich, weil der Nutzer zwar schnell mittels Stromheizung 22°C warme Luft erhält, jedoch die unangenehme Kältestrahlung der Raumwände und des Mobiliars spürt. Aus diesem Grund und weil in ein paar Jahren vielleicht wieder ein ganz anderer Nutzungsanspruch vorliegt, würde ich, wie eingangs geschrieben, auf das konventionelle Warmwassersystem zurückgreifen.

Gruß Ralph      

Antwort
von ingwer16, 31

Mit Strom heizen ist teuer , ist ein kleiner Holzofen vielleicht ne Übergangslösung ?

Antwort
von GuenterLeipzig, 31

Klarer Fall, Heizkörper setzen.

So viel Aufwand ist das nicht.

So hast Du keine Zwischenlösungskosten und überteuerte Energiekosten.

Günter

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