Frage von prinzessintini, 65

Heizung einbauen im Bad - was geht kaputt?

Hallo! Wir tauschen dieses Jahr endlich unsere Nachtspeicher gegen eine Gasheizung. Gleichzeitig soll im Bad eine Handtuchheizung montiert werden (noch gibt es dort keine Heizung). Nun die Frage - geht beim Einbau im Bad viel kaputt? Fliesen etc... Eigentlich wollen wir das Bad nämlich erst nächstes Jahr sanieren. Vielleicht hat jemand Erfahrungen gemacht :)

Antwort
von Onki73, 29

Die entstehenden Schäden im Bad sind reparabel, spätestens mit der Badsanierung.

Viel wichtiger ist in Hinblick auf die neue Heizanlage, die höchstmögliche Effizienz und Energieeinsparung bei moderaten Kosten zu erreichen, denn mit der Nachtspeicherheizung hatte man wohl in der Vergangenheit recht hohe Heizkosten.

Die Handtuchheizung ist eine schöne Sache im Bad, sorgt sie doch für wohlig warme und trockene Handtücher. Das macht sie, weil sie die Handtücher direkt erwärmt und damit die Feuchte aus diesen verdrängt (zum Abdampfen anregt).

Ich denke, so wünscht man es sich im gesamten Haus - wohlig warm und trocken.

Um das zu erreichen muss man zunächst betrachten, wo die Problemfelder liegen. Steht man im Winter neben der Aussenwand, so spürt man oft, dass die Wand eine gewisse "Kälte abstrahlt". Das sorgt für Unbehagen und man mag sich nicht in der Wandnähe aufhalten wollen. Damit wird der Wohlfühlbereich im Zimmer eingeschränkt, quasi das Zimmer verkleinert.

Die Ursache hierfür ist in der kühlen inneren Wandoberfläche zu sehen. Die vom Heizkörper erwärmete Luft steigt zur Zimmerdecke, kühlt sich oben an der Aussenwand ab und fällt vor dieser - da schwerer werdend - nach unten, wobei sie sich unter Wärmeübertragung an die Wandoberfläche immer weiter abkühlt und am Fußboden in der Folge für kalte Füße sorgt.

Wer will schon gerne kalte Füße haben? Die schwere kalte Luft bleibt auch auf dem Fußbeden liegen, da erst wieder ab der Unterkante des Heizkörpers die Luft erwärmt wird. Über diesen Umstand freuen sich die Verkäufer von Lammfellhausschuhen und Merino-Wollsocken sehr.

Findige Heizungsbauer haben daraufhin die Fußbodenheizung entwickelt, die für warme Füße (und auch viel angenehme Wärmestrahlung im Raum) sorgt, jedoch ist ein nachträglicher Einbau in Häuser und Wohnungen teuer, aufwändig und damit oft unrentabel. Zudem besteht bei der Fußbodenheizung die Gefahr der Staubaufwirbelung bei vom Fußboden aufsteigender (plötzlich abreißender) Warmluftschicht und die Regelbarkeit ist wegen großer Trägheit nur eingeschränkt möglich.

Letzendlich lassen sich auch kalte Füße vermeiden durch "fußwarme" Bodenbeläge (Holzböden, Korkböden, Tepichböden) und die Vermeidung von kalter Luft, die auf den Boden fällt. Leider führt der Trend zu den bodentiefen Fenstern zu einer langen senkrechten Auskühlfläche für die Raumluft und wiederum zu kalter Luft auf dem Fußboden die für Unbehagen (und sogar Zuglufterscheinungen) sorgt. Daher sollte man nur so wenige bodentiefe Fenster wie nötig im Haus haben.

Eine gleichmäßige Wärmeverteilung im Haus sorgt also für ein Wohlfühlklima. Leider wird mit heutiger Heiztechnik und der Lehre der Thermodynamik sehr viel Wert auf die Raumluft als Medium zur Wärmeverteilung gelegt.

Luft ist aber bekanntermaßen ein schlechter Wärmeüberträger und wird daher - fest eingeschlossen - in Dämmstoffen zu Wärmedämmung eingestzt. Diese Luft soll nun also behilflich sein, die Wärme im Zimmer gleichmäßig zu verteilen?

Es gibt drei Arten der Wärmeübertragung: Die Wärmeleitung (überwiegend in Feststoffen), die Wärmeströmung (in Flüssigkeiten und Gasen) und die Wärmestrahlung (in Gasen und im Vakuum).

Mit dem Heizwasser von der Gasheizung kommend wird die Wärme in die Räume gebracht, wo sie nun für ein gutes Wohlbefinden möglichst gleichmäßig verteilt werden muss. Es müssen kalte (Wand-)Bereiche vermieden werden. Diese findet man überwiegend vor, bzw. an den Aussenwänden und Fenstern. Hiervor muss die Wärme gleichmäßig zur Oberflächenerwärmung verteilt werden.

Da die Warmluft von unten nach oben aufsteigt, ist es sinvoll vor allen Aussenwandflächen unten "kleine Heizkörper" zu installieren, die die aufsteigende Warmluft erzeugen. Das Ganze nennt sich dann Heizleiste (mal googeln).

Diese Heizleiste sorgt mit dem dünnen aufsteigenden Warmluftschleier (Prozeßluft genannt) für eine Erwärmung der inneren Wandoberfläche kurz über der Heizleiste. Dieser Bereich der Aussenwandoberfläche ist nun wärmer als andere Oberflächen im Raum und er strahlt damit nun Wärmestrahlung in den Raum hinein, was vom Menschen als sehr angenehm empfunden wird, da er diese Form der Wärme von der Sonne her gewöhnt ist.

Durch Strahlungsaustausch werden alle Oberflächen im Raum auf annähernd gleiche Temperatur gebracht, so dass große Temperaturunterschiede vermieden werden. Das beruhigt die Raumluft, da Temperaturunterschiede im geschlossendem Raum der Motor der Luftbewegung sind. Damit werden unangenehme Zuglufterscheinungen minimiert und der durch ständige Luftzirkulation in der Atemluft gehaltene Staub setzt sich ab. Die Luft wird staubärmer und damit gesünder. Atemwegserkrankungen werden minimiert.

Warum setzt die Grippewelle im Herbst ein? Weil die Heizkörper dann beginnen, den Staub durch die Wohungen zu pusten.

Man sagt den Heizleisten auch eine bis zu 30%ige Heizenergieeinsparung gegenüber den "normalen" Heizkörpern nach. Warum?

Der Heizkörper unter dem Fenster erzeugt überwiegend (Ausnahme der Heizkörper Typ 10) Warmluft die nach oben steigt und sich an der Aussenwand unter Abkühlung wieder nach unten bewegt. Kühlt sich Luft aber ab, so steigt in ihr die rel. Luftfeuchte an. Die Luft bewegte sich schon durch den Wohnraum und konnte dort Wohnraumfeuchte aufnehmen. Im Abkühlungsprozeß vor der Aussenwandoberfläche erhöht sich nun die rel. Luftfeuchte und durch Feuchteausgleich übernimmt die Wand diesen gestiegenen Feuchtewert. Die Wand wird befeuchtet, bzw. feucht gehalten. Im schlimmsten Falle (dauerhafte Luftfeuchten von über 70% an einer Oberfläche) kann sogar Schimmel entstehen.

Wird dagegen mit der Heizleiste der Raum erwärmt, so steigt die Warmluft der Heizleiste nur im direkten Wandoberflächenkontakt auf, wobei sie sofort und ohne den Umweg über die Raumluft (wo Wohnraumfeuchte aufgenommen werden kann) ihre Wärme an die etwas kühlere Wandoberfläche abgibt. Die Wandoberfläche erwärmt sich über das Temperaturniveau der übrigen Oberflächen im Raum und auch der Lufttemperatur hinaus und strahlt die Wärme ab.

Da die Wandoberfläche nun etwas wärmer als die Raumluft ist, erfolgt nun an der Wandoberfläche keine Raumluftauskühlung (mit dem unvermeidlichen Ansteigen der Raumluftfeuchte), sondern die Raumluft erwärmt sich an der Wandoberfläche, wobei die rel. Luftfeuchte sinkt und die Wandoberfläche damit getrocknet wird, bzw. trocken gehalten wird.

Da trockene Baustoffe deutlich besser dämmen, als feuchte Baustoffe, steigert die Heizleiste den Dämmwert der Wände, was zu der Heizkosteneinsparung von bis zu 30% führt.

Schon J.S. Cammerer (seinen Namen mal mit der Bildersuche googeln) hat vor Jahrzehnten den Zusammenhang zwischen der Feuchte und dem Dämmwert am Vollziegelstein untersucht und festgestellt, dass bei linear ansteigender Feuchte am Ziegelstein der Dämmwert parabelförmig absinkt.

Dass heißt, dass bei den ersten Feuchteprozenten am Ziegelstein die Dämmwertänderung am Größten ist. Es kommt also für gute Dämmwerte nicht darauf an, dass die Wand trocken ist, sie sollte knochentrocken sein, da hierdurch nochmals eine erhebliche Steigerung des Dämmwertes möglich ist.

Das macht in der Folge auch teure Dämmmaßnahmen überflüssig, weil sie dann unwirtschaftlich sind und vom Gesetzgeber nicht mehr eingefordert werden dürfen. Im §25 (1) EnEV steht geschrieben: "Die nach Landesrecht zuständigen Behörden haben auf Antrag von den Anforderungen dieser Verordnung zu befreien,... wenn die erforderlichen Aufwendungen... innerhalb angemessener Frist durch die eintretenden Einsparungen nicht erwirtschaftet werden können."). Diese angemessene Frist wird durch die Rechtssprechung bei 10 Jahren gesehen. Man kann durch weitere Dämmmaßnahmen also nicht mehr so viel weitere Heizkosten einsparen, dass sich die Investition in die Dämmung finanziell lohnt.

Erfahrungen mit den Heizleisten liegen bei mir vor, da ich diese in meinem Einfamilienhaus selbst installiert habe. Ich hoffte auf ein ähnlich angenehmes Klima, wie ich es aus meiner Kindheit her von Omas Kachelofen kannte. Ich war überrascht, als ich spürte, dass die Heizleisten das Klima noch deutlich angenehmer als der Kachelofen machte, was wohl daher rührt, dass der Kachelofen immer noch eine "punktuelle" Wärmequelle mit hoher Temperatur im Raum ist. Durch die Heizleisten unten vor allen Aussenwänden gibt es aber keine punktuelle Wärmequelle mehr im Raum. Die Raumluft ist fast staubfrei und relativ trocken, so dass es auch keine Schimmelgefahr an den nun ohnehin warmen Wänden gibt (Schimmel bildet sich immer dort, wo sich Luft an der Wand zu stark abkühlt).

Mein Bad hat übrigens einen (noch elektrisch betriebenen) Handtuchheizkörper zur Trocknung der Handtücher und bekommt in den nächtsen Wochen Heizleisten zur Hebung der inneren Wandoberflächentemperatur zur Kondensatvermeidung. Der Handtuchheizkörper selbst erzeugt zu viel Warmluft und kann das Kondensat an der inneren (kühleren) Aussenwandoberfläche - nach meinen Erfahrungen - dadurch nicht vermeiden.

Kommentar von DietmarBakel ,

@Onki73

Zur Beantwortung der Frage hast Du nur 11 Worte benötigt. (Erster Satz.)

Warum Du noch 1.269 Worte folgen lässt, ist mir persönlich etwas schleierhaft.

Aber abschnittsweise sehr spannend.

Dafür ein Fleißdank.

Kommentar von Onki73 ,

Weil der alleinige Handtuchtrockner im Bad durch den zu hohen Warmluftanteil mitursächlich für Schimmel sein kann, daher sollte noch eine weiter Heizmöglichkeit ins Bad. Um dafür Verständnis zu entwickeln, muss man aber etwas tiefer in die Materie einsteigen. ;-)

Ich werd mir noch eine Heizrohrschleife unter den Fliesen rings um die Duschtasse legen, als eine Art "Mini-Wandheizung". Das beschleunigt das Abtrocknen der Silikonfuge, der Fliesenfugen und vermindert damit die Gefahr der Schimmelbildung.

Kommentar von DietmarBakel ,

O.K. 

Das Du Heizleisten protegierst kommt deutlich rüber.

"Weil der alleinige Handtuchtrockner im Bad durch den zu hohen Warmluftanteil mitursächlich für Schimmel sein kann, daher..."

Hier solltest Du noch einmal in Dich gehen, um nicht ganz unglaublich zu werden. Das ist nämlich Quatsch. Wenn Du nicht vernünftig lüftest, dann hilft Dir auch die Heizleiste nicht.

Gruß

Kommentar von Onki73 ,

Genau deshalb schrieb ich mitursächlich. Meine Wortwahl ist in der Regel wohl überlegt. ;-)

Die weitere Ursache ist mangelne Feuchteabfuhr durch schlechtes Lüftungsverhalten.

Aber es nützt kein gutes Lüftungsverhalten, wenn die innere Oberfläche (durch Auffeuchtung und den dadurch bedingen erheblichen Dämmwertverlust der Wand) schon so kalt ist, dass die durch die Warmluft der Heizung an die Wandoberfläche gebrachte Wärme schneller durch die feuchte Wand nach außen abgeleitet wird, als von der Heizung Wärme zur Hebung der inneren Oberflächentemperatur nachgeliefert werden kann.

Dann befindet man sich in dem Teufelskreis, bei welchem das vielpropagierte Lüften eben nicht mehr hilft, zumal jede Stoßlüftung kurzzeitig die Wärmeversorgung der Wand unterbricht und die Kaltluft auf den Boden fällt und unter Umständen dort durch nichts mehr erwärmt wird (Erdgeschoß/Kellerwohnungen).

Dann muss auf anderem Wege die Wärme an die Wandoberfläche gebracht werden. Fußbodenheizung, Wandheizung, IR-Heizstrahler, Wärmewellenheizung, Rotlichtlampe, etc. sind geeignete Möglichkeiten. Die auf Dauer kostengünstigste Variante (Installationskosten + Betriebskosten) ist aber die Heizleiste (zumal auch noch schnell regelbar), weil sie an den Warmwasserkreislauf der Heizung angebunden werden kann und vorrangig die Wandoberfläche erwärmt (Wandtrocknung und Schutz vor übermäßiger Raumluftfeuchte) und nicht, wie die Wandheizung komplett die innenliegenden ersten Zentimerter der Wand hochheizt.

Antwort
von OshKoshHick, 28

Wenn ihr nächstes Jahr erst euer Bad renovieren wollt, bleibt natürlich ein Schlitz für die Heizungsrohre, ihr wollt ja sicherlich die Rohre nicht auf der Wand haben, normalerweise sollt ein Schlitz für die Rohre nicht so eine große Beschädigung anrichten, mit einer Flex wird in die Fließen und Wand eine Schlitz rausgetrennt, worin die Rohre verlegt werden. Und wenn ihr dabei seit, am besten die alten Wasser und Abwasserrohre gleich mit wechseln lassen, da habt ihr gleich alles neu, die Wand könnt ihr ja dann nächstes Jahr neu Fließen. Ich habe vor 2 Jahren unser Bad neu gemacht, anstatt neue Fließen zu verlegen, habe ich mir bei Respatex Platten bestellt, die wie Fließen aussehen, gibt es in zig Varianten.

www.respatex.de

Antwort
von herakles3000, 17

Wen die Dir rohrleitungen zb aus dem boden kommt wird nur an den stellen vermulich etwas kapput gehen wie zb die fließen oder fals dies Rohrleitung durch die Wand kommen zb weil ein Gastherme in der wohnung ist wird zb nichts kapput gehen .Im günstiegsten Fall hat der handwerker einen spezialborher und dan kann es sein das er nur 2 löcher bohren mus wen nicht ist das etwas größer aber es gehen nur ein Paar boden Fließen kapput.

Antwort
von BigLittle, 24

Was kaputt gehen wird, hängt von dem Montageort und vor allem vom Monteur ab. Wenn man es vernünftig macht, kann man die Schäden auf vielleicht 4-6 Fliesen begrenzen, wenn überhaupt Fliesen kaputt gehen müssen. Es kann aber auch das halbe Bad zerstört werden. Wie gesagt, es kommt letztendlich auf den Monteur an.

Antwort
von Simko, 14

Eine "Heizung" ist die Gesamtheit aller erforderlichen Komponenten.
Heizflächen lediglich nur ein Betsandteil dieser ;-)

Antwort
von Delpiero192, 18

Wenns dich nicht stört, kannst du bis zur eigentlichen Sanierung und wenn möglich, auch "auf Putz" verlegen, und dann bei der Renovierung es richtig verlegen. Wo du nicht drum rum kommst ist, daß du zum Anschließen an Vor- bzw Rücklauf wohl ein Loch in Kauf nehmen mußt.

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