Frage von mikrokosmos76,

Heilpraktiker für Psychotherapie Kassenabrechnung

Kann ein "Heilpraktiker für Psychotherapie" mit der Kasse abrechnen, wenn eine anerkannte Behandlungsmethode gelernt hat und anwendet?

Hilfreichste Antwort von Djoser,
3 Mitglieder fanden diese Antwort hilfreich

Heilpraktiker für Psychotherapie dürfen grundsätzlich nicht mit den Kassen abrechnen. In Einzelfällen ist auf Antrag eine Kostenerstattung durch die Kasse möglich, wenn eine dringende Behandlung erforderlich ist, der Patient aber keinen Termin bei einem approbierten psychologischen Psychotherapeuten bekommen kann. Bei der Kostenerstattung verlangen die Kassen aber meistens die Behandlung durch einen Diplompsychologen, der die HP-Anerkennung hat.

Antwort von FrauDoktor111,
2 Mitglieder fanden diese Antwort hilfreich

Hallo,die gesetzlichen Kassen zahlen diese "Therapie" nicht. Dies liegt u. a. daran, dass approbierte Psychotherapeuten (Ärzte und Psychologen) bis zu ihrer Niederlassen über 10 Jahre (!!) studiert haben. Also nach dem eigentlichen Studium noch eine 5-6jährige Psychotherapieausbildung mit über 100 Stunden Theorie, 150 Stunden Selbsterfahrung, 75 Stunden interaktionelle Fallarbeit, mindestens 240 Therapiestunden (unter Supervision) und etliches mehr vorweisen müssen, bevor sie nach einer Prüfung ambulant behandeln dürfen. Die Heilpraktiker-Ausbildung ist im Selbststudium (!) mit einer kleinen Prüfung am Ende zugelassen.Du gehst doch mit einer Hirn-OP auch nicht zur Kosmetikerin. Und mit einem Motorschaden doch nicht zu einem, der einen Volkshochschulkurs in "Kfz-Technik" gemacht hat....

Man kann ganz viel falsch machen bei der Therapie, daher ist die Ausbildung für approbierte Psychologen und Ärzte auch so lang. Ich weiß, dass es schwierig ist, einen Therapieplatz zu bekommen, das liegt an den Krankenkassen, die wenige ambulante Behandler zulassen. Es lohnt sich aber, hartnäckig zu sein und (wenn angeboten) in den Telefonzeiten der Praxis immer wieder anzurufen bis man einen Termin bekommt. Und das wird dann auch von den Kassen bezahlt! Manche Kassen helfen auch bei der Suche nach einem Therapieplatz.

Gruß!

Kommentar von mikrokosmos76,

Ich kann verstehen, dass die ärztlichen und psychologischen Psychotherapeuten es als ungerecht empfinden, dass Heilpraktiker mit einem im Vergleich geringem Ausbildungsaufwand Psychotherapie ausüben dürfen.

Ich versteh auch die Kassen, die die Heilpraktiker-Psychotherapie laut Ihrer Antwort nicht bezahlen, da Sie sich ja an vorweisbaren Qualifikationen orientieren müssen. Wobei es sicherlich auch Heilpraktiker für Psychotherapie gibt, die stundenmäßig genauso viele Qualifikationen vorzuweisen hätten.

Was ich aber jetzt unbedingt noch gerne loswerden möchte. Es kann trotz des enormen Ausbildungsaufwands bei den approbierten Psychotherapeuten sein, dass es ihnen nicht möglich ist, empathisch zu sein oder Wertschätzung anderen Menschen gegenüber zu zeigen, da das nicht gelernt werden kann. Vorspielen kann man das schon, ja.

Diese therapeutisch wichtige Eigenschaften kann man jedoch sogar ganz ohne Ausbildung haben. Und so wage ich zu sagen, dass es genauso viele Heilpraktiker wie Approbierte gibt, die für Ihre Klienten hilfreich sind.

Kommentar von pellwurm,

Liebe Mikrokosmos76, das halte ich nur zum Teil für richtig! Empathiefähigkeit und Wertschätzung sind - da hast Du recht - absolut notwendige Voraussetzungen, damit eine Psychotherapie gelingt. Es sind aber nicht hinreichende Voraussetzungen. Vieles kann gut gemeint sein, ist aber dennoch verkehrt in einem bestimmten Zusammenhang oder zu einem bestimmten Zeitpunkt, und kann dann auch mehr schaden als nützen. Weshalb kannst Du Dir denn nicht einen approbierten Psychotherapeuten mit ordentlicher Kassenzulassung vorstellen, der Dir Empathie und Wertschätzung entgegenbringt? Könnte es sein, dass diese Frage, wenn Du sie Dir stellst, dich auf etwas stößt, was irgendwie von Bedeutung ist? Noch eins: Sehr viele Psychotherapeuten, die den langen und schwierigen Weg auf sich nehmen, diesen Beruf ordentlich ausüben zu dürfen, bringen die wertvollen Eigenschaften von Empathie und dem Bedürfnis, helfen zu können, von Haus aus mit.

Kommentar von FrauDoktor111,

Hallo Mikrokosmos und Pellwurm,ich kann mich Pellwurm nur anschließen. Natürlich gibt es bei allen Berufsgruppen, sogar bei Friseuren, Menschen, die einem sympathisch sind und Menschen, die einem nicht sympathisch sind. Aber gerade in der Psychotherapie kann man durch Sympathie und falsch verstandene "Empathie" aus Therapeutensicht viele Fehler machen. Man könnte zum Beispiel vermeiden, ein bestimmtes Problem mit enem Patienten anzusprechen, weil man ihn so nett findet. Wenn man aber nur eine Mini-Ausbildung genossen hat, merkt man das vielleicht nicht mal, sondern klönt immer nett mit dem Patienten, der aber an seine wirklichen Themen nicht rankommt. Ich kenne aber auch Heilpraktiker, die den gleichen narzisstischen Macht-Dünkel haben wie manche männlichen Ärzte/ Psychologen, die sind auch nicht alle automatisch "total empathisch", nur weil sie Heilpraktiker sind. Bei narzisstischer Grundstruktur des Therapeuten ist auch nicht viel mit Empathie. Und noch viel schlimmer, da kann emotionaler Missbrauch stattfinden. Das passiert und ist gefährlich. Denn gerade Frauen, die sich mit ihren Problemen jemand öffnen, der Machtmissbrauch betreibt, können dadurch in Abhängigkeit oder noch stärkere Probleme geraten. Professionelle Psychotherapeuten lernen auch diese Gefahr aus Sicht der Therapeuten kennen und wissen sie zu vermeiden. Du siehst, es gibt viele Fallen, die ich hier gar nicht alle aufzählen kann, weil es so viele sind. Approbierte Ärzte und Psychologen lernen diese in über 6-jähriger Zusatz-Ausbildung (nach dem abgeschlossenen Studium) intensiv durch Supervision, Selbsterfahrung und vor allem viel therapeutische Arbeit mit Super- und Intervision lernen, bevor sie die Kassenzulassung bekommen.

Und nochmal ganz gemein formuliert: Wenn man jemanden braucht, der einem "Empathie" entgegenbringt, dann braucht man hauptsächlich eine beste Freundin. Die zuhört und wertschätzend mit den Problemen umgeht. Klar, da kann es auch die Engeltherapeutin oder Aromatherapeutin sein. Das tut dann gut. Aber wenn es um psychische Probleme oder sogar psychische Krankheiten geht, dann sollten die Spezialisten ran.

Ehrlich gesagt, habe ich in meinem Umfeld bestimmt 10 Psychiater und halb so viele Psychologen (Klinik) und ich würde mich jedem von ihnen anvertrauen, wenn ich Patient wäre. Total lieb und empathisch.

Antwort von Petra31356,
1 Mitglied fand diese Antwort hilfreich

Hallo Mikrokosmos76, ich leite eine Selbsthilfe-Gruppe für psychisch Kranke und habe nach Erfahrungsberichten von Betroffenen wirklich nicht den Eindruck gewinnen können, dass die sogenannte "professionelle Therapie" meist richtig und gut im Sinne des Patienten handelt. Es gab oft sehr seltsame Interaktionen, am Bedarf und im Sinne einer Wertschätzung der Grenzen des Patienten vorbei. Das HP-Psychotherapie privat bezahlt werden muß, ist nun mal so. Hier entscheidet der Patient ob er wieder kommt oder nicht. Also wird ein Therpeut erfolgreich so spricht das für sich. Ein "professioneller Therapeut" ist gut ausgebucht schon allein deshalb weil es zu wenige davon gibt und der Bedarf an Therapien steigt stetig in unserer modernen Zeit. Mir wurde auch schon geschildert, das in der ersten Sitzung das komplette Rezept unterschrieben werden musste, also normalerweise wird in jeder Sitzung einzeln die Anwesenheit mit der Unterschrift bestätigt. Offenbar sind Psychologen mit der Bitte alles gleich zu unterschreiben relativ sicher das der Patient nicht wiederkommt oder nicht alle Therapiestunden wahrnehmen wird. Um das Einkommen abzusichern bedienen sich solche "Professionelle" dann dieser Methoden. Also mit Erfolg hat das nichts zu tun. Herzlichen Gruß. Petra.

Antwort von Coriolanus,
1 Mitglied fand diese Antwort hilfreich

Bei gesetzlichen Kassen dürfte das so gut wie ausgeschlossen sein (zumindest kenne ich keinen Fall). Bei Privatkassen könnte es im Einzelfall mal klappen (vorausgesetzt, es liegt eine ärztliche Überweisung vor). Im Regelfall wird man auf private Bezahlung durch den Klienten angewiesen sein, was es schwer macht, auf diesem Wege seine Existenz zu sichern. Es gibt natürlich einige "Star-Heilpraktiker", denen es sehr gut geht aber das ist nicht die Regel.

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