Während einer Diskussion auf der Straße mit einer Bekannten, deren Sohn in der Hauptschule ist, hier meine Frage:
Ist es wirklich so, dass viele Menschen der Meinung sind "Hauptschulen sind asozial", "unterste Stufe", "Notlösung für Einwanderer", "Restschule", und noch vieles mehr, so dass sich bei mir alles sträubt.
Sieht denn niemand, dass es auch die Möglichkeit gibt, einen guten Abschluss zu machen, dann sogar im "M-Zug" die Mittlere Reife und anschließend auf die FOS gehen zu können. Es stehen genauso viele Möglichkeiten für die Hauptschüler offen, aber sieht das keiner? Letztlich sagte ich zu dieser Mutter, dass jedes Kind seine Fähigkeiten hat, man muss sich doch nur die Mühe geben, diese zu finden und fördern. Sehe ich denn das alles falsch?

Ne, im Grunde stimme ich dir da zu. Leider ist es aber in der letzten Zeit oft so gewesen, dass sozial schwächere Kinder auf die Hauptschulen abgeschoben werden und die dortigen Lehrer können ihrer Aufgabe bei der Förderung dieser Kinder nicht mehr in dem vollen Umfang nachkommen, wie es vielleicht vorher der Fall war. Irgendwas hat sich bei uns in der Gesellschaft verschoben... Die Hauptschule gilt in der Gesellschaft leider nur noch als "das Letzte" untere Glied in der Schulordnung... obwohl auch die Schüler dieser Schulen - sofern vernünftig gefördert, gute Chancen haben können.

Ich denke dieses Vorurteil kommt daher, dass es bei den meisten Kindern einen Grund gibt, warum sie auf diese Schule kommen (schlechte Noten, falscher Umgang, Unmotivation). Allerdings bin ich mir sicher, dass nicht alle Schüler "asozial" sind, denn in unserem Betrieb wurden drei Azubis aus der Hauptschule eingestellt, die jetzt besser sind (auch in der Berufschule) als manch anderer Gymnasiast. Wahrscheinlich kommt es daher, dass viele Immigranten zur Hauptschule gehen, weil sie nicht genug gefördert werden und oft Probleme mit der Sprache haben.
Sicher, der Junge hat ja keine schlechten Noten, er hat nur etwas Probleme mit der Deutschen Rechtschreibung, was ihn aber keinesfalls zu einem "dummen Hauptschüler macht. Das ist es, was mich ärgert.
Liebeslilie am 8. Mai 2009 10:04 Leider ist es auch so, wenn sich ein Hauptschüler für eine Ausbildung bewirbt, hat er kaum Chancen was "Vernünftiges" zu erlernen. Meist bleiben die Schüler Arbeitslos oder eben unterklassifizierte Arbeiter, weil sie einfach keine (oder sehr selten) Chance bekommen sich zu beweisen.
Ich seh da auch vor allem Imigrations und Umfeldhintergründe.
Beide Eltern Hauptschule --> Kind Hauptschule.
Kind sprachprobleme da Imigrationshintergrund --> Hauptschule .
Ist sicher nicht immer so aber oft.
Und bin mir recht sicher die meisten Kids dort würden wenn sie in einem anderen Umfeld aufwachsen würden auch höhere Schulen packen.
Liebeslilie am 8. Mai 2009 10:05 Denke ich auch, die meisten sind doch nicht dumm, nur falsch aufgewachsen (falsche Freunde und keine Förderung der Eltern bzw. vorherigen Lehrer)

Also das Wort asozial habe ich in Bezug darauf ehrlich gesagt noch nicht gehört. Nur, dass man heute allein mit dem HS-Abschluß nicht einmal eine einfache Ausbildungsstelle bekommen soll. Die verlangen heute schon fast, dass eine einfache Bürogehilfin Abitur hat - sogar Frisösen sollen das manchmal schon vorweisen - frage mich allen Ernstes, wie weit das bald noch geht. Ich habe damals auch die HS besucht, obwohl ich zum Gymi gehen sollte - ich wollte aber nicht - was ich heute nicht mehr nachvollziehen kann, dass ich so doof war. Habe aber nach der Hauptschule die kfm. Handelsschule besucht - das kann derjenige ja hinterher auch noch tun - dann hat er auch zumindest die mittlere Reife
dh
Naja, sonderlich toll ist eine Hauptschule heute nicht mehr. Die eigentlich guten Schüler werden schon auch durch sehr schwache oder Migrantenkinder ausgebremst. Von daher sinkt auch das Niveau sehr stark.

Meiner Meinung nach, siehst du das absolut richtig.
Ich nehme mich mal selbst als Beispiel: Ich war "nur" Hauptschüler und habe anschließend noch die 10. Klasse (nicht mittlere Reife) gemacht. Heute bin ich freiberufler und ehemals selbstständiger Unternehmer (aufgegeben bevor der Markt hier zusammenbrach).
Wenn man sich ein wenig auf den Hosenboden setzt und nicht gleich aufgibt, kann auch aus einem Hauptschüler einiges werden.
Leider ist es aber gleichzeitig auch so, dass viele Schüler an Hauptschulen aus sozialschwachen Verhältnissen kommen. Aber das macht sie keineswegs schlechter. Das Problem ist letztlich nur, dass Hauptschülern heute kaum noch Chancen gegeben werden sich zu beweisen sondern, wie du schon richtig erkannt hast, von vorn herein gesagt wird, dass sie "nichts taugen".
Leider ist das ein weit verbreiteter, aber völlig falscher Glaube...
Ein Bekannter hat einen Sohn. Dieser besuchte die Hauptschule (Pole), machte einen sehr guten Quali, dann holte er die mittlere Reife nach, besuchte 2 Jahre die FOS, heute studiert er Maschinenbauarchitektur im med. Bereich. Ein polnischer Hauptschüler!!!
GabrielBlack am 8. Mai 2009 10:17 Das ist ein sehr schönes Beispiel :) Ich selbst habe es leider versäumt, weitere Abschlüsse nachzuholen. Allerdings bin ich ohnehin Autodidakt und kann mich und meine (mittlerweile recht breit gefächerten) Fähigkeiten gut verkaufen - das gleicht das einigermaßen aus.
In meinen Augen sind Hauptschüler jedenfalls nicht besser und nicht sclechter als andere.
Nein, du siehst meiner Meinung nach alles richtig. Nun ist es aber so, das man heute einfach Abitur machen muß, egal wie! Leider. Letztens war in der Zeitung ein Inserat drin, wo Abiturienten gesucht wurden für so ein Billigladen um Jeans zu verkaufen!?! Das jedes Kind seine Fähigkeiten hat, da gebe ich dir recht, aber die Unternehmer wollen sich da keine Gedanken machen. Selbst was vor 10 Jahren noch ein Hilfsarbeiterjob war, wird heute Abi verlangt, unglaublich aber wahr
In Österrecih gibts nur Hauptschüler :)
Ja, die gab es auch mal hier bei uns: Die gute alte Volksschule.

Mein Bruder hat damals einen ziemlich schlechten Hauptschulabschluss gemacht (vor etwa 10 Jahren). Danach hat er ziemlich erfolgreich eine Ausbildung als Handelsfachpacker abgeschlossen und danach in Firmen wie Lufthansa und Schwarzkopf gearbeitet, als Lagerist. Nach etwa einem Jahr Arbeitslosigkeit hat er dann beschlossen den LKW-Führerschein zu machen und hat ein paar Jahre als LKW-Fahrer gearbeitet. Dann folgte widerrum ein halbes Jahr Arbeitslosigkeit und nun macht er eine Weiterbildung zum Speditionskaufmann, sogar ziemlich erfolgreich. Sein Ziel ist die Personalabteilung einer größeren Spedition. Also vom schlechten Hauptschüler zum erfolgreichen Kaufmann... ;)
Also NEIN: Hauptschulabschluss ist nicht assozial.
Liebeslilie am 8. Mai 2009 10:06 Aber der Aufstiegsweg um was zu erreichen ist viel länger und schwieriger als für einen Abiturienten bzw. Realschüler :-(
Nicht unbedingt! Was soll man denn mit einem Abitur ohne Hochschulreife. Was nützt einem eine Mittlere Reife mit einer 4?

Sicher hat man auch auf der Hauptschule Perspektiven, aber es landen eben auch ALLE dort, die (mehr oder weniger) keine Perspektiven haben (wo auch sonst, Sonderschule mal ausgenommen). Von daher sind gewisse Kommentare berechtigt, was aber natürlich nicht heißt, dass das auch auf jeden der eine Hauptschule besucht zutrifft.

In der Theorie hört sich das ja ganz toll an, aber leider sieht es in der Realität so aus, dass Lehrlinge von den AG lieber mit Realschulabschluss oder gar Abi eingestellt werden als mit quali oder M-Zug-Reife. Sicher ist das nicht richtig, aber so lange sich die AG in einer großen Masse von HöherenSchulabgängern austoben können, wären sie ja dumm, dann jemanden zu nehmen, der sich evtl. beim lernen etwas schwerer tut. Ich find es krass, aber in einem Bürojob wird sich kaum mehr jemand von der Hauptschule finden! Sogar Frisöre stellen nur noch ab Realschule ein!
Leider ist es nunmal so, dass auf der Hauptschule viele Schüler gehen, die Lernschwächen haben, Integrationsprobleme oder wegen einer rebellischen Phase einfach ihre Leistung in den "höheren Schulen" verweigern, sitzen bleiben und auf die Hauptschule kommen.
Ich glaube nicht, dass das Lernsystem in den Hauptschulen ein schlechtes ist und aus den Schülern (wenn sie aufpassen und strebsam sind) nicht doch was werden kann, aber es ist nunmal so, dass oftmals die Schüler die Überhand haben, die sich nicht für Schule interssieren und dort nur ihre Zeit absitzen und stören. Darunter leiden dann eben viele Schüler und schaffen es nicht aufzupassen und dann doch den "Aufstieg" zu schaffen. Die Lehrer sind überfordert, da sie meist gegen die ganze Klasse arbeiten müssen und so resegnieren viele und lassen den Unterricht auch locker ablaufen ohne die Vorgaben des zu erfüllenden Lernstoffs zu erreichen.
Somit ist es eben so, dass eine Gewisse Bildung fehlt und es schwer ist für Hauptschüler eine gute Ausbildungsstelle zu finden. Das kann man eben in den Einstellungstest sehen, dass Antworten gegeben werden, wo man die Hände nur über dem Kopf zusammen schlagen kann. Es ensteht damit eine Meinung, dass Hauptschüler "asozial und dumm" sind, die dann eben weiter getragen wird in unserer Gesellschaft.
Ein weiterer Grund ist nunmal die heutige Kommunikation zwischen Jugendlichen. Sie ist oft locker, lässig und ohne Respekt sodass dies in vieler Leute Augen ein "Asoziales Verhalten" ist. Oft ist eben auch so eine Kommunikation auf den Schulhöfen der Hauptschule aber auch anderen Schulen zu sehen.
Fehlende Integration ist ein verdammt großes Problem was eben die Hauptschulen auch besonders trifft, denn dort sind eben viele Schüler ausländischer Abstammung. Die fehlende Integration ist aber nicht nur auf die Schüler selbst, sondern auf deren Eltern zurück zu führen. Gastarbeiter die vor vielen Jahren nach Deutschland gekommen sind wurden von der Gesellschaft nicht integriert und von der restlichen Bevölkerung kaum aufgenommen. Sie hatten einfach keine Chance und siedelten sich eben in Ballungsgebiete an, wo man unter sich war. Dort brauchte man die deutsche Sprache nicht so sehr und man lebte so wie in dem Land, aus dem sie eingewandert waren ( mit anderen Traditionen, mit anderen Festen und mit anderen Sitten und Bräuchen). Das hat sich in den Jahren kaum verändert und so bekamen es die folgenden Generationen vorgelebt sich nicht zu integrieren, was sich eben auf das Lernverhalten und die Lernbereitschaft auswirkte.
Man kann somit den Leuten, die voller Vorurteile sind, das auf eine bestimmte Art und Weise nicht verübeln, wobei viele der Schüler für ihre Lage einfach nix können. Jeder Mensch in Deutschland hat eben seine eigene Meinung über dieses Thema. Die Gedanken sind frei und in Deutschland haben wir nunmal die Meinungsfreiheit sodass auch gesagt werden darf, was man denkt und fühlt.
Bin mal gespannt zu anderen Meinungen bezüglich dieses Themas.
Und die Zahl der Abiturienten ohne Hochschulreife steigt stetig. Du hast recht, es läuft etwas schief!