Frage von Gabriel251099, 30

Hatte ein freiwilliger Gladiator das Recht sich jederzeit freizukaufen oder erst nach einer bestimmten Zeit?

Antwort
von Albrecht, 13

Für einen freiwilligen Gladiator bestand zumindest die Möglichkeit eines Freikaufs, ohne irgendeine Mindestfrist.

Ein freiwilliger Gladiator hatte sich durch einen Vertrag mit einem Gladiatorenunternehmer/-meister (lanista), den Leiter einer Gladiatorenschule/Gladiatorenkaserne (ludus gladiatorius), zum Gladiatorendienst verpflichtet.

Ein solcher freiwilliger Gladiator wurde auctoratus genannt (auctoratus = für Geld/Lohn verdingt/vermietet; Plural: auctorati; der Vertrag kann auctoramentum genannt werden).

Ein freiwilliger Gladiator behielt die rechtliche Stellung eines Freien, gab aber durch den Vertrag und seinen Gladiatoreneid seine Freiheitsrechte gegenüber dem lanista auf und unterwarf sich dessen Disziplinargewalt.

Eine Freilassung bedeutet in Bezug auf einen freiwilligen Gladiator eine Entlassung aus dem Gladiatorendienst/der Gladiatorenschule.

Sein Gladiatorendienst endete nach der vertraglich festgesetzten Zeit bzw. Anzahl der Kämpfe.

Ein ausdrückliches Recht auf jederzeitigen Freikauf scheint nicht direkt aus der Überlieferung bekannt zu sein. Vertagsstexte im Wortlaut sind nicht überliefert. Aber es war für einen freiwilligen Gladiator anscheinend möglich, jederzeit, nicht erst nach Ablauf einer bestimmten Zeit, vom Gladiatorendienst loszukommen, indem er den durch den Vertrag erhaltenen Geldbetrag zurückzahlte bzw. andere (z. B. Verwandte oder Freunde) die Summe für ihn zurückzahlten. Eventuell war es nötig, sich mit einigem Bemühen und geschickter Argumentation dafür einzusetzen. Eine Befreiung aus dem Gladiatorendienst vor Ablauf des Vertrages ist bei Quintilian, Institutio oratoria 8, 5, 12 und bei Artemidor, Oneirokritika 5, 58 erwähnt.

Christian Mann, Die Gladiatoren. Originalausgabe. München : Beck, 2013 (Beck'sche Reihe ; 2772 : C. H. Beck Wissen), S. 51:

„Üblicherweise nach drei Jahren wurden die unfreien Gladiatoren aus dem Dienst entlassen, die auctorati nach der vertraglich festgesetzen Zeit oder Kampfzahl. Erkennungszeichen der ausgedienten Gladiatoren war der rudis, ein Holzstab. Zumeist bleiben die Veteranen der Arena verbunden, indem sie als Ausbilder oder Schiedrichter tätig waren.“

Christian Mann, „Um keinen Kranz, um das Leben kämpfen wir!" : Gladiatoren im Osten des Römischen Reiches und die Frage der Romanisierung. Berlin : VA, Verlag Antike, 2011 (Studien zur alten Geschichte ; Band 14), S. 90:

Auctorati verpflichteten sich für eine bestimmte Zeit oder eine bestimmte Anzahl von Kämpfen und erhielten dafür einen Geldbetrag. Sie konnten auch schon vor Ablauf des Vertrages aus dem Gladiatorendienst befreit werden, wenn Familienangehörige oder Freunde eine ensprechende Summe aufbrachten. Quintilian führt den Fall an, daß ein Gladiator mehrfach von seiner Schwester ausgelöst wurde. Artemidor nennt einen auctoratus, der auf energisches Betreiben seiner Freunde aus dem Dienst entlassen wurde.“

Antwort
von Greenwolf19, 30

-.-' will dir einen Link reinstellen, aber er ist anscheinend zu lang. Ja, wenn er genug Preisgeld erlangte, konnte er sich freikaufen.

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