Frage von Robert7194, 97

Hatten die Menschen früher auch so viele psychische Probleme?

Ja heute kann man mehr diagnostizieren und kennt mehr, trotzdem muss es doch so sein? Die Systeme in der Vergangenheit waren nicht besser, oder etwa doch?

Antwort
von bikerin99, 37

Das Thema ist sehr komplex, um die Frage so einfach zu beantworten.
Früher waren psychische Probleme ein großes Tabuthema und eine Schande, entsprechend selten wurde professionelle Hilfe in Anspruch genommen. Die Selbstmordrate war um ein Vielfaches höher als heute.
Dazu kommt der gesellschaftliche Wandel, familiäre Lebenssituationen mit all ihren Vor- und Nachteilen, und heute das Singelleben, d.h. die Vereinzelung und wenig Rückhalt und Stütze, aber mehr Freiheiten.
Jede/r wird zum Einzelkämpfer, der Arbeitsalltag hat sich verschlechtert, denke nur an das Thema Mobbing, statt Solidarität. Die Anforderungen an die Menschen sind massiv gestiegen (beruflich, privat), der Rückzug, ...
Vor fast 30 Jahren hat man schon eine massive Steigerung der psychischen Erkrankungen vorausgesagt, aber mit dieser Dimension wurde nicht gerechnet.
Es gäbe noch viele andere Gründe, wie die Erziehung, die den Narzissmus fördert und nicht die Bindungs- und Beziehungsebene, usf.
Früher gab es Regeln, Rituale, die Sicherheit gab und jeder wußte, wo er steht,... Ob das besser war oder nicht, sei dahingestellt.


Kommentar von Robert7194 ,

wow

Du bist toll

Antwort
von juergen63225, 8

Freud war wohl der erste, der sich wissenschaftlich mit der Psyche beschäftigt hat .. seine Werke wurden um 1900 eröffenlichtlich und beschreiben vieles was heute noch zutrifft, auch wenn die Wissenschaft 1000 neue Aspekte seitdem gefunden und diskutiert hat. Es ist also davon auszugehen, dass sich nicht viel geändert hat an der Psyche des Menschen.

Geändert haben sich die Rahmenbedingungen: früher gab es mehr "harte" Gründe nicht mit dem Leben klarzukommen, Unterdrückung der Frauen, Krieg, Not ... nur hat sich keiner um Befindlichkeiten gekümmert.

Schwere Erkrankungen wurden in Irrenanstalten weggesperrt oder von den Familien weil Peinlich, noch früher als Dämon, Fluch, vom Teufel besessen interpretiert. 

Heute ist eigentlich alles besser: Erkrankungen werden als solche erkannt und behandelt ... keiner muss wegen seiner sexuellen Orientierung etc befürchten, aus der Gesellschaft ausgeschlossen zu werden. Ich glaub das einzige Problem ist: die medizinische Industrie hat es erfolgreich geschafft, die Schwelle von krank =Kunde für Arzt und Pharmaindustrie immer weier abzusenken, neue Krankeiten erfunden für unruhige Kinder etc. Und das führt leider dazu, dass viele Probleme im Leben dann nur noch mit therapeutischer Hilfe geschafft werden, zumindest glaubt man das. So ist dann jeder Trauerfall, jede Trennung oder Jobverlust ein Grund nach Arzt oder Psychopharmaka zu rufen ... eine Fehlentwicklung wie ich glaube. 

Antwort
von tryanswer, 27

Früher waren die Menschen genau wie heute, nur das sie andere Probleme hatten und das Weicheiertum nicht salonfähig war.

Kommentar von Robert7194 ,

weicheiertum aka Menschen heute

i like that

Kommentar von Hefti15 ,

Wie unreif muss man nur sein, um so einen Quark zu schreiben?

Liebes Kind, in meinem beruflichen Umfeld mussten leider sich schon ein paar Menschen aufgrund psychischer Probleme (u.a. Burn-Out) behandeln lassen. Die sind mittlerweile alle wieder voll beruflich da.

Und ich sage dir liebes Kind, diese Menschen hatten alle ein abgeschlossenen Studium, jahrelange Berufserfahrung und liebes Kind, die hätten dich "auseinandergenommen" und würden dies heute wieder machen. Da ist garantiert keiner ein Weichei.

Hier geht es nicht um "Härte", sondern darum wie Intelligent ein Mensch ist. Intelligente Menschen wissen nämlich, dass psy. Krankheiten jeden treffen können und das dies nicht damit zu tun hat, ob man nun hart bzw. weich ist.

Anderseits ist dies gerade bei den "einfachen" Menschen noch nicht durchgedrungen. Vielleicht habe ich bei ihnen eine umdenken bzw. nachdenken veranlasst....

Kommentar von tryanswer ,

Ja, solche Typen hatte ich auch als Kollegen. Während man früher klar gesagt hat, das die Leute überfordert sind und sie nach Hause geschickt hat, bietet ihnen man heute eine öffentliche Bühne, damit sie ihre Unfähigkeit zelebrieren können. (PS: Wir haben sie dann später gefeuert - so gab es wenigstens keine Probleme mit der Arbeitnehmervertretung)

Intelligente Menschen wissen vor allen, wie sie einen Ausgleich zu ihrer Arbeit schaffen und wie sie ihre Probleme selber lösen ohne daraus gleich ein großes Drama zu machen. Und wenn die Leute nicht in der Lage sind ihre Work-Life-Balance vernünftig einzurichten, dann haben sie eben Pech und sollen sehen, wie sie zurecht kommen.

PS: Einen Studienabschluß habe ich auch und das psychogesülze kenne ich auch zur genüge - irgendwann wurde auf drängen des Personalrats ein Counselor-Programm eingeführt, mehr als Infoschreiben hat das aber auch nicht produziert.

Kommentar von Robert7194 ,

Kind, bitte was? Thema verfehlt

Expertenantwort
von Buddhishi, Community-Experte für Psychologie, 50

Hallo Robertö7194,

jein, früher blieb vieles an psych. Problemen/Erkrankungen unerkannt, wurde nicht verstanden oder die Menschen wurden schlicht versteckt.

Viele der heutigen sowohl psychischen wie physischen Erkrankungen zählen aber auch zu Zivilisationserkrankungen oder zu von der Pharmaindustrie 'belobbyten' bzw. aus Nebenwirkungen von Medikamenten resultierenden.

LG

Kommentar von bikerin99 ,

Du hast recht mit der Pharmaindustrie. Die Diskussion, ob Trauer bald als psychische Erkrankung diagnostiziert wird, zeigt das sehr deutlich. Wenn Trauer zur psychischen Erkrankung gezählt wird, dann gibt es ein entsprechendes Medikament zum Verschreiben.

Kommentar von Buddhishi ,

Das gibt es schon und daher die Diskussion. Ist das Prinzip: Was war zuerst da, die Henne oder das Ei? Und die legen so manches 'faule' Ei ins Nest. Und die wenigsten durchschauen es.

Antwort
von VeryBestAnswers, 15

Stress und Depressionen scheinen in der heutigen Gesellschaft zuzunehmen. Das dürfte damit zusammenhängen, dass die Gesellschaft sehr erfolgsorientiert ist: Alle haben hohe Erwartungen in dich, erst in der Schule, dann im Beruf. Ist man weniger erfolgreich, gilt das als als Abwertung deiner Person.

Antwort
von Hefti15, 26

Klar waren gab es schon immer die gleichen Problem bzw. Leiden (außer z.B. die offensichtlichen - Im Jahr 1599 hatte keiner Angst vor dem Internet).

Wer "früher" z.B. Depressiv war und Minderwertigkeitsgefühle hatte, konnte sich ja im Grunde an niemanden wenden. Wenn dieser Mensch jetzt jung ist und wegen diesem Verhalten keinen Partner gefunden hat, dann hat man im im Zweifel vielleicht in ein Kloster gesteckt und die Sache hat sich erledigt.

Hätte der vielleicht Hilfe (Therapeut), hätte er vielleicht einen Partner gefunden und hätte ein ganz anderes Leben geführt. Nur zur Klarstellung, ist ein Beispiel, pure Fiktion.

Problematisch ist daran, dass der einzelne normale Mensch nichts galt. Wenn der Grundbesitzer den Frondienst eingefordert hat, dann hat der sich doch keine Gedanken gemacht, wie sich jetzt der Bauer fühlt und hat im im Zweifel zur Arbeit "geprügelt".

Und weil es niemanden interessiert hat, was der normale Mensch fühlte bzw. dachte, gibt es da auch wenig Aufzeichnungen.

Wenn man dann noch überlegt, wer früher überhaupt schreiben konnte und wie teuer dies war, dann wird auch klar, dass über den absoluten Großteil der Bevölkerung man wohl nichts aufgeschrieben hat. Und über denjenigen, der das Geld hat, hat man wohl lieber "Wundergeschichten" aufgeschrieben und nur in ganz selten Fällen seinen "persönlichen" Probleme.

Deshalb glaube ich, dass bei vielen heute ein falscher Eindruck entsteht. Heute weiß man alles und kann sich diverse Statistiken anschauen, von früher weiß man so gut wie nichts - ergo war es früher wohl besser.

Antwort
von TheRedBird, 32

Ja. Hatten sie wahrscheinlich.

Die Zeit war nur anders und man wurde oft gesellschaftlich ausgeschlossen, wenn man diagnostizierte psychische Probleme hatte (Gibt es heute immer noch, ist aber eher selten) Außerdem gab es noch nicht für viele Symptome Namen z.B. für die "Emotional Instabile Persönlichkeitsstörung"
Also konnte niemand den Menschen so gut und effektiv helfen, wie man es heute kann. Genauso war es auch bei anderen Krankheiten.

Es hat also rein gar nichts mit den Menschen an sich zu tun. Es gibt auch keine "Modekrankheiten". Wir entwickeln uns einfach weiter. Und das ist auch gut so.

Antwort
von nonamebitches, 40

Menschen mit psychischen Problemen gab es immer schon. Heute gibt es halt proffessionelle Psychiater, die einem helfen.

Antwort
von MrKubrick, 4

Ich würde gerne Deine Frage beantworten, aber sage Bitte wann ist ,,Früher'?

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