Frage von MaxLangbein, 149

Hatte die DDR/NVA Auslandseinsätze die gegen das Menschen-/Kriegsrecht verstießen?

Hallo,

ich habe erst kürzlich von dem Tschechoslowakischen General Jan Sejna und dem Feldlatzarett das Inhaftierte in Nordkorea (Mis-/) Behandelt hat und auch von dem sowjetischen Forschungslabor "K12" erfahren und war schockiert.

Gab es solche Einheiten (wie z.B. 731), geheime Forschungsanlagen oder umstrittene Auslandseinsätze von/in der DDR/NVA ?

Antwort
von Nomex64, 76

Wenn man öfter in militärischen Foren unterwegs ist stößt man immer mal wieder auf Geschichten wo die NVA im Ausland im Einsatz gewesen sein soll. Der Großteil der Geschichten erweist sich bei näherem Hinsehen aber als Humbuck.

Außer den hier http://home.snafu.de/veith/konflikt.htm und hier https://de.wikipedia.org/wiki/Geheimoperation_Aleppo dargestellten Ereignissen gibt es keinen Nachweiß das es solche Operationen gegeben haben soll. Selbst in den Unterlagen des MfS gibt es darauf keine Hinweise.

Das Ausrüstung und Geräte geliefert wurden ist unstrittig. Aber M 56 -Stahlhelme oder Ein-Strich-Kein-Strich-Uniformen der NVA konnte man auch in den letzten 25 Jahren noch vereinzelt bei den weltweiten Konflikten sehen und das waren das definitiv keine NVA-Soldaten mehr. Von den Uniformen auf die Herkunft der Soldaten zu schließen ist also unseriös und klärt garnichts.

Wenn heute solche Geschichten aufkommen und es dafür keine belastbaren Quellen gibt, die Gründe für die Geheimhaltung gibt es ja nicht mehr, kann man das als Legenden einordnen. Es gibt ja da auch genug die eindeutig wiederlegt sind.

Antwort
von voayager, 39

Auf diese Weise werden die Verhältnisse regelrecht auf den Kopf gestellt. Wenn jemand menschen,- und völkerrechtswidrig Auslandseinsätze tätigte und tätigt, dann isses ja wohl die Bundeswehr und nicht gerasde die NVA, die nie militärisch im Ausland tätig war.

Es ist wohl eine spezielle Perfidie dieses hiesigen Staates, dass er von den eigenen Schweinwereien dadurch ablenkt, in dem er anderen was in die Schuhe schiebt, um dann als Art Saubermann zu glänzen. Das ist ne ganz schäbige Nummer. Ich unterstelle dir das nicht, sondern meine damit die hiesigen mainstream Medien sowie staatstragendenn Politiker, die so agieren.

Antwort
von 666Phoenix, 59

Die NVA hat keinerlei Auslandseinsätze und schon gar nicht völkerrechtswidrigen durchgeführt! Einzelne Offiziere fungierten in befreundeten Armeen und Ländern als Berater und als Ausbilder.

Gern wird von DDR-Geschichtsfälschern und -Hassern behauptet, dass die NVA auch 1968 in der CSSR beteiligt war. War sie aber nicht (es lagen an der Grenze einzelne Truppenkontingente in Bereitschaft, vor Ort waren auch nur ein paar Berater und Spezialisten).

Ausführlich und sehr ausgewogen dazu:

https://de.wikipedia.org/wiki/Nationale_Volksarmee

Völkerrechtswidrige Auslandseinsätze kann aber die Bundeswehr vorweisen, z. B. als sie 1999 auf dem Balkan eingesetzt wurde - siehe Stichwort "Kosovo-Krieg"! Selbst Einsätze im Rahmen der NATO und mit Absegnung durch den OGH, die unter dem irreführenden und Hohn sprechende Begriff "humanitäre Interventionen" geführt wurden, sind nicht per se völkerrechtskonform!

Kommentar von DobraVoda56 ,

Hallo,

die Frage der DDR Beteiligung an dem Einmarsch 1968 wird schon sehr lange sehr heftig und kontrovers diskutiert. Ich persönlich kenne 2 Männer, die damals in der NVA gedient haben und beide behaupten, dass sie mit ihrer Einheit in Teplice und in Liberec waren.

Meine damalige Freundin Jana lebte in Liberec und erzählte, dass sie selbst deutsche Soldaten gesehen und Deutsch gehört hat, als Liberec besetzt wurde.

Von den Deutschen wurde auch der berühmt-berüchtigte Sender Vltava (nicht identisch mit dem heutigen gleichnamigen Klassik-Sender) betrieben. Dieser Sender informierte die tschechische Bevölkerung "richtig und wahrheitsgemäß."

So weit ich weiß, war Walter Ulbricht ein sehr großer Verfechter und Unterstützer des Einmarsches.

Nach den tschechischen Quellen, die mir bis jetzt in die Hand gekommen sind, ist die NVA (paar Einheiten) zwar in die Grenzgebiete einmarschiert, sich dann aber ziemlich schnell wieder zurückgezogen, um den Vergleich der DDR mit Hitlerdeutschland zu verhindern. (In der Tschechoslowakei stand an vielen Häusern geschrieben: "1938 Hitler, 1968 Ulbricht.")

Es ist von meiner Seite keinesfalls eine Beschuldigung der DDR.

Ich bin der Meinung, dass man zwar aus den Fehlern der Vergangenheit lernen soll, aber man lebt heute und jetzt. Wichtig ist, dass man trotz aller Unterschiede und Meinungsverschiedenheiten eine gemeinsame Sprache findet, friedlich miteinander und nebeneinander lebt.

Kommentar von 666Phoenix ,

"Zeit-Online" 19.08.1994:

"...Die Dokumentation untermauert aber auch die bisherigen Erkenntnisse, nach denen die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR nicht mit eigenen Kampfverbänden in der Tschechoslowakei interveniert hat. Monika Tantzscher, die für diese Untersuchung zuständige Mitarbeiterin der Gauck-Behörde, weiß unter anderem aus der Handakte des Stasi-Ministers Erich Mielke, „daß damals nur eine Nachrichten-Abteilung der NVA die Grenze überschritt“. Zwar wurde die gesamte NVA in erhöhte Gefechtsbereitschaft versetzt, und die 7. Panzerdivision stand als Reserve in Bereitschaft. Diese Verbände, so schrieb damals Verteidigungsminister Heinz Hoffmann, seien „auf die Lösung von Aufgaben auf dem Territorium der ČSSR vorbereitet“ und bereit, „alle gestellten Aufgaben zu erfüllen“. Aber eingegriffen haben sie offenbar nicht...."

_________

Es kann davon ausgegangen werden, dass selbst wenn der DDR völlig feindlich gegenüber stehende Medien solches schreiben, es der Wahrheit ziemlich nahe kommt.

"Damals in Teplice" - kann schon sein, aber definitiv nicht im Kampfeinsatz gegen den "Prager Frühling", sondern dann sowas wie es bei Mielke in der Handakte stand (siehe Zitat weiter oben)!

Und wenn sich jetzt irgendjemand plötzlich an irgendwas aus der damaligen Zeit erinnern sollte, dann soll er es doch öffentlich tun und es nicht bei Grill-Huhn und Bockbier verkünden!

Kommentar von DobraVoda56 ,


Und wenn sich jetzt irgendjemand plötzlich an irgendwas aus der
damaligen Zeit erinnern sollte, dann soll er es doch öffentlich tun und
es nicht bei Grill-Huhn und Bockbier verkünden!

Diesen Deinen  letzten Satz weiß ich nicht zu deuten, weiß nicht so richtig, wie Du es meinst. Es kommt mir von Dir ein wenig herablassend vor. Aber vielleicht täusche ich mich?

Ich erinnere mich an die Zeit nicht jetzt plötzlich. Die (sehr unschönen) Erinnerungen sind tief in mir drinne mein Leben lang. Ich habe die Zeit erlebt. Am 21.8.1968 war ich mit meinen Eltern zufällig in Rostock in den Ferien. Ich erinnere mich noch sehr gut an die mühsame und gefährliche Rückreise nach Brno, an die Panzer in den Straßen, an die toten kleinen Kinder am Bahnhof.

Und habe es mein Leben lang öffentlich kundgetan, vor und nach der Wende.


Fakt ist, dass wir heute die 100% Wahrheit kaum erfahren.

95% aller Tschechen sind bis heute fest davon überzeugt, dass auch die "Dederonen" 1968 einmarschiert sind. Und es spielt für sie kaum eine Rolle, ob die NVA tatsächlich einmarschiert ist oder die DDR die Aktion "nur" unterstützt hat.

Man könnte auch darüber diskutieren, ob ein "nur" Komplize (sprich hier in diesem Fall die DDR und NVA) eine Mitschuld trägt oder nicht.

Aber darum ging es mir hier überhaupt nicht. Es ist inzwischen Geschichte. Viel wichtiger ist, dass sich so was nicht wiederholt, weder in Europa noch woanders.

Antwort
von Fuchssprung, 74

Es gab ein paar Auslandseinsätze, aber ob dort gegen die Menschenrechte oder gegen das Kriegsrecht verstoßen wurde kann ich dir nicht sagen. Ich habe mal mit einem hoch dekorierten Offizier der NVA gesprochen. Der war in Angola stationiert und hat den Einsatz dort in den rosigsten Farben geschildert. Er war Pilot und er hatte laut seiner Aussage in Angola auch Kampfeinsätze. In Vietnam hat er angeblich auch in einer MIG gesessen. Mehr war allerdings nicht aus ihm heraus zu holen. Er hat nicht gesagt ob er in vietnamesischer Uniform geflogen ist oder ob er dort auch in Kampfhandlungen verwickelt war.

Antwort
von PeVau, 78

Klare Frage, klare Antwort, nein! Es gab keine Auslandseinsätze der NVA und schon gar keine völkerrechtswidrigen Auslandseinsätze der DDR-Streitkräfte.

Es gab vereinzelt bei befreundeten Staaten Militärberater, -ausbilder wahrend dortiger Kampfhandlungen. Die in einer anderen Antwort angeführten "NVA-Uniformen" werden wahrscheinlich von Kubanern getragen worden sein, die u. a. die typischen NVA-Stahlhelme trugen.

Antwort
von Karlien, 77

Ich weiß von einem Auslandseinsatz der NVA, und zwar in Angola während des Grenzkrieges.

https://af.wikipedia.org/wiki/Suid-Afrikaanse_Grensoorlog

Es wurde ein Hubschrauber sowjetischer Bauart abgeschossen, auf Südwester Seite. Niemand hat überlebt. Im Wrack befanden sich mehrere gefallene NVA-Soldaten, etwa 3 oder 4.
Die Leichen wurden im Busch vergraben und anschließend der abgeschossene Hubschrauber zerlegt und wegtransportiert. Diese Informationen habe ich von einem südafrikanischen Soldaten, der damals an diesem Krieg teilgenommen hat.

Er hat mir sogar sein Fotoalbum gezeigt, und da war das Wrack abgebildet und ich habe auf einem anderen Bild eine NVA Uniform erkannt.

Kommentar von PeVau ,

Was hat dieses Werbevideo der Südafrikanischen Apartheitstreitkräfte mit vermeintlichen Auslandseinsätzen der NVA zu tun?

Kommentar von Karlien ,

Das ist kein Werbefilm der SAW/SADF, sondern ein Lied aus dem Jahre 2009. Das historische Filmmaterial wurde dem Musikvideo hinzugefügt, um optisch zu veranschaulichen wie es damals war an der Grenze.

Eine Unterstützung und Beteiligung der DDR an diesem Krieg ist belegt, z.B. durch Wikipedia.

https://nl.wikipedia.org/wiki/Zuid-Afrikaanse_Grensoorlog

Rechts unten steht klar und deutlich „DDR“.

Kommentar von PeVau ,

Erstens ist ein Wikipedia-Artikel kein Beleg. Zweitens erscheint ein Hinweis auf die DDR auch nur in dem Wiki-Artikel auf Afrikaans. Drittens wird selbst in dem Artikel auf Afrikaans die DDR nur als Unterstützer genannt. Viertens ist in dem Wiki-Artikel nichts davon zu lesen, wie denn die Unterstützung bzw. vermeintliche Beteiligung ausgesehen haben soll.

Es bleibt dabei, einen Auslandseinsatz von DDR-Streitkräften hat es nie gegeben.

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community