Frage von abbrechen, 77

Hatte die DDR etwas wie die HJ / BDM?

Hi,

hatte die DDR ebenso "Kinderbünde", wo getrennt Mädchen und Jungen für die Partei und den sozialistischen Gedanken erzogen wurden?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von TUrabbIT, 38

Es gab die FDJ (Freie Deutsche Jugend) [1] als größte (einzige) Jugendorganisation und die Pioniere [2] als Kinderorganisation und Unterorganisation der FDJ in der DDR.
Die Mitgliedschaft war formal freiwillig aber de facto notwendig.

Hier waren allerdings Mädchen und Jungs nicht getrennt sondern gemeinsam.


[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Freie\_Deutsche\_Jugend

[2] https://de.wikipedia.org/wiki/Pionierorganisation\_Ernst\_Thälmann

Expertenantwort
von Unsinkable2, Community-Experte für Politik, 14

hatte die DDR ebenso "Kinderbünde", wo getrennt Mädchen und Jungen für die Partei und den sozialistischen Gedanken erzogen wurden?

Nein. Es gab keine Geschlechtertrennung.

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Hintergrund:

In der DDR gab es "Kinderbünde", wie etwa die "Jungen Pioniere", die "Thälmann-Pioniere" und die "Freie Deutsche Jugend (FDJ)", doch die waren nicht nach Geschlechtern getrennt.

Vielmehr verstanden sie sich als "Jugend-Organisationen" der Parteien (als Gruppe; nicht als Einzelpartei), insbesondere der SED.

Hier findest du die Statuten der Jung-Pioniere und der Thälmann-Pioniere: http://www.ddr-wissen.de/wiki/ddr.pl?Statut_der_Pionierorganisation sowie der FDJ: http://www.ddr-schulrecht.de/Schulrechtssammlung%20-%20DDR-Dateien/pdf/Statut-FD...

... für die Partei und den sozialistischen Gedanken erzogen ...

Hier greift eine falsche Voraussetzung: Der Sozialismus ist - gesellschaftlich gesehen - zum Kapitalismus diametral. Das bedeutet: Im Kapitalismus ist der Mensch selbst "egal". Er muss sich um sich selbst kümmern, denn es wird niemand anderes tun. Im Sozialismus hingegen steht der Mensch selbst im Mittelpunkt. Alles andere - auch, und gerade, die Wirtschaft - muss sich dem unterordnen.

Daraus folgt, dass im Sozialismus notwendigerweise auf den Menschen eingewirkt wird: Er ist Teil der Gesellschaft. Und als solcher Teil muss er sich auch in die Gesellschaft einfügen können. 

In gewisser Weise findet das in jeder Gesellschaft statt. Auch im Kapitalismus erklärt man Kindern, dass sie anderen nicht einfach so lange mit der Schaufel auf den Kopf hauen können, bis der "Gegner" ohnmächtig wird oder heulend davon rennt, wenn sie die Backform haben wollen. 

Im Sozialismus geht man noch einen Schritt weiter: Man erklärt den Kindern auch den sogenannten "Internationalismus"; also, vereinfacht gesagt, die Tatsache, dass alle Kinder gleich sind. Die Kinder des Architekten unterscheiden sich nicht von den Kindern des Hilfsarbeiters und die Kinder mit brauner Hautfarbe unterscheiden sich nicht von den Kindern mit weißer Hautfarbe. 

Stelle es dir wie einen "integrativen Kindergarten" vor: Die Kinder lernen durch die "Normalität" im Umgang miteinander Normalität ... also im wortwörtlichen Sinne "Normalität der Gesellschaft; oder kurz: Norm".

Daraus folgt wiederum, dass du gewisse Dinge, wie etwa die "Liebe zum Frieden", besonders ausdrucksstark wiederfindest. In den schriftlichen Statuten; aber auch in der allgemeinen Erziehung.

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Diese Jugend-Organisationen waren also - anders als die heutigen Partei-Jugend-Organisationen - nicht (nur) Vorbereitung auf die "richtige" Partei-Mitgliedschaft, sondern zugleich die vorgelagerten Ordnungs-Einrichtungen der Gesellschaft. 

Man lehrte die Kinder von Anfang an, sich "gesellschaftskonform" zu verhalten. Dazu gehörten auch so triviale Dinge, wie beispielsweise, dass man aufstand und den Platz freimachte, wenn ältere Menschen in den Bus einstiegen. 

Schaue dir die Statuten an! Bei den Pionier-Organisationen (= kleine + große Kinder) findest du keinerlei "Partei-Marxismus". Erst bei der FDJ (= Jugendliche) findest du engere Anlehnungen; doch mit einem der aktuellen Propaganda diametralen Hintergrund: Die Lehren des Marxismus sind Gesellschaftsdoktrin. Daraus folgt die Partei (SED). Und daraus folgt parallel(!) die Jugend-Organisation. 

Das ist heute schwer zu vergleichen, weil heute andere Maßstäbe gelten: Die Jugend-Organisation ist ein vollautomatischer Vorläufer der jeweiligen Partei. Die Gesellschaftsdoktrin ist darin nur rudimentär - also auf die Grundfesten eingedampft, etwa durch die FDGO - realisiert. Guckst du hier: https://de.wikipedia.org/wiki/Freiheitliche_demokratische_Grundordnung#Die_Legal...

Im Sozialismus ist das deutlich weiter gefasst. Es gibt keine "Grundordnung", die man willkürlich ausgestalten kann, sondern eine "allumfassende Ordnung", die nicht beliebig interpretiert oder angestrebt werden kann.

(In der Bundesrepublik gibt es beispielsweise eine Diskussion, ob "gleicher Lohn für gleiche Arbeit" überhaupt funktionieren kann; nicht nur zwischen Mann und Frau, sondern auch zwischen Norden und Süden, Osten und Westen. Diese Diskussion war in der DDR tabu. Es gab das Dogma: "Doch! Es muss funktionieren. Denn in der Gesellschaft sind alle Menschen gleich. Ganz egal, welches Geschlecht sie haben. Und ganz egal, wo sie wohnen." und damit war jede Diskussion darüber überflüssig.)

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Konsequenz:

Daraus ergibt sich logischerweise die Jugendorganisation ... und die fehlende Geschlechtertrennung; denn Mann und Frau waren in der DDR völlig gleichberechtigt. Auch als Kind (Mädchen & Junge). Sie konnten völlig absolut die gleichen Berufe erlernen und darin arbeiten, ohne "schief angeschaut" oder gesellschaftlich diskreditiert zu werden. Und sie bekamen völlig absolut den gleichen Lohn für die gleiche Arbeit. 

Das spiegelten auch die Jugend-Organisationen wider: Es gab keine Trennung der Geschlechter und Aufgaben.

Antwort
von TimmyEF, 38

Es gab bei uns die Jungen Pioniere, die Thälmannpioniere und die FDJ. Dabei wurden beide Geschlechter nicht getrennt.

Antwort
von clemensw, 22

Jungpioniere und FDJ (aber ohne Geschlechtertrennung):

http://www.ddr-museum-steinhude.de/3.html

Antwort
von SirPeterGriffin, 49

Nein. Es gab meines Wissens nach nur die (Jung-)Pioniere.

Expertenantwort
von atzef, Community-Experte für Politik, 12

Nein.

In der DDR gab es keine nach Geschlecht getrennten Kinder- und Jugendorganisationen. Der SED-Staat indoktrinierte den Nachwuchs modern koedukativ. :-)

Und zwar tat er das bei Kindern in der Pionierorganisation "Ernst Thälmann" und bei Jugendlichen in der FDJ.

Antwort
von Philippus1990, 25

Ja, nannte sich FDJ ("Freie Deutsche Jugend): https://de.wikipedia.org/wiki/Freie_Deutsche_Jugend

Kommentar von Unsinkable2 ,

Wieder mal die Frage nicht verstanden, Philippus?

hatte die DDR ebenso "Kinderbünde", wo getrennt Mädchen und Jungen für die Partei und den sozialistischen Gedanken erzogen wurden?

Oder ist es einfach nur Unwissenheit?

Kommentar von PatrickLassan ,

Oder hat er einfach das 'getrennt nach Mädchen und Jungen' überlesen?

Kommentar von Unsinkable2 ,

Du meinst, es scheitert am verstehenden Lesen einer einfachen Textaufgabe?

Die Frage ist ja nun wahrlich nicht sonderlich komplex, erfordert etwa höhere Kenntnisse der deutschen Sprache, oder ist - wie manch andere Frage hier - in einem bemerkenswert missverständlich interpretierbarem Deutsch gestellt. 

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Nachtrag: Da hast du deine Antwort, Patrick.

Ist doch egal ob nun getrennt nach Mädchen und Jungen. Ich denke es geht um den Charakter als totalitäre Jugendorganisation. (Philippus1990)

Es geht ihm nicht um eine Antwort auf die gestellte Frage; vielmehr formuliert er die Frage in Gedanken so, dass ihm die Antwort besser gefällt.

Kommentar von Philippus1990 ,

Das Pendant zu HJ und BDM ist halt am ehesten die FDJ.

Kommentar von Philippus1990 ,

Ist doch egal ob nun getrennt nach Mädchen und Jungen. Ich denke es geht um den Charakter als totalitäre Jugendorganisation.

Antwort
von elagtric, 18

a) Nein

b) für die Partei wurde niemand unter 16 "erzogen" , der sozialistische Gedanke spielte allerdings schon von klein auf eine Rolle. Solidarität, Internationalismus, Frieden ...

c) eine der grössten Errungenschaften der DDR war die Gleichberechtigung der Frau. Deshalb wurde damals mehr verbunden statt getrennt.

Kommentar von uselexxx ,

haha.. witzbold!

die gleichberechtigung war ein märchen

Kommentar von elagtric ,

kannst Du das auch näher ausführen ?

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