Frage von Till87, 30

Hat Zen-Buddhismus überhaupt wirklich was mit Buddhismus zu tun oder eigentlich fast nur mit Daoismus?

Es wird im Zen-Buddhismus ja keine Metta-Meditation praktiziert und ich hab auch das Buch von Suzuki gelesen Zen Geist - Anfänger Geist. Offen gesagt hat sich das nicht einmal buddhistisch gelesen, sondern ich hatte eher das Gefühl, dass es sich ideologisch um den Daoismus handelt. Im Unterschied jetzt zum Theravada oder Vajrayana Buddhismus.

Antwort
von derMannohnePlan, 19

Es ist eine Mischung von beiden.

Das Aufhören gedanklicher Trennung ist eines der Hauptthemen des Zen-Buddhismus.

Zen ist der geistige Erbe des Taoismus.

Als damals ein indischer Mönch namens Boddhidharma mit der Lehre Buddhas nach China kam, wurde diese sehr stark vom Wissen des Tao beeinflusst.

Da sich in den Grundzügen der Struktur der Schöpfung und der Wesensart des Schöpfers (den die einen Tao, die anderen Buddha-Natur nannten) außer der Namensgebung keine wesentlichen Differenzen ergaben, verschmolzen die Lehre des Gautama, genannt Buddha, und der von Laotse und Dschuang Dsi (Tschuang Tzu) miteinander.

Die Patriarchen des Buddhismus und die Weisen des Tao - und die großen Kernphysiker sagen übrigens übereinstimmend das Gleiche aus: Es gibt keine Teile in unserer Schöpfung, alles gehört organisch zu einem in sich abgeschlossenen Ganzen.

Kommentar von waseinTag ,

Kurz und knapp und sehr gut erklärt. Danke! 

Kommentar von derMannohnePlan ,

Danke!

Expertenantwort
von Enzylexikon, Community-Experte für Buddhismus, 10

Buddha hat die vier edlen Wahrheiten und den edlen achtfachen Pfad gelehrt und zudem die fünf Sittlichkeitsgelübde formuliert. Das ist die gemeinsame Grundlage aller buddhistischen Strömungen.

Weitere Elemente beruhen beispielsweise auf der Kultur und den Sitten einer bestimmten Zeit und können für die Gegenwart völlig irrelevant sein.

Die verschiedenen Lehren Praktiken innerhalb des Buddhismus sind "geschickte Mittel" (Upaya) um die grundlegende Buddhalehre den verschiedenen Menschen mit unterschiedlichen Eigenschaften zu vermitteln.

Jemand der beispielsweise sehr intellektuell ist, wird seinen Zugang zum Buddhismus eher über eine Tradition mit starker Betonung von Visualisierungen, und anderen mentalen Techniken finden.

Jemand, der eine konkrete, durch Regeln sehr gegliederte Lehre sucht, wird sich vermutlich eher vom Theravada angezogen fühlen.

Jemand, der eine konkrete religiöse Praxis sucht, bei der die theoretische Lehre der Praxis untergeordnet wird, wählt eher Zen als seinen Zugang.

Der Buddhismus ist also weder etwas indisches, noch chinesisches, oder japanisches, sondern ein Weg mit vielen verschiedenen Verzweigungen, die jedoch gemeinsame Grundlagen haben.

Expertenantwort
von Enzylexikon, Community-Experte für Buddhismus, 16

Ich selbst bin Zen-Buddhist der Soto-Tradition und würde gerne versuchen, dir bei dieser Fragestellung zu helfen.

Dazu müsste man aber erst einmal wissen, was du denn genau unter "buddhistisch" oder "unbuddhistisch" verstehst. Woran machst du das fest?

Das Vajrayana mit seinen ganzen esoterischen Elementen wie Dakinis, Tantras, Tonglen und Phowa scheint, wenn man den Palikanon als Kriterium für "echten" Buddhismus heranzieht, auch nicht sehr buddhistisch zu sein.

Kommentar von Till87 ,

Ja, nehmen wir den Palikanon oder auch halt den theravada-buddhismus. Ich hab zumindest den Eindruck gehabt, dass der vajrayana mehr mit dem theravada gemein hat als der zen mit dem theravada. gibt es im zen das Thema Metta oder die vier edlen Wahrheiten? Wie viel Buddhismus steckt in Zen, wie stark ist es vom Daoismus geprägt?

Kommentar von Till87 ,

Sagen wir so, ich hab beim Zen-Buddhismus eigentlich nicht das Gefühl, dass es sich um etwas indisches sondern halt japanisches handelt, aber der Buddhismus kommt ja eigentlich doch aus Indien. Der Buddha hat sicher kein Zafu benutz oder einen Kimono getragen und er hat - brutal ehrlich gesagt - wohl auch nicht Zazen praktiziert oder zumindest nicht diesen Begriff dafür gebraucht.

Kommentar von Enzylexikon ,

Was der historische Buddha tatsächlich getan, oder gesagt hat, wissen wir nicht, sondern wir können uns nur auf geschichtliche Forschungen und religiöse Überlieferungen stützen.

Der Buddhismus hat sich kaum gewaltsam verbreitet, sondern sich durch Aufnahme kultureller Eigenarten den jeweiligen Umständen angepasst.

Anstatt also zB den indischen Anhängern zu sagen "euer Volksglauben an Schlangengeister und Dämonen ist Unsinn" wurden diese Vorstellungen in den jeweiligen Buddhismus integriert.

Entweder wurden diese Wesen zu "Beschützern" der Lehre, für die Zeremonien abgehalten wurden, oder sie wurden einfach als Symbolfiguren für zB Willensstärke oder die Überwindung geistiger Hindernisse interpretiert.

So finden sich im Buddhismus heute Elemente aus Indien, China und allen anderen Kulturen, auf die man stieß

In China änderte sich viel für den Buddhismus

So zwangen das Klima und die kulturellen Sitten dort die Mönche, andere Kleidung zu tragen und da man große Klöster nicht allein durch Bettelgänge ernähren konnte, begannen die Mönche Landwirtschaft zu betreiben.

Hier wurde die bisherige Robe zum reinen Symbol, da man andere Kleidung trug und der Vegetarismus wurde strenger ausgelegt, als dies in Indien der Fall war.

Außerdem gab es natürlich kulturellen Kontakt mit den bereits vorhandenen taoistischen Lehren in China.

Daher gibt es natürlich in den Lehren des chinesischen Chan auch Konzepte, die dem Taoismus entstammen, ohne dadurch jedoch weniger buddhistisch zu werden.

Buddhistische Formen

Es gibt einige moderne Menschen, die der Meinung sind, die asiatischen Gebräuche und der importierte Volksglaube würden nicht zu einem westlichen Buddhismus passen.

Daher gibt es neben dem so genannten "engagierten Buddhismus" auch die Bestrebungen nach einem "säkularen Buddhismus", der keine Züge asiatischer Religiosität mehr aufweist.

Meiner Meinung nach schüttet man mit so viel Modernisierungswillen das Kind mit dem Bade aus und könnte so zB pädagogische Elemente des Buddhismus verlieren.

Zu den 227 Vinaya-Regeln für Mönche im Theravada-Buddhismus gehört beispielsweise die Regel, die große Bettelschale nicht an den Rand des Tisches, oder andere riskante Orte zu stellen.

Diese Regel stammt aus einer Zeit, als die Bettelschalen noch mehrheitlich aus Keramik waren, leicht kaputt gingen und höchstens durch behelfsmäßige Gefäße wie ausgehöhlte Kürbisse ersetzt werden konnten.

Heute bestehen in Thailand die Bettelschalen meist aus Metall, so dass es eigentlich überflüssig wäre, diese Regel beizubehalten, da nichts zerbrechen kann.

Dennoch wird sie weiter befolgt - um die Achtsamkeit der Mönche zu schulen.

Man muss also nicht alles wegwerfen, nur weil es fremd, oder alt ist, sondern manchmal reicht auch eine lebendige Neuinterpretation.

Kommentar von Enzylexikon ,

aber der Buddhismus kommt ja eigentlich doch aus Indien.

Der Buddhismus ist lediglich die Lehre. Man sollte die Lehre nicht mit den äußeren Formen verwechseln.

Der Buddha hat sicher kein Zafu benutzt

Ich halte die Nutzung eines Zafu für sehr wahrscheinlich - so sollen seine Schüler für ihn aus Respekt seinen jeweiligen Sitzplatz immer mit einer Art Tuch bedeckt haben.

Hätte er dieses Tuch unter dem Gesäß mehrfach gefaltet, oder sich auf einen Maulwurfhügel gesetzt, hätte er die Knie leicht im Lotossitz auf dem Boden halten können.

Es mag die heutige Form des Zafu nicht gegeben haben - dass er eine Form von Polster nutzte, halte ich für wahrscheinlich.

oder einen Kimono getragen

Wieder kann ich nur sagen: Mache Zen oder Buddhismus nicht an irgendwelchen Äußerlichkeiten fest.

Eine Robe, oder Meditationskleidung sind einfach praktisch und bieten gute Bewegungsfreiheit in den Beinen. Durch die einheitliche Farbe lenken sie niemanden ab.

Man kann auch in dunkler Jogginghose und Pullover kleiden und auf eine zusammengefaltete Fleece-Decke setzen. Es ist eine Frage der Praxis, nicht der Form.

Die Form ist in diesem Fall eben japanisch und vielen Menschen sind zB Roben als Zeichen des Respekts für die Tradition auch wichtig - aber man sollte auch nicht daran haften und sie für wichtiger halten, als sie sind.

Kommentar von Enzylexikon ,

dass der vajrayana mehr mit dem theravada gemein hat als der zen mit dem theravada.

Das kann ich überhaupt nicht nachvollziehen

Im Theravada und Zen geht es gleichermaßen um Sitzmeditation und achtsames Handeln, sowie Rezitationen. Die Differenzen sind eher philosophischer Natur.

Das Vajrayana ist dagegen voller Symbole, magischer Praktiken, Rituale und anderen, teils schamanisch geprägten Elementen, die mit der einfachen Praxis des Sitzens kaum noch Ähnlichkeit haben.

Antwort
von Rosenblad, 5

Chan hat etwas mit dem zu tun was man mit einem "Wolkenbruch" beschreiben kann - da geht es hinein.

oder

Was ist Daoismus, was ist Buddhismus?

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