Da gibt es z.Z. wohl noch keine neuen gesicherten Therapiemethoden:
Problematik der Entwicklung und Erforschung neuer Methoden:
Tinnitustherapie ist ein beliebtes Spielfeld für die Entwicklung und Erforschung neuer Methoden: Die Patienten sind leiderprobt, geduldig und v. a. voller Hoffnung auf eine Heilung, die ihr chronisches und störendes Ohrgeräusch möglichst schnell abschaltet.
Mit viel Euphorie eingeführte Therapieverfahren wurden nach ersten wissenschaftlichen Überprüfungen schnell wieder verlassen, wie Mitte der 80er-Jahre die Iontophorese. Wesentlich länger hielt sich die Low-Power-Lasertherapie, die vereinzelt noch heute von einzelnen Wunderheilern sogar zur Behandlung der Schwerhörigkeit eingesetzt wird, obwohl sie erwiesenermaßen unwirksam ist. Andere Therapien wie etwa Magnetfeldtherapien oder gar die Pulssignaltherapie stellten sich gar nicht der wissenschaftlichen Überprüfung und werden – wie letztgenannte – wegen mangelnden Erfolges beim Menschen mittlerweile für Hunde und Pferde empfohlen.
Aber auch wirksame Methoden mit pathophysiologisch erklärbaren und v. a. nachweisbaren Effekten konnten die Therapielandschaft bei chronischem Tinnitus nur kurzfristig beleben – genannt sei hier etwa die hyperbare Sauerstofftherapie, die 3 Jahre von Tinnituspatienten lebte und jetzt immerhin noch bei akuten Hörstörungen wie Lärmtraumata (neben anderen Indikationen wie Wundheilungsstörungen, Dekompressionskrankheiten etc.) berechtigterweise eingesetzt wird, nur bei chronischem Tinnitus hat sich nie ein bleibender Effekt eingestellt.
Vor der Propagierung und Einführung neuer Verfahren ist daher, besonders wegen der großen Zahl verzweifelter, wirklich leidender Patienten und der vielfältigen Tinnitusursachen in besonderem Maße eine wissenschaftlich fundierte Untersuchung mit großen Fallzahlen und Nachbeobachtungszeiträumen gefragt.
(Aus der Zeitschrift "HNO", Band 54, Nr. 6, Juni 2006, S.436)