Frage von flyboy15107, 343

Hat Schule ihren Sinn verloren?

Ich gehe in die 10 Klasse aufs Gymnasium in Bayern und habe mir schon lange Gedanken darüber gemacht, in wie fern Schule noch ihren eigentlich Sinn erfüllt. Ich merke ich lerne nicht für die Zukunft sondern nur für eine gute Note und halt einen Abschluss um dann endlich was zu lernen, was mir wirklich was bringt. So viel Quatsch hat heute "höchste Priorität" in der Schule ist aber für das Leben danach so sinnlos. Jeder will einfach sein Abitur haben und dann endlich wirklich lernen. Natürlich Mathe, Deutsch sind dinge die muss man lernen, aber ich finde zum Beispiel Biologie, Geographie, Wirtschaft und Geschichte tausend mal wichtiger als Latein oder Physik. Schule macht Sinn und ist notwendig aber ich finde es werden eindeutig falsche Prioritäten gesetzt.

Antwort
von Machtnix53, 92

Welchen Sinn für wen? Den Propagandasinn, dass das Schulsystem für die Schüler da ist, für ihre Bildung und ihr Wohlergehen, hat sie nicht verloren, sie hat ihn nie gehabt.  

Dass viele Schüler in der Schule etwas gelernt haben, ändert nichts daran. Der Mensch lernt immer da, wo er seine Zeit verbringt. Wenn er statt in der Schule im Gefängnis gesessen hätte, hätte er dort gelernt.

Die Schule ist ein Lenkungsinstrument der alten Gesellschaft, um die jüngeren Generationen davon abzuhalten, etwas wesentliches an ihr zu ändern. Das ist ihr "Sinn". Die Schule ist der Nagel, mit dem die Gesellschaft an ihrem System fixiert ist. Das Wort "Unterrichten" spricht da eine verblüffend deutliche Sprache: "Unter" wie "unterdrücken", "richten" wie hin"richten".

Die Kinder und Jugendlichen werden jahrelang in die Unfreiheit der Schule gezwungen. Erst wenn die meisten sich an die Unfreiheit gewöhnt haben, und nicht mehr wissen, was Freiheit eigentlich ist, werden sie in die "Freiheit" entlassen, können damit aber nichts mehr anfangen.

Kommentar von Sachsenbruch ,

Du siehst die Institution in einem weitgespannten historischen Bogen sehr klar. Besonders interessant finde ich den Hinweis auf die Idee der zwangsweisen Unterordnung ... bei einer Maschine wird es "Einrichtung" genannt. Schüler werden unter die Richtung dessen geordnet, was an die folgende Generation für weitergabewürdig erachtet ist. Es gibt dennoch unter den "Erachtern" Menschen, die weiter schauen. Ihre Wirkung in einem etwaigen Lehrplan spürt man aber erst ... Jahrzehnte später. Wenn es eigentlich schon wieder zu spät ist, Neues von vorgestern zu verwirklichen, und die letzten Reformversuche meist nur als zusätzliche Belastung mitgeschleppt werden müssen ...

Kommentar von paulklaus ,

An MachtNix 53: Super ! DH !

pk (Lehrer)

Kommentar von NoHumanBeing ,

Ja, es ist gewissermaßen auch ein "Machtinstrument", aber man hat ja dennoch einen Kopf auf dem Schädel und die meisten Menschen werden hoffentlich hinterfragen, was ihnen erzählt wird. ;-)

Ich denke das passiert ganz automatisch.

In ärmeren, strukturschwächeren Ländern, in denen es kein vernünftiges Bildungssystem gibt, würden die Kinder und Jugendlichen sich freuen, wenn sie in die Schule gehen dürften, um etwas an ihrer Situation und auch derjenigen, in denen ihr Land feststeckt, ändern zu können.

Wenn Du Menschen bildest, besteht eventuell die Gefahr, dass sie unmündig bleiben. Wenn Du Menschen von Bildung fernhältst, werden sie definitiv unmündig bleiben.

Kommentar von Machtnix53 ,

Es geht bei dem Machtinstrument garnicht so sehr um die Inhalte, davon bleiben bestenfalls 20%, der Rest ist bald wieder vergessen.

Es geht um die Zwangsstrukturen und die Anpassung und Gewöhnung daran, den "heimlichen Lehrplan". Mündigkeit ist Selbstbestimmung, und die haben Kinder vor der Schule oft mehr als danach.

Du kannst keine Menschen bilden, sie bilden sich selbst und lernen selbst. Kinder lernen Laufen und Sprechen, ohne einen Lehrgang zu besuchen, ohne dafür einen Lehrer zu brauchen. Menschen sind von Natur aus Autodidakten, also Selbstlerner, genauso wie sie Selbstfütterer sind, also aus eigenem Antrieb Nahrung zu sich nehmen. Schulzwang ist zum Lernen so überflüssig wie Zwangsernährung.

Es ist ein Riesenunterschied zwischen Zwang zur Schule und Recht auf Bildung. Auch ohne Schulzwang kann es Schulen geben, doch eben auf freiwilliger Basis wie die Volkshochschulen. Orte, an denen man sich bilden kann.

Aber Schulen haben auch kein Monopol auf Wissen. Mancher kann besser allein lernen und sich fehlendes Wissen aus Büchereien oder aus dem Internet holen. Ich habe in den Ferien immer wesentlich mehr gelernt als in der Schulzeit, wo mir die Schule die Zeit gestohlen hat.

Kommentar von paulklaus ,

Nochmals: großartig ! Auch und besonders dieser Satz: --->

Es ist ein Riesenunterschied zwischen Zwang zur Schule und Recht auf Bildung.

DH !

pk

Antwort
von Kuhlmann26, 100

Das Problem ist, dass die meisten der Schule einen Sinn zuschreiben, den sie nie hatte. Den Sinn, den sie bei Gründung in DE tatsächlich hatte, hat sie bis heute nicht verloren und er steht nach wie vor in den Schulgesetzen der Bundesländer.

DIE SCHULE HAT EINEN ERZIEHUNGSAUFTRAG ZU ERFÜLLEN!

Das, was Du in der Schule an Wissen bekommst, kannst Du in ein bis zwei Jahren erwerben. In dieser Zeit kann man Dir aber nicht bestimmte Denk- und Verhaltensweisen antrainieren.

Als die Schulpflicht 1717 eingeführt wurde, dies geschah in Preußen, hatte sie in erster Linie erzieherische Funktionen und in gewissem Rahmen eine Ausbildungsfunktion, aber nie eine Bildungsfunktion. Der "Soldatenkönig", Friedrich Wilhelm der Erste, brauchte Soldaten mit bestimmten Fähigkeiten. Gottgläubigkeit, Untertänigkeit und gewisse Lese- und Rechenfähigkeiten.

Es war damals so wie heute. Mit markigen Worten versucht man erfolgreich den Leuten einzureden, wie gut und wichtig doch die Schule für die nachwachsende Generation ist. 

„Wir vernehmen missfällig und wird verschiedentlich von denen Inspectoren und Predigern bey Uns geklaget, dass die Eltern, absonderlich auf dem Lande, in Schickung ihrer Kinder zur Schule sich sehr säumig erzeigen, und dadurch die arme Jugend in grosse Unwissenheit, so wohl was das lesen, schreiben und rechnen betrifft, als auch in denen zu ihrem Heyl und Seligkeit dienenden höchstnötigen Stücken auffwachsen laßen..“

"gegen zwei Dreier wöchentliches Schulgeld,..., im Winter täglich und im Sommer, wann die Eltern bei ihrer Wirtschaft benötigt sein, zum wenigsten ein- oder zweimal die Woche, damit sie dasjenige, was im Winter erlernet worden, nicht gänzlich vergessen mögen." ...“Falls aber die Eltern das Vermögen nicht hätten; So wollen Wir dass solche Zwey Dreyer aus jeden Ortes Allmosen bezahlet werden sollen.“

http://www.preussenchronik.de/episode\_jsp/key=chronologie\_002390.html

Wenn die Schule tatsächlich so gut ist, warum brauchen wir dann einen gesetzlichen Schulzwang? Und warum glauben so viele Leute, wenn es den nicht gäbe, würden die wenigste Leute die Schule besuchen? Da kann doch etwas nicht stimmen.

Um es abschließend noch einmal zu sagen: Die Schule hatte nie die Funktion, die individuelle Bildung des Einzelnen zu gewährleisten. Dem steht schon der Drang nach immer mehr Vereinheitlichung von "Bildungs"abschlüssen entgegen; und das Europa weit. Aber die Verwendung von Wörtern wie "Bildung" im Zusammenhang mit der Schule erweckt ein völlig falsches Bild von ihr.

Gruß Matti

Kommentar von flyboy15107 ,

Junge, junge... Das weiss jemand bescheid :D danke, aber irgendwie muss sich der Grund für die Schule ja auch weiterentwickeln oder? Heutzutage wird es immer schwerer einen gescheiten Job zu machen, sollte die Schule da nicht auch schon ein wenig helfen?

Kommentar von Kuhlmann26 ,

Natürlich KÖNNTE sich die Schule zu einem Ort weiterentwickeln, der die individuelle Bildung ermöglicht. Davon geschwafelt und palavert wird ja schon zur Genüge und in einigen Fällen gibt es solche Schulen ja auch. Die Frage ist nur, ob das wirklich in jemandes Interesse ist?

Es mag sich nach Verschwörungstheorie anhören, aber ich glaube, dass es Gruppen von Menschen gibt, die etwas gegen eine große Masse gebildeter Leute hätte. Gebildete Menschen bräuchten beispielsweise den ganzen Konsumterror nicht, dem wir täglich ausgesetzt sind.

Die heutige Schule bereitet Dich im Prinzip auf zwei Dinge vor: Du sollst zum einen ein Produzent/Hersteller von Waren und Dienstleistungen werden und zum anderen diese Waren und Dienstleistung konsumieren. Davon lebt unsere Wirtschaft und DAS ist der Sinn und Zweck unserer Schulen.

Kommentar von paulklaus ,

Wie immer HERVORRAGEND, Matti !!! DH !!!

pk (Lehrer)

Antwort
von NoHumanBeing, 85

Also ich befinde mich derzeit in einem naturwissenschaftlichen Studium und würde daher nicht sagen, dass Geographie, Wirtschaft und Geschichte "wichtiger sind", als Physik, schon gar nicht "tausendmal wichtiger".

Die Dinge, mit denen ich mich beschäftige, haben zwar wenig mit Schulmathematik und -physik zu tun, bzw. allgemein hat das, was Du im Studium machst, recht wenig mit dem zu tun, was Du in der Schule machst, aber dennoch werden da natürlich die Grundlagen gelegt. Ich sehe nicht, wo beispielsweise ein Studium "ansetzen könnte", wenn keine Allgemeinbildung da ist.

Also nein, es hat nicht seinen Sinn verloren. Dass man nicht alles, was man lernt, später auch einsetzen wird, schon gar nicht "eins zu eins", ist auch klar. Aber was Du in der Schule lernst, sind durchaus Dinge, die man eigentlich wissen sollte. Gerade naturwissenschaftliche Fächer bringen Dir ja im Grunde bei, "wie die Welt funktioniert" und was Dir dort vermittelt wird ist ja eigentlich die Grundlage von mehr oder weniger allem, was um Dich herum so passiert.

Kommentar von flyboy15107 ,

Ja danke für den gut erklärenden kommentar :)

Kommentar von latricolore ,

Dass man nicht alles, was man lernt, später auch einsetzen wird, schon
gar nicht "eins zu eins", ist auch klar. Aber was Du in der Schule
lernst, sind durchaus Dinge, die man eigentlich wissen sollte.

Zustimmung!

Und man lernt auch, Dinge zwischen den Zeilen lesen zu können, Dinge zu hinterfragen.

Antwort
von priesterlein, 131

Wenn das für dich die falschen Prioritäten sind, gehst du halt weg von der Schule und macht etwas, das dir wichtiger ist. Die Schule muss nach dem aktuellen Wissensstand Allgemeinbildung vermitteln und wenn jmand Physik für unwichtiger als Geographie hält, hat sie wohl etwas falsch gemacht. Der Allgemeinbildungsauftrag setzt keine Prioritäten sondern die setzt man selber und nach der Schule kann man sie sogar ausleben. Dass die Schüler oft nicht bewerten wollen oder können, was das mit dem Leben zu tun hat, sollte sich im Laufe des Lebens ihnen erschließen. Wie soll man wissen, was einem liegt, wenn andere einem nur das beibringen, was sie selber für wichtig halten? Ich brauche die Physik beispielsweise jeden Tag in meiner momentanen Arbeit.

Antwort
von Karl37, 60

Das wichtigste Ziel der schulischen Ausbildung ist dir auf dem Lebensweg die Fähigkeiten zu vermitteln eine Problemstellung zu erkennen und zu lösen. Dazu sollte man exzerpieren können und ein Abstrahierungsvermögen besitzen. Das zu Lernen geschieht auch in den Fächern Physik und Latein.

Was nutzt dir eine Anhäufung von Fakten aus Biologie, Geografie oder Geschichte, wenn dir der Kontext fehlt.

Ich will dir ein Beispiel nennen. Du bekommst die Aufgabe über den Egmont von Goethe einen Aufsatz zu schreiben, mit dem Untertitel, hätte der Geheimrat J.W. von Goethe dieses Werk schreiben können.

Kommentar von flyboy15107 ,

Danke für die nette gute Antwort :-)

Antwort
von regex9, 109

Physik empfindest du als unwichtig? Puh,.. naja, das ist wohl deine subjektive Meinung. Doch deswegen finde ich es gut, dass du nicht darüber entscheiden kannst,  was gelehrt wird oder nicht.

Die Schule soll dich nicht aufs Leben vorbereiten, sondern Grundkenntnisse vermitteln, Interessensgebiete schaffen, erziehen und Kultur vermitteln.

Die Benotung ist nun mal ein Mittel um zu prüfen, wen man besser nicht in diesen und jenen Berufsweg lässt, denn eine gewisse Verantwortung gibt es schon. Wenn jemand Arzt wird, ohne gute Grundkenntnisse zu besitzen, könnte das schon mal fatal werden. Kompetenzen sind nun mal wichtig.
Ohne ein Ausscheidungsverfahren gäbe es ein Überangebot an Bewerbern für jegmögliche Betriebe. Die Auswahlverfahren, die man daraufhin starten müsste, wären belastend.

Kommentar von flyboy15107 ,

Wo steht Physik ist unwichtig? ;-)

Kommentar von regex9 ,

Wieso setzt du es mit Latein gleich und beschreibst andere Fächer als "tausend mal wichtiger"?

Antwort
von 5612Maria3478, 114

Naja, dass mit den Prioritäten stimmt nicht. Denn genau das ist wichtig an der Schule, dass man die verschiedensten Sachen lernt, um später zu wissen, wo man seine eigenen Prioritäten setzen will! Ich habe auf dem Gymnasium selbst Latein gehabt und ja auch ich habe mir zu dem Zeitpunkt immer wieder die Frage gestellt, für was ich das lerne... Aber jetzt in meinem Studium hab ich viel mit lateinischen Begriffen zu tun und hab es somit leichter, mir die Sachen zu merken ;)

Antwort
von ThomasJNewton, 36

Natürlich ist vieles verbesserungsbedürftig, das war nie eine Frage, und wird auch nie eine werden.

Grundsätzlich kann ich deine Kritik aber nicht teilen:

  • Man kann auf keinem Fachgebiet wirklich gut sein, wenn man nicht gelegentlich über den Tellerrand hinausblickt. Und das tut man eben nur, wenn man ahnt, das da was Interessantes sein könnte. Auch wenn es nur eine dumpfe Ahnung ist, dass es zu dem Teil gehörte, den man damals großteils verschlafen hatte.
  • Auch wenn du 90 % deines Wissens später nie mehr brauchst, wenn dir die restlichen 10 % auch fehlen, bist du der Depp. Gewisse Tatsachen und Zusammenhänge muss man als gebildeter Mensch einfach kennen. Dazu gehört nicht nur, dass der Amanonas in Südamerika fließt, sondern auch, dass man Energie nicht erzeugen, sondern nur umwandeln kann.
  • Die Interessen verändern sich mit den Jahren. Ich z.B. interessere mich zur Zeit viel mehr für Geschichte, sogar Kirchengeschichte, und Physik. Kaum noch dagegen für Mathe, Bio und Chemie, meine früheren Lieblingsfächer. Und ein Interesse kommt oft aus den Fetzen der früheren Bildung, gepaart mit aktuellen Anlässen.

Nach der Schule wird es vielleicht etwas besser. Aber auch in Studium und Arbeitsleben gibt es überflüssige Details, langweilige Kurse, Vorlesungen, Vorträge, Fortbildungen, Konferenzen, Besprechungen, Verwaltungaufgaben, Reisezeiten.
Und statt blöder Lehrer kommen ätzende Kollegen oder Kunden, oder ...

So ist halt das Leben. Meckern ist auch eine meiner Lieblingsbeschäftigungen, aber man muss einen Ausgleich haben:
Auch das Positive sehen, und das Beste draus machen. Mehr bekommst du nämlich nicht.

Welche Leute sind die schlimmsten?
Genau, alte Säcke, die ständig rumnörgeln, am liebsten an der Jugend. Du hast noch einige Jahrzehnte, es besser zu lernen.
Auch das fasst man unter Bildung.

Expertenantwort
von latricolore, Community-Experte für Italien, Italienisch, Deutsch, Sprache & Schule, 54

Nein, hat sie nicht.

Jeder hat halt seine Fächer, die er mag und wichtig findet, und andere würde er hingegen am liebsten vom Stundenplan verbannen.

Von deinen Fächern hätte ich gern auf z.B. Mathe und Bio verzichtet, ebenso auf Physik und Chemie.
Jede Menge Sprachen und Sport - mehr hätte ich nicht gebraucht :-)

Kommentar von flyboy15107 ,

Ja stimmt haben sie wohl recht

Antwort
von Ragnaraok, 105

Ja und nein -  die schule bringt dir stabile Grundlagen fürs Leben bei die du nutzen oder nicht nutzen kannst, je nachdem was du studieren möchtest usw... Ich finde diesbezüglich das deutsche System gut, durch die Profile kann jeder seinen Schwerpunkt mehr oder weniger genau anpassen! Ich hab eine französisches abi aus dem französischem System und da hat man nicht so eine grosse Auswahl. 

Vereinfacht nochmal: du sagst Physik bringt dir so nichts - stimmt aber ein anderes kind/schuler der Physiker oder Ingenieur werden will dem bringt Physik was aber dafür Geographie nichts weiss was ich meine? 

Kommentar von flyboy15107 ,

Ja, vielen dank :-)

Expertenantwort
von Joshua18, Community-Experte für Schule, 25

Na ja, Latein hättest Du nicht wählen müssen, wenn es Dir nicht passt.

Das Gymnasium ist eine allgemeinbildende Schule. Ein gewisses Mindestwissen in Naturwissenschaften und Kulturfächern wie Deutsch, Musik und Kunst sollte schon jeder haben der zur Uni will.

Mathematik ist wohl eher ein Intelligenztest. Wer analytische Geometrie und Integralrechnung nicht rafft, gehört einfach nicht an die Uni und würde dort aller Wahrscheinlichkeit nach scheitern.

Kommentar von flyboy15107 ,

Latein ist bei mir Pflicht seit der 5. Klasse

Antwort
von feirefiz, 43

Hi flyboy,

die Hauptschule soll möglichst praxisnah Wissen vermitteln, die Realschule soll die Mischung aus Theorie und Praxis bieten, das Gymni ist für die Theorie da, um auf ein Studium vorzubereiten.

Diese Form der Theoretisierung ist nicht für jeden etwas. Es geht nicht um anwendbares Wissen für den Berufsalltag, sondern um das Beschäftigen mit theoretischen Problemen - aus Freude daran.

Du hast keine Freude daran - dann bist du auf dem falschen Weg, auf der falschen Schule. Schließ doch einfach die 10. Klasse ab und such dir einen Ausbildungsplatz, da hast du Praxis pur.

Wenn du das Abi willst, musst du dich mit der Theorie beschäftigen - das brauchst du für ein Studium.

Du hast aber natürlich die Wahl - wähle!

Kommentar von flyboy15107 ,

Vielen Dank für den informativen Kommentar, ich will das Abi unbedingt und habe halt manchmal Tage die nicht so gut laufen. Und die Angst die 10. Klasse nicht zu schaffen ist groß obwohl ich Notentechnisch eigentlich keine Probleme hab. Ich habe schon einen festen Berufswunsch (Filmregie) und weiss was ich studieren will. Ich ziehe das jetzt einfach durch und gut ists. Ausserdem ist das deutsche Abitur (speziell das "spießige" bayrische) ja weltweit sehr angesehen und deswegen keine schlechte Idee wenn mans hat. Nochmals vielen dank :-)

Kommentar von NoHumanBeing ,

Ja, ich würde das Abi auch nicht "abschreiben". Du machst es später so oder so. Eigene Erfahrung. (Bin im naturwissenschaftlichen Umfeld tätig. Ich würde fast so weit gehen, zu sagen ohne Studium hätte mein Leben keinen Sinn. ;-) ) Und nachholen ist nicht einfacher.

Kommentar von feirefiz ,

Ixh habe eine Menge Menschen in meinem Umfeld, die kein Abi haben - das Abi macht den Menschen nicht besser und es ist kein Garant für eine erfolgreiche Laufbahn. Mein Mann verdient mit Rea noch immer mehr als ich mit zwei Titeln....

Aber wenn du ein klares Ziel hast - gerade im Bereich Film brauchst du jedes Quentchen, dass du an Bildung bekommen kannst - da wirst du irgendwann sogar dein Latein noch mal brauchen!

Antwort
von paulklaus, 18

Lies einfach nur das eineinhalbseitige Vorwort von Werner Fulds hervorragendem Werk "Die Bildungslüge" !!

pk

Antwort
von KevinHP, 63

Die Schullaufbahn bringt nicht nur sehr viel Wissen in den verschiedensten Bereichen (wovon man einen Großteil später nicht mehr brauchen wird), es fördert allerdings das Grund- und Allgemeinwissen ungemein (gerade dadurch).

Sinn hat die Schule meiner Meinung nach seit ihrem Bestehen. Auch wenn es viele Unstimmigkeiten und Meinungsverschiedenheiten hinsichtlich der Bewertung und Beschulung gibt – ohne Schule wären wir doch alle dumm!

Wenn niemand mehr zur Schule ginge und die Eltern keine alternative Lernmethode wählen würden, wären wir zwei Generationen später nicht mehr in der Lage intelligent zu denken / zu handeln.

Kommentar von flyboy15107 ,

Natürlich macht die Schule sinn. Sag ich ja oben auch immer wieder aber es gibt viele Bereiche wo ich merke ich lerne nichts sondern die Lehrer schauen nur viele Noten zu machen und nach dem Test Bumm! Ist alles wieder weg

Kommentar von KevinHP ,

Das liegt oft an strengen Lehrplänen.

Wenn die Lehrer die zu behandelnden Themen in einem Schuljahr nicht schaffen, stehen sie vielleicht blöd da. Ob das ein Konkurrenzkampf ist, weiß ich nicht und denke ich auch nicht, aber die Lehrbeamten müssen den Lehrplan einhalten. In manchen Fächern kommt es wegen einer Vielzahl von unterschiedlichen Themen dann dazu, dass ein Thema vielleicht nur eine Woche lang behandelt wird. Dass das Gelernte dann (vor allem wegen fehlender Übung und Routine) schnell wieder verloren geht, ist logisch; allerdings auch Themen, die gesellschaftlich vielleicht kaum Bedeutung haben, aber laut Lehrplan behandelt werden müssen, fallen immer öfter auf und die Schule wird mit unnötigem Stoff in Verbindung gebracht.

Nach wie vor bin ich aber der Meinung, dass jedes Thema zur Allgemeinbildung beiträgt.

Es kommt auch immer auf den Lehrer an!

Kommentar von Kingmaxx ,

Stammen die Vorgaben des Kultusministeriums nicht aus dem letzten Jahrhundert und würde es folglich nicht Sinn machen, diese zu aktualisieren?

Die wichtigste Aufgabe der Schule ist es doch, die Potentiale der Kinder zu entdecken und zu fördern und nicht sie auf irgendein Gleis zu lenken, sonder ihre natürliche Anlage zur Güte zu bringen. 

Antwort
von Johannisbeergel, 54

Die Schule soll einem Grund- und Allgemeinwissen vermitteln. Es geht ja nicht einmal darum, in allem gute Noten zu haben. Vielen wird erst durch die Noten klar, welche Richtung sie einschlagen möchten. Durch das verkürzte Abi sind Defizite gerade in Mathematik spürbar, wenn Erstis an die Uni kommen und schon beim Mathevorkus die ersten grauen Haare wachsen. Außerdem ist niemand gezwungen, Latein zu belegen. Ein gutes Gymnasium, wovon es regional ein paar zur Auswahl geben dürfte, lässt etwas Spielraum zB bei der Wahl der Fremdsprachen. Ein guter Student belegt während seines Studiums sowieso noch aufbauende Sprachkurse oder eben für Auslandssemester, weil sowas bei der Karriere als besonderes Bonbon gefragt ist.

Kommentar von flyboy15107 ,

Bei mir ist Latein seit der 5. Klasse Pflicht. Ich finde Physik nicht unwichtig, habe aber andere Fächer denen ich mindestens die selbe Aufmerksamkeit schenken möchte, wieso ist denn Physik aber der 8. ein Hauptfach und nicht Chemie oder Biologie? Was ist der Grund?

Antwort
von Reanne, 55

Nein, keineswegs. Schule ist äußerst wichtig. Nicht für die Schule lernen wir, sondern für das Leben dnach.

Kommentar von Kingmaxx ,

Das halte ich für blanken Zynismus. 

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