Frage von Andreas1, 98

Hat nicht irgendwer, Lehrer, Eltern, der Staat die Pflicht, mir konstruktive Rückmeldungen zu geben?

Ich bin früher ziemlich ungepflegt herumgelaufen. Haare waschen - warum? Doch weder meine Eltern, noch die Leute in meiner Schule haben mir jemals gesagt, daß ich mir selbst damit schade.

Genauso mit der Zahnspange - warum nehmen, ist doch unangenehm, und nirgendwo war irgendjemand, der mir sagte, welchen Zweck die Spange langfristig hat.

Entweder haben sich andere über mich lustig gemacht, was ich als "die sind halt so" abgetan habe, oder mich ignoriert. Aber nie kam jemand auf mich zu und hat mir einen Ausweg gezeigt.

Alle haben es gesehen, aber keiner hat was gesagt.

Hat nicht irgendwer, Lehrer, Eltern, der Staat die Pflicht, mir konstruktive Rückmeldungen zu geben?

Oder hätten mich da meine Eltern erst durchgehend schlagen müssen, bis das Jugendamt aktiv geworden wäre? Hätten die dann etwas gemacht, mir gezeigt, was ich nicht sehe oder wäre das denen auch egal gewesen?

Antwort
von Tasha, 26

Ich vermute, dass die meisten Dir nichts gesagt haben, weil sie glaubten, dass es dann aus Protest/ Provokation schlimmer würde. Grade in der Pubertät sind einige oft sehr nachlässig mit der Körperhygiene (andere übertreiben sie dagegen) und wenn man als Eltern, Lehrern etc. dagegen spricht, kann es sein, dass es entweder aus Protest schlimmer wird oder der Betroffene glaubt, man wolle ihn ärgern und dann aus Sturheit gar nichts ändert (bzw. das Gefühl hätte, verloren zu haben, wenn er etwas ändert). Gerade Dinge wie "du riechst" (oder stinkst) mag man nicht sagen, weil oder wenn der Betroffene das selbst nicht riecht und dann vielleicht absichtlich kein Deo verwenden oder nicht duschen würde.Natürlich hätte der Zahnarzt Dir erklären müssen, warum Du eine Spange tragen sollst und wie lange.

Bzgl. des ungepflegt Rumlaufens: Das ist wirklich eine heikle Sache und man mag es oft allen, die älter als Kinder sind, nicht sagen, weil es sehr oft wie eine Beleidigung ankommt. Ich habe einen älteren Verwandten, der irgendwann beschloss, sein Gebiss nicht mehr zu tragen. Man hätte es anpassen lassen können, aber das wollte er nicht. Jetzt hätte man offen sagen können, "ähm, ich schäme mich, mit Dir so raus zu gehen", aber man will ihn ja nicht verletzen, weil man seine Gründe nicht ganz nachvollziehen kann.Genauso schwierig ist es, einem 15jährigen zu sagen, "sag mal, könntest du dich bitte morgens waschen und Deo benutzen, Du stinkst nach Schweiß". Das kann wie eine Provokation ankommen und er könnte es aus Prinzip lassen, um nicht nachgeben zu müssen, weil er sich gedemütigt fühlt durch die Aussage. Besser wäre so etwas zu sagen als Eltern wie "wer geht morgens als erster ins Bad? Welches Duschgel soll ich für Dich mitbringen?" usw.

Die meisten Jugendlichen oder Kinder überwinden die Phase, in der sie sich ungern waschen oder ungern Zähneputzen etc. von ganz allein. Und übertreiben es dann oft damit eine Zeit lang (da wird dann dreimal täglich geduscht und es finden sich immer mehr Cremes, Haargel, Peelings etc. im Bad).Hier die richtigen Worte, den passenden Moment und die passende Tonlage zu finden, dass die Botschaft auch richtig beim Adressaten ankommt und nicht als Häme, Demütigung, Machtspiel, Übertreibung etc. aufgefasst und ignoriert wird, ist schwierig. Gerade bei Zahnspangen denken viele jüngere (Kinder) noch, dass die Kommentare der Gleichaltrigen schlimmer wären als eine "kleine Fehlstellung" oder die Spange sehr unangenehm zu tragen ist. Dann ist Argumentieren schwierig.


Beim Waschen und Zähneputzen kommt hinzu, dass man sich an den dreckigen Zustand gewöhnen kann und dann ist Waschen oder Zähneputzen unangenehm. Es kann dauern, bis man wieder das Gegenteil empfindet, dass der dreckige Zustand unangenehm ist. Daher haben ja viele nach der "Dreckspatzpahse" die "Übertriebene-Hygiene-Phase".

Kommentar von Andreas1 ,

Du sagst letztlich, daß es schwer sei "die Jugendlichen" darauf hinzuweisen. Da gibt es zwei Probleme. Erstens war ich nicht "der Jugendliche", sondern ein hilfesuchender und wehrloser Jugendlicher, der so ganz und gar nicht aufbegehrend war - wie auch, meine Eltern haben mir jede Form von Gewalt mit perfiden mentalen Tricks madig gemacht. Und zweitens, nicht weil es schwer ist, wagen wir es nicht, sondern weil wir es nicht wagen, ist es schwer.

Kommentar von Tasha ,

Das mag sein. Tatsache ist, dass alles rund um Hygiene ein bisschen tabu ist. Man mag nicht gern auf Fehler dabei angesprochen werden, man schämt sich dann und man spricht deshalb ungern andere darauf an. Mangelnde Hygiene ist meist kein Aufbegehren Jugendlicher (oder Kinder), kann aber dazu werden, wenn Eltern und andere zu viel Druck machen, dem man entgehen will. Dann bring einem dieser Druck ohne Absicht der Erwachsenen bei, sich vor dem Waschen etc. zu drücke, es wird in den Augen des Betroffenen immer "größer", schwieriger und man entwickelt einen Widerstand dagegen. Deswegen versuchen viele, das Kind nicht zu zwingen, sich z.B. die Zähne zu putzen, sondern das zu einer lustigen Begebenheit oder zu einem festen Tagesritual statt zu einer Aufgabe zu machen, die einem die Eltern auferlegen. Denn dann würde das Kind der Aufgabe entgehen, wenn es kann. Man muss auf positive Art eine Gewöhnung aufbauen; bei pubertierenden Jugendlichen kann das schwierig sein, weil sie oft empfindlich sind und vieles falsch verstehen (gut gemeinte Ratschläge als Machtspielchen ansehen etc.).

Und das bei einem Thema, das schon mit Tabus und Vorurteilen belegt ist.

"Du stinkst" kann ein ernst gemeinte Wahrnehmung sein, ein Mittel zum Sticheln, ein Mittel, jemanden zu verunsichern oder auszuschließen oder sogar eine perfide Art des Mobbings (man kann das immer sagen und so jemanden dazu bringen, völlig verunsichert seiner eigenen Wahrnehmung zu misstrauen und sogar eine Art Waschzwang zu entwickeln).

Antwort
von RuedigerKaarst, 43

Hättest Du denn überhaupt drauf gehört?
Als Jugendlicher, bzw. in der Pubertät weiß man oft doch eh alles besser.

Aber man sollte schon in der Lage sein, sich von alleine sauber zu halten.

Kommentar von Andreas1 ,

Ich war schon immer in der Lage, konstruktive Kritik von Boshaftigkeit zu unterscheiden, also ja, ich wäre sehr gut in der Lage dazu gewesen.

Der Satz "Aber man sollte schon in der Lage sein, sich von alleine sauber zu halten." ist dumm, genauso wie "Man sollte schon in der Lage sein, zu lesen" zu einem erwachsenen Analphabeten.

Antwort
von SoDoge, 33

Du hast keinen gesetzlichen Anspruch auf Feedback, um das mal so auszudrücken.

Du scheinst hier eher eine Art Schuldfrage klären zu wollen. Das bringt weder dir etwas, noch denen, denen du später die Schuld an dieser Zeit geben willst. Lass das hinter dir und fang jetzt nicht an, dich über dein Umfeld zu ärgern.

Kommentar von Andreas1 ,

Bringt mir gar nichts deine Antwort.

Antwort
von Lightman95, 32

Häng dich nicht an andere oder an 'damals'

Jetzt weiß mt du es und jetzt kannst DU besser über bestimmte dinge reflektieren u entscheiden. Schau nach vorne. Scheibb auf das was war. 

Kommentar von Andreas1 ,

Das wiederholt sich doch ständig. Immer und immer wieder haben Andere Wissen, das mir fehlt und sie lassen es mich freudig spüren, daß es mir fehlt.

Je besser ich meine Vergangenheit akzeptieren kann, desto besser kann ich mit der Gegenwart umgehen. Und diesen Abschnitt kann ich so nicht akzeptieren.

Kommentar von Lightman95 ,

Aber du sagst es. Es ist eine neverending Story. Letzendlich ist man sich immer selbst der nächste und informiert sich so umfassend selbst, hat tolle menschen die einen unterstützen, aber auch dann stellt man hinterher immer fest dass ein anderer weg der bessere gewesen wäre. 

Erinnert mich ein bisschen an 'ulrich beck - risikogesellschaft' - Interessantes buch

Antwort
von swarup, 18

Genau dieses Verhalten der Leute die sich lustig über dich gemacht haben, hätte dir zu denken geben sollen.

So wie ich das aus deinem Text entnehmen kann, waren genügend Punkte vorhanden, an dem du es merken hättest können/sollen.

Ich kannte so jemand auch und den hab ich darauf auch nicht hingewiesen, weil es unangenehm ist jemanden ins Gesicht zu sagen, dass er stinkt.

Stört einen das nicht selbst??

Kommentar von Andreas1 ,

Und woher hätte ich wissen sollen, daß die Leute dort, die auch sonst nie meinen Vorteil im Sinn hatten, plötzlich auf meiner Seite standen?

Antwort
von gewustwie, 16

Es ist blöd zu unterstellen dass irgend jemand das machen müsste , also dich aufklären.

Du solltest auch nicht denken dass man dich verachtet oder dass du nichts wert bist weil keiner etwas gesagt hat!

Es ist schon etwas merkwürdig dass es keinem aufgefallen ist wie du die gesamte Zeit lang rum gerannt bist oder dass irgend jemand vergessen hat dich auch zu klären!

Aber darüber kann wieder ich und sonst noch einer in dieser community sein Urteil bilden weil keiner weiß, mit was für Menschen du zu tun hattest! Sind deine Eltern extrem freizügig, sind sie mit ihren eigenen Problemen überfordert, interessieren Sie sich nicht für dich, geben Sie dir großen Freiraum, und so weiter und sofort.... Das gleiche gilt für deine Lehrer! Die gehen davon aus das Das von zu Hause so geduldet wird oder…....  

Das wichtigste aber ist das du die Erkenntnis erhalten hast das du selbst für dich und für dein Leben was tun musst!!!

Ich finde das echt eine top Leistung (Daumen hoch) ;)

Mach was, in der dein Leben so wie du es für richtig hältst!

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