Frage von domi89m, 76

Hat meine Freundin eine Essstörung - sichere Anzeichen?

Guten Abend an alle,

ich habe mal wieder eine Frage, die mir Sorgen macht.

Zur Vorgeschichte:
Meine Freundin hat innerhalb der letzten anderthalb Jahre ca. 20 - 25 kg abgenommen, also durch Sport und Ernährungsumstellung. Sie war davor nicht übermäßig dick - sie hatte schöne Kurven, wenn ihr wisst, was ich meine und das hat mir auch sehr gefallen.
Sie hat mir erzählt, dass sie von Kolleginnen wegen ihrer Figur gemobbt wird und sie sich über sie lustig machen, immer wenn sie an ihnen vorbeigeht. Ich habe oft mit ihr gesprochen und ihr immer wieder gesagt, dass sie wunderschön aussieht und sie das nicht an sich ranlassen soll. Gleichzeitig ist mir aber schon aufgefallen, dass ihr das ziemlich zugesetzt hat.
Auf einmal hat sie sich in den Kopf gesetzt, dass sie abnehmen möchte. Ich habe sie auch dabei unterstützt, weil ich ja wollte, dass sie sich in ihrem Körper wohlfühlt. Ich habe sie dann mit ins Studio genommen und ihr alles gezeigt.
Wie oben schon gesagt, hat sie dann im weiteren Verlauf durch Sport und gesunde Ernährung bis zu einer gesunden sportlichen Figur abgenommen. Sie ist jetzt sehr dünn. Ich war auch riesig stolz auf ihren Erfolg, sie hat nämlich wirklich hart dafür gekämpft und nicht aufgegeben.

Vor ca. einem Monat haben nun die Probleme angefangen. Ich habe den Eindruck, dass sie ihre Abnahme nicht als Ausgangspunkt für ein gesundes Leben sieht, sondern dass der Gewichtsverlust ihr noch nicht reicht. Ich mache mir große Sorgen, weil ich sehr auffälliges Verhalten bei ihr bemerke.

Meine Beobachtungen:
- Fast jeden Abend frage ich, ob ich was für uns beide kochen soll, sie lehnt aber ab und trinkt eigentlich nur noch eine Flasche Wasser. Sonst haben wir immer gemeinsam zu Abend gegessen. Auch beim Frühstück bevor wir los müssen, trinkt sie nur noch eine Tasse Tee und isst nicht mehr wie sonst ihr Müsli.
- Als ich z.B. letztens früher von der Arbeit nach Hause gekommen bin, hatte sie total verweinte Augen und meinte, dass sie jetzt sofort zum Sport gehen muss, weil sie ein Baguette zum Mittagessen gegessen hat.
- Das stärkste Indiz ist aber ihr Abnehmbuch, indem sie ihre Abnahme monatlich dokumentiert hat. Dort hat sie reingeschrieben, dass sie jetzt noch 15 kg bis zu ihrem Zielgewicht abnehmen möchte. Das wäre viel zu viel, also jenseits vom Normalgewicht.
- Wenn wir Sex haben, drückt sie meine Hände ständig weg, wenn ich ihr das Top ausziehen möchte.

All das sind natürlich keine typischen Anzeichen für eine Essstörung, ich habe aber trotzdem das Gefühl, dass sie eine entwickelt hat. Sie sagt immer, dass alles ok ist und dass sie sicher genügend isst.

Wie kann ich es denn genauer erkennen, ob es eine Essstörung ist? Ich habe Angst sie direkt mit dem Vorwurf zu konfrontieren, wer weiß was das dann auslöst.

Schönen Abend an alle, Dominic.

Antwort
von klaeri, 35

Wenn sie ein GESTÖRTES VERHALTEN ZU ESSEN hat dann hat sie wahrscheinlich eine Essstörung. Wichtig ist, dass sie so früh wie möglich versucht wieder gesund zu werden. Such am besten im Internet nach Tipps wie du ihr helfen kannst (zb auf Arztseiten), wenn du nämlich falsch an sie Sache rangehst dann wird sie wahrscheinlich total abblocken weil sie dann Angst hat dass du sie zwingen möchtest mit dem Verhalten aufzuhören oder ähnliches. (Ich habe eine Essstörung und habe sehr schlechte Erfahrungen gemacht mit Freundinnen die nicht wussten wie sie mit mir umgehen sollten und mich fast schon für mein Verhalten fertiggemacht haben) Wichtig ist dass sie merkt dass sie dir wichtig ist und du Verständnis hast und es muss erst 'klick' machen in ihrem Kopf damit sie bereit ist sich zu helfen. Vor allem dass sie geweint hat nachdem sie "zu viel gegessen hat" ist sehr beunruhigend. Zeig ihr dass du dir Sorgen machst und dass du ihr beistehst und versuch am besten ihr dabei zu helfen sich Hife zu suchen. Viel Glück:)

Kommentar von domi89m ,

Die Sache mit dem "Abblocken", die du beschreibst, ist mir auch schon aufgefallen. Ich kann aber diese Reaktion auf der anderen Seite auch verstehen, weil man möchte ja selbst auch nicht unbedingt, dass man oft gefragt wird: "Hast du auch schon genug gegessen?" Es soll nicht wie eine Bevormundung wirken. 

Danke für deine Tipps, ich klicke mich auch weiterhin durch das Internet. Ich habe schon viel dazu gelesen. Es taucht was immer wieder auf, dass man Themen wie Essen, Aussehen oder Gewicht gar nicht erst ansprechen soll. 

Dabei stellt sich mir dann schon die Frage, was man dann überhaupt sagen soll. Man muss ja die Person auch irgendwie darauf aufmerksam machen, dass das Essverhalten nicht normal ist. Weißt du was ich meine? Man kann ja schlecht sagen: "Du brauchst Hilfe!" und dann aber keine Begründung dazu liefern. Irgendwoher muss nunmal das Bewusstsein kommen, dass an dem Verhalten etwas nicht stimmt.

Viele Grüße und danke nochmal. 

Kommentar von klaeri ,

Gern geschehen. Wie schon gesagt habe ich Erfahrung mit dem Thema und kann dir sagen dass es auf jeden Fall sehr schwer ist eine betroffende Person richtig darauf anzusprechen. Aber je tiefer sie in der Krankheit gefangen ist desto mehr denkt sie, dass sie ohne sie nicht mehr leben kann. Irgendwann wird es sowas wie der Lebenssinn von einem. Vielleicht könntest du ihr sagen dass dir in letzter zeit aufgefallen ist dass es ihr nicht gut geht, vielleicht fragen was los ist oder einfach nur dass du ihr helfen willst und sie mit ihren problemen zu dir kommen kann(du solltest sie nicht versuchen zu zwingen mit dir darüber zu reden) und denk dran: diese krankheit spielt sich hauptsächlich im KOPF ab, das wenig essen ist praktisch nur ein symptom. Dahinter liegen wahrscheinlich mehrere Dinge die in ihrer Vergangenheit passiert sind oder Probleme für die sie versucht eine Lösung zu finden und nun versucht sie es mit der Kontrolle über das essen zu lösen
Gut dass du dich so um sie sorgst und dir gedanken machst:) viel glück!!

Kommentar von domi89m ,

Ich hatte gestern ein längeres Telefongespräch mit einer sehr kompetent wirkenden Psychotherapeutin. Sie hat im Grunde das gleich gesagt wie du. Nicht direkt darauf ansprechen und nicht unter Druck setzten. Ich habe ihr dann noch einige weitere Situationen geschildert, die mir in letzter Zeit aufgefallen sind, woraufhin sie meinte, dass ich versuchen soll meine Freundin dringend zu einem Treffen zu "überreden". Das wird jetzt erst einmal die nächste Hürde sein, wobei ich noch nicht weiß, wie ich das anstellen soll.
Wer geht schon zum Therapeuten, wenn man davon überzeugt ist, dass alles passt?

Insgesamt habe ich aber schon die Hoffnung, dass eine Therapie helfen kann.
Da du ja sagtest, dass du auch Erfahrungen mit einer Essstörung hast, wünsche ich dir natürlich auch alles Gute für deine Situation. Danke für die Hilfe! Es ist wirklich nett, wenn man auch im Netz Unterstützung findet, meist kommen ja sonst nur blöde Kommentare.

Kommentar von klaeri ,

Dankeschön erstmal! Ich finde es erstmal sehr gut dass du dich von professionellen Leuten 'beraten' lässt, bei mir hatten/haben die meisten keine Ahnung wie sie mit mir umgehen sollen und dadurch habe ich mich extrem eingeengt und unter Druck gesetzt gefühlt. Das ist so wie als würde dich jemand zwingen das zu tun wovor du am meisten auf der Welt Angst (in diesem Fall das Essen, das mit der Zeit zum Feind wird und Panik auslöst) hast und dir dann auch noch vorwerfen dass du es nicht tust. Wahrscheinlich merkt deine Freundin (noch) gar nicht dass sie eine Essstörung hat und wenn sie es realisiert ist es schon zu spät (und dann kann es gut sein, dass die Krankheit schon so einen großen Teil ihres Lebens eingenommen hat sodass sie gar keine Hilfe WILL) . Je früher sie versucht die Krankheit zu bekämpfen desto besser sind die Heilungschancen (Ich will dir keine Angst machen, viele Essgestörte werden geheilt). Ich denke es ist wichtig dass du ihr klar machst dass du sie so liebst wie sie ist und dass auch ihr Körper/ihre Figur perfekt ist wie sie ist + dass dieses Essverhalten NICHT ihre Probleme lösen wird und dass sie sie anders lösen kann (evtl mit deiner Hilfe/Therapie). Vielleicht könntest du sie auch (ohne sie unter Druck zu setzen) über die Folgen von solchem Essverhalten aufklären, zum Beispiel Herzkrankheiten und sogar Unfruchtbarkeit kann später auftreten. Übrigens treten 'Nebenwirkungen' von zu wenig Nahrung schon nach kurzer Zeit auf. Das weißt du wahrscheinlich schon. Ich kann dir nur meine Erfahrungen mitteilen (und ich vermute mal deine Freundin isst mehr als ich): Mit SEHR geringer Nahrungsaufnahme bekommt man schon nach ca. 2 Wochen Schwindelanfälle usw. Zum Beispiel weiß ich noch als ich mal aufgewacht bin (ist schon länger her) und so starke Kreislaufprobleme hatte dass ich NICHT mehr stehen konnte. Nachdem ich nach 20 min oder so in der Küche irgendwie angekommen bin und was gegessen habe gings aber ich will dir nur nochmal klar machen (vllt auch ihr) dass die Nebenwirkungen auf den Körper wirklich sehr krass sind. Irgendwann wird auch zb. Treppensteigen so anstrengend wie ein 100 m Lauf. Ich hoffe dass sie noch nicht so tief in der Essstörung drin ist dass sie vielleicht denken wird: "Okay das ist es mir nicht wert." wenn sie über die Folgen bescheid weiß: :/ TIPP: Ich empfehle ihr wirklich SEHR eine vegane Ernährung. Wenn du dich etwas informierst wirst du herausfinden dass diese wenn man sich richtig ernährt sogar gesünder ist als 'normale'. Ich weiß auserdem von ziemlich vielen die eine Essstörung hatten dass diese Ernährung sie praktisch gerettet hat. Ich würde dir wirklich wirklich empfehlen dich mal darüber im Internet und auf Youtube (es gibt dort Videos in denen Leute von ihrer 'Geschichte' erzählen und erzählen wie sie aus der Essstörung, oft Magersucht, herausgekommen sind. Da ist mir aufgefallen dass viele angefangen haben sich vegan zu ernähren und ihnen das sehr geholfen hat) zu informieren!!!! Die meisten veganen Lebensmittel haben übrigens weniger Kalorien als Milchprodukte usw (Verständlich, da Milch ja auch dazu da ist, das Baby einer Kuh aufzuziehen und nicht einen erwachsenen Menschen zu ernähren:) ), dadurch muss ein Veganer mehr Kalorien zu sich nehmen und 'muss' überhaupt nicht irgendwelche 'Kaloriengrenzen' wie zb ich darf nur so und so viele Kcals pro Tag (und jeweils nur so viel von jeweiligen Lebensmitteln) zu mir nehmen sonst nehme ich zu, aufstellen (was viele Leute ja glauben machen zu müssen). Natürlich muss deine Freundin nicht vegan werden um gesund zu werden, ich wollte dir das nur empfehlen da ich von sehr vielen ehemals Essgestörten weiß, dass es ihnen sehr geholfen hat. :) 

Also ich hoffe ich konnte dir helfen und wünsche dir und deiner Freundin viel Glück! (Sorry für das lange Kommentar)

Antwort
von Seanna, 34

Sichere Zeichen kann nur ein Fachmann erkennen.

Aber speziell die Sache mit dem Baguette deutet SEHR darauf hin, da sich eine Anorexie vor allem im Denken und einer Körperschemastörung zeigt.

Würde mit ihr zu nem Psychotherapeuten gehen. Wenn Sie meint, sie ist gesund und verhält sich gesund, hat sie ja nichts zu befürchten.

Kommentar von domi89m ,

Danke, für deine Antwort. 

Wie kann man einen Menschen, der sich für gesund hält, überzeugen zum Therapeuten zu gehen? Wenn ich an mich selbst denke, würde ich wahrscheinlich auch nicht gehen. 

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