Frage von MrNiceDude, 97

Hat man es als ''Deutscher'' mit Migrationsvordergrund schwerer?

Ich spreche bewusst von Migrationsvordergrund, da man bei mir sofort erkennt, dass ich nicht aus diesem Land stammen kann :D Ich bin zwar hier geboren und besitze die deutsche Staatsbürgerschaft, aber sehe mich nicht wirklich als Deutscher, da mir dies auch viele Mitmenschen deutlich zu verstehen geben.

Ich habe erst kürzlich in der Schule eine Präsentation eines renommierten Journalisten gehört, der sagte, dass eine Person mit fremdländischem Erscheinungsbild und Namen es 10x schwieriger auf dem Arbeitsmarkt hat als eine Person mit einheimischem Erscheinungsbild und Namen. Stimmt das? Werde ich trotz eines (voraussichtlich) guten Abiturs eher eine Absage bekommen, als ein richtiger Deutscher mit einem Abi von 3,0?

Expertenantwort
von rotesand, Community-Experte für Kleidung, Auto, Mode, Schule, 15

Hallo!

Ich (m, 26) bin ein Deutscher mit "Migrationshintergrund" ------> bei mir erkennt man es aber nicht, dass es so ist, weil ich akzentfrei Deutsch spreche und auch optisch nicht aus dem Rahmen falle.

Bis in meine Realschulzeit hatte auch ich mit Intoleranz zu kämpfen bzw. damit, dass einige sich an meiner Herkunft aufstießen.. so fragten Eltern von Mitschülern offen in der 5. Klasse, "was denn der Jugoslawe auf der Realschule zu suchen hat" ------> damals war es nämlich Standart dass Kinder mit "Migrationshintergrund" auf der Hauptschule landeten... das war nur eine dieser "Episoden", von denen ich mehrere erzählen könnte^^ über die Jahre verwässerte es sich dann aber.. mir kam es so vor als hätten die Leute besseres zu tun als sich über meine Herkunft auszulassen. Auch die Russlanddeutschen, die oftmals mit deutlich feindseligeren Tönen "empfangen" wurden (dagegen waren die Sachen in meine Richtung noch beinahe harmlos) sind inzwischen integriert & fallen kaum noch auf. Aber es war 'nen langer Weg & von meinem Onkel (geb. 1964) weiß ich, dass es bei ihm damals noch viel schlimmer war und es einigen "urdeutschen" Eltern nicht gepasst hat, dass ihre Kinder mit "diesem Jugo" gespielt haben oder sich schlicht daran gestoßen haben, dass er überhaupt existiert hat und mit ihrem "urdeutschen" Nachwuchs in dieselbe Klasse ging (auch Realschule).

Zum 3er-Abi muss ich sagen, dass es da auch Deutsche schon schwer haben -------> unser Realschullehrer der 10. Klasse sagte, dass ein schlechtes Abi noch schlimmer sei als garkeins & den tieferen Sinn dahinter habe ich kapiert, als ich erstmals in der Firma in die Bewerberauswahl involviert wurde & mitentscheiden durfte, wer zu uns kommt.. Abi ist okay, wenn es besser als 2,5 oder auch 2,0 ist, ansonsten sind gute Realschüler die bevorzugtere Wahl. 

Aber ich weiß von Landsleuten oder auch meinen russlanddeutschen oder polnischstämmigen Freunden, dass das mit dem Namen trotz gleicher Leistungen tatsächlich hinkommt. Etliche Personaler lesen ausländisch klingende Nachnamen & legen das Heft schon zur Seite. Das ist halt auch so, weil's schlicht viele Vorurteile gibt.

Nette Anekdote hierzu --------> ich habe mir vor einigen JAhren mal den "Spaß" erlaubt die Mutter eines ehemaligen Mitschülers ganz locker zu fragen, was sie damals eigentlich gegen uns "Jugos" hatte & warum sie ständig gegen mich hetzte.. ihre Antwort war ein verschämtes Gestammel & offensichtlich hatte ich sie tief verletzt -------> aber es war so zu verstehen, dass sie eigentlich garkeinen stichhaltigen und erstrecht keinen persönlichen gegen meine Familie zielenden Grund hatte, sondern es schlicht unser "Anderssein" war & allgemeine Klischees von Osteuropäern die Runde machten, die ja angeblich alle semi-kriminelle Clans bilden, von der Stütze leben aber 'nen fetten Benz fahren & mit der Goldkette in der Vorhalle vom Einkaufszentrum rumstehen...! Genau deswegen ätzte sie dann rum.. auch weil se Angst hatte dass "die Albaner oder die Russen" ihr Auto klauen, ihre Kiddies verprügeln oder in ihr Haus einsteigen, weil die ja angeblich alle sooooo schlimm seien. Alles Unfug, sorry! Aber exakt daher rührt diese Art, dass es "Deutsche mit Migrationshintergrund" mitunter (nich immer) schwieriger haben!

Antwort
von ramay1418, 36

Was ist ein "richtiger" Deutscher? Groß, blond, blauäugig, zäh wie Leder, hart wie Kruppstahl? 

Dann wäre die Republik leergefegt. Es gibt keine "falschen" Deutschen; es gibt nur Leute mit der falschen Einstellung. Entweder man hat die Staatsbürgerschaft oder eben nicht. 

Soviel dazu. Was andere Leute einem zu verstehen geben, ist völlig irrelevant. Der deutsche Michel hat halt Angst vor Veränderung und vor Verlust des Arbeitsplatzes - was natürlich Quatsch ist. Aber der Michel lebt nun einmal lieber in seiner Reihenhaussiedlung mit den Gartenzwergen im Vorgarten. 

Daher Punkt drei: Deutschland ist zwar ein Land des Mittelstands, aber eben auch des Exports. Und keine Unternehmen, das etwas auf sich hält oder weltweit tätig ist, wird jemanden nach Aussehen, Geschlecht oder sonstigen unwichtigen Kriterien ablehnen, sondern immer nach Einschätzung der Leistung, der Schulnoten (bei Berufsanfängern) oder sonstigen, objektiven Kriterien einstellen. 

Ja, sei stolz darauf, ein Deutscher zu sein. Uns geht es gut und hier ist, verglichen mit dem großen Rest der Welt, das Arbeiterparadies. 

Solltest Du Bedenken haben, bewirb Dich bei Unternehmen der Hotelbranche, der Seefahrt, der Logistik, der Luftfahrt, also bei Firmen, deren Mitarbeiter/innen schon immer über den Rand der Erdscheibe hinausgeschaut haben. 

Antwort
von zehnvorzwei, 36

Hei, MrNiceDude, ja, ich denke, es ist so: Als deutlich erkennbarer Ausländer hat man´s - außer in den klassischen Einwanderungsländern - überall in der Welt sicherlich schwerer als "Eingeborene". Ein blonder, langgewachsener, blauäugiger Karl Meyer in untergeordneter Position an einer Maschine in Ägypten: Schwer vorstellbar.

Andererseits: Unser Arbeitsmarkt ist so "gestrickt", dass tüchtige Leute gefragt sind - unabhängig von Aussehen, Augenfarbe, Religion und Kultur; man muss - wenn man es zu etwas bringen will - gut sein in seinem Metier ... beispielsweise: sicherlich hat´s niemanden Cem Özdemir an der Wiege gesungen, dass er einmal ein führender deutscher Politiker würde.
Und so. Grüße!

Antwort
von Twitizen, 37

Du solltest an Deiner Geisteshaltung arbeiten. Wenn Du in Deutschland geboren bist und die deutsche Staatsbürgerschaft hast, dann BIST Du Deutscher, und zwar ein "echter", ob nun mit Hinter-/Vordergrund oder nicht. Und Du stammst auch aus diesem Land, selbst wenn das Deine Eltern/ Großeltern nicht ursprünglich tun.

Natürlich schützt Dich das nicht unbedingt vor Diskriminierung, wie Du ja scheinbar bereits erleben musstest - aber wenn Du verinnerlicht hast, dass Du kein "Deutscher zweiter Klasse" bist, gehst Du auch mit einem ganz anderen Selbstwertgefühl an den Arbeitsmarkt heran. Und nur mit einem gewissen Maß an Selbstwertschätzung kriegt man auch die guten Jobs. Andere werden schon versuchen, es Dir schwer zu machen, also mach es Dir nicht selbst auch noch unnötig schwer! :-)

Antwort
von mohiko, 2

Hier sind viele wichtige Aspekte schon angesprochen worden: 

  • Haltung: Wenn du dich als Deutscher fühlen willst, kann und darf dir das niemand absprechen. Das ist durchaus ein Thema, an dem du arbeiten kannst. Allerdings ist es auch ein bisschen egal, ob Deutscher oder nicht, bei der Auswahl einer passenden Person für einen Job sollte das keine Rolle spielen. Also, das ist die Haltung, die für dich wichtig ist: 
  • Passung zum Job und zum Arbeitgeber: Hier kannst du ganz aktiv schauen, zB bei Kununu.com und anderen Bewertungsportalen, welche Arbeitgeber offen sind und Diversity aktiv leben. Man muss sich nämlich in einem Unternehmen ziemlich damit auseinander setzen, wie man Diskriminierung entgehen kann. Das ist nämlich nicht so leicht. 
  • Diskriminierung: Ich habe nicht die genauen Zahlen im Kopf, aber eine Untersuchung anonymer Bewerbungen hat gezeigt, dass Menschen mit fremdländisch klingenden Namen mehr Chancen auf Vorstellungsgespräche haben, wenn man die Namen eben nicht sieht. (Geht übrigens Müttern auch so!) 
  • Also mein Tipp: Sei dir deiner Stärken bewusst, such dir die passenden Arbeitgeber und hau rein!

Viel Erfolg!

Antwort
von sualk2005, 29

Das ist natürlich knifflig, jeder Mensch hat so seine Prägung im Laufe seines Lebens erhalten. In Deutschland wird dieses Thema leider zu sehr thematisiert, um von den wirklichen Problemen abzulenken. 

Es kommt darauf an, an welche Personen du mit deiner Bewerbung gerätst. Noten sagen überhaupt nichts über die  Fähigkeit eines Menschen aus, leider auch so ein alter Zopf. 

Ich will nicht sagen, dass du es schwerer hast, ausser du glaubst daran. Wichtig bei einer Bewerbung ist, dass du von den 08/15 Bewerbungen hervorstichst. Ich meine von der Form der Bewerbung. Es muss bei den Verantwortlichen ein Aha-Effekt entstehen.

Und ob Journalisten renommiert sind bezweifle ich sehr stark, es herrscht ein gnadenloser Kampf um jede Zeile in der Presse und da kommen solche Sätze schon mal schnell "sensationsmaessig" rüber. 

Mach dein Abi, lass dich von den blassen Nasen nicht verunsichern und liefere eine Außergewöhnliche Bewerbung ab. (es werden sicher Ablehnungen kommen-aber nicht, weil du eine etwas gesündere Hautfarbe hast)

Viel Glück 

Antwort
von Kefflon, 35

Hängt vom Arbeitgeber ab.

Manche achten auf Leistung, andere auf das Äußere.

Also du wirst nicht über all benachteiligt werden. Aber es könnte vorkommen.

Antwort
von DerHans, 29

Das muss nicht unbedingt stimmen.

 Z.B. die Polizei, der Schuldienst oder auch die Bundeswehr sucht sogar verstärkt nach Bewerbern aus diesem Umfeld.

Antwort
von ArnoldBentheim, 10


... dass ich nicht aus diesem Land stammen kann :D Ich bin zwar hier geboren ...

Merkst du den eklatanten Widerspruch?  :-))



... aber sehe mich nicht wirklich als Deutscher, da mir dies auch viele Mitmenschen deutlich zu verstehen geben.

An deinem Selbstbewusstsein musst du noch arbeiten! Auch wirst du lernen müssen, dass "viele Mitmenschen" schlichtweg dämlich sind und ihren Vorurteilen mehr vertrauen als ihrem (Rest-)Verstand. Du solltest sie dir nicht zum Vorbild nehmen und genauso reagieren.  :-)

Werde ich trotz eines (voraussichtlich) guten Abiturs eher eine Absage bekommen, als ein richtiger Deutscher mit einem Abi von 3,0?

Was ist denn "ein richtiger Deutscher"? Ist denn z. B. ein dämlicher "Mitmensch" mit geringem Restverstand "ein richtiger Deutscher"? Du hast ein seltsames Deutschenbild - das ist allerdings ein Problem, das du selbst lösen musst! 

Was deine berufsperspektivische Frage angeht: du wirst, wie die Mehrheit der "richtigen Deutschen", im Laufe deines Lebens unweigerlich an dumme, weniger dumme und intelligente Personalchefs geraten. Du musst wie jeder andere Deutsche lernen, damit umzugehen.

MfG

Arnold


Antwort
von schelm1, 35

Naja so doll ist das mit 3,0 nun auch wieder nicht! Da lobt man sich doch den mit 1,0!

Der Journalist hat vielleicht etwas zu lange im Ausland gelitten!?!

Kommentar von MrNiceDude ,

nein ich bekomme einer 2,x Schnitt und habe mich mit einem Deutschen mit 3,0 verglichen :D

Kommentar von schelm1 ,

2er-Schnitt  ist für eine Bewerbung immer gut!

Antwort
von Habnefrage147, 35

Das kommt ganz auf den Arbeitgeber an.

Antwort
von ugurano22, 6

wenn du dich normal verhäßst ist alles okay,

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