Frage von esaeraha2, 114

Hat jemand von euch mal Schweizerdeutsch gelernt?

Mich würde interessieren ob diese Sprache schwer ist, also von der Grammatik? Ist sie dem "Deutsch" wirklich so ähnlich?

Antwort
von maxi6, 22

Schwiizertütsch ist ne eigene Sprache mit eigener Grammatik und ist "dem" Deutsch nicht ähnlich, weil ja auch in Deutschland verschiedene Dialekte sprochen werden.

Schweizer lernen in der Schule schriftdeutsch, aber reden meist, wie ihnen der Schnabel gewachsen ist und je nachdem woher der Schweizer kommt, natürlich auch mit verschiedenen Dialekten oder sogar Sprachen.

Ich bin der Meinung, dass man Schweizerdeutsch nicht richtig lernen kann, aber man gewöhnt es sich mit der Zeit einfach an. Jedenfalls war das bei mir so.

Allerdings merken die meisten Schweizer, dass man keine echte Schweizerin ist, weil die Sprachmelodie oder der Tonfall nicht stimmt.

Heute spreche ich Schweizerdeutsch nur mit meinem Mann und wenn wir zu zweit alleine sind, denn keiner unserer Nachbarn würde uns hier verstehen, auch wenn die meisten unserer Nachbarn (Kroaten und Österreicher) über den Winter in Deutschland oder Österreich leben, Schweizerdeutsch ist für sie genauso ne Fremdsprache wie es am Anfang für mich war.

 

Antwort
von plato, 46

Mir kräuseln sich die Fussnägel wenn ich lese, dass Schwiizertüütsch keine Grammatik hätte... Natürlich gibt es eine Grammatik, ohne Grammatik ist jede Sprache komplett unverständlich. Die Grammatik besteht ja nicht aus der Orthographie, denn in der Tat kann man Schwiizertüütsch so schreiben, wie man es für richtig hält.

Allerdings gibt es für Sprachwissenschaftler ganz genaue Vorgaben, wie was geschrieben wird. Aber dem allgemeinen Publikum sind diese nicht bekannt und sie sind auch nicht nötig - es ist ungeheuer kompliziert.

Aber unsere Sprache wird nicht in der Schule gelehrt, somit glauben die Leute, es gäbe keine Grammatik. Die Deutsche Grammatik müssen wir ja mühsam lernen, für uns ist das schwierig und das prägt ungemein.

Wir haben z.B. nur zwei Zeiten, Präsens und Perfekt. In den meisten unserer Dialekte fehlt auch z.B. der Akkusativ, so dass auch die Fälle einfacher zu lernen sind. Die Satzstellungen sind anders als im Deutschen, viele Worte fehlen, dafür haben wir eine ganze Menge andere.

Allerdings, und das wurde hier schon erwähnt, gibt es "das Schwiizertüütsch" nicht, da wir unzählige Dialekte sprechen. Das, was wir unter Schweizerdeutsch verstehen, sind Dialekte des Hochalemannischen und des Höchstalemannischen, dazu kommt noch das Baaseltiitsch, das zum Niederalemannischen gehört. 

Es gibt Sprachkurse, mit denen man Schwiizertüütsch lernen kann. Dies ist dann oft ein stark neutralisiertes Züritüütsch, also der Dialekt von Zürich. Mit etwas Aargauerisch. Oder so. Kommt wohl auf den Kurs an.

So oder so - wir werden es immer raushören, dass es nicht Deine Muttersprache ist, weil die Sprachmelodie eine ganz andere ist. Aber ich finde es toll, wenn jemand unsere Sprache lernen möchte. Und ich kenne einige Deutsche, die sprechen Schwiizertüütsch wirklich erstaunlich gut und praktisch akzentfrei. Es ist möglich!

Kommentar von esaeraha2 ,

Dieser Text war sehr hilfreich. Ich danke dir  :)
Mir gefällt halt die Sprache. Ich bin mir sicher ich lern die Sprache nicht so schnell das man sagen kann "das klingt schon fast wie deine Muttersprache"
Aber man wird ja immer besser. Und irgendwie wird man immer bei mir erkennen das dies nicht meine Muttersprache ist, da bin ich mir ziemlich sicher. Aber wenn ich es für meine Verhältnisse gut kann, dann wäre ich überglücklich. Ich kenne kaum so eine schöne Sprache! :)

Kommentar von esaeraha2 ,

Und wie meinst du das damit das ihr kein Schweizerdeutsch in der Schule lernt? Habt ihr keinen extra Gegenstand dafür, so wie wir für Deutsch (was meine Muttersprache ist)? Wäre lieb wenn du mir das erklären könntest.

Kommentar von plato ,

Schulsprache ist Standarddeutsch. Allerdings wird sehr oft in Fächern wie Turnen oder Zeichnen dann eben doch Schweizerdeutsch gesprochen. Aber eigentlich findet der Unterricht in der Standardsprache statt. 

Wir lernen somit Schweizerdeutsch einfach mal mündlich, weil wir es ja immer und überall und in allen Bevölkerungsschichten sprechen. Offiziell wird Schweizerdeutsch nicht schriftlich verwendet, es gibt einige wenige Schriftsteller, die in dieser Sprache schreiben. Auch erscheint die Gratis-Zeitung "Blick am Abend" einmal im Jahr komplett auf Schwiizertüütsch, was immer sehr lustig ist.

Seit einigen Jahren hat es sich aber immer mehr eingebürgert, dass informelle Texte wie SMS, E-Mails oder auch private Briefe auf Schwiizertüütsch geschrieben werden. 

Da es aber keine offizielle Schriftsprache gibt, unterscheidet sich praktisch jede Schreibweise von der anderen. Ich kann z.B. "ech", "ich", "eeg", "eg" oder "ig" geschrieben werden, je nach Dialekt des Schreibers. Deshalb kann es nicht gelehrt werden.

Die korrekte Rechtschreibung für das Alemannische, wie sie von Sprachforschern verwendet wird, ist sehr kompliziert, da wir sehr viele offene und geschlossene Vokale verwenden, die genau bezeichnet werden müssen, um die Aussprache im jeweiligen lokalen Dialekt präzise abzubilden. Dies wird mit verschiedenen Accents bewerkstelligt.

Natürlich braucht niemand von uns diese Accents, weil wir die gar nicht korrekt anwenden könnten - wir sind ja keine Sprachwissenschaftler.

Und so schreibt eben jeder so, wie er es für richtig hält. Deshalb sind Schweizerdeutsche Texte manchmal etwas schwer verständlich... Deshalb sind alle offiziellen Texte, alle Zeitungen und Bücher eben in Standardsprache abgefasst.

För mech isches au veu müesamer, uf schwiizertüütsch z'schriibe, well ech mier immer überlegge muen, wien ech jetz das oder dises wott schriibe, drmit dr ander s'verschtooht. Ond das es äbä doch min eigete dialäkt bliibt.

Antwort
von goSurf, 55

Grammatikalisch gesehen ist schweizerdeutsch einfach.
Wir haben nämlich keine Regeln. Nur verständlichkeit ist vorausgesetzt. Schwer nur die verschiedenen Randausdrücke-Spezielleren wie Bänz, Anke etc.

In der Korrespondenz wird aber auch das Schriftdeutsch mit den Regeln des Deutschen Duden verwendet. (Wie ihr das Lernt.)

Schweizerdeutsch schreiben ist nur bei zB den SMS der fall.

Kommentar von swissss ,

http://www.forums9.ch/sprachen/Rosetta.htm

Mym Bueb sy Hosesagg

in 30 verschiedenen Schweizerdialekten 

Antwort
von NocturnalGod, 41

Schweizerdeutsch hat eigentlich keine Grammatik, du kannst Gross-/Kleinschreiben, statt sch nur sh etc.

Im Gegensatz zum normalen Deutsch gibt es halt Wörter die es nur im Schweizerdeutsch gibt. Ähnlich ist es schon aber kommt auch drauf an in welcher Gegend es gesprochen wird. Gibt Dialekte, welche nichtmal Schweizer selber verstehen.

Antwort
von green91, 25

Nei das isch im fau garnid so schwär! Ds chame guet  üebe weme mit steigen zäme isch wo o so rede. aber es git sehr sehr viu verschitnigi Dialekte. Mi cha o Bücher chufä wo eso gschribe si.

Antwort
von swissss, 34

Es gibt kein "Schweizerdeutsch" jede Region hat seinen eigenen Dialekt und  viele eigene Wörter.

Kommentar von swissss ,

Beispiel Wähe; Basel.  Flade; Appenzell, St. Gallen. Tünnele; Schaffhausen. Turte; Graubünden. Chueche; Bern. usw usw

Kommentar von swissss ,

Knabe = Bueb oder in Bern Giel

Antwort
von Grammatikus, 20

Der Begriff "Schweizerdeutsch" wird für das deutschschweizerische Standarddeutsch wie auch als untauglicher Oberbegriff für die 26 sehr unterschiedlichen deutschschweizerischen Dialekte verwendet. 

Was man damit meint, wird nie erklärt. 

Die Unklarheit ist vorprogrammiert, wie man in den Antworten in diesem Forum sieht. Deshalb ist Deutschen von der Verwendung des Begriffs "Schweizerdeutsch" abzuraten.

Kommentar von plato ,

26 Dialekte? Wie kommst Du denn auf diese haarsträubend kleine Zahl? Wegen der Kantone? Da hätten wir aber schon mal GE, NE, JU und VD abzuziehen, die nur Französisch als Amtssprache haben, sowie das TI mit Italienisch. Dann blieben also nach Deiner Theorie noch 21.

In der Tat sind es aber unzählige Dialekte, die in einem Dialektkontinuum von Ost nach West und von Nord nach Süd aneinandergereiht sind. Früher konnte ein Einheimischer sogar die Dialekte zweier Nachbardörfer voneinander unterscheiden!

Der grösste Teil der in der Deutschschweiz gesprochenen Dialekte sind in der Tat Dialekte des Hochalemannischen, in den Bergen werden teilweise Höchstalemannische Dialekte gesprochen und in der Region Basel sind es Niederalemannische Dialekte. Und in Samnaun wird, als einzige Gemeinde in der Schweiz, ein Bairischer Dialekt gesprochen, weil die Gemeinde lange Zeit nur schwer von der Schweiz her erreichbar war.

Aber ich gebe Dir Recht: Der Begriff "Schweizerdeutsch" verwirrt etwas. Es wird aber generell als Oberbegriff verstanden für die in der Deutschschweiz gesprochenen Dialekte der Alemannischen Sprache. Das Schweizer Standarddeutsch ist dann ja wieder was anderes...

Antwort
von Grammatikus, 19

Der Begriff "Schweizerdeutsch" wird für das deutschschweizerische Standarddeutsch wie auch als untauglicher Oberbegriff für die 26 sehr unterschiedlichen deutschschweizerischen Dialekte verwendet. 

Was man damit meint, wird nie erklärt. 

Die Unklarheit ist vorprogrammiert, wie man in den Antworten in diesem Forum sieht. Deshalb ist Deutschen von der Verwendung des Begriffs "Schweizerdeutsch" abzuraten.

Antwort
von xo0ox, 12

Ich kenne Deutsche die es gelernt haben, ja ist dem Deutschen sehr ähnlich (haben den selben Ursprung)

Einzig gibt es keine Rechtschreibung im Schweizerdeutschen, du kannst Wörter so schreiben wie du es für richtig empfindest. (klar sind die meisten Worte auch hier fast wie im Deutschen geschrieben.)

Antwort
von S20000, 20

Schweizerdeutsch ist einfach ein Dialekt vom Deutsch. Keine Sprache mit klare Grammatikregeln oder so, ist von Kanton zu Kanton unterschiedlich.

Kommentar von plato ,

Schwiizertüütsch ist eine Sammlung von Dialekten der Alemannischen Sprache (ISO 639-3-GSW), welche wiederum ein Teil des Westoberdeutschen ist. Dieses ist dann Teil des Oberdeutschen und das dann des Hochdeutschen. Deine Antwort ist also etwas allzusehr vereinfacht...

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