Hat jemand von euch gestern auf 3sat den „Parsifal“ aus Bayreuth gesehen und wie fandet ihr die Aufführung?

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1 Antwort

Ich habe es gesehen (und gehört). Ich fand es überwiegend gut.

Den Parsifal habe ich schon mehrfach gesehen (und gehört), unter anderem in Stuttgart. Das Werk ist sehr interessant, aber auch sehr schwierig.

Die Stelle ("hier wird zum Raum die Zeit") habe ich auch gut in Erinnerung, Wagner ist manchmal sprachlich schon genial (jedoch sollte man nicht Wolfram von Eschenbach vergessen, und das noch ältere, keltische Vorbild des Parsifal-Stoffes, der ja auch mit der Artusthematik und damit auch mit dem "Lohengrin" zusammenhängt). Auch sind Zusammenhänge mit "Tristan und Isolde" nicht ganz zu verleugnen.

Wagners Musik ist zumeist langsam, auskostend, psychologisch ausleuchtend, er verzichtet hier (im Gegensatz zu jüngeren Jahren) auf musikalische "Effekte". Der "Karfreitagszauber" ist ein Beispiel für die wundervolle Zurückhaltung Wagners, dessen Musik immer ganz nah bei der Psychologie der Figuren auf der Bühne ist.

In der Inszenierung fand ich die Idee mit dem Grün und dem Wasser gut. (Allerdings fand ich die "Riesenpflanze" etwas deplatziert, aber das ist nur ein Detail). Auch die Leute, die zum Karfreitagszauber auf die Bühne kamen, fand ich passend.

Manchmal war mir die Bühnensymbolik etwas zu viel (Kundry bekommt von Gurnemanz etwas aus einem Kühlschrank, aber auch das ist nur ein Detail). Aber insgesamt war es eine gute Aufführung (besonders gefiel mir der "Gurnemanz" - jedoch war auch der Parsifal gut, Kundry ebenso).

Selbst Debussy (der ja eigentlich kein "Wagnerianer" war, und der die Handlung etwas seltsam fand) lobte den 3.Satz.

Ich selber liebe ja "spartanische" Aufführungen. Nur das Nötigste auf der Bühne (kein Schnickschnack). Aber für gut gemachte Symbolik bin ich schon zu haben (zumeist ist es in dieser Parsifal Aufführung gelungen).  

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