Ich habe einen Bericht über einen Therapie-Robotor bei Altersdemenz gesehen. Hat da jemand mehr Infos zu?

Japan leidet wie die meisten Industrienationen unter Vergreisung. Bis zum Jahr 2050 wird ein Drittel der Einwohner über 65 Jahre sein. Roboter zur Pflege und Betreuung der alten Menschen einzusetzen, wird in Japan als Lösung gesehen.
Nicht zuletzt entsteht so ein riesiger Markt. Allein im Pflegebereich sollen bis 2010 Roboter im Wert von einer Milliarde Euro ihre Aufgabe finden. Auch Paro ist einer von ihnen. Die Robbe ist der bislang erfolgreichste Therapieroboter der Welt. Er reagiert auf Ansprache, wird getätschelt und gekämmt. Er ist wie ein Haustier, macht aber keine Arbeit und keinen Dreck. Gerade in Krankenhäusern und Therapiezentren, in denen strenge hygienische Vorschriften herrschen, ersetzt Paro das Kuscheln mit dem Hund oder Katze.

http://www.taz.de/pt/2005/11/18/a0194.1/text: Nachmittags um drei, Zeit für die Spieltherapie. Krankenpflegerin Noriko hält ein weißes Büschel Tiere unter den Armen, legt sie auf den Tisch und drückt am Bauch auf einen Knopf, den Betriebsschalter. Paro heißen die Plüschroboter, die das Institut für intelligente Systeme aus Tsukuba entwickelt hat. Sie sind einer Ringelrobbe nachempfunden, vier Kilo schwer, mit flauschig weißem Kunstfell, großen schwarzen Augen und langen Wimpern. Paro spielt mit Seniorinnen und Senioren und brachte es als Therapieroboter ins "Guinness-Buch der Rekorde".
Eine zweite Betreuerin schiebt fünf Seniorinnen in Rollstühlen in den Aufenthaltsraum. Noch liegen die Robben regungslos auf der Tischfläche. Eine alte Frau tätschelt Paro sanft auf den Kopf. Seine Augen schielen nach oben, und er stößt ein wohliges Gurren aus. "Ein Zeichen, dass er zufrieden ist", lächelt die Patientin. Sie umklammert den Kopf der Roboter-Robbe mit beiden Händen und küsst wieder und wieder die schwarze Plastiknase. "Ist er nicht süß?", freut sich die 90-Jährige.
Eine andere hält die Pfote eines zweiten Tiers. Paro macht anmutige Bewegungen, dreht den Kopf nicht ruckartig wie die Roboter der ersten Generation, einzig die Flosse steuert etwas hölzern. Eine zweite Frau im Rollstuhl beobachtet die Szene, sitzt regungslos da. Schwester Noriko bringt ihr ein Tier. Die Frau streichelt es mit dem Zeigefinger. Ungeachtet der charmanten Lockrufe Paros scheint sie sich zu ängstigen.
Merken die Patientinnen, dass Paro ein Kunstprodukt aus Sensoren und Polyesterfell ist? "Das hängt von der Tagesform ab", sagt Schwester Noriko. Selbst wenn sie realisierten, dass sie mit einer Maschine spielten, seien die Heimbewohnerinnen nach der Therapie zufriedener, entspannter, glücklicher.