Frage von Isaak9, 101

Hat jemand gute Erfahrungen mit einer Hypnosetherapie bei einer Posttraumatische Belastungsstörung?

Hab mich da mal erkundigt, hört sich sehr spannend an. Da werden die negativen Gefühle (die infolge einen Leidensdruck verursachen) von Gedanken an ein traumatisches Erlebnis abgekoppelt. Dieser Vorgang ist logisch nachvollziehbar und ich glaube, dass diese Therapieform Nachhaltigkeit verspricht.

Antwort
von nnblm1, 86

Die Hypnosetherapie ist ein effektives Verfahren bei vielen Störungen, benötigt aber eine gute Beziehungsarbeit vorab und eine gute Vertrauensbasis zwischen Klient und Therapeut.

Kommentar von Isaak9 ,

Wie hoch stehen die Erfolgschancen, wenn diese Vertrauensbasis gegeben und der Klient die entsprechende Motivation mitbringt ? 

Kommentar von nnblm1 ,

Das ist von vielen Faktoren abhängig - Art des Traumas, Schwere der Störung, Retraumatisierung(smöglichkeit), individuelle Faktoren sowohl bei Therapeut als auch beim Klienten. --> Also sowas wie eine Prozentzahl hier zu nennen wäre unseriös. 

Ich würde sagen, dass die Chancen gut stehen, eine erhebliche Verbesserung zu erzielen.
Das bedeutet nicht, dass das Trauma dabei vergessen wird, dass es ist, als wäre das nie passiert - also Vorsicht vor falschen Heilserwartungen.

Kommentar von Isaak9 ,

Ich erhoffe mir dadurch eine unpersönliche Sicht, auf das traumatische Erlebnis. 

Kommentar von nnblm1 ,

Ich bin nicht sicher, ob das erreicht werden kann. Aber zumindest eine distanziertere Sicht sollte möglich sein. Besprich dich mit deinem Therapeuten und sprich auch über deine Erwartungen udn Wünsche. Ein seriöser Therapeut wird dir  keine unmöglichen Heilsversprechungen machen.

Alles Gute!

Expertenantwort
von DottorePsycho, Community-Experte für Hypnose & Psychologie, 28

Leider kann ich nur aus Therapeutensicht berichten. :-)

Hypnosetherapie ist DIE ideale Methode, um unerwünschtes Denken, Handeln oder Fühlen durch erwünschtes zu ersetzen. Dies gilt in gleichem Maße auch für PTBS.

Da werden die negativen Gefühle (die infolge einen Leidensdruck
verursachen) von Gedanken an ein traumatisches Erlebnis abgekoppelt.

Das könnte man tatsächlich so oder so ähnlich formulieren. Die Erinnerung an das trauma-auslösende Ereignis wird also nicht gelöscht (was auch gar nicht möglich wäre) oder im Zugang erschwert, sondern mit einer weniger dramatischen Bedeutung verknüpft. Dies funktioniert sowohl bei solchen trauma-auslösenden Ereignissen, die bei näherer Betrachtung und aus der Sicht eines Erwachsenen tatsächlich gar nicht traumatisch erscheinen, aber vielleicht vor vielen Jahren mit kindlichem Verstand wahrgenommen und dramatisch interpretiert wurden, als auch bei wirklichen "Dramen", wie z.B. persönlichen Verlusten, schweren Unfällen, Vergewaltigungen etc.

Die Aussichten auf Besserung oder Heilung sind ausnehmend gut. Eine Kontra-Indikation liegt nicht vor.

Antwort
von 8tung, 10

Hallo Isaak,

Hypnotherapie hat extrem viele verschiedene
Formen. Es gibt Formen der Hypnotherapie, die besonders für PTBS
geeignet sind: Stabilisierende Imaginationen wie der Sichere Ort oder
der Innere Tresor sind heute Standard auch außerhalb der
eigentlichen Hypnotherapie.

Insbesondere die Ego-State-Therapie als Verbindung
von der Arbeit mit (insbesondere verletzten) inneren Anteilen und
Hypnotherapie ist ausgesprochen hilfreich. Sie erlaubt es, die durch
Trauma-Erfahrungen sozusagen zum Trauma-Zeitpunkt eingefrorenen
Empfindungen weiterzuentwickeln und zu verarbeiten.

Das bei der Teiletherapie-Tagung letztes Jahr 1650
Teilnehmer nach Heidelberg kamen, überwiegend approbiert oder mit
Heilerlaubnis, spricht für die Bedeutung dieser Therapieform. Dabei
geht die neueste Entwicklung dahin., auch Techniken und Erfahrungen
der Somatic Experience (Peter Levine) zu integrieren.

Denn Körpererinnerungen spielen bei der
Traumheilung generell eine wichtige Erinnerung. Das zeigt sich unter
anderem  an der Bedeutung körperlicher Störungen, die mit dem
Trauma verknüpft sind.

Eine gute Therapie sollte also Denkhirn
(präfrontaler Kortex), Gefühlshirn (insbesondere limbisches System
mit Amygdala) und Stammhirn (mit seinem sehr direkten Einfluss auf
Körperfunktionen) gleichermaßen ansprechen.

Ein Beispiel dafür ist die moderne
Ego-State-Therapie. Dabei gilt natürlich: Viele Wege führen nach
Rom. (Die einen schneller, die anderen langsamer - und andere führen
sonstwohin.)

Und generell für die Psychotherapie: Wer nur
einen Hammer hat, läuft Gefahr, die ganze Welt für einen Nagel zu
halten. (Abram Maslov)

LG 8tung

Expertenantwort
von Buddhishi, Community-Experte für Psychologie, 38

Hallo Isaak9,

ja, habe als Therapeutin sehr gute Erfahrung mit Hypnose gemacht. Du hast Recht, sie ist nachhaltig.

LG

Kommentar von DottorePsycho ,

Herzlichen Glückwunsch zum neuen Experten-Status! :-)

Kommentar von Buddhishi ,

Danke :)

Antwort
von Triochrio, 49

Würde ich in Kombination mit EMDR bzw. Wingwave oder auch Brainspotting verwenden, da diese eher zur Traumabehandlung geeignet sind.

Antwort
von schloh80, 52

Hypnosetherapie bei PTBS ist gem. Wissenschaftlichem Beirat Psychotherapie kontraindiziert (Hypnose als solche ist nur als Entspannungsverfahren anerkannt). Somit wird das zumindest nicht von der Krankenkasse bezahlt (höchstens als alternative Privatleistung). Für empfehlenswert halte ich persönlich das vor dem Hintergrund auch nicht.

PTBS ist eine Störung, die im gesamten Kontext zu sehen und zu behandeln ist. Insofern wird eine Psychotherapie bei Vorliegen zahlreicher Bedingungen von Krankenkassen übernommen. Eine alleinige Fokussierung auf die PTBS (z.B. Traumatherapie) insofern im ambulanten Bereich aber nicht. Im Rahmen einer Richtlinien-Psychotherapie dürfen aber in Abschnitten der psychotherapeutischen Behandlung traumatherapeutische Methoden eingesetzt werden (dies ist gutachterpflichtig!). 

Kommentar von Isaak9 ,

Empfehlen kann man mir immer. Bin genauso ein Mensch, wie jeder andere auch und kann selbst beurteilen, was mir gut tun könnte. Die eigentliche Frage, bezog sich ganz konkret auf  Erfahrungen von Betroffenen und/oder Therapeuten.  

Kommentar von DottorePsycho ,

Hypnosetherapie bei PTBS ist gem. Wissenschaftlichem Beirat
Psychotherapie kontraindiziert (Hypnose als solche ist nur als
Entspannungsverfahren anerkannt). 

Hypnosetherapie ist bei PTBS weder kontraindiziert, noch ist Hypnosetherapie ausschließlich als Entspannungsverfahren anerkannt.

Korrekt ist, dass Hypnosetherapie seitens des psychologischen Beirats bei PTBS als Therapiemethode nicht anerkannt ist und von den Kassen auch nicht bezahlt wird. Die Tatsache der Nicht-Anerkennung hat jedoch keinerlei Aussagekraft hinsichtlich der Wirksamkeit von Hypnosetherapie bei PTBS. Zum einen gibt es immer eine Phase VOR der Anerkennung, in der eine Therapiemethode ja trotzdem schon wirksam ist; die Wirksamkeit setzt ja nicht mit dem Akt der Anerkennung ein - sie ist hiervon völlig unabhängig. Zum anderen sind die gängigen Zulassungsverfahren gerade bei der Hypnosetherapie völlig ungeeignet, weshalb dieser Prozess so langwierig und bisweilen unmöglich gemacht wird.

Aus der Nicht-Anerkennung eine Kontraindikation abzuleiten, wäre grundfalsch.

Kommentar von schloh80 ,

Sorry, aber das Anerkennungsverfahren wurde ja von verschiedenen Hypnotherapieverbänden beauftragt, dann vom WB durchgeführt und dann ja wegen der Unwirksamkeit gescheitert.

Kommentar von DottorePsycho ,

Nein, nicht wegen der Unwirksamkeit, sondern wegen der Undurchführbarkeit gemäß der Vorgaben.

Versuche Dir doch mal  - nur so aus Sch**ß - eine Blind- oder Doppelblindstudie im Bereich der Hypnosetherapie vorzustellen!

Ein anderer Knackpunkt ist die Gleichmachung zwecks Vergleichbarkeit; es ist absoluter Unsinn zu versuchen, zwei Patienten methodisch über einen einzigen Kamm zu scheren. Und genau das wird bei den Versuchsanordnungen gemacht; da wird jeder "Patient" auf die gleiche Art hypnotisiert - völlig unabhängig von seiner Struktur - und die Suggestionen kommen vom Band, damit sie auch ja identisch sind. Ansatzweise funktioniert das nur im Bereich der hypnotischen Raucherentwöhnung; hier erzielen wir eine Quote von ca. 50% nach einem halben Jahr. Wenn ich die nahezu gleiche Arbeit in meiner Privatpraxis mache, mir dabei aber erlaube, auf individuelle Bedürfnisse meines Patienten einzugehen, erreiche ich eine Quote von über 90%.

Kommentar von schloh80 ,

Sorry, aber hier erübrigen sich Diskussionen. Du hast das Verfahren der Prüfung durch den WB nicht verstanden. 

Doppelblindstudien werden in der Psychotherapieforschung generell nicht durchgeführt und werden (entsprechend) auch nicht vom WB verlangt. Dessen ungeachtet, ist das Verfahren des WB bereits wesentlich klinischer orientiert (klinisch-anwendungsorientierter), als z.B. Beurteilungen von wissenschaftlichen Verbänden (wie z.B. der DGPs). 

Das von den Hynotherapieverbänden (die das Prüfverfahren ja kennen und entsprechend für die Belege verantwortlich sind) initierte Verfahren (niemand hat die Verbände dazu gezwungen) konnte nunmal nur eine Unwirksamkeit und Kontraindikation feststellen. Punkt.

Kommentar von DottorePsycho ,

Die Doppelblindstudien habe ich erwähnt, weil sie von psychologischen Laien mit Besserwisser-Gehabe gerne mal eingefordert werden als "Beweis". Mir persönlich ist klar und bekannt, dass sie hier nicht relevant sind.

Die Prüfverfahren sind den Verbänden bekannt - das ist korrekt. Sie sind aber unsinnig im Bereich der Hypnotherapie. Und da die Verbände keine Wahl haben, weil sie die Prüfverfahren nicht ändern können, ist es schon zynisch zu sagen, dass sie niemand gezwungen hätte.

Fakt ist, dass die Hypnotherapie überaus wirksam ist im Bereich der PTBS - unabhängig von ihrer Anerkennung durch den WB. Punkt.

Kommentar von BlackRaven88 ,

schloh80 es ist offensichtlich, dass du keine Ahnung von Hypnose und der Wirkung hast, noch von PTBS.... 

Es gibt definitiv keine Kontraindikation in Bezug auf PTBS und Hypnose ;-)

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