Hat Hitler einen politischen Vorteil aus der Judenverfolgung gezogen, oder war das purer Wahnsinn?

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11 Antworten

Judenhass war schlicht und ergreifend Bestandteil der gutbürgerlichen Weltanschauung. Rechte Parteien mussten gleichzeitig auch antisemitisch sein, sonst wären sie gar nicht für voll genommen worden!

Antisemitismus ist ja auch keine Erfindung der Nazis, sondern wurde erstmalig von Bismarks Conservativer Partei im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts zu einem Bestandteil des Parteigrogramms gemacht.

In der Folgezeit wurde dieser Faden von jeder rechten Gruppierung aufgegriffen und verfolgt.

Die Nazis zeichneten sich noch nicht einmal gegenüber solchen Konkurrenten durch die angedeutete Radikalität des Vernichtungswillens jedweden jüdischen Lebens aus. "Die Ausrottung des Judentums" proklamierten viele - diie Nazis lediglich am glaubwürdigsten...

Zu den finanziellen und sozialpolitischen Vorteilen der Judenvernichtung für die deutschen Volksgenossen kannst du dich mal in die Arbeiten von Götz Aly und deren Diskussion einlesen.

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Kommentar von NoTrolling
11.10.2016, 19:33

Wow, faszinierend! Danke, nicht zuletzt für die Literaturempfehlung!

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Kommentar von TUrabbIT
25.11.2016, 18:10

auch die jüdische Weltverschwörung ist nicht von den Nazis erdacht worden, sondern stammt aus Russland zur Zaren Zeit. Dort wurden die vermeintlichen Protokolle der Weisen von Zion erdacht und verbreitet, doch auch das war mehr eine Vermischung bestehender Vorurteile und Ideologien

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Es gibt mehrere Ansätze, daraus auch politische Vorteile zu ziehen: Das Vermögen der Verfolgten kann zum Beispiel staatlich eingezogen werden oder ungestraft auf die Systemanhänger übertragen werden. Und natürlich wird eine von der Ausgrenzung überzeugte Restgesellschaft durch angeblich notwendigen Kampf gegen die "Volksschädlinge" zusammengeschweißt (Benennung eines Sündenbocks, gegen den sich der Zorn richten kann).

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Kommentar von NoTrolling
11.10.2016, 15:32

Aha, also offensichtlich auch finanzielle Aspekte..

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Kurzfristig gesehen hatten zumindest Anhänger von ihm Vorteile davon. Ich sage nur: Arisierung von Betrieben.

Langfristig war es eine Katastrophe. NIcht nur für die Juden selbst natürlich, sondern auch für Deutschland als Ganzes. Die intelligentesten Köpfe, große Künstler, etc.. wurden vertrieben oder umgebracht. Einstein z.B. ging ins Exil.

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Ohne damit jetzt Vorurteile bedienen zu wollen, war es tatsächlich so, dass die wenigsten Juden in Europa arm waren. Die meisten gehörten gut situierten Mittelschichtmilieus an und konnten dementsprechend auch einiges in die Volkswirtschaft einbringen. Sie zu enteignen und als Zwangsarbeiter bis zum Tod schuften zu lassen, brachte zum einen eine ganze Menge Geld für die Kriegskasse und zum anderen billige Arbeitskräfte, die weder großartig Essen noch Kleidung oder Unterkünfte brauchten, die man einfach zu Tode schinden konnte.

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Kommentar von NoTrolling
11.10.2016, 15:33

Schrecklich...

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Kommentar von Karl37
11.10.2016, 17:38

Das ist ein Vorurteil und ein sehr falsches obendrein.

Den Juden war schon immer ein Landbesitz untersagt, daher gab es keine jüdischen Bauern. Die mächtigen Zünfte duldeten auch keine Juden, daher blieb von einigen Ausnahmen, der Mehrheit der Juden nichts anders übrig mit, was man als Nothandel bezeichnete, das Überleben zu sichern.

Die jüdischen Familien erkannten aber im 19. Jh. sehr bald die Notwendigkeit der Bildung, daher stieg der Anteil jüdischer Studenten rapide an und das unter schwersten finanziellen Entbehrungen der Eltern/Großeltern . So kam dann in den 20er Jahren die Mär auf Politik und Wirtschaft sei in jüdischer Hand.

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Kommentar von voayager
11.10.2016, 18:41

Soeren,schon mal falsch, denn die meisten Juden Osteuropas waren regelrecht arm. Sie lebten ihr kümmerliches Leben in den Städtls.

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Es war ja nicht so dass Juden grundsätzlich Obdachlose oder sonstwie bedürftige waren, die dem Staat irgendwie auf der Tasche gelegen wären. Sie haben auch nicht mit irgendwelchen Ideologien um sich geworfen, die Hitler nicht gepasst hätten. Das waren ganz normale Leute, Bibliothekare, Ärzte, Taxifahrer. Vor allem angesichts dessen, dass er dann diese schwachsinnigen Ariertests eingeführt hat, die auch Nichtjuden das Leben gekostet haben, kann ich nur sagen der Mann war völlig durch im Oberstübchen. Viele Psychopaten machen ja am auf den ersten Blick einen ganz vernünftigen Eindruck.

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Kommentar von NoTrolling
11.10.2016, 15:38

Auch ein Psychopath handelt nach bestimmten logischen Konzepten. Nur fehlt einfach das Einfühlungsvermögen. Aber ja, Hitlers Realität war ziemlich abstrus.

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Rein spieltheoretisch: kurzfristig Vorteile durch Enteignung und Kanalisierung negativer Potenziale in der Bevölkerung, langfristig Nachteile durch Imageschaden, Schaffung mindestens einer geschlossenen Front gegen sich, nälich die der Juden in der Welt, aber eigtl. auch vielen Anderen, die so ein drastisches Vorgehen nicht billigen würden.

Das war also ein Spiel das aus der Sicht des Spielers Hitler nur zu gewinnen war wenn er kurzfristig alle Ziele erreichen würde. Nur "dummerweise" müsste er dafür wirklich nahezu die Welt erobern und sie mit KZs zubauen. Wenn er geglaubt hat das schaffen zu können, also mindestens die UdSSR, USA, Grossbritanien usw. in relativ kurzer Zeit bevor sich die Nachteile formieren würden zu erobern oder zumidest militärisch zu besiegen, dann war er wohl wirklich grössenwahnsinnig und wenn nicht verwirrt so doch ziemlich schlechter Geostratege.

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Kommentar von NoTrolling
15.10.2016, 21:06

Interessanter Kommentar!

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Kurz bevor der erste Weltkrieg verloren ging, gaben die Militärs die Macht in die Hände einer Zivilregierung. So mussten sie nicht selbst die Kapitulation unterschreiben und konnten hinterher behaupten, dass sie im Felde unbesiegt waren und dass diese schlimmen Zivilisten an allem Schuld waren. Da es in dieser zivilen Regierung auch ein paar Juden gab und speziell Hitler einen Sündenbock für den verlorenen Krieg brauchte, lastete er ihnen diese Niederlage an. Als er merkte, dass auch viele andere Menschen einen Sündenbock brauchten, weil sie sich ja nicht selbst die Schuld geben konnten,  benutzte er die Juden als Steigbügel für seinen eigenen Aufstieg. Er vermischte die Theorien eines damals bekannten Schreiberlings mit seinen Theorien und steigerte sich immer mehr in seinen Wahn hinein. Sein politischer Vorteil war ganz allein sein Aufstieg an die Spitze der Macht. nach dem er fest im Sattel saß, hätte er eigentlich mit seinen Tiraden gegen die Juden aufhören können. Aber dass er nicht damit aufgehört hat und sich immer weiter in seinen Hass hinein gesteigert hat, daran sieht man seinen Wahnsinn. 

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Kommentar von voayager
11.10.2016, 18:44

Verbrechen und Wahn schließen einander nicht aus, siehe die jetzigen Radikalislamisten.

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Purer Hass. Als er mit der Verfolgung begonnen hat, war er politisch in Deutschland unangreifbar. Er musste keine politischen Vorteile mehr ziehen.  

International hat der Antisemitismus sogar eher politische  Nachzeile gebracht.

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Kommentar von NoTrolling
11.10.2016, 16:10

Hat er das Thema nicht im Rahmen seiner Propaganda verwendet?

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Er hat sie nur als Sündenböcke benutzt auf die er alle Problemursachen schieben konnte, so kommen viele Politiker an die Macht, sie hacken einfach auf Minderheiten rum, siehe Donald Trump und die Mexikaner. "Alle von ihnen sind Mörder, Vergewaltiger oder generell Kriminelle". Dabei sind 98% von ihnen einfach nur dort für ein besseres Leben und arbeiten meist härter als jeder Amerikaner.

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Klar hat Hitler und seine Kumpanen einen Vorteil aus der Judenverfolgung gezogen, denn schließlich wurde denen all ihr Geld und sonstiges Vermögen geplündert. Darüberhinaus wurden so Sündenböcke konstruiert, was die gewünschte Volksgemeinschaft zusammenschweißte.


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Juden wurden schon "immer" verfolgt und waren schon "immer" der Sündenbock... Das war schon im Mittelalter so, sie mussten in eigene Stadtviertel und wurden z.B. für die Pest verantwortlich gemacht.

Der politische Vorteil ist einfach ein "Sündenbock" an dem man seine Wut loswerden und den Rest einigen kann. Es gibt immer jemanden, auf dem der Rest herumhackt und dies stärkt den Zusammenhalt!

Diesen Vorteil etc. hätte man allerdings auch gehabt, wenn man sie nur "gehasst" hätte und evtl. vertrieben. Das Töten war dann eigentlich aus politischer Sicht "sinnlos"

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Kommentar von NoTrolling
11.10.2016, 15:31

Ich verstehe. Das Schaffen eines Feindbildes zur Verstärkung der Moral. Wäre es allerdings nicht militärisch sinnvoller, die Alliierten als den Todfeind zu betrachten? Hätte das nicht ausgereicht?

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