Frage von abcjc, 160

Hat ein sich nicht im Dienst befindlicher Arzt trotzdem eine Garantenstellung, wenn sein Patient aufgrund seiner Krankheit zu Ertrinken droht?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Rollerfreake, 119

Natürlich, sobald er über einen Notfall Bescheid weiß muss er auch helfen. Das ist nicht nur bei Ärzten sondern auch bei nichtärztlichem medizinischem Fachpersonal so. Ärzte und nichtärztliches medizinisches Fachpersonal haben eine Garantenstellung, Ärzten droht zusätzlich der Entzung der Approbation. Hinzu kommt die allgemeine unterlassene Hilfeleistung, die mit Freiheitsstrafe von bis zu einem Jahr oder Geldstrafe bestraft wird. 

Kommentar von abcjc ,

Wo finde ich Quellen, die das belegen?:)

Kommentar von Rollerfreake ,

Das müsstest du im Internet finden, wo genau weiß ich aber auch nicht. Ich weiß es aus meinem Lehrbuch. 

Kommentar von abcjc ,

Und spielt es eine Rolle, dass der Arzt nicht im Dienst ist und sich nur zufällig an der Unglücksstelle befindet?

Kommentar von Rollerfreake ,

Nein, das ist unerheblich, man muss immer helfen, egal ob man im Dienst oder privat ist. Übrigens ist man auch als Laie dazu verpflichtet bei einem Notfall den Betroffenen die bestmögliche Hilfe zu leisten, ansonsten macht man sich wegen unterlassener Hilfeleistung strafbar. Bei Ärzten und medizinischem Fachpersonal kommt zur allgemeinen Hilfeleistungspflicht noch die Garantenstellung hinzu. 

Kommentar von abcjc ,

Vielen Dank:)

In welchem Lehrbuch steht das? Dann leihe ich mir das aus

Kommentar von JuraErstie ,

In jedem Strafrechts-AT Lehrbuch sollte sowas stehen, kannst direkt zu den unechten Unterlassungsdelikten durchblättern.

Kommentar von abcjc ,

danke, ich habe es gefunden:)

Kommentar von garfield262 ,

Wieso sollte der Arzt in diesem Fall eine Garantenstellung innehaben?? Gut, Feuerwehrmann, Rettungsschwimmer, Einsatztaucher etc., da sähe die Welt wieder anders aus - aber was hat ein Arzt mit der unmittelbaren Wasserrettung zu tun? Er sollte nicht grad wegschauen und sich damit der unterlassenen Hilfeleistung strafbar machen, das war's dann aber auch schon mit seinen Pflichten (wie bei nahezu jedem anderen Bürger auch). Die Rettung eines Ertrinkenden kann gleichzeitig ein unmittelbares Risiko für den Retter bedeuten (ich spreche aus Erfahrung). Wer es sich zutraut, sollte selbstredend auch aktiv werden; wer jedoch berechtigte Sorge um sein eigenes Wohlergehen hat, wird i.d.R. auch nicht belangt (solange z.B. ein Notruf o.ä. abgesetzt wird) und ggf. andere Mittel wie Rettungsringe, Leinen, Boote o.ä. genutzt werden.

Selbst wenn der Betroffene sich noch an Land befindet, in unmittelbarer Reichweite des Arztes und kurz davor ist, ins Wasser zu gehen, dürfte der Arzt allenfalls versuchen, die Person verbal von seinem Vorhaben abzuhalten; körperlicher Zwang bzw. dessen Androhung könnte sogar eine Nötigung darstellen (vorausgesetzt, der Betroffene ist sich über die Tragweite seines Handelns im Klaren, leidet also nicht an einer psychischen Störung etc.).

Kommentar von abcjc ,

ich dachte jetzt, dass der Behandlungsvertrag greift, da der Arzt den Patienten schon länger wegen der Krankheit behandelt, aufgrund er zu ertrinken droht und hinzu kommt auch, dass der Arzt zunächst den Patienten retten möchte oder spielt das hier keine Rolle?

Kommentar von abcjc ,

und es wäre für den Arzt leicht gewesen den Patienten zu retten,da er gut schwimmen kann

Antwort
von wolfram0815, 104

Der Arzt, egal welcher, muß von diesem akutem Zustand auch wissen. Weiß er es, aber er unternimmt nichts, dann rappelts aber.

Vorausgesetzt, es ist medizinisch noch eine Behandlung möglich.

Kommentar von abcjc ,

Der Arzt weiß von der Krankheit des Patienten, er befindet sich nur zum Unglückszeitpunkt nicht im Dienst und sieht nur zufällig wie der Patient im Wasser ist. Dem Patienten sind die Gefahren bewusst, als dieser sich ins Wasser begibt, er nimmt sie jedoch nicht ernst.

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