Frage von Foster43, 94

Hat ein Radfahrer, der sehr schnell und mit Kopfhörern fährt evtl. Teilschuld bei einem Unfall? Nachtrag: Post von Polizei bekommen

Hallo,beim rechts abbiegen in eine Grundstückseinfahrt, habe ich einen Radfahrer übersehen. Trotzdem ich geguckt habe vorher, war er wie aus dem Nichts da und ist er mir in die Beifahrertür gefahren. Er war sehr schnell, was er auch selbst zugegeben hat, zudem trug er Kopfhörer. Ein parkendes Auto am rechten Fahrbahnrand hat ebenso die Sicht versperrt.

Er konnte nach Untersuchung im Krhs. dieses wieder verlassen. Zum Glück "nur" eine Prellung am Bein, sowie Hautabschürfungen an den Händen. Habe mich am selben Tag persönlich beim Vater erkundigt und mich entschuldigt.

Was kommt jetzt an Strafe auf mich zu?

Danke schonmal im voraus, Lisa

Habe heute einen Anhörungsbogen zur schriftlichen Äusserung als Beschuldigt erhalten. Sehe meine Schuld ja ein, wenn auch nicht zu 100 %.

Ist es ratsam einen RA einzuschalten, oder wenn nicht soll ich mich äussern???

Antwort
von uni1234, 43

Also grundsätzlich könnte er Dich wegen fahrlässiger Körperverletzung anzeigen. Man kann Dir vorwerfen, Dich nicht hinreichend vor dem Abbiegen vergewissert zu haben, ob Fahrräder von hinten kommen. So etwas wie Mitverschulden gibt es im Strafrecht grundsätzlich nicht. Sollte gegen Dich überhaupt ein Ermittlungsverfahren eröffnet werden, wird es voraussichtlich aber auch wegen Geringfügigkeit relativ schnell wieder eingestellt.

Daneben könnte er Dich auf Schadensersatz und Schmerzensgeld verklagen. Angesichts der nur geringfügigen Verletzungen ist hier nicht mit großen Summen zu rechnen. Zudem kann man hier eine Kürzung wegen Mitverschuldens annehmen, allerdings nur wegen der Geschwindigkeit und nicht wegen den Kopfhörern. Der Schmerzensgeldbetrag dürfte 500€ nicht übersteigen.

Du solltest deiner Kfz-Haftpflichtversicherung den Schaden melden. Die kümmert sich dann um alles weitere.

Kommentar von Foster43 ,

Danke für die Antwort. Angenommen das Verfahren würde eingestellt. Wird das Bussgeld und die fälligen Punkte dann nach der Ordnungswiedrigkeit "vergeben", oder zählt trotzdem fahrlässige Körperverletzung.

Einen Strafantrag wird der Geschädigte glaub ich nicht stellen, stehe in persönlichem Kontakt. Er hat mir sogar angeboten mein Auto kostengünstig zu reparieren...

Kommentar von uni1234 ,

Der Ausgang des Strafverfahrens ist unabhängig vom Ausgang des OWi-Verfahrens. Mit anderen Worten: Wahrscheinlich gab / gibt es ein überschaubares Bußgeld wegen Verstoßes gegen §§ 1 Abs. 2, 9 Abs. 5 StVO, selbst wenn es kein Strafverfahren gibt.

Kommentar von Crack ,

Also grundsätzlich könnte er Dich wegen fahrlässiger Körperverletzung anzeigen.

Das wird sicher die Polizei von sich aus getan haben.
Über den Ausgang stimme ich Dir aber zu, das wird wohl folgenlos eingestellt werden.

Dann bleibt allerdings noch das OWi-Verfahren das mit 85€, 1 Punkt + Gebühren/Auslagen geahndet werden kann.

Eine Mitschuld des Radfahrers sehe ich hier nicht.
Die Kopfhörer haben keinen Einfluss auf den Unfall, eine eventuell überhöhte Geschwindigkeit wird nicht nachzuweisen sein.

Kommentar von uni1234 ,

Fahrlässige Körperverletzung wird gem. § 230 Abs. 1 StGB nur auf Antrag oder bei besonderem öffentlichen Interesse verfolgt. Das sehe ich hier ehrlich gesagt nicht.

Ob ein Mitverschulden des Radfahrers besteht und ob ihm dieses nachzuweisen ist, sind auch erst einmal zwei verschiedene Dinge. Abgesehen davon kann ein Gutachter zumindest eine ungefähre Aufprallgeschwindigkeit berechnen. Ob sich diese dann als unangemessen hoch herausstellt, kann hier nicht beurteilt werden.

Kommentar von Crack ,

Fahrlässige Körperverletzung wird gem. § 230 Abs. 1 StGB nur auf Antrag oder bei besonderem öffentlichen Interesse verfolgt.

Ich weiß.
Die Praxis sieht aber oft anders aus.

Kurz gegooglet und gleich ein ähnlicher Fall als erster Treffer:

https://www.anwalt.de/rechtstipps/fahrlaessige-koerperverletzung-nach-einem-verk...

Abgesehen davon kann ein Gutachter zumindest eine ungefähre
Aufprallgeschwindigkeit berechnen. Ob sich diese dann als unangemessen hoch herausstellt, kann hier nicht beurteilt werden.

In der Regel wird ein Unfallverursacher immer versuchen entlastende Gründe zu finden. Dann wird dem Unfallbeteiligten auch schnell eine Geschwindigkeitsübertretung nachgesagt.

Wenn man den Radfahrer nicht gesehen haben will, dann aber behauptet er wäre sehr schnell gewesen ist das schon ein Eigentor.
Ebenso ist die Aussage des Radfahrers selbst nicht viel wert wenn er zugibt er wäre schnell gefahren. Das kann man also nicht verwerten.

Die Mehrheit der Radfahrer wird auch überhaupt nicht in der Lage sein die erlaubte Höchstgeschwindigkeit zu überschreiten wenn man von erlaubten 50km/h ausgeht.
Und wenn es in diesem Bereich keine Sichteinschränkungen gab sind übliche 30 oder 40km/h sicher nicht zu schnell.

Kommentar von uni1234 ,

Auch in dem Link wird nicht darauf eingegangen, ob ein öffentliches Interesse an der Strafverfolgung vorliegt. Diese Frage wird vielmehr offen gelassen.

Gerade in der Praxis besteht ein besonderes Interesse daran, nur dann ermitteln zu müssen, wenn dies auch erforderlich ist. Die Polizei / Staatsanwaltschaft reißt nicht jeden Fall an sich, den sie kriegen kann. Dafür sind die Tische der Staatsanwälte zu voll.

Kommentar von Crack ,

Auch in dem Link wird nicht darauf eingegangen, ob ein öffentliches Interesse an der Strafverfolgung vorliegt. Diese Frage wird vielmehr offen gelassen.

Die Radfahrerin aus dem Link stellt keinen Strafantrag, trotzdem wird ein Ermittlungsverfahren eingeleitet.
Das erfolgt dann ja wohl auf Betreiben der Verfolgungsorgane weil öffentliches Interesse vorliegt, richtig oder falsch?

Antwort
von Rabenmaedchenn, 68

Es kommt darauf an ob er geguckt hat oder nicht. Er trägt natürlich auch eine Teilschuld.

Kommentar von Foster43 ,

Nach seiner Aussage hat er mich auch nicht gesehen, wohl auch durch das parkende Auto am Straßenrand.....

Kommentar von peterobm ,

Teilschuld sehe ich nicht - aus den obigen Angaben

Antwort
von Geisterstunde, 16

Nicht nur evtl., sondern ganz sicher. Auch als Radfahrer ist man verpflichtet, die anderen Verkehrsgeräusche wahrzunehmen und das klappt mit Kopfhörern nicht.

Kommentar von Foster43 ,

Die Polizei vor Ort hat es zumindest mit aufgenommen.

Antwort
von peterobm, 55

ganz normaler Verkehrsunfall - du hast ihm die Vorfahrt genommen

Ein parkendes Auto am rechten Fahrbahnrand hat ebenso die Sicht versperrt.

War er auf dem Bürgersteig unterwegs? Bis zu einem gewissen Alter MÜSSEN Kinder sogar dort fahren. 

Kommentar von Foster43 ,

Nein, er war auf dem Radweg. Musikhören und rasen als Radfahrer ist normal??

Kommentar von peterobm ,

Einen Fussgänger hättest auch umgefahren; Pochen auf sein Recht als Erster zu fahren!! Als Abbieger hast du solche passieren zu lassen. Unfall polizeilich aufgenommen worden? Die haben sich diesbezgl. geäussert.

Kommentar von Foster43 ,

Kann ich nicht beurteilen? Mir ist schon klar, das ich Schuld bin. Die Polizei war vor Ort, haben sich diesbezgl. nicht geäußert.

Es stellt sich mir nur die Frage, ob er evtl. eine Teilschuld hat? Weil er so schnell war und Musik gehört hat? Zudem ist er mir in die Beifahrertür gefahren. Da kam von der Polizei, das wäre schon ne ziemliche Beule.... Ich bin Schrittgeschwindigkeit gefahren.

Kommentar von uni1234 ,

Das Musikhören auf beiden Ohren ist zwar nicht gestattet als Radfahrer, es dürfte sich jedoch nicht auf ein Mitverschulden auswirken, da es nicht ursächlich für den Unfall gewesen sein dürfte.

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