skyseeker am 03.05.2008 um 13:43 Uhr
Vor einiger Zeit diskutierte ich mit Freunden, ob unser Gehirn in der Lage ist, den Tod seines "Wirts" herbeizuführen und somit quasi Selbstmord zu begehen. Wir konnten uns nicht einigen.

Liebe/r skyseeker,
sicherlich ist dies eine interessante Frage. Da sie aber im eigentlichen Sinne keine Ratgeberfrage ist, möchte ich Dich bitten, solche Fragen in Zukunft im Forum zu stellen (http://www.gutefrage.net/forum).
Danke für Dein Verständnis und viele Grüße,
Tim vom gutefrage.net-Support
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Meinst du eine unbewusste Entscheidung, die die Funktionen der Organe ausser Kraft setzt? Nein, diese Bereiche sind nicht durch Entscheidungen manipulierbar. Man kann sich bewusst dazu entscheiden, die Luft anzuhalten, aber man fällt vor dem Tod in Ohnmacht und atmet hübsch weiter. Eine irrationale Todesentscheidung des Gehirnes wäre evolutionärer Humbug und wird somit nicht gefördert.

Der Mensch ist Gehirn, der Rest des Körpers dient lediglich der Aufrechterhaltung des Lebensfunktionen des Gehirns und der Fortpflanzung. Alle Entscheidungen, die bewusste und die unbewussten, trifft der Mensch im Gehirn. Somit wird auch die Entscheidung, sich zu entleiben, vom Gehirn getroffen.

Es kommt darauf an, was du als "Nachteil des Körpers" definierst. Das Gehirn versucht lebenserhaltende Funktionen aufrechtzuerhalten, obwohl du das zum jeweiligen Moment wohl als köperlichen Nachteil empfinden würdest. Wenn du z. B. in Ohnmacht fällst, werden deine bewussten Körperfunktionen zwar abgeschaltet, aber im "Spar-Betrieb" sichergestellt, dass zumindest die Versorgung des Gehirns funktioniert. Etwas Ähnliches passiert bei extremem Schmerz; da schaltet das Gehirn die wesentliche Schmerz-Empfindung ab; eine temporäre Amnesie dient auch zu diesem Zweck. Andererseits sorgt das dafür, dass du nicht durch den Schock stirbst. Also hat zumindest das Unterbewusstsein des Gehirn als höchste Priorität die Lebenserhaltung; und da du das nicht bewusst beeinflussen kannst, kann das Gehirn insgesamt auch keinen Selbstmord machen.
skyseeker am 6. Mai 2008 11:21 Danke für die gute Erklärung. Wenn ich es richtig verstanden habe, ist das Gehirn zwar zu egoistischem Handeln fähig, allerdings innerhalb der Grenzen der Lebenserhaltung. Werde das so an meine Diskussionspartner weiterleiten.
Oder meinst du das alltägliche Dilemma: Ich möchte ja gerne meine Buchhaltung erledigen. Aber mein Hirn, dieses blöde, macht ständig wieder irgendwas anderes. Bei GF reingucken zum Beispiel.

Bei starker Unterkühlung (Lawine, Gletscher usw.) schaltet das Gehirn nach und nach alle Körperfunktionen ab.

dieses Thema ist umstritten und läßt sich noch nicht klären. Es gibt Hinweise darauf, dass unser Bewustsein nur scheinbar Entscheidungen fällt. Tatsächlich sollen die Entscheidungen getroffen werden, die unser Unterbewustsein längst getroffen hat.
Amerikanische Wissenschaftler behaupten sogar, potentielle Terroristen an der Gehirnstruktur erkennen zu können. So berichet in 3Sat "nano".
AliPeter am 3. Mai 2008 13:58 angeblich können forscher ja mittlerweile 7sekunden bevor du etwas machst ( z.B. dich für einen von drei möglichen bällen entscheiden )bereits mit einer 70%igen wahrscheinlichkeit vorraussagen, was du tun wirst..
collo am 3. Mai 2008 14:07 ich meine es wäre 7 Milli-Sekunden. Man barucht keine 7 Sekunden, um sich zu entscheiden.
AliPeter am 3. Mai 2008 14:15 nein...es sind schon 7 sekunden... das ist ja das faszinierende oder auch erschreckende ;)...unser gehirn hat schon längst sein entscheidng gefällt, ehe wir uns dann erst bewusst für etwas und scheinbar "freiwillig" für etwas entscheiden..

Indirekt auf jeden Fall. Der Wunsch nach Selbstmord kommt ja von dem Hirn. Somit ist das Gehirn quasi in der Lage seinen "Wirt" zum Selbstmord zu veranlassen.

Da müßtest Du dem Gehirn ja eine Abspaltung vom Wirt als solchen einräumen - quasi ein "eigenes Bewußtsein", oder wie habe ich mir das vorzustellen?
Unsere Schaltzentrale kann zwar viel, und trifft auch viele Entscheidungen, deren wir uns nicht unbedingt bewußt sind, aber daß sie sozusagen "meutert", und den Betrieb einstellen will ohne unser Zutun? Wer kann das wissen?
Allenfalls im weiten Feld der Hirnerkrankungen wie Alzheimer, anderen Demenzen oder der schweren Form von Parkinson könnte ich mir das vorstellen, Selbstmord des Organs auf Raten, aber es deuten die Ergebnisse vieler Untersuchungen auf Störungen im Hirnstoffwechsel hin...
Also nein, das klingt mir zu abstrus.

Wenn ein Mensch stirbt, hört auch die die Durchblutung im Gehirn das danach keine eletrische Signale sendet was bedeutet dass auch cas Gehirn funktionslos ist. Solange man lebt können wir allerlei uns vorstellen aktiv oder passiv und währen des Schlafes funktioniert das Gehirn. Dabei können auch solche Entscheidungen die wir nachher verwirklichen aber das Gehirn kann alleine selbständig keine Entscheidungen, zB Selbstmord machen.
Die Frage ist ein bisschen verwirrend - wahrscheinlich meinst Du, ob das Gehirn unabhängig vom Bewusstsein arbeitet.
Dazu gibt es ganz neue Erkenntnisse: Das Gehirn trifft seine Entscheidung, bevor sie das Bewusstsein wahrnimmt und ausführt.
Das ist ein großer Fortschritt in der Gehirnforschung, hat aber auch Konsequenzen für die Philosophie, für die Phsychologie und nicht zuletzt für die Rechtsprechung.
Darüber hier zudiskutieren, sprengt den Rahmen.
Glaube ich nicht! Das Stammhirn kann nicht vom Gross oder Kleinhirn beeinflusst werden! Andersrum aber schon! Deshalb können wir uns bei Hunger sogar zwingen andere Menschen zu essen wenn sonst nichts da ist!

Die lebenserhaltenden Funktionen steuert das Gehirn doch eigentlich vollkommen ohne Beeinflussung seines Trägers! Oder steuert jemand bewußt z.B. seinen Herzschlag? Oder seinen Stoffwechsel? Und so kann das Gehirn das auch ohne Beeinflussung abschalten!

Man sollte vielleicht mal eine andere Trennung vornehmen. Ich finde die von den Kahuna gut: Das niedere Selbst (Unterbewußtsein), das mittlere Selbst (Verstand) und das Hohe Selbst (Vergleichbar mit etwas Überirdischen, z. B. eine Art Schutzengel). Die Polynesier ordnen jedem klare Möglichkeiten zu, die durchaus solche Schlußfolgerungen zulassen. Das wird aber zu umfangreich für hier. Wer sich interessiert: Prof. Kurt Tepperwein hat dazu ein gut verständliches Buch geschrieben: http://astore.amazon.de/herb33-21 - Spezielle Bücher - Seite 5