Frage von Quastroo, 118

Hat die Partei "Die Linke" ihre Vergangenheit hinter sich gelassen, und kann sie jetzt als 100% demokratisch angesehen werden?

Wie steht Ihr dazu? Schließlich entstand die Partei aus dem Zusammenschluss der ehemaligen Parteien WASG und PDS, wobei Letztere die Nachfolge-Partei der SED war. Zudem gibt es ja innerhalb der Partei "Die Linke" noch die "kommunistische Plattform" und die "antikapitalistische Linke", was mich schon ein bisschen stutzig macht. Was meint Ihr?

Expertenantwort
von Unsinkable2, Community-Experte für Politik, 56

schließlich entstand die Partei aus dem Zusammenschluss der ehemaligen Parteien WASG und PDS, wobei Letztere die Nachfolge-Partei der SED war.

Bemerkenswerte Herleitung.

Aber ich adaptiere mal deine Herleitung auf eine andere Partei: Die CDU ist die "Nachfolgerpartei" der Partei "Zentrum". Dabei handelte es sich um eine der NSDAP nahe stehende "Christliche Partei". Dass die "neue CDU" nach dem Krieg nicht wieder "Zentrum" oder "Zentrum.CDU" hieß, hatte vor allem parteitaktische Gründe: Die Nähe von "Zentrum" zur NSDAP ließ sich nach dem Krieg nur schlecht verkaufen. Die Mitverantwortung bei den Gräueltaten unter den Nazis hätten sogar rechtliche Folgen haben und die Partei vollständig ruinieren können. Und nicht zuletzt wollten auch ein paar Ex-Zentrums-Mitglieder aus der zweiten Reihe endlich mal vom Füllhorn der Macht kosten und drängten deshalb in die erste Reihe, weshalb die neu gegründete "Zentrum"-Partei in der Bedeutungslosigkeit versank und die CDU als "neues Zentrum" erstarkte. ... All das führte zur "Umbenennung" von Zentrum in CDU.

Hast du dich jemals gefragt, wann und ob überhaupt die CDU ihre Nazi-Vergangenheit hinter sich gelassen hat? Auch - und gerade - im Angesicht der Tatsache, dass Kiesinger, einst strammes Mitglied der Führungselite der NSDAP, in der Bundesrepublik dank der CDU Bundeskanzler werden konnte?

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Bei der PDS (später dann "Linkspartei" und "Die Linke") haben wir sogar noch ein Phänomen, das weder in CDU (ehemals "Zentrum"), noch in CSU (ehemals "Bayernpartei" - auch das eine stramm die NSDAP stützende Partei) noch in der FDP (die keinen direkten Partei-Vorläufer hat, aber von den amerikanischen Alliierten zwei Mal fast wegen "nazistischer Umtriebe" verboten worden wäre) greift: 

Von den rund zwei Millionen Mitgliedern der SED wanderte der größte Teil der weiterhin politisch Aktiven zur "Konkurrenz", also in CDU und SPD ab. (Vergleichbar wäre das, wenn Ex-NSDAP-Mitglieder nicht zur CDU, sondern zur DKP übergelaufen wären.) Bis heute laufen mir regelmäßig alte SED-Bonzen über den Weg, die nun mit CDU- und SPD-Abzeichen den hellen Fleck am Revers verdecken; und die sich in ihren neuen Parteien wohlig eingerichtet haben.

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Und jetzt noch einmal deine Frage:

Hat die Partei "Die Linke" ihre Vergangenheit hinter sich gelassen, und kann sie jetzt als 100% demokratisch angesehen werden?

Lässt man allein durch den Wechsel des Partei-Abzeichens die Vergangenheit hinter sich? Wird man allein durch den Wechsel des Parteibuches "demokratischer"? 

Oder ist die Frage nicht sehr viel differenzierter zu betrachten (und zu stellen)?

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Die Partei PDS (später "Linkspartei", dann "Die Linke") wurde von Anfang an - und wird bis heute - vom Verfassungsschutz "beobachtet". In den gesamten 25 Jahren gab es keinen einzigen Anlass, der ein Verbot der Partei - beispielsweise wegen Verstoßes gegen die Verfassung oder die FDGO - gerechtfertigt hätte.

Zwar berichtete der Verfassungsschutz wiederholt von, sagen wir, "linken Ausrastern" auf der ultra-linken Seite; doch nichts davon rechtfertigte ein Parteienverbot. Es bewegte sich immer noch auf dem Boden von Verfassung und FDGO.

Demgegenüber haben CDU, CSU, FDP, SPD und GRÜNE zahlreiche verfassungswidrige Gesetze erlassen - also nachweislich gegen die Verfassung verstoßen - und sind wegen unzähliger anderer Verstöße gegen alle möglichen Regeln des deutschen Rechtsstaats und internationalen Rechts auffällig geworden.

Mehr noch: Nur in sehr wenigen Ausnahmefällen gaben sie dabei eine "Verfehlung" zu und gelobten Besserung. Meist verteidigten sie ihre Verstöße gegen Verfassung und Rechtsstaat bis aufs Blut; und schreckten dabei auch nicht vor Diffamierungen oder Diskreditierungen ihrer Kritiker zurück.

Sind sie "demokratischer", weil sie nicht vom Verfassungsschutz beobachtet wurden? Ist es also legitim, gegen die Verfassung zu verstoßen, aber nicht vom Verfassungsschutz beobachtet zu werden; während es illegitim ist, nicht gegen die Verfassung zu verstoßen und dennoch vom Verfassungsschutz beobachtet zu werden?

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Du verstehst, was ich sagen will, ja?!

Deine Frage ist grundsätzlich absolut gerechtfertigt. Allerdings ist sie - absichtlich oder nicht - "relativ", also "vergleichend", gestellt. Und insofern gab ich dir eine "relative" (also vergleichende) Antwort.

Kommentar von Quastroo ,

Erst einmal Vielen Dank für die sehr ausfürliche Antwort. Sehr verständlich erklärt! Mich stört nur eine Sache:

Die Nähe von "Zentrum" zur NSDAP ließ sich nach dem Krieg nur schlecht verkaufen

Ich denke, dass dieser Vergleich nicht 100% passt. Denn die Zentrumspartei war ja nicht die NSDAP, man hatte sich ja nur an die NSDAP angenähert( War ja nur zum Vorteil für die ZP, während der Herrschaft der NSDAP). Die Partei "Die Linke" ist eine 100% Nachfolge-Partei der SED. Sogesehen ist der Vergleich nicht auf einer gleichen Ebene.

Ja, meine Frage ist "vergleichend" dargestellt. Da gebe ich Ihnen absolut Recht. Ich wollte anhand von Beispielen(Vergangenheit,kommunistische Plattform) nur meine Zweifel rechtfertigen und diesbezüglich die Meinungen Anderer erfragen, denn mit Beispielen lässt sich am besten argumentieren :)

Kommentar von Unsinkable2 ,

Ich denke, dass dieser Vergleich nicht 100% passt. Denn die Zentrumspartei war ja nicht die NSDAP,

Nun, das Zentrum stützte - ebenso, wie die Bayernpartei - BEDENKENLOS das Ermächtigungsgesetz, und damit das endgültige Ende der Demokratie. Es gab für sie nicht einmal die Frage der Überlegung, oder so. Die NSDAP wollte es so; Zentrum und Bayernpartei lieferten zuverlässig und riefen ihre Mitglieder auch danach noch auf, Hitler bedingungslos zu folgen.

Nach dem Krieg hatten die meisten Menschen die Kriegstreiber satt. Fast 75%(!) der Bevölkerung wollten damals den Sozialismus haben. Im Westen, wohlgemerkt. 

In so einer Zeit lässt sich die von Zentrum und Bayernpartei gelebte Nähe zu den Nazis nur schwer verkaufen. Erst recht, wenn alle, die jetzt wahlberechtigt sind, die "alte Zentrums-Partei" noch kennen und wissen, wie deren Führungs-Eliten damals das Ermächtigungsgesetz und den "Totalen Krieg" bejubelt hatten. 

Nicht zuletzt, weil ihnen dieses einschneidende Erlebnis - immerhin war es für lange Zeit die letzte demokratische Entscheidung und der Auftakt zu unglaublichen Gräueltaten, die von Zentrum und Bayernpartei ebenfalls gut gehießen wurden - nicht aus dem Gedächtnis ging. 

Aber auch, weil diese Entscheidung ja nicht "heimlich" stattfand, sondern von Zentrum und Bayernpartei als "alternativlos" verkauft - ja, im wahrsten Sinne des Wortes: "gefeiert" - wurde.

Die Partei "Die Linke" ist eine 100% Nachfolge-Partei der SED. 

Ja, und nein. De jure hat sie die Verantwortung übernommen. (Bis heute sucht man ja beispielsweise nach dem angeblichen SED-Vermögen, das, sollte es gefunden werden, zu Lasten der LINKEN gehen würde.) De facto ist sie eine völlig neue Partei, denn KEIN EINZIGER Alt-Kader blieb; während stattdessen sogar viele neu eingetretene Mitglieder Führungspositionen übernahmen.

Sogesehen ist der Vergleich nicht auf einer gleichen Ebene.

Richtig, aber anders als du denkst.

Während nämlich in der PDS alle Alt-Kader verbannt wurden, lief in CDU, CSU und FDP das genaue Gegenteil ab: Dort fanden sich die "Elite-NSDAP-Mitglieder" und Hitler-treuen Ex-Zentrums- und Ex-Bayernpartei-Mitglieder, die nicht zum Tode verurteilt oder von der Katholischen Kirche außer Landes geschafft wurden, schnell in alten Positionen wieder.

So viele, dass der erste deutsche Bundestag mehr Alt-Nazis (nun aber bei CDU, CSU und FDP) sah, als der letzte deutsche Reichstag.

Insofern ist die Frage sehr viel tiefgreifender: Ist der Inhalt wichtiger als die Verpackung, oder umgekehrt?

  • Ist eine Partei "100% Nachfolge-Partei", wenn die alten Partei-Mitglieder sich unter neuem Namen versammeln? 
  • Oder ist es eine "100% Nachfolge-Partei", wenn nur der Name bleibt und alle alten Partei-Bonzen weg sind?

denn mit Beispielen lässt sich am besten argumentieren

Okay, das haben wir bisher ja ausgiebig gemacht... :)

Kommentar von Quastroo ,

Wow!! Vielen Dank noch einmal für die ausführlichen Antworten! Gefällt mir! :)

Hierzu könnte man aber eine Sache noch ergänzen:

Insofern ist die Frage sehr viel tiefgreifender: Ist der Inhalt wichtiger als die Verpackung, oder umgekehrt?

Und zwar:

  • Ist das Programm das Gleiche?   ---> Spielt auf den "Inhalt" an

- Es kann natürlich die gleiche Partei von außen sein, die sich mit alter Parteispitze und gleichem Namen neugründet, doch der Inhalt hat sich geändert. Dies finde ich auch nicht ganz irrelevant, denn das Manifest einer Partei spielt auch eine essentielle Rolle bei den "100%".

Antwort
von voayager, 45

100% demokratissch heißt ja nach westlichem Jargon, sich auf prokapitalistische Werte einzulassen, bzw. diese gar verinnerlichen. Mweist hat dann der Opportunismus gesiegt, denn bürgerliche Demokratie ist stets bestebt einen Pluralismus anzusteuern, asol ange das eigene Systwem gesicher ist. Ist die nicht mehr der Fall, pfieft auch die bürgerliche Demokratie auf ihre eigwenen Werte und Parolen, es geht ihr sdann wie Adenauer, der da sagte: was interessiert mich mein Geschwätz von gestern.

Die Linke ist gut beraten, wenn sie die Spielregeln der hiesigen Herrschenden sich nicht zu eigen macht, ganz egal obn sie dann als undemokratisch oder sonst was angesehen wird. Derlei Attribute verfangen im Allgemeinen nur bei Kleinbürgern, ist bei Arbeitern, so sie denn links ausgerichtet sein sollten, ziemlich egal.

Die Linke muß andere Formen und Inhalte von Demokratie finden und sich danach ausrichten, die hiesigen Gepflogenheiten sind da z.T. kontraindiziert, nutzen zuweilen nur dem Klassenfeind, also der Bourgeoisie.

Kommentar von Quastroo ,

Die Linke muß andere Formen und Inhalte von Demokratie finden und sich
danach ausrichten, die hiesigen Gepflogenheiten sind da z.T.
kontraindiziert, nutzen zuweilen nur dem Klassenfeind, also der
Bourgeoisie.

Da gebe ich Ihnen Recht. Vielen Dank! ;)

Antwort
von MrHilfestellung, 75

Es gibt in der Linken Menschen und Strömungen, die man als linksradikal bezeichnen kann. 

Alle Mitglieder bekennen sich aber beim Eintritt zur parlamentarischen Demokratie.

Antikapitalismus ist auch nicht zwingen antidemokratisch.

Kommentar von Quastroo ,

"Nicht zwingend" ist das Stichwort. Es kommt halt auf die Meinung des Einzelnen an :)

Kommentar von MrHilfestellung ,

Klar, aber Antikapitalismus ist ja, wenn man es nur auf die Überwindung des Kapitalismus reduziert eine Änderung des wirtschaftlichen Systems. Die Demokratie bleibt da ja im besten Fall unangetastet.

Kommentar von Quastroo ,

Möglicherweise. Doch ich denke die Gefahr ist dabei groß, dass die Demokratie eingeschränkt wird. Nehmen mir mal als andere Wirtschaftsform die Planwirtschaft. Um dies durchzusetzen werden die Leute, die nur antikapitalistisch eingestellt sind, nicht ausreichen. Die kommunistischen Strömungen, die auch dies "fordern", kommen damit hinzu. Wahrscheinlich aber nicht einfach so, sondern mit Gegenleistungen, was eine Einschränkung der Demokratie bedeuten kann... In dem Fall kommt es ja auch auf die Anzahl der Unterstützer an :)

Kommentar von MrHilfestellung ,

Gleichzeitig gibt es von linker Seite Kritik, dass der Kapitalismus wie wir ihn leben nicht vollends demokratisch ist.

Lobbyverbände sind natürlich nicht zu 100% schlecht, aber Fakt ist nunmal, dass man mit Geld Einfluss auf Entscheidungen des Bundestags haben kann.

Außerdem hat global gesehen der Kapitalismus mehr Schaden angerichtet als jede realsozialistische Regierung. Natürlich nur, wenn man der Meinung ist, dass Mangelernährung und Rohstoffkriege Folge des Kapitalismus sind.

Kommentar von Quastroo ,

Nun gut, dass der Kapitalismus mehr Schaden angerichtet hat als jede realsozialistische Regierung, ist nicht verwunderlich, wenn man die Anzahl aller Länder und deren Wirtschaftsform anguckt...

Rohstoffkriege und Mangelernährung können Folgen des Kapitalismus sein,ja, möglicherweise. Doch dafür gibt es natürlich unzählige Ursachen...

Antwort
von eccojohn, 45

Ohne die Partei als solches persönlich sonderlich zu bevorzugen, denke ich mal, das sie durchaus ihre Berechtigung hat, und auch voll  für die demokratischen Werte einsteht.

Das Parteiprogramm - nun ja - muß jeder für sich entscheiden, wie bei allen anderen Parteien auch. Da gibt es keine gravierende Punkte, die auch nur irgendwie bedenklich erscheinen sollten im Vergleich zu anderen Parteien. Man mag es - oder auch nicht ! Selber entscheiden !

Das sie als Partei nun mal starke ostdeutsche Verwurzelungen hat, bedeutet ja nicht, das man alten Zeiten irgendwie nachtrauert - im Gegenteil. Wenn man sich dazu als Beispiel den bekanntesten / die Leitfigur Gregor Gysi mal so anschaut, sagt das schon mal einiges aus - fast nur positives - m.M.n. 

Er >macht das Maul auf<, und sagt ehrlich was er denkt - das machen leider wenige Politiker ! Schade drum, das er sich scheinbar zurückgezogen hat. Seine Nachfolger werden sich jedoch noch sehr schwer tun - Format ist gefragt, und eine feste Richtung bis ins Detail muß auch noch schwer erarbeitet werden - aber das wird schon!

Kommentar von Quastroo ,

Das mit Gregor Gysi stimmt! Ja, leider scheint es ja so, dass er sich ein wenig zurückziehe... Ich bin dennoch auf die weitere Entwicklung der Partei gespannt. Mal sehen, was die Nachfolger bringen ;)

Antwort
von JuliusAX, 40

Hallo, Quastroo,

Jain. Alle Mitglieder der Partei "Die Linke" bekenne sich zur parlamentarischen Demokratie, jedoch gibt es in der Partei politische Strömungen (Stichwort: Kommunistische Plattform), die man als linksradikal und anti-demokratischen bezeichnen könnte.

Grüße, Julius.

Antwort
von Philippus1990, 47

Die Partei "Die Linke" ist lediglich die mehrmals umbenannte SED. Diese hat die WASG-Mitglieder lediglich aufgenommen, es ist immer noch das gleiche Rechtssubjekt. Das bedeutet, dass die Partei personell, finanziell und organisatorisch bis heute durch ihre Unrechtsherrschaft in der "DDR" profitiert:

<<In einem Prozess vor der Pressekammer des Berliner Landgerichts hat die Linke ausdrücklich versichert, sie habe die Rechtsnachfolge der SED angetreten. An Eides Statt erklärte Bundesschatzmeister Karl Holluba: ",Die Linke' ist rechtsidentisch mit der ,Linkspartei.PDS', die es seit 2005 gab, und der PDS, die es vorher gab, und der SED, die es vorher gab.">>

http://www.welt.de/politik/article3649188/Die-Linke-Wir-sind-Rechtsnachfolgerin-...

Um zu sehen, ob die Partei den parlamentarischen Verfassungsstaat akzeptiert, sollte man verschiedene Aspekte beleuchten. Etwa: Wie steht sie zur "DDR"-Diktatur? Hierzu muss man konstatieren, dass sich führende Vertreter weigern diese als Unrechtsstaat zu klassifizieren und auch sonst immer wieder verharmlosen oder sogar idealisieren.

Wichtig sind auch die Kontakte zu anderen Parteien: Wer auf seinen Versammlungen Abgesandte der Kommunistischen Partei Kubas empfängt, zeigt schon sehr deutlich, wo er steht. Auch Kontakte zur FARC-Miliz und Lobbyarbeit für die PKK sprechen für sich.

Dann wären da noch die inländischen Bündnispartner, etwa die DKP, autonome Linksextremisten oder der Hilfeverein für linke Straftäter "Rote Hilfe". Auch dies spricht nicht für eine demokratische Gesinnung.

Zum Personal: Dieses stammt teilweise noch aus "DDR"-Zeiten, mitunter handelt es sich um westdeutsche Altkommunisten, die die Partei nach ihrer Westausdehnung aufgesogen hat. Ehemalige Stasi-Spitzel sind zu Landtagsabgeordneten gewählt worden. Demokratisch geht anders.

Letztlich kommt es dann natürlich noch auf die öffentlich propagierten Inhalte an. Wer in seinem Programm fordert den "Kapitalismus" zu überwinden und damit die parlamentarische Demokratie meint, ist linksextrem. Wer Hausbesetzungen legitim findet und die Bundeswehr diffamiert ebenfalls.

Alles in allem habe ich keinen Zweifel, dass es sich bei der Partei "Die Linke" um eine revolutionär-marxistische, d. h. kommunistische und somit linksextremistische Partei in der Tradition der KPD handelt. Leider brauchen SPD und Grüne einen Koalitionspartner und tun insofern alles dafür um die Partei reinzuwaschen. Und die Medien berichten ohnehin kaum über Linksextremismus, sondern nur über Rechtsextremismus.

Falls Du dich näher mit dem Thema befassen willst, kann ich Dir das Buch "Die Linke - eine gescheiterte Partei?" empfehlen. Darin wird eingehend untersucht, ob diese eine extremistische Partei ist:

https://www.amazon.de/Die-Linke-eine-gescheiterte-Partei/dp/3789283452/ref=dp_ob...

Außerdem empfehlenswert finde ich den Band "Extremismus und Taktiken zur Camouflage in der Partei DIE LINKE": https://www.amazon.de/Extremismus-Taktiken-Camouflage-Partei-LINKE-ebook/dp/B007...

Kommentar von Exisaur ,

Obwohl ich absolut kein Freund der Linken bin, ist das ein absoluter Gruselbeitrag. Weder ist der marxistische Gestus, den manche in der Partei pflegen, in irgendeiner Weise ernstzunehmen, noch könnte man ernstlich befürchten, dass diesen in ersthaft Politik umzusetzen im Stande wären.

Übrigens ist gegen den Kapitalismus zu sein absolut nicht verfassungswidrig - oder läuft notwendigerweise auf die Abschaffung der Demokratie hinaus. Das sollte sogar jemand wissen, der nur Bücher von neurechten Spinnern liest, die ihre "politikwissenschaftlichen" Definitionen aus der Verfassungsschutzpraxis und nicht aus empirischer Beobachtung der Wirklichkeit beziehen.

Kommentar von Philippus1990 ,

Es geht nicht darum, ob irgendetwas "ernst zu nehmen" ist, sondern darum, ob es sich um eine verfassungswidrige Bestrebung handelt. Das habe ich vorliegend mit den angeführten Begründungen bejaht.

Übrigens: Über Hitler hat man auch mal so gesprochen wie Du jetzt über die revolutionär-marxistischen Teile von "Die Linke" - lächerlich, kann man nicht ernst nehmen usw.. Was daraus wurde ist bekannt.

Ich weiß auch nicht wie Du darauf kommst, dass ich Kapitalismuskritik als verfassungswidrig gebrandmarkt hätte. Was ich geschrieben habe ist Folgendes:

"Wer in seinem Programm fordert den "Kapitalismus" zu überwinden und damit die parlamentarische Demokratie meint, ist linksextrem."

Das ist nach wie vor richtig. Und überall das sagenumwobene, neurechte Phantom zu wittern ist ziemlich paranoid.

Kommentar von Exisaur ,

Und ich finde, dass diejenigen, die sich ernsthaft als marxisten begreifen, in der Partei einen verschwindend geringen Anteil ausmachen und daher man nicht davon ausgehen kann, dass die Partei als solche marxistisch orientiert ist.

"Wer in seinem Programm fordert den "Kapitalismus" zu überwinden und damit die parlamentarische Demokratie meint, ist linksextrem."

Du hast die Überwindung des Kapitalismus selbst kausal mit der Abschaffung der parlamentarischen Demokratie verknüpft - und es damit so dargestellt, als liefen beide Sachen auf dasselbe hinaus.

Oh ja klar natürlich. Wenn man mit sekundärem Antisemitismus um sich schmeißt und den Rechtsextremismus für ein überbewertetes Phänomen hält, wenn man sich gemein macht mit denen, die ständig nur vom "Schlusstrich unter die Vergangenheit reden" dann ist man ein echt dufter Typ, der nur von fiesen links-versifften Gutmenschen in die rechte Ecke gestellt wird.

Kommentar von Philippus1990 ,

Es ist grundsätzlich verfassungsrechtlich gar kein Problem, wenn jemand marxistisch orientiert ist. Das sind die SPD und die Grünen auch. Das Problem ist, wenn die eigenen Inhalte nicht über Reformen unter Beachtung demokratischer Spielregeln, sondern über eine Revolution herbeigeführt werden sollen (sog. revolutionäre Marxisten).

Linksextremisten verwenden für die parlamentarische Demokratie verschiedene synonyme Bezeichnungen - "System", "Kapitalismus", "Neoliberalismus" usw. Sie wollen nicht lediglich reformieren, sondern durch eine grundlegende Revolution in ein sozialistisch-kommunistisches System (Kommunisten) oder in eine Gesellschaft ohne Ordnung (Anarchisten) verwandeln. Eine solche Wandlung ist mit der freiheitlich-demokratischen Grundordnung allerdings schlechterdings unvereinbar.

Jesse halte ich für einen der wenigen fähigen deutschen Politikwissenschaftler. Es wäre interessant zu erfahren was Du unter "sekundärem Antisemitismus" verstehst und wo Du diesen bei Jesse zu finden glaubst.

Kommentar von Quastroo ,

Vielen Dank für den außerordentlich informativen Beitrag. Ich finde die Argumentationsweise anhand von Quellen und Beispielen sehr gelungen. Ich bezweifle nun, dass sie 100% demokratisch ist, da die genannten Gegenargumente schlüssig sind. Zudem lässt sich, wie
"Exisaur" schon gesagt hat, ein kleiner Teil von Marxisten(...) in der Partei vorfinden. Deshalb können die 100% nicht mehr erreicht werden. Doch jetzt stellt sich die Frage: Sind 100% nötig? Ich glaube, dafür könnte man jetzt jede Partei stundenlang von Grund auf untersuchen, und man wird immer Widrigkeiten vorfinden ;)

Antwort
von abibremer, 38

"Die Linke" hat ja gar keine "einheitliche Vergangenheit": Der Thüringer Ministerpräsident Bodo Ramelow (Mitglied der Linken) ist ein ehemaliges aktives Mitglied WESTDEUTSCHER Gewerkschaften UND dazu noch bekennender Christ(evangelisch) Auch ein anderer führender "Linken Politiker" Oskar Lafontaine konnte, und war NIEMALS Mitglied der SED!!!

Kommentar von Philippus1990 ,

Oskar Lafontaine ist spätestens seit dem Aufgehen der "WASG" in der Linkspartei.PDS (heute: "DIE LINKE") Mitglied der SED. Die Linkspartei.PDS war nämlich lediglich die mehrmals umbenannte SED.

Kommentar von voayager ,

gute Güte, so was kann wohl nur einem völlig unbedarften westdeutschen Hirn entspringen, Unwissenheit ich lasse grüßen

Kommentar von Philippus1990 ,

Die Partei sagt es selbst:

<<In einem Prozess vor der Pressekammer des Berliner Landgerichts hat die Linke ausdrücklich versichert, sie habe die Rechtsnachfolge der SED angetreten. An Eides Statt erklärte Bundesschatzmeister Karl Holluba: ",Die Linke' ist rechtsidentisch mit der ,Linkspartei.PDS', die es seit 2005 gab, und der PDS, die es vorher gab, und der SED, die es vorher gab.">>

http://www.welt.de/politik/article3649188/Die-Linke-Wir-sind-Rechtsnachfolgerin-...

Kommentar von ollesgemuese ,

Also leben wir immer noch im Deutschen Reich, denn die BRD ist nämlich auch rechtsidentisch dazu...

Kommentar von Quastroo ,

Auf den Beitrag von abibremer bezogen:

Ich finde die jede Partei hat so ihre Vergangenheit. Und bei der Partei "Die Linke" kann man ja, wie ich schon oben geschrieben hatte, Spuren aus der SED-Vergangenheit erkennen(Kommunistische Plattform ist die Deutlichste). Nun gut, dass jetzt nicht jedes Mitglied der Linken auch der SED angehörte, ist ja klar^^

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