Hat das Zweite Vatikanische Konzil der katholischen Kirche geschadet?

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7 Antworten

Fazit vorab Schaden: Verlust der Glaubensinhalte, Relativierung von Fundamentalaussagen (wie Gottheit Jesu Christi) durch einzelne "Katholiken", statt liebende Hoffnung ist bisweilen eine "faule" Heilsgewissheit festzustellen, weil es keine Verdammnis gäbe, weil jeder in den Himmel käme etc., dann Fehlgebrauch von Sakralem wie unbedachter Umgang mit der Kommunion. Im Ergebnis gingen sehr viele Religionsinhalte als allgemeine Glaubensinhalte verloren.

Begründung:

Die Idee des VK2 war - eventuell durch die Erfahrungen aus den Jahren davor - den Blick von außen zuzulassen bzw. sich darauf einzulassen und die praktischen Probleme aus der Kirche vor Ort auch in die höchste Kreise dringen zu lassen, damit die Kirchenleitung quasi aus der permanenten Selbstbetrachtung herausfindet und heutige Strömungen in sich hineinlässt, was z.B. den Weg in einem Dialog über sich selbst als Gegenstand mit nicht-Katholiken als Methode mündet.

Schädigung: Jedoch fiel das VK2 sehr schnell wieder in die Hände der Universitätsprofessoren wie Karl Rahner und der 2. Garde (den Jungwissenschaftlern hinter den Konzilstheologen wie Küng und Ratzinger), die hier ihre universitär-abstrakten Ideen experimentell zur Geltung zu bringen versuchten. Ratzinger war von Anfang an etwas konservativer und wurde dann im Vatikan derjenige, den wir allgemein kennen.

Die Autorität des Kirchengefüges litt stark darunter, dass sie sich selbst zur Diskussion stellte. Als Ergebnis des VK2 wurden daher keine strengen Lehrsätze platziert, sondern eher Kompromissformulierungen, welche eine Aufbrauchstimmung anzustimmen imstande war, jedoch mangels Führung und klaren Gehalts über die Jahre hin sich divers entwickelte.

Dieser Autoritätsverlust verbunden mit dem universitären Drang alles in Frage zu stellen, führt zu starken Einschränkungen fundamentaler Glaubenswahrheiten: So werden in späteren Jahren als Folge davon grundsätzliche Aussagen wie die Gottheit des Hl. Geistes, die Gottheit Jesu Christi, die Wandlung in Fleisch und Blut allgemein in Frage gestellt, entsprechend auch das Papsttum, die Stellung Mariens, wie auch der Wahrheitsanspruch und die Heilsnotwendigkeit. Daher gehen viele zu Kommunion, ohne an die Wandlung zu glauben. Sakramente wie insbesondere Kommunion werden empfangen, ohne sich Gedanken über den Gnadenstand zu machen, das Erfordernis der Beichte wird häufig verkannt. Vielen Katholiken sind wichtige Glaubenswahrheiten inzwischen schlicht unbekannt. Viele Katholiken glauben auch nicht mehr an ein objektiv gültiges Gottesbild, relativieren den universellen Anspruch von Jesus Christus.

Der Glaube hat durch das VK2 stark eingebüßt, an Stelle der Hoffnung trat eine bisweilen arg ungerechtfertigte Heilsgewissheit. Jedoch ist die Stellung z.B. alleinerziehender Mütter verbessert worden, die Ausgrenzungsproblematik auch sonst ist manchen Gemeinden vielleicht besser geworden. Die Caritas, die Unterstützung ärmerer Länder, von Hungernden, Obdachlosen ist meines Erachtens besser geworden, wirkt auf mich zumindest so. Es ist mir nicht aufgefallen, dass die Kritiker des VK2 eine größere Liebe hätten.

Man darf die kath. Kirche auch nicht nur in Deutschland betrachten. Ob die deutschen Katholiken schlechter oder besser werden, kann ich nicht beurteilen. Zur Welt (aus wiki): Weltweit verzeichnet die katholische Kirche einen Zuwachs in der Mitgliederzahl. Sie zählte 2009 1.166 Millionen Mitglieder, bei einem Zuwachs von 19 Millionen Mitgliedern bzw. 1,6 % gegenüber dem Vorjahr.[

Wenn Du Argumente gegen das zweite Vatikanum (VK2) suchst, kannst Du die Internetseiten der Priesterbruderschaft St. Pius X sowie noch "tradionalistischere" Gruppen besuchen, hier gibt es bisweilen sehr fanatische Aussagen. Auf der anderen Seite kritisieren auch die Progressiven das VK2 als stehengeblieben und altbacken, hier sieht man mitunter ziemlich von "Losgelöstes" und Eigenwilliges, quasi selbstgebastelte (und damit zwingend unverbindliche Religionsmodifikationen). Kritik in verschiedenen Facetten findet man auf diversen und bisweilen auch wenig sinnigen Seiten im Internet.

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Nach dem Tod des Papstes Pius XII war die Wahl von Johannes
XXIII wie eine Befreiung. Überall war die Strenge der vergangenen Zeit als
bedrückend empfunden worden.

Im Anfang der Kirche waren Konzilien üblich um offene Fragen
zu klären.

Johannes hatte erkannt, dass die Menschen Reformsignale
erwarteten (und das schon 1962). Die Öffnung ist vielleicht vergleichbar mit Glasnost
in Der Sowjet-Union (1985) oder der 68er-Bewegung in Deutschland, 1969 Willy
Brandt „Mehr Demokratie wagen“.

Die bedeutendsten Theologen der Zeit waren Berater der
Bischöfe.

Liturgie in der Muttersprache, Altar zum Volk waren einige
Aspekte, die viele Menschen mit Hoffnung erfüllten. Gerade junge Priester
hatten viel Schwung und es war sicher keine Bremse.

Schon der Nachfolger Paul VI bremste dann die Reformen
augenscheinlich, obwohl er nur ein vorsichtiger Mann war (Pillen-Paul). Er
lockerte sogar die Aussichten für verheiratete Priester in der Kirche einen
Platz zu finden (Laisierung - Enzyklika Sacerdotalis Caelibatus (Der Zölibat der Priester) von Papst Paul VI. aus dem Jahr 1967).

Aber Johannes Paul II legte da alles auf Eis und unterband
diese Linie durch Ignorieren der Anträge.

Erst Franziskus bringt wieder Schwung in die Reformen, er
scheint einfach Freiräume zu schaffen, ohne Konzil und verbindliche Vorgaben.
Es ist wohl ein Weg Verantwortung nach unten zu deligieren.

Sowohl das letzte Konzil und die neuen Gedanken von heute rufen
bei konservativen Kreisen Entsetzen hervor – bis zu Abspaltungen
(Pius-Bruderschaft, Opus Die).

Die Zeit fragt sogar, ob die Christen noch zwei Kirchen
(kath. evang.) brauchen.

Der Priestermangel liegt sicher nicht am Konzil. Eher geht
es den Menschen zu gut. In Krisenzeiten oder Kriegen nimmt die Bindung an Gott jedenfalls zu.

Die Rechtmäßigkeit von Konzilien ist auch durch das Kirchenrecht abgesichert und kann daher im engeren Sinne gar nicht falsch sein codex-iuris-canonici.de

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...da das Zweite Vatikanische Konzil ja unter anderem zu Priestermangel geführt hat.

Auch ohne 2. Vatikanisches Konzil wäre in Europa (!) der Priestermangel eingetreten. Allein schon durch die demografische Entwicklung ist der "Pool" bei uns an möglichen Priesterberufungen erheblich kleiner geworden, von anderen gesellschaftlichen Entwicklungen noch mal abgesehen. Läge es wirklich am Konzil, dann wäre auch die Situation in Asien und Afrika eine andere.


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Ich persönlich finde nicht, dass das 2. Vatikanum der Kirche geschadet hat. Was der RKK wirklich schadet sind die halbherzigen und zögerlichen Reformen.

Zu einem Großteil versucht man immer noch mit mittelalterlichen Methoden die Probleme des 21. Jahrhundert anzugehen und ist letztlich nicht in der Lage die Schuld der KIRCHE im zweiten Kreuzzug zuzugeben.


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Dass das 2. Vatikanische Konzil den Priestermangel verursacht hat, wird immer wieder behauptet. kann aber nicht bewiesen werden. Ein Blick in unsere evangelische Schwesterkirche lässt kritische Glaubende bei solchen Behauptungen vorsichtig werden. 

Das Vatikanum brachte eine "Verheutigung" des katholischen Glaubens, eine Versöhnung mit einigen Entwicklungen der modernen Zeit, ein vertieftes Verständnis, was eigentlich Kirche ist, eine Wiederentdeckung der heiligen Schrift, eine Neupositionierung zu den anderen christlichen Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften, einen wertschätzenden Umgang mit anderen Religionen und vieles mehr. 

Bitte lass dich nicht von einigen Anhängern der Piusbruderschaft verwirren und lies selber wenigstens einige Zeilen des Konzils!
http://www.vatican.va/archive/hist_councils/ii_vatican_council/index_ge.htm

___
vielleicht interessieren dich die nicht gerade modernistische Seite zum Thema: 

http://www.kathpedia.com/index.php?title=Zweites_Vatikanisches_Konzil

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Nicht das 2 Vatikanum hat der Kirche geschadet,sondern wohl eher  die freimütige wilde Interpretation der Konzils Dokumente.

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Wieso soll das Vaticanum zu Priestermangel geführt haben?

Nach dem, was ich von Priestern, die jetzt im Pensionsalter sind, gehört habe, gab es damals eine große Aufbruchstimmung in der kath. Kirche. Damals hatten sich einige entschieden, Priester zu werden.


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Kommentar von mango200
24.05.2016, 15:02

Das hatte ich halt auch eher gedacht :-/ es stand so in der Aufgabenstellung.

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