Frage von Wagenfeld2, 19

Hat das "genossenschaftliche Identitätsprinzip" in einer Genossenschaftsbank überhaupt noch irgendeinen Stellenwert?

Es geht da ja um die "Kunde ist Mitglied" Beziehung - aber ist das überhaupt noch wichtig? Gibt es nennenswerte Unterschiede bei der Beratung / Betreuung von Mitgliedern oder Nichtmitgliedern in einer Genossenschaftsbank?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von nittwitt, 10

Durch die Zeichnung von Geschäftsanteilen sind die Mitglieder Eigentümer und gleichzeitig Geschäftpartner (Kunde bzw. Lieferant) ihrer Genossenschaft. Das bedeutet Identitätsprinzip. Dadurch können Interessenskonflikte, wie sie häufig zwischen Eigentümern (hohe Gewinne) und Kunden (günstige Konditionen) bestehen, vermieden werden. Bei Mitgliederversammlungen bemessen sich die Stimmrechte nicht nach Kapitalanteilen, sondern nach der Grundregel: je Mitglied eine Stimme.

Das genossenschaftliche Geschäftsmodell der Kreditgenossenschaften wurden als Selbsthilfeeinrichtungen gegründet. Sie zielen nicht auf Gewinnmaximierung ab, sondern sind dem genossenschaftlichen Förderauftrag gegenüber Mitgliedern verpflichtet. Dadurch, dass Mitglieder von Volksbanken Raiffeisenbanken Eigentümer und zugleich Kunden sind, entstehen die üblichen Interessenskonflikte zwischen Bankaktionären und Bankkunden nicht. Gleichzeitig bietet die Mitgliedschaft bei einer Kreditgenossenschaft demokratische Mitwirkungs- und Kontrollmöglichkeiten in der Mitglieder- bzw. Vertreterversammlung und im Aufsichtsrat. Die Genossenschaft ist die einzige Rechtsform, die Kunden einen demokratischen Einfluss auf grundsätzliche Entscheidungen ihrer Bank ermöglicht.
Quelle: Genossenschaften in Deutschland DZ-Bank Research 

Die DZ Bank gehört ihren Mitgliedsinstituten - darum sollte die DZ Bank wissen worum es geht.....   

Das "Nichtmitgliedergeschäft"  sollte  ausschliesslich dazu dienen, zusätzliche  Erträge zu erwirtschaften um die Mitglieder dann noch besser fördern zu können. In diesem Sinne sind Mitglieder und Nichtmitglieder ungleich zu behandeln.  Hierzu mehr unter  www.foederauftrag.de    Das heißt die Nichtmitglieder sollten im Sinne der Genossenschaftsidee schlechtere Konditionen erhalten als die Mitglieder! ein Beispiel dafür sind die Bankgebühren. Kostenfreie Konten für  Genossenschaftsmitglieder, Gebühren für Nichtmitgieder.  

Antwort
von DeinBetriebsrat, 10

Die Identitätskrise des genossenschaftlichen Identitätsprinzip lässt sich doch wie folgt ganz einfach erklären: Das Mitglied ist Kunde seiner Genossenschaft und soll von den
Geschäften mit seiner Genossenschaft profitieren. Das findet in der Regel nicht mehr statt.
siehe hierzu auch        www.genotalk.de      Dieses Forum befasst sich mit Genossenschaftsbanken und Genossenschaften.

Der Genosse zahlt eine Einlage, haftet persönlich mit einer Nachschusspflicht,  trägt mit seiner Geschäftstätigkeit persönlich zum Geschäftserfolg seiner Genossenschaft bei, ist gemäß Gesetz und Satzung persönlich vom Geschäftserfolg seiner Genossenschaft ( Rücklagen Unternehmenswerte) ausgeschlossen. Hat nach der Einführung der Vertreterversammlung auch nicht mehr viel mitzureden.
Wenn du allerdings einen größeren Kreditbedarf hast, wird dir neben der obligatorischen „Versicherung“ auch noch eine Mitgliedschaft „untergejubelt“ - Mitgliederwerbung wird ab und zu
als Vorgabe gemacht. Betrachte Deine Einlage dann wie eine Bürgschaft oder einfach als „Nebenkosten des Geldverkehrs“

Die aus dem gesetzlichen Förderauftrag abzuleitende Gegenleistung der Genossenschaft, die persönliche Förderung des Mitglieds fällt heute weitgehend aus und wird laut Vorgaben von oben heute in der Genossenschaftsbank als Sozialromantik abgetan. Dafür fördert die Bank - häufig mit den Überschüssen aus dem Gewinnsparen - die Region, also den Kindergarten, Spielplatz oder Seniorenaktivitäten, bietet (krisensichere?) Arbeitsplätze, beauftragt lokale Handwerker und zahlt Steuern in der Region! Das steht wirklich so in unseren Broschüren!
Da Mitglieder und Nichtmitglieder weitgehend gleich behandelt werden kannst Du die Mitgliedschaft - zumindest in ländlichen Regionen - ehr als Folklore bezeichnen. Da gibt es einmal im Jahr einen geselligen Abend mit Vorstand, Freibier und einer warmen Mahlzeit und ein kostenfrei Belustigung. In der Regel wird auf die EZB geschimpft und auf die südeuropäischen Staaten, die das Zinsniveau drücken.
Aber das Ergebnis ist ja bekannt - die Mitglieder sind zufrieden, die Banken haben ein gutes Image und ein Großteil aller Mitglieder hat nicht die geringste Idee wie eine Genossenschaft funktioniert.

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