Frage von jaguaresque, 12

Hat Charles Bally recht, wenn er behauptet, dass Deutsch die phänomenologische Neigung hätte?

 Charles Bally aus der Schweiz behauptet in seinem "Linguistique générale et linguistique française" (1932), dass Deutsch im Unterschied zum Französischen die phänomenalistische Neigung hätte. Der Grund soll es sein, dass Deutsch den Unterschied zwischen der Richtung der Bewegung und der Stelle der Bewegung durch den morphologischen Unterschied zwischen dem Dativ und dem Akkusativ nach den bestimmten Präpositionen ausdrücken kann. Das ist mir nicht überzeugend. Wenn jemand davon überzeugt ist, beschreibe mir bitte die Denkweise.

Antwort
von achwiegutdass, 2

Ich finde die Diagnose auch ziemlich uninteressant bis inkonsistent, habe aber eine Erklärung dafür:

Damals war die deutsche Phänomenologie die herrschende Denkrichtung (Husserl, der frühe Heidegger, Jüngere wie Gadamer und Löwith...) und hat entsprechend in Frankreich gewirkt (Sartre "entdeckt" damals die deutsche Phänomenologie in Berlin), den für Frankreich war die deutsche Philosophie immer schon eine Autorität (Hegelianismus und Kantismus stellen bis heute in Frankreich starke Tendenzen dar - die phänomenalistische Neigung kann sich nicht zuletzt auf Kant berufen).

Bally war zwar Schweizer (Nachfolger und Herausgeber seines Landmanns Saussure), war aber in Frankreich durchaus anerkannt (1937 Dr. honoris causa an der Sorbonne) und hat gespürt, dass der Hinweis auf diese Denkrichtung damals ein Positivum war. 

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