Frage von Zebbinho, 70

Handwerker macht einen Fußboden "schwarz", dann Schäden, dann macht er sich vom Acker. Was ist die beste Strategie?

Ein Fußboden (eine Art Sichtestrich) wurde von einem MA einer auf diese Thematik spezialisierten Firma in einem Privathaushalt verlegt. Dieser zeigt nach einiger Zeit Risse, für die es eine gängige Methode zur Behebung dieses Mangels gibt. Er hat diese Arbeit jedoch ohne Rechnung durchgeführt und reagiert (nach vollständiger Barzahlung) nicht mehr auf Anrufe oder ignoriert Terminvereinbarungen weitgehend. Sein Arbeitgeber ist im Umkreis von zig Kilometern das einzige Unternehmen, dass diesen Mangel beseitigen könnte und er "Spezialist" für diese Dinge in dieser Firma. Auf die Frage hin, wie ich da vorgehen würde, also z.B. den Handwerker unter Druck setzten, die Firma kontaktieren, es weiter mit "einschmeicheln" versuchen und hoffen, dass er es doch irgendwann erledigt, habe ich keine Antwort. Hat jemand Erfahrungen damit oder "best practice" Ideen? Für die Auftraggeber stellt sich ja schließlich auch die Frage, welche Konsequenzen es haben kann, weil sie ja einen Handwerker "schwarz"beschäftigt haben.

Expertenantwort
von furbo, Community-Experte für Recht, 51

Die beste Strategie ist, alles rauszureißen und durch einen Fachbetrieb neu machen zu lassen, mit Rechnung und allem Drum und Dran. 

Der BGH hat "Schwarzarbeitsverträge" als nichtig beurteilt und deshalb jegliche Mängelrüge ausgeschlossen.

http://juris.bundesgerichtshof.de/cgi-bin/rechtsprechung/document.py?Gericht=bgh...

Sieht also rechtlich sehr schlecht für dich aus. Du könntest dem Handwerker   Mit einer Selbstanzeige beim Finanzamt drohen. Ob das aber hilft, ihm Beine zu machen, steht in den Sternen.

Antwort
von vierfarbeimer, 52

Du hast die gleichen Rechte auf Schadenregulierung dieser Schwarzarbeit, als wenn es regulär auf Rechnung abgrechnet worden wäre. Wenn du es gerichtlich durchsetzen musst, musst du natürlich eine Selbstanzeige wg. Steuerhinterziehung in Kauf nehmen, genauso wie der Schwarzarbeiter angezeigt werden würde. Also für euch beide eher suboptimal.

Du hast nur diese zwei Möglichkeiten.

Entweder die Regulierung im Einvernehmen, oder die Regulierung auf dem Rechtsweg. Alles andere ist Pillepalle.

Kommentar von furbo ,

Die Rechte bei Schwarzarbeit sieht der Bundesgerichtshof aber ganz anders als du. 

Antwort
von tapri, 50

du hast einen Auftrag erteilt, es wurde schlechte Leistung abgegeben und nachgebessert. So wie ich das verstanden habe. Für die Nachbesserung brachst du gar keine Rechnung, denn die muss kostenfrei erledigt werden. Mit wem hast du denn einen Vertrag? Mit dem MA oder der großen Firma? Du musst letzte Frist für Nachbesserung einräumen (Einschreiben mit Rückschein) bei dem, mit dem du einen Vertrag hast. Gleich reinschreiben dass du nach dieser Frist eine andere Firma beauftragen wirst (da musst du einfach jemanden suchen, auch wenn der weiter weg ist) und der 1. Firma die Mehrkosten in Rechnung stellen wirst...... Je nach dem wie hoch die Kosten sind, solltest du einen Anwalt einschalten.....

Kommentar von tapri ,

P.S. Selbstanzeige wegen Schwarzarbeit ist natürlich die Vorausetzung für alle weiteren Schritte

Kommentar von furbo ,

Selbst bei einer Selbstanzeige wäre sie nicht mehr als einDruckmittel. Der schwarze Werkvertrag ist von Anfang an nichtig und deshalb sind Mängelrügen usw. sinn- und zwecklos.

Kommentar von tapri ,

Falsch... da haben sich die Gesetze geändert. Auch Leistungen die aus einem Vertrag der auf Schwarzarbeit basiert sind einklagbar

Kommentar von Spezialmann ,

Falsch... da haben sich die Gesetze geändert. Auch Leistungen die aus einem Vertrag der auf Schwarzarbeit basiert sind einklagbar

Das wäre mir neu, wo steht das? Der BGH hat 2013 eindeutig geurteilt - keine Haftung für Pfusch bei Schwarzarbeit.

Kommentar von tapri ,

es ergibt sich auf das Recht auf Vertragserfüllung auch bei bei Schwarzarbeit. Also Nachbesserung

Kommentar von Spezialmann ,

es ergibt sich auf das Recht auf Vertragserfüllung auch bei bei Schwarzarbeit. Also Nachbesserung

Nein, eben nicht. Der BGH hat entschieden, dass Verträge über Schwarzarbeit von vornherein nichtig sind. Und die Erfüllung eines nichtigen Vertrages kannst du nicht verlangen, ebenso keine Nachbesserung.

BGH-Urteil vom 01.08.2013, Az. VII ZR 6/13:



Der zwischen den Parteien geschlossene Werkvertrag ist gemäß § 134 BGB i.V.m. § 1 Abs. 2 Nr. 2 SchwarzArbG nichtig.


Die Nichtigkeit des Werkvertrages führt dazu, dass der Klägerin keine Mängelansprüche zustehen.

Antwort
von Aileen872, 70

Ich würde ihnen ein Einschreiben mit Rückschein mit einer Frist schicken und darin schon androhen, einen Anwalt einzuschalten, falls die Frist nicht eingehalten wird. Meist hilft das dem Chef schon auf die Sprünge.

Kommentar von Zebbinho ,

Es war, falls es unklar formuliert war, ein MA der Firma, der vollkommen alleine und auf eigene Rechnung agiert hat.

Kommentar von Papabaer29 ,

Und die Selbstanzeige wegen Steuerhinterziehung nicht vergessen!

Antwort
von Papabaer29, 59

Beauftrage eine seriöse Firma den Schaden zu beheben.

Wenn dann (wider Erwarten) Mängel auftreten kannst du auch Ansprüche geltend machen.

Kommentar von Zebbinho ,

Das war die Strategie 1. Leider gibt es keine Firma, außer der aus der der MA stammt, der die Arbeit alleine und auf eigene Rechnung gemacht hat, die in Frage kommt.

Kommentar von Papabaer29 ,

Na dann musst du wohl den Suchradius erweitern.

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