Frage von LukDill02, 55

Haltet ihr es für sinnvoll Griechenland, in der Eurozone zu halten?

Hallo Leute,

Auch wenn das Thema nicht mehr ganz so aktuell ist, würde ich gerne eure Meinung dazu hören, dass man in Berlin/Brüssel Griechenland unbedingt in der Eurozone halten möchte. Also warum bezahlt DE eurer Meinung nach so viel Geld an Griechenland, welches sie wahrscheinlich nicht mehr (oder maximal einen Anteil) zurückbekommen wird?

Bin gespannt auf eure Meinungen ;)

Expertenantwort
von Unsinkable2, Community-Experte für Politik, 16

Haltet ihr es für sinnvoll Griechenland, in der Eurozone zu halten?

Ja. Wenn Griechenland aus der Euro-Zone genommen wird, dann verlieren nicht nur der deutsche Staat, die deutsche Wirtschaft und deutsche (und französische) Banken, sondern dann wird der gesamte Euro zum Ziel für die Spekulanten. 

Also warum bezahlt DE eurer Meinung nach so viel Geld an Griechenland

Weil es bis heute Leute gibt, die glauben, die Spezialdemokraten, Konservativen und Liberalen hätten ein Interesse daran, den Staat so zu führen, dass er dem gesamten Volk dient. 

Das Totalversagen der Konservativen und Liberalen ist offensichtlich. Griechenlands Wirtschaft hat durch die "Rettungsmaßnahmen" einen Einbruch erlebt, den der Zweite Weltkrieg nicht verheerender realisieren konnte. Spanien und Portugal liegen seit Jahren am Boden. Frankreich nähert sich der 100%-Verschuldung und wird sie nächstes Jahr erreichen. Großbritannien, das Heimatland der Liberalen, ist mit 90% verschuldet, selbst in Dänemark und Schweden hat die Privatverschuldung neue Rekorde erreicht...

Einzig die Banken und die Reichen sind nicht betroffen.* 

Und da die Spezialdemokraten, Konservativen und Liberalen noch an der Macht sind, zahlen die Steuerzahler fleißig weiter an die Banken, Spekulanten und Reichen.

*) http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/neuer-armuts-und-reichtumsbericht-der-bundesregierung-reiche-trotz-finanzkrise-immer-reicher-1.1470673

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Darüber hinaus gilt, was @berkersheim schon sagte: Griechenland ist längst nicht das einzige Problem, das die Euro-Zone hat.

Sie alle sind von sozialdemokratischen, konservativen und liberalen Regierungen komplett abgewirtschaftet und in der aktuellen Krise (die seit 2007 anhält) vollständig an die Wand gefahren worden. Dagegen wirkt das "Griechenland-Problem" längst wie ein Kinderspielplatz für Arme...

Und ja: Auch Deutschland ist nicht imstande, noch so eine Krise, wie die von 2007 durchzumachen. Doch da bahnen sich längst noch größere Krisen an.

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Zum Vergleich, damit du ein Gefühl für die Größe bekommst:

  • Die aktuelle Krise hat weltweit insgesamt  10 Billionen Dollar* verbrannt.
  • Die kommenden Krisen steuern auf gigantische Ausmaße hin: Derzeit belaufen sich allein die Schulden auf dem Anleihenmarkt auf 100 Billionen Dollar.** Das ist eine Verdoppelung seit dem Beginn der aktuellen Krise, also seit 2007/2008. 

Und die Anleihen sind, so sagen diverse Experten - von McKinsey über Warren Buffet bis zum Nobelpreisträger Shiller -, obendrein massiv überbewertet ... Sie bilden eine "Blase", die irgendwann in naher Zukunft platzen wird. 

*) http://www.wiwo.de/unternehmen/finanzkrise-preisschild-fuer-finanzkrise-10-5-billionen-dollar/5572076.html

**) http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/biz-globale-schulden-wachsen-auf-100-b...

Und das ist nur die Spitze des Eisberges... 

Selbst wenn sich das Krisenvolumen nur verdoppeln sollte (was eine überaus vorsichtige Schätzung ist), wären die Summen horrend: Woher man beispielsweise die 3 Billionen Euro* hernehmen will, um allein die "systemrelevanten Banken in der EU" zu retten, dürfte wohl auch bei Herrn Schäuble das eine oder andere Stirnrunzeln verursachen...

*) http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/finanzkrise-steuerzahler-stuetzt-bankensek...

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Wie auch immer: Das Gesamtvolumen der kommenden Krise wird man erst etwa 2 - 5 Jahre nach dem Einbruch der Krise halbwegs sicher bestimmen können. 

Fakt ist derzeit nur, dass sich alle Experten darin einig sind, dass die aktuelle Krise nur das Vorspiel zu einer sehr viel größeren Krise ist...

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Und dann wird deine nächste Griechenland-Frage eher mit einem Wunsch gekoppelt sein: "Können wir die guten alten Zeiten, in denen wir nur 15 Milliarden Euro an Griechenland zahlen mussten, endlich zurückbekommen?" ... Und die Antwort wird lauten: "Ja, im nächsten Leben vielleicht..." ;) 

Antwort
von OlliBjoern, 13

Ich bin mir nicht sicher, ob der Teilsatz "welches sie wahrscheinlich nicht mehr zurückbekommen wird" wirklich objektiv richtig ist. Gibt es handfeste Belege dafür (etwas anderes, als dass es plausibel erscheint, dass es so ist)?

Klar ist doch, dass in dem Moment, in dem Griechenland die EU verlassen würde, die Banken, denen gegenüber G. Verpflichtungen hat, ihre Kohle abschreiben müssten. Wenn dir dein Nachbar Geld schulden würde, würde es dir auch nichts bringen, wenn du ihn aus der Stadt wirfst, oder? Vermutlich würdest du wollen, dass er da bleibt, und seinen Verpflichtungen nachkommt.

Und dazu macht es ja Sinn, dabei zu helfen, dass G. eher auf Beine kommt, um selber mehr dafür tun zu können. Leider hatte G. die letzten 20 Jahre weitgehend verpennt, was die moderne Wirtschaftsentwicklung angeht (was man weniger der EU anlasten kann). Mit ein paar Reedereien, Tourismus und Olivenanbau kommt man heutzutage nicht sonderlich weit.

D.h. ohne Investitionen wird es kaum gehen, das Land zu modernisieren. Es ist schwierig, aber wie sollte es anders gehen?

Antwort
von soissesPDF, 8

Das ist keine Frage von sinnvoll oder nicht, geht der Erste aus dem Euro werden ihm Weitere folgen.
Dann ist Zahltag in Euroland angesagt.
Aktuell wackelt Italien, mit 360 Milliarden € faulen Krediten in den Bankbilanzen.

http://www.faz.net/aktuell/finanzen/aktien/was-tun-mit-italiens-banken-14319121....

Die Politik wird den Zahltag meiden wie der Teufel das Weihwasser.
Die Finanzkrise ist nicht vorbei, sie wurde nie gelöst.
Frei nach Konfuzius: "einen Abgrund überwindet niemand mit zwei kleinen Schritten".

Antwort
von Shiftclick, 32

Bis jetzt ist es so, dass Deutschland am meisten von der Griechenlandkrise profitiert. Da wäre es unsinnig, für einen Grexit zu sein. Die Mehreinnahmen durch die Krise in Deutschland sind seit 2010 im 3-stelligen Milliardenbereich.

Kommentar von LukDill02 ,

Warum bekommt DE Geld wenn Griechenland in einer Krise steckt?

Kommentar von Shiftclick ,
  • Deutschland profitiert einer Studie zufolge finanziell stark von der Krise in Griechenland und anderen Euro-Staaten. Dank stark gesunkener Zinsen auf deutsche Staatspapiere habe der Bund seit 2010 insgesamt etwa 100 Milliarden Euro gespart, schrieb das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH).

https://www.tagesschau.de/wirtschaft/deutschland-profitiert-von-griechenland-kri...

Du musst keine Fachartikel lesen, um nachvollziehen zu können, dass es Deutschland wirtschaftlich in den letzten Jahren immer besser ging. Die Steuermehreinnahmen im letzten Jahr mussten mehrfach um Beträge von 10 oder 20 Milliarden nach oben korrigiert werden. Ob die im einzelnen auf die Griechenlandkrise zurückzuführen sind, wie das im oben erwähnten Artikel bezüglich der Zinsen und der gestiegenen Bonität von Deutschland getan wird, ist zunächst einmal egal. Obwohl Deutschland in die Hilfsprogramme etwas eingezahlt hat, geht es uns wirtschaftlich besser und besser. Insgesamt hat Deutschland über etliche Jahre eine Politik gemacht, die ihm nützt und in keinster Weise schadet.

Antwort
von voayager, 8

Deutschland zahlt überhaupt nicht viel Geld an Griechenland, wo haste denn den Quatsch her. Deutschland leiht Geld für die Gläubigerbanken Hellas, das sind 90% der Schulden, die da angefallen sind. diese Kredite sind verzinst, müssen also nebst Zinsen wieder an den deutschen Staat durch Athen zurückgezahlt werden.

Der bescheuerte Glaube, Deutschland sei eine Kuh, die gemolken wird, hält sich offensichtlich hartnächig. Wenn jeand gemolken wird, dann das griechische Volk, das einem eisernes Spardiktat von Deutschland und Frankreich sowie der EU-Führung auferlegt bekam und bekommt.

Kommentar von LukDill02 ,

Aber Griechenland wird das meiste Geld höchstwahrscheinlich nicht zurückzahlen können deswegen ja die Schuldenschnitte

Kommentar von voayager ,

Es wäre gerechtfertigt gewesen, wenn man Griechenland die Schulden erlassen hätte, entweder z.T. oder ganz. Noch nicht mal ein Schulden-Moratorium gewährte man dem Land.

Antwort
von Schwizz, 32

Ja ich finde schon , ohne die EU wären sie aufgeschmissen

Antwort
von berkersheim, 12

Wer spricht noch von Griechenland? Jetzt warten fettere Brocken wie Portugal, Spanien und vor allem Italien. Und das ohne das Geld von Britannien!

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2016/07/05/italien-verweigert-merkel-...

Antwort
von Andretta, 27

Das große Geld für Griechenland ist eine einzige weitere Bankenrettung. Kennen wir ja. Hatten wir ja auch schon im Land.

Griechenland wird gerade ausverkauft.  Ein Schnäppchen nach dem anderen - für die Großen dieser Welt.

Mit dem Land in EU und Eurozone ist das natürlich attraktiver für die Investoren. Zudem kann die EU - und via EU auch die Wirtschaft - besser Bedingungen diktieren.

Antwort
von ctest, 13

Es ist völlig unsinnig die Eurozone zu verkleinern ... das vernichtet nur Geld. Leute die wieder zurück, zu den vertrottelten Landeswährungen kommen wollen, sind völlig neben der Spur. Griechenland hat ein ganz enormes Potential. Das ist eines der interessantesten EU Mitgliedsländern überhaupt.

Antwort
von Biance, 6

Nein,es ist ein Kostenfaktor ohne Ende!Bei 1Rettungspacket hätte es ein Ende nehmen müssen,aber es vollgen immer weitere!

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