Frage von 420JP, 106

Haltet ihr diese Theorie für möglich, was sind die Gegenargumente?

Um es kurz zu halten; Ich bin 17 Jahre alt und komme aus Zürich. Ich arbeite in der Lebensmitteluntersuchung und kam vor einiger Zeit durch die zahlreichen und zum Teil unglaublichen Phänomenen auf die Physik. Da sich meine mathematischen Fähigkeiten in Grenzen halten sind meinen Kenntnissen extreme Grenzen gesetzt. Trotz meinem zusammengekrempeltem "Internet-Wissen" finde ich grossen Spass daran, darüber nachzudenken und auch zu philosophieren. Ich möchte euch nun eine dieser Überlegungen präsentieren:

In der Annahme, dass unser Universum aufgrund der Expandierung aus einem Punkt entspringt, muss konsequenterweise alles was heute in unserem Universum existiert einmal in diesem "Punkt" enthalten gewesen sein. Was gibt es denn überhaupt, was dieser Anforderung entspricht? Geht man davon aus, das über hunderte Milliarden von Jahren alles in einem schwarzen Loch endet, was aus meiner Sicht trotz Expandierung durchaus Sinn ergibt, würde dieses letzte schwarze Loch genau diesen Anforderungen entsprechen, da es ja den gesamten Inhalt des Universums in sich aufgenommen hat. Ein in sich geschlossener Kreislauf?

Da ich es für durchaus möglich halte und nirgends ähnliche Sichtweisen fand, wäre ich froh um eure Antwort..

Was haltet ihr davon? Was spricht dafür und was dagegen?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Matz84, 83

Erstens: das Thema Astrologie in den Tags hat hier nichts zu suchen.

Zweitens: Sei vorsichtig mit dem Wort "Theorie". Falls es dir nicht klar ist: Eine naturwissenschaftliche Theorie ist KEINE unbestätigte Idee/ Vermutung wie es/etwas sein könnte. Gerade wenn ein Laie sich da etwas ausdenkt, ist das meist keine Theorie, es erfüllt nichtmal ansatzweise die Kriterien, eine naturwissenschaftliche Theorie zu sein.

Eine naturwissenschaftliche/ physikalische Theorie ist ein geschlossenes Erklärungsmodell, dass etliche erkenntnistheoretische Kriterien erfüllen muss, präzise und widerspruchsfrei quantitativ formuliert ist, Möglichkeiten zur Überprüfung bietet (mit dem möglichen Fall, an der Überprüfung zu scheitern) und im besten Fall schon bestens bestätigt ("belegt") ist. Also: Auch nach der erfolgreichen (!) Überprüfung ist es eine Theorie.

Wenn etwas durch unzählige präzise experimentelle Tests so dermaßen gut bestätigt wurde, dass eine bessere Bestätigung gar nicht möglich wäre, auch und gerade dann ist es eine Theorie. Gesichert bestätigte "Theorie" ist eben die höchste Stufe, die ein Erklärungsmodell in der Wissenschaft überhaupt erreichen kann.

So sind alle Erklärungsmodelle/ Bereiche der Physik; die newtonsche Mechanik, die Elektrodynamik, die Thermodynamik, die Relativitätstheorie, die Quantenmechanik, usw., Theorien.

Leider ist das vielen, sehr vielen, nicht bewusst, und so werden einerseits ständig irgendwelche Ideen gleich als Theorie bezeichnet, und andererseits lest man oft die meist abwertend gemeinte Aussage "es ist ja nur eine Theorie" (im Sinne von: man hat ja noch nicht getestet ob es wirklich so ist, man muss es daher nicht ernst nehmen wenn es nicht ins Weltbild passt), was in diesem Sinne völliger Unsinn ist.

Jetzt mal zum eigentlichen Thema:

Der Urknall bedeutet im Prinzip den Beginn der Expansion der Raumzeit. Es ist NICHT so, dass es einen leeren Raum gab, und in diesem war alles in einem Punkt vereinigt und begann dann auseinanderzufliegen/ zu expandieren. Nein, der Raum selbst (bzw. da er mit der Zeit verknüpft ist, die Raumzeit) expandiert.

Der ganze Raum selbst (!) der heute unser beobachtbares Universum ist (und das was darin enthalten ist) befand sich in einem extrem verdichteten "Anfangszustand" (bzw., wenn wir bis zur Singularität extrapolieren: war an einem "Punkt" verdichtet) und begann dann zu expandieren.

(Übrigens: Dabei muss dies, was wir heute als unser beobachtbares Universum sehen und was damals so verdichtet vorlag, gar nicht alles sein. Über die Größe des gesamten Universums (nicht zu verwechseln mit dem beobachtbaren Universum!) sagt die Urknalltheorie erstmal nichts aus. Wie es ist wissen wir nicht, aber: Das Universum könnte unendlich groß sein, es könnte auch schon beim Urknall selbst unendlich groß gewesen sein. Das ist kein Widerspruch, wie viele meinen. Es geht um die Expansion des Raumes (Verringerung der Dichte). Beim Urknall begann extrem verdichtete Raumzeit zu expandieren. Auch etwas unendlich großes könnte dabei expandieren. Stell dir einen (unendlich langen) Zahlenstrahl vor, der dann wie ein Gummiband gedehnt wird. Ein damals winziger Ausschnitt der möglicherweise unendlich großen Raumzeit wäre dann in den knapp 14 Mrd. Jahren auf die aktuelle Größe unseres beobachtbaren Universums herangewachsen.)

Ein Schwarzes Loch dagegen ist, vereinfacht gesagt, einfach ein extrem verdichtetes Objekt (Materie) IM Raum. Auch wenn die Materie aufgrund der Gravitation sich in ferner Zukunft immer weiter verdichten würde (was wohl nicht so ist, da das Universum beschleunigt expandiert), solange noch Raum selbst zwischen den Materieklumpen/ Schwarzen Löchern vorliegt; und auch wenn sich alles in einem Loch vereinigen würde, solange es noch Raum außerhalb des Schwarzen Loches gibt, ist der Zustand nicht mit dem Urknall vergleichbar. Ist dir das klar? Die gesamte Raumzeit selbst müsste kollabieren, was sie aber nach gegenwärtigemn Stand wohl nicht tun wird (s.u.).

Über die Zeit hinweg MUSS wegen der Gravitation schlichtweg alles in einem schwarzen Loch enden.

Nein. Nach dem gegenwärtigen Stand expandiert das Universum beschleunigt, und es sieht danach aus dass es immer weiter expandieren wird.

Beschäftige dich doch erstmal ein bisschen mehr mit dem Thema (Allgemeine Relativitätstheorie, Kosmologie, und die Sache mit der Dunklen Energie und der beschleunigten Expansion des Universums; da gibt es auch genügend populärwissenschaftliches dazu), bevor du als Laie gleich zu solch hanebüchenen Aussagen (... es MUSS so sein...) kommst.

Deine Idee geht eher in Richtung "Pulsierendes Universum", aber dieses Szenario ist nach gegenwärtigem Stand unwahrscheinlich:

http://www.spektrum.de/lexikon/astronomie/pulsierendes-universum/364

Kommentar von 420JP ,

Vielen Dank für deine ausführliche Antwort! Im nachhinein ist die Wortwahl mit Theorie wirklich sehr ungeschickt, es ist mir natürlich bewusst dass es keine richtige Theorie im wissenschaftlichen Sinne ist sondern nur ein Gedanke der mir aufkam. Dennoch danke für deine genaue Ausführung was Theorien betrifft.

Mit deinen Aussagen macht meine Vermutung natürlich keinen Sinn mehr :)
Ich habe mich nach dem der Gedanke aufkam nochmals neu informiert, was mich nirgendwo hinführte, deshalb fragte ich hier.

Nochmals Danke für deine ausführliche Erklärung!

Kommentar von 420JP ,

Ach ja und zur Astrologie xD => Astronomie (Ich neige zu Verwechslungen)

Kommentar von Matz84 ,

Nochmals Danke für deine ausführliche Erklärung!

Gerne           =)

Und wenn es dich interessiert: Hier ist ein populärwissenschaftlicher Artikel zum Urknall, der über einige häufige Missverständnisse aufklärt:

http://homepage.univie.ac.at/Michael.Berger/lit/urknall.pdf

Kommentar von Matz84 ,

Und wenn du mehr zur Kosmologie/ Urknall und speziell auch zur dunklen Energie/ beschleunigten Expansion lesen willst, gibt es auf populärwissenschaftlichem Niveau z.B. die Bücher von A. Pauldrach:

http://www.amazon.de/Adalbert-Pauldrach/e/B00MW99IL4

(wobei im Neueren auch viel von dem älteren wiederholt wird).

Antwort
von Jonny1776, 68

Also zunächst gibt es verschiedene Theorien über schwarze Löcher, aber keine hat auch nur annähernd mit dem Lebensgang unseres Universums zu tun.
Bevor unser Universum entstanden ist gab es ja bekanntlich nichts, außer dem von dir besagten Etwas, das in etwa so viel Energie enthalten haben muss wie in unserem Universum existiert. Alles andere ist reine Spekulation (wie, zugegebenermaßen, fast alles in der theoretischen Physik). Materie spielt hier fast keine Rolle.
Wie unser Universum enden wird, dazu gibt es auch einige Theorien (hier stark vereinfacht erklärt):
Das Universum dehnt sich aus und das so lange bis es sich praktisch auseinander reißt.
Oder, so lange bis es sich wieder zusammen zieht und zu diesem, deinem Etwas wird.
Es gibt noch mehr davon, aber die sind alle im Internet nachzulesen.
Für ausführliches googel einfach nach "big bounce" und "big crunch". Ich hoffe ich konnte dir etwas helfen. LG

Antwort
von gilgamesch4711, 93

  Ich halte es eher für Unwahrscheinlich, dass das Universum in einem schwarzen Loch endet. Aber grundsätzlich; was hältst du davon, dich erst mal auf die ART einzulassen? Mit willkürlichen Mutmaßungen kommst du da einfach nicht weiter.

Kommentar von 420JP ,

Ich habe bewusst extrem viele Dinge "missachtet", es geht mir dabei mehr um die Idee. Warum hälst du es für Unwahrscheinlich? Da man bis jetzt noch nicht weiss wie ein schwarzes Loch endet, muss man aus heutiger Sicht konsequenterweise davon ausgehen, dass alles aufgrund der Gravitation in einem "finalen" schwarzen Loch endet. Alles in allem sollte dieser Beitrag zu einem Gedankenstoss anregen.

Antwort
von Bonbonglas, 104

Der Zustand des Universums vor dem Urknall ist mit keinem gegenwärtigen Zustand vergleichbar. Es hatte eine unglaublich hohe Masse und war unglaublich dicht. Nachdem es geknallt hat, haben sich erst die ersten Elementarteilchen geformt.

Ein schwarzes Loch entsteht, wenn ein Stern stirbt. Es hat zwar auch eine große Masse, aber weit nicht mit dem Ursprung vergleichbar. Welcher Stern soll denn so mächtig sein, dass dessen schwarzes Loch das ganze Universum verschlingt? So einen gibt es nicht.

Das Universum expandiert, aber da es nicht explosionsartig geschieht, kann es auch nicht nochmal zu einem allumfassenden Knall kommen, welcher ein "schwarzes Loch" erzeugt.

Kommentar von 420JP ,

Es geht dabei um die Annahme, dass über hunderte Milliarden von Jahren alles in einem schwarzen Loch endet. Und dieses "finale" schwarze Loch ist definitiv mit dem Anfangszustand unseres Universums vergleichbar. Es ist ja nicht nötig, dass ein riesiger Stern ein riesiges schwarzes Loch bildet, welches dann sofort alles einsaugt. Über die Zeit hinweg MUSS wegen der Gravitation schlichtweg alles in einem schwarzen Loch enden. Was dann schlussendlich mit diesem "finalen" schwarzen Loch passiert steht natürlich in den Sternen. Aber da wir bis anhin noch nie ein Ende eines schwarzen Lochs beobachten konnten, kann man sowieso nur spekulieren.

Kommentar von Bonbonglas ,

Die Gravitation müsste hierzu an einem Punkt konzentriert sein im Universum, ist es aber nicht. Jeder Körper trägt Masse und auch die dunkle Materie kann man nicht an einem Punkt festmachen, insofern ziehen sich alle Massen an, während andere Kräfte wie z.B. Zentrifugalkräfte dem entgegen wirken. Es sieht im Hinblick auf die Expansion eher aus, als ob das Universum eher auseinanderdiffundiert.

Kommentar von 420JP ,

Genug Zeit für ein Zusammenkommen aller Körper wäre ja durchaus vorhanden, aber zumindest in Anbetracht auf dunkle Materie muss ich dir natürlich recht geben.

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