Geborg am 02.03.2008 um 21:30 Uhr
Viele Leute sagen die Geschichten vom Struwwelpeter sind grausam. Sind die Gebrüder Grimm für Kinder nicht minder schlimm? Wie ist eure Meinung?

Total überalterte Pädagogik! Die Geschichten habe ich meinen Kindern schon nicht angetan!

Ich hatte es meinem Sohn erspart.

Der Struwwelpeter ist von pädagogischer Seite total überholt. Heute erzieht man seine Kinder durch positive Beispiele und Lob, nicht aber durch Schreckensvisionen. Ich hasse ihn, weil ich ihn ertragen mußte, und erspare ihn meinen Kindern!
raubkatze am 2. März 2008 21:48 Die Gebrüder Grimm haben schöne klassische Märchen gesammelt, bei denen typischerweise das Gute siegt. Im Struwwelpeter sind die Kinder die Bösen, die die Daumen abgeschnitten bekommen,-grausam!- H. C. Andersens Märchen sind ein Mittelmaß; das sind eher Märchen für Erwachsene, deren Inhalt Kinder noch nicht verstehen können.
Shira am 2. März 2008 21:48 Bin absolut deiner Meinung, raubkatze!
Ich hab`s überlebt :-))
Also ich finde allgemein das Märchen ganz schön brutal sind aber wenn die Kinder wissen das das nicht reel ist sondern ein Märchen ist es okay. Meine Mutter hat mir als Kind viele Märchen vorgelesen und ich habe es gut überstanden.

Lassie ist grausam, Fury war ein Wilder, Flipper war eingesperrt....irgendwo findet man immer was "pädagogisch" bedenkliches. Wenn man sucht findet man meistens was. Für mich ist das alles Quatsch.....
wenn man den Kinder den Hintergrund erklärt (ist ja nicht so,dass die Geschichten keinen tieferen Sinn hätten) und auch ganz klar macht, dass die Geschichten stark übertrieben sind! Ist auch eine Frage des Alters!

am 2. März 2008 21:32 Sind zwar irgendwie Horrormärchen und machen Zeichnungen finde ich jetzt als Erwachsener auch irgendwie häßlich. Aber geschade haben die Märchen noch keinem. Sind auch nett geschrieben und in schöne Versen. Eigentlich etwas, das Kindern gefällt. Nur manche Moralvorstellungen sind vielleicht etwas veraltet.
RolfHoegemann am 2. März 2008 21:33 DH

am 2. März 2008 21:38 Ich finde den Struwwelpeter auch OK - Kinder sehen schon, dass das heute nicht mehr wortwörtlich zu nehmen ist - sehen aber auch, wenn man sie darauf hinweist, dass da reale Gefahren in Verse und Bilder gekleidet sind.
Z.T schon erstaunlich, wie "aktuell" manche Dinge sind: Zappelphilip = ADHS (Danke M.P.) - Suppenkasper = Bullemie - Der böse Friederich = jugendlicher schwererziehbarer Mensch - Geschichte von dem schwarzen Buben = Ausländerhass

Das Leben ist grausam. Märchen zu hören ist dagegen das reine Zuckerlecken. Grimms Märchen waren allerdings zur Zeit ihrer Sammlung Geschichten von und für Erwachsene, da war teilweise brutale Durchsetzung der Moral in den Märchen ganz in Ordnung. Struwwelpeter hingegen war für Kinder gedacht und geschrieben, wenn auch zweifelhaft. Aber schaden wird es wohl nicht. Wir alle kennen ihn aus der Kindheit und sind keine Brutalos geworden.

Ich hab die Geschichten geliebt,meine Kinder ebenso und meine jüngste Enkelin hat das Buch zum Liebliengsbuch erkoren!
Also,ich dachte auch immer Märchen wären okay. Laut meiner Erinnerung aus meiner Kindheit waren sie auch gar nicht so schlimm... Aber lies die bitte mal jetzt als Erwachsener!!! Hänsel und Gretel ist supergruselig und den Struwelpeter würde ich heute auch keinem Kind mehr vorlesen!
Antipasta am 2. März 2008 21:37 Das ist es ja. Wir Erwachsene finden das alles grausam. Als Kind gehts Dir nur darum, wo ist gut, wo ist böse und ob alles gut ausgeht...
RolfHoegemann am 2. März 2008 21:40 Du musst lernen, diese Geschichten und Märchen aus der Sicht eines Kindes zu sehen und nicht aus der Sicht eines Erwachsenen, der alles hinterfragt...
Nee, wenn ich es gruselig finde, dann finde ich das... Und wenn ich mir aussuchen kann, ob ich Pipi Langstrumpf oder den Struwelpeter vorlese, ist für mich klar was ich nehme...
DerTroll am 2. März 2008 23:03 Wobei pipi sich ja auch oft brutalst mit anderen Leuten (Vorzugsweise Piraten) geprügelt hat und auch nicht gerade wenig grausam zu denen war.

Meine Tochter liebt ihn heute noch und selbst mein kleiner autistischer Pflegesohn lacht sich darüber scheckig. Wir dürfen nicht vergessen, dass Kinder ein ganz anderes Gefühl für Grausamkeiten haben als wir Erwachsenen.

Konnte es im realen Leben gut einbinden... Ein ADHS Kinde... und keine Modeerkrankung !!!!!!

alles schlimm und grauslich, aber Generationen vorher haben es auch überlebt.
Pokemon und Ninja Turtels sind GRAUSAM

Also ich find es gut, man sollte die für Kinder doch eher grausamen Geschichten nachbearbeiten. Aber die Geschichten stellen Kausalzusammenhänge in unmissverständlicher Weise dar. Daher find ich es nicht schlecht. Ich hatte damals keine Angst davor.
Ich hatte einen Mathelehrer der lies uns das auswendig lernen, wenn wir böse waren - also eher grausam ;-)
Hab ihr schon mal drüber nachgedacht, dass der Struwwelpeter vielleicht gar nicht für Kinder geschrieben wurde?
Heinrich Hoffmann war Arzt (Allgemeinmedizin, Nervenarzt, später Leiter der Städtischen Nervenheilanstalt). Das Buch wurde anfangs unter einem Pseudonym veröffentlicht. Es gibt zwar die "tolle" Entstehungsgeschichte (nachzulesen bei Wikipedia), aber da gab es auch schon früh einige Ungereimtheiten (das "Urmanuskript" sieht nicht aus wie ein Heft u.ä.). In dem Buch steckt eine Menge Gesellschaftskritik (Stichworte: aufstrebendes Bildungsbürgertum, autoritärer Staat) und mit der Meinungsfreiheit war es 1845 noch nicht weit her! Ich würde euch jetzt gerne ein Buch als Quelle dazu nennen, aber unter diesem Blickwinkel wurde der Struwwelpeter bisher kaum erforscht.
CrazyDaisy am 4. März 2008 12:11 Interessanter Hinweis! DH von mir!

Die Geschichten des Herrn Hoffmann, die ja von ihm erdacht wurden und nicht - wie Grimms Märchen - Volksmärchen sind, sollten zur konformistischen repressiven Erziehung dienen. Ich fand als Kind die Moral der Geschichten entsetzlich doof, den Struwwelpeter als Figur allerdings ziemlich "cool". Ich hätte gerne auch so lange Fingernägel gehabt, aber ich habe sie mir abgekaut...
Allerdings glaube ich nicht, dass Kinder davon wirklich Schaden nehmen. Ich habe ja die Absicht hinter den Geschichten damals schon durchschaut. Allerdings stand mir immer viel Lesestoff ganz unterschiedlicher Art zur Verfügung, das schärft natürlich das Urteilsvermögen.

am 3. März 2008 00:21 Ich mochte den Struwwelpeter überhaupt nicht als Kind, hatte aber keinerlei Probleme mit Grimms Märchen, Max & Moritz.
Trotzdem hat der Struwwelpeter sich eingebrannt ins Gedächtnis - oder gerade deswegen?
Ich würde das Buch keinen Kindern mehr zumuten, gerade weil es heutzutage so viel bessere Kinderbücher gibt.

Kinder haben oft eine ganz eigene Vorstellung davon, was gut und richtig ist.
Sie brauchen die extreme Schwarz-Weiß-Malerei und die Gewissheit, dass das Gute siegt / der aufopferungsvolle Held seinen Lohn erhält / das Böse "angemessen" bestraft wird.
Du liest die Geschichten und Märchen sicherlich nicht ohne erklärende Hinweise einfach nur vor.
Vor den Geschichten der Brüder Grimm stand für mich die Geschichte der Brüder Grimm -- erläutere Deinen Kindern altersgerecht, wie es zu dieser Märchensammlung kam und dass sich die Menschen früher gern in die Vorstellung ergossen, alles könnte besser sein, wenn es Wunder gäbe. Auch Standesunterschiede und Lebenssituationen haben die oft "grausamen" Enden der Geschichte geprägt -- eine Art Rache, die einfache Leute nicht wirklich ausüben konnten.

Man kann immer ein Haar in der Suppe finden.
gerade im märchenalter oder sog. monsteralter (3 - 6 jahre), wenn die kinder erste ängste haben, sie aber noch kognitiv noch nicht begreifen, sind gerade märchen hilfreich. so sehen sie, dass am ende das gute dem bösen obsiegt.

am 30. August 2008 10:36 Der Struwwelpeter selber vielleicht nicht, aber die andren Geschichten im Struwwelpeter. Die sind doch sehr grafisch. Bei Grimms Märchen kriegt man normalerweise keine solchen Details erzählt, noch dazu in Bildform. Ich würde ein paar Jahre warten und nicht den Kleinsten diese Geschichten auftischen.

Ich bin auch mit ihm groß geworden.
Ich fand Struwwelpeter als Kind toll, so ging es auch meinem Sohn.

Ich hab´s auch überlebt