Hallo,ich wollte fragen was ihr von Erziehung haltet?

... komplette Frage anzeigen

14 Antworten

Als ich mit meinem Sohn und meinem Neffen auf einer Berghütte war, sprach mich eine Frau an, was ich für wohlerzogene Kinder hätte. Sie würden nicht quengeln und rumschreien wie andere Kinder und würden niemandem Ärger machen.

Daraufhin habe ich ihr erklärt, dass ich meinen Sohn überhaupt nicht erzogen habe, sondern ihn nur wie einen guten Freund behandelt habe und mein Bruder mit seinem Sohn ähnlich umgeht.

Es ist aber eine gesellschaftliche Vorstellung, dass Kinder von Natur aus böse wären und deshalb Erziehung notwendig wäre, um sie zu guten Menschen zu machen. Deshalb gibt es wenige unerzogene Kinder, die das Gegenteil beweisen können. Bei Kindern, die erzogen und missraten sind, wird nur in Erwägung gezogen, dass sie zuwenig erzogen sind, und nicht, dass es ein Zuviel an Erziehung war.

Die ständigen Machtkämpfe zwischen Erwachsenen und Kindern, die sich als Erziehung ausgeben, können eine Menge seelischen Schaden anrichten. Wenn du meinst, dass deine Erziehung keine Wirkung gehabt hat, hast du entweder Glück gehabt mit deinen Eltern, oder du machst dir etwas vor in Bezug auf deinen eigenen Willen.

Es gibt aber eine Menge erzogener Menschen, die sich nicht mehr frei machen können von den Erziehungszielen ihrer Eltern oder Lehrern. Sei es, dass diese so verinnerlicht sind, dass sie sich nicht davon lösen können. Sei es, dass sie lebenslang dem Zwang unterliegen, dagegen zu rebellieren.  

Ich halte davon herzlich wenig.

Mein Hauptaugenmerk um Umgang mit Kindern und Jugendlichen liegt auf (gegenseitigen) Respekt.
Grenzen setze ich ich - ich zeige meine.
Ich versuche in Beziehung zu gehen, herauszufinden, was zu einer Reaktion geführt hat, mich der ich (gerade) etwas schwerer umgehen kann als sonst.

Ich stelle mich auch nicht als die Person in den Vorgrund, die mehr Macht hat.
Ich habe großes Vertrauen in die Selbstregulation, dem Finden der eigenen Grenze.
Wem ständig gesagt wird, wann er zu essen, trinken und schlafen hat, lernt seinen eigenen Körper schlechter kennen.
Er hat auch mehr Probleme auf dessen Signale zu achten. Schließlich haben andere ja erzählt, wann was gut oder schlecht sei.

Erziehung hat für mich einen bitteren Beigeschmack.
Sie zielt in erster Linie darauf ab, dass Kinder machen, was Erwachsene wollen.
Manchmal mögen hehre Ziele dahinter stecken - nur der Weg dort hin geht an den Bedürfnissen der Kinder vorbei.

Die Welt geht nicht unter, wenn die berühmt-berüchtigte Konsequenz bzw. das Konsequentsein unterlassen wird.
Ganz logisch betrachtet, lebt die Menschheit von der Inkonsequenz.
Oder wird der Rasen jedes Mal an einem Dienstag um 15 Uhr gesprengt, nur weil es Dienstag ist? Das wäre nämlich konsequent.

Auf Kinder übertragen geht das auch nicht. Denn wenn die Eltern konsequent auf "ab 20 Uhr wird im eigenen Bett geschlafen" bestehen, könnten sie nicht in den Urlaub fahren.
Das Ganze mal auf die Spitze getrieben.

Bei der Erziehung vermisse ich oft die Kreativität, das sich zurücknehmen der Erwachsenen, das Eingeständnis nicht alles zu wissen und / oder zu können, vor allem aber die Gelassenheit und die Geduld.

Wenn man älter wird, benimmt man sich so wie man sein möchte ,oder nicht?

Das wird von einigen Philosophen verneint. Schopenhauer meinte "man kann zwar tun was man will, aber man kann nicht wollen, was man will".

Zudem ist das was du sein willst maßgeblich durch deine Erziehung beeinflusst.

Dein Begriffsverständnis ist falsch. 

Erziehung findet immer statt. Auch wenn ein Baby in der freien Natur ausgesetzt wird. Wenn es dann Glück hat wird es von einem anderen Säugetier angenommen und versorgt. Hier findet dann die Erziehung durch das Säugetier zumindest in den ersten Jahren statt. 

Denn Erziehung ist nichts Anderes als der Einfluss den Gesellschaft, Umwelt in den Jahren der Kindheit und ihrer Prägungsphasen auf ein noch nicht erwachsenes Tier ausübt. 

Doch. Der Mensch ist auch ein Tier. Homo sapiens sapiens genannt. 

Kommentar von Machtnix53
03.04.2016, 22:11

Wenn 'Erziehung' als immer stattfindend definiert wird, ist das Wort sinnentleert.  Erziehung ist nicht jedes Verhalten gegenüber Kindern, sondern manipulatives Verhalten mit bestimmten Zielen. Darauf kann man zum Wohle der Kinder auch gut verzichten.

Erziehung ist zwecklos, die Kinder machen einem sowieso alles nach“ - Karl Valentin

3

Was ein Quatsch. Die Erziehung ist die Grundlage dafür, dass du dich so verhälst, wie du bist. Klar, es gibt immer Abweichungen, gar keine Frage. Aber die Erziehung sorgt von Geburt an dafür, dass du dich entwickelst und so wirst wie du bist. Genauso ist es bei fehlender Erziehung. Dann kann man fest davon ausgehen, dass das Kind im Erwachsenenalter Probleme bekommen wird. Wie gesagt: Es gibt immer Abweichungen.

Schwer zu sagen. Es gibt ja auch extreme Bespiele, die aus sehr asozialen Familien kommen und trotzdem sehr gut erzogen sind.

Das man natürlich aktiv gegen die Erziehung arbeiten kann, das stimmt. Aber dennoch wirst du einiges von deinen Eltern übernommen haben.

Ich muss sagen, ich hatte nie das Gefühl, dass meine Eltern uns aktiv erzogen haben. Wir hatten viele Freiheiten, Strafen kenne ich gar nicht, es gab kaum Grenzen, Schule war unwichtig (trotzdem haben wir alle ein gutes Abi) aber trotzdem ist keiner von uns Kinder schlecht erzogen oder hat das ausgenutzt. Unsere Eltern haben uns einfach das gute Benehmen und einen höfflichen und liebevollen Umgang mit anderen vorgelebt, das übernimmt man einfach. Denke ich.

Erziehung prägt. Erziehung ist mehr als dass deine Eltern dir sagen, dass man "guten Tag" sagen muss.
Erziehung ist das ganze Umfeld und die Art, wie deine Eltern leben.

Würdest du heute bei den Einheimischen in Australien zu Besuch sein in einem kleinen Dorf, kann es das falsche sein was du tust, weil du gar nicht wissen kannst, was richtig wäre.

"Gute Erziehung" bedeutet mMn. dass die Familie (Eltern, Großeltern, Onkeln, Tanten usw.) die Kinder auf Augenhöhe sehen. "Du benimmst dich gut erzogen, weil du gut erzogen wurdest", (da ich dich nicht persönlich kenne, kann ich das nicht einschätzen ;-)

Dir wurden von deiner Familie bestimmte Wertvorstellungen beigebracht, die du verinnerlicht hast und die von der Gesellschaft geschätzt werden. Auch jemand mit einem weniger akzeptablen Verhalten, würde wahrscheinlich sagen: "Ich benehme mich so, weil ich so sein möchte."

Du wirst wahrscheinlich erst im späteren Leben heraus finden, ob dein Verhalten nicht nur von deiner Umwelt akzeptiert wird, sondern auch, ob es für dich akzeptabel ist.

Gute Frage!

Aber warum möchtest du denn so sein?

Die Erziehung ist neben dem sozialen Umfeld in Schule/Kindergarten/usw. DER wichtigste Aspekt für Kinder. Der Umgang in deinem Elternhaus (mit dir und miteinander) bestimmt, wie du später mit den Menschen in deinem Leben und dir selber umgehst. Und wie das Sprichwort so schön sagt: "Respekt wird zuhause erlernt."

Ja, du liegst falsch.

Das spätere Verhalten und Benehmen hängt stark von der Erziehung ab.

Gibt doch genug Leute deren Eltern keinen Wert auf Erziehung gelegt haben und später ein komplett asoziales Verhalten an den Tag legen weil ihnen nie Grenzen und Benehmen aufgezeigt wurde.

aber die erziehung beeinflust wahrscheinlich wie du sein möchtest, weil sie dir ja beibringt was gut und schlecht ist?

Du liegst grundfalsch.

Der Volksmund sagt: Früh krümmt sich, was ein Häkchen sein will...

Auf Deutsch: Was man als Kind nicht lernt/vermittelt bekommt, lernt man später nie mehr wirklich komplett. Gute Umgangsformen, gepflegte Ausdruckswiese, Höflichkeit, soziale Anpassung.... ja man kann das als Erwachsener "imitieren", aber darunter bleibt man immer der unerzogen grobe Klotz der Kindheit.

Klar kann sich jeder verhalten "wie er will", aber die Erziehung scheint immer durch. Und mit dem Kopp durch die Wand ist selten dauerhaft sinnvoll. Erfolg im Leben definiert sich anders...außer vielleicht bei ner Laufbahn im kriminellen Milieu.

Naka die Erziehung hat schon einen wesentlichen Einfluss auf deine Wertvorstellungen und dein moralempfinden.
Selbst du du dich komplett anders verhälst als in der Erziehung geplant dann hat dich die verfehlte Erziehung zu diesem verhalten geführt.
Natürlich spielt dein sonstigrs Umfeld auch eine Rolle und man verändert sich auch im laufe der Jahre

Die erziehung prägt einen menschen sehr, in jeder möglichen hinsicht

Was möchtest Du wissen?