Hallöchen! Wie würdet ihr das Bild von Thomas Hobbes' Leviathan im Philosophieunterricht einsetzen? Wie genau würdet ihr da vorgehen?

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1 Antwort

Das Bild zeigt die mittelalterliche Gewaltenteilung zwischen König/Kaiser und Kirche/Papst. Die von Gott gegebene Macht wird von einer gekrönten Person repräsentiert. Die Person trägt in der Rechten das Schwert als Zeichen der Gerichtsbarkeit, als Zeichen in der Welt die obersten Urteile zu fällen, als Zeichen, im Auftrag Gottes in der Welt für Recht und Ordnung zu sorgen. In der Linken trägt die Person den Bischofsstab, das Zeichen der geistlichen Macht des obersten Hirten. Der Bischof hat alle Macht, Sünden zu vergeben oder zu belassen, den Weg in die ewige Seligkeit freizumachen oder zu versperren. Die Person herrscht über Land, Stadt und Burgen.

In den Bildtafeln darunter sieht man auf der linken Seite die Zeichen der Welt. In den gegenüberliegenden Tafeln die Zeichen der kirchlichen, geistigen Welt.

                   Welt                                                  Kirche

die Burg=Behausung weltl. Macht        die Kathedrale= Haus Gottes

die Krone=Zeichen weltl. Macht         die Bischofsmütze=Zeichen geistl. Macht

die Kanone=Menschenmacht            die Naturgewalten=göttliche Macht

gekreuzte Flinten=Bekämpfung des Bösen in der Welt

            Gewalt des Bösen (Teufelsspieß und Ketzer)=Bekämpfung des Bösen

ein Bild der Schlacht=Durchsetzung der weltlichen Macht

        das geistliche ericht der Theologen (Inquisition)=Durchsetzung geistlicher Macht

Das ist ein Bild der weltlichen und geistlichen Ordnung der Welt des Mittelalters. Diese Welt ist zu Hobbes Zeit zerbrochen. Heinrich VIII hat sich als weltliche Macht dem Papst widersetzt und eine eigene Kirche gegründet. In England herrscht Bürgerkrieg, d.h. auch die weltliche Macht ist zerbrochen, es herrscht Willkür und blinde Gewalt, Verleumdung, Mord. Um wieder zu einem zivilen, friedlichen Miteinander zu kommen, braucht es wieder Recht und Gesetz, das in der Darstellung (nach englischem Vorbild) nur noch von einer Person, einem von allen bestellten Herrscher, vertreten wird. Nicht der einzelne Mensch ist gut oder böse, sondern er ist ein Gesellschaftswesen und eine Gesellschaft ohne Recht und Gesetz funktioniert nicht.

Diese Erfahrung machte Hobbes nicht nur in England (wie oben beschrieben), er machte sie in Frankreich in den Hugenottenkriegen und in Deutschland im 30jährigen Krieg. Hobbes Leviathan ist auch ein Bild der großen Sehnsucht der Menschen nach einer neuen, beständigen Ordnung. Doch, indem Hobbes den Leviathan aus dem Buch Hiob (Altes Testament) wählt, deutet er seinen Zweifel an, dass eine solche menschliche Lösung von langem Bestand ist. 

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Kommentar von berkersheim
13.01.2016, 21:25

Grob wird das Bild auch auf Wikipedia "Leviathan" kommentiert. Die Aussage dort, dass der Mensch nach Hobbes im Naturzustand gewalttätig und schlecht sei, teile ich nicht. Hobbes ist epikureisch beeinflusst, Freund von Pierre Gassendi, der Epikur komplett übersetzt hat. Das epikureische Menschenbild lässt keinen einzelnen Menschen als natürlich gut oder böse zu. Epikur sieht bereits den Menschen als Resultat einer evolutionären Entwicklung. Gerechtigkeit hält die Menschengesellschaft zusammen und in einem Gesellschaftsvertrag sorgen die Menschen dafür, sich nicht gegenseitig zu schaden.

Diese "negative" Formulierung, die auch bei Hobbes wiederkommt, verführt dazu, eine negatives Menschenbild zu unterstellen. Doch wer Epikur kennt, weiß, dass der fast immer negativ abgrenzt. Das Gesetz soll sicherstellen, dass man sich nicht gegenseitig schadet, das Gesetz soll nicht vorschreiben, wie die Individuen ihr Glück verwirklichen können. Wichtigstes Ziel Epikurs - und auch von Hobbes - ist die Freiheit des Individuums, sein Glück, wie er es empfindet, in einer gut eingerichteten Gesellschaft zu gestalten.

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Kommentar von Happiness88
13.01.2016, 22:31

Vielen herzlichen Dank für die supertolle Antwort!

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